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Coronavirus in Deutschland: Symptome, Verlauf und Ansteckung der Infektion

Ausbreitung in Europa  

Coronavirus: Symptome, Übertragung und Verlauf der Infektion

28.02.2020, 17:47 Uhr | mwe, AFP, rtr, dpa, nsa, sms

Coronavirus: Wie gefährlich ist der Erreger?

Das Coronavirus wird vermehrt in Deutschland nachgewiesen. In den meisten Fällen verläuft die Viruserkrankung mild bis symptomfrei. Was ist noch bekannt über den erst seit einigen Wochen kursierenden Erreger? (Quelle: dpa)

Das stimmt wirklich: Wie gefährlich das SARS-CoV-2-Virus ist und welche Schutzmaßnahmen Experten empfehlen. (Quelle: dpa)


Seit Wochen hält der Erreger einer neuen Lungenkrankheit die Welt in Atem. Jetzt breitet sich das Virus auch in Europa und Deutschland aus. Forscher erklären, wie ansteckend das neue Coronavirus ist – und wie gefährlich.

Die Zahl der Infektionen durch das neuartige Coronavirus steigt stetig an. Täglich werden neue Todesfälle bekannt. Viele Menschen sind besorgt. Wie gefährlich ist das Virus?

Aktuelle Entwicklung: Coronavirus im Newsblog

Was ist über das Coronavirus bekannt?

Seit dem 11. Februar hat der ursprünglich 2019-nCoV genannte Erreger einen neuen Namen: SARS-CoV-2 zählt zur großen Familie der Coronaviren – so benannt, weil sie von zackenartigen Strukturen umgeben sind, die einer Krone ähneln. Harmlose Typen lösen oft nur leichte Erkältungsinfekte aus. Das neue Coronavirus hingegen kann zu Lungenentzündungen und schweren Atembeschwerden führen. Die Lungenkrankheit, die das Coronavirus auslösen kann, hat den Namen Covid-19 (Corona Virus Disease 2019) bekommen. 

Viele Mediziner vergleichen es mit dem SARS-Erreger, der in den Jahren 2002/2003 eine Epidemie verursacht hatte. SARS steht für "Severe Acute Respiratory Syndrome", also Schweres Akutes Atemwegssyndrom. Der neue Name des Coronavirus weist auf die enge Verwandtschaft der beiden Viren hin. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkrankten weltweit 8.096 Menschen an SARS, 774 von ihnen starben. Damals wurden 349 Todesfälle aus Festlandchina gemeldet sowie 299 weitere aus der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong.

Am Coronavirus sind bisherigen Schätzungen zufolge mehr als 83.000 Menschen erkrankt, rund 2.700 von ihnen sind bislang an der Lungenkrankheit gestorben.

Wie wird das Virus übertragen?

Wie alle Coronaviren wurde auch der neue Erreger wohl zuerst von Tieren auf den Menschen übertragen. Gerade Säugetiere tragen Keime in sich, die auf den Menschen überspringen können. Als Quelle der neuen Coronaviren gelten unter anderem Fledermäuse und Flughunde. Auch Nutztiere haben in der Vergangenheit Coronaviren auf den Menschen übertragen. 

Das neue Virus kann aber auch direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden. Dies ist bereits möglich, bevor ein Infizierter selbst Symptome wie Fieber oder Husten entwickelt hat. Ob der Erreger nur über eine Tröpfcheninfektion oder auch durch eine Schmierinfektion übertragen werden kann, ist noch nicht sicher. Es ist davon auszugehen, dass die Übertragung – wie bei anderen Coronaviren auch – primär über Sekrete der Atemwege erfolgt.

Die neuartigen Coronaviren wurden aber auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob das Virus auch über den Stuhl verbreitet werden kann, ist laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung noch nicht abschließend geklärt. Die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie geht davon aus, dass man über einige Zeit Kontakt auf einer Entfernung unter einem Meter haben muss, um sich anzustecken. 

Wie das Ärzteblatt berichtet, habe Günter Kampf vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Universitäts­medizin Greifswald gemeinsam mit Eike Steinmann von der Ruhr-Universi­tät Bochum 22 Studien über Coronaviren und deren Inaktivierung zusammengestellt. Daraus ergebe sich, dass Coronaviren auf unbelebten Oberflächen wie Metall, Glas oder Kunststoff bis zu neun Tage verbleiben – wenn sie nicht beseitigt werden.

Ein Fall aus Wuhan hat zudem die Vermutung aufgebracht, dass das Virus auch von der Mutter auf das Neugeborene übertragen werden kann. Ein solcher Infektionsfall sei bei einem Säugling 30 Stunden nach der Geburt festgestellt worden, berichtete der Chef der Neugeborenenabteilung des Kinderkrankenhauses von Wuhan, Zeng Lingkong, nach Angaben der Nachrichtenagentur China News Service.

Coronavirus unter dem Mikroskop: Noch immer sind viele Fragen zur rätselhaften Lungenkrankheit aus China nicht beantwortet. (Quelle: dpa/Center for Disease Control/epa)Coronavirus unter dem Mikroskop: Noch immer sind viele Fragen zur rätselhaften Lungenkrankheit aus China nicht beantwortet. (Quelle: Center for Disease Control/epa/dpa)

Welche Symptome treten auf?

Nach derzeitigem Wissen kann das Virus für Fieber und Husten sorgen, auch heftigere Symptome wie eine Lungenentzündung können auftreten. Weitere Symptome des Virus können Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Atemnot sein. Auch typische Grippesymptome wie Schnupfen oder Halskratzen gehören laut Robert Koch-Institut dazu. Einige Betroffene leiden laut Bundesgesundheitsministerium auch an Durchfall.

Die Inkubationszeit – der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen – soll nach bisherigem Wissen zwei bis 14 Tage betragen. Von Lunge zu Lunge gelangt ein Erreger schwerer als etwa mit den Tröpfchen beim Niesen. Eine spezielle Therapie zur Behandlung der Infektion gibt es bislang nicht, lediglich die Symptome können mit Medikamenten abgemildert werden.

Todesfälle traten allerdings bisher vor allem bei Patienten auf, die älter waren oder bereits zuvor an chronischen Erkrankungen litten. 

Sind Männer und ältere Menschen besonders gefährdet?

Bislang sind besonders viele ältere Menschen unter den Infizierten. Der inzwischen bekannt gewordene Fall eines infizierten Kindes in Deutschland ist somit eher ungewöhnlich. Mehrere kürzlich veröffentlichte Studien bestärken die Vermutung, dass sich ältere Menschen besonders häufig mit dem Virus infizieren. Zudem sind Männer offenbar etwas häufiger betroffen als Frauen – möglicherweise deshalb, weil Frauen grundsätzlich über eine etwas bessere Immunabwehr verfügen.

In einer im Fachblatt "Lancet" veröffentlichten Studie werteten chinesische Forscher den Verlauf der Krankheit bei knapp 100 infizierten Patienten aus Wuhan aus. Demnach waren die Betroffenen durchschnittlich knapp 60 Jahre alt. 67 Prozent von ihnen waren männlich. Die Auswertungen bekräftigen auch die bisherige Annahme, dass sich vor allem Menschen mit schweren Vorerkrankungen anstecken. Laut der Studie hatte die Hälfte der untersuchten Patienten eine chronische Vorerkrankung wie etwa Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

In einer weiteren Studie, die im "New England Journal of Medicine" (NEJM) erschienen ist, werteten Wissenschaftler aus China die Krankheitsverläufe von 425 Patienten aus Wuhan aus, deren Infektion bis zum 22. Januar bekannt geworden war. Auch hier lag das durchschnittliche Alter der Erkrankten bei rund 60 Jahren, 56 der 99 untersuchten Infizierten waren Männer. Unter den 425 Erkrankten war kein einziges Kind. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass sich Kinder nicht so leicht infizieren oder in der Regel nur sehr leichte Symptome entwickeln.

Woher stammt das Virus?

Das Coronavirus hat seinen Ursprung wahrscheinlich auf einem Fischmarkt in Wuhan, einer Stadt mit elf Millionen Einwohnern in der ostchinesischen Provinz Hubei.

"Man nimmt an, dass die Quelle auf diesem Markt verkaufte Tiere waren", sagte Arnaud Fontanet, Leiter der Abteilung für die Epidemiologie neu auftretender Krankheiten am Pariser Pasteur-Institut. Der Markt wurde zu Jahresbeginn geschlossen und desinfiziert.

Sind die Gefahren mit SARS vergleichbar?

Derzeit gilt der neue Erreger als weniger gefährlich als der SARS-Erreger. Während beim SARS-Virus die Sterberate bei rund zehn Prozent lag, sind es beim Coronavirus nur etwa zwei Prozent. Es wird sogar davon ausgegangen, dass die Rate noch geringer ist, weil Fälle mit leichtem Verlauf gar nicht erfasst werden.

Sollte das Coronavirus, wie damals SARS, mutieren, könne sich dies aber ändern. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich die Lage mit Einsetzen des wärmeren Wetters bessern werde, welches "der Verbreitung von ansteckenden Atemwegserkrankungen nicht förderlich" sei. Andere Experten, wie der Infektiologe Stefan Moritz von der Uniklinik Halle bezweifeln dies allerdings. 

Ansteckung und Krankheitsverlauf während der SARS-Pandemie 2002/2003

Droht nun eine Coronavirus-Pandemie?

Trotz steigender Fallzahlen in mehreren Ländern gibt sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weiter optimistisch. Es sei sehr ermutigend, dass die Fallzahlen in China zurückgingen, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus kurz nach der Ausbreitung in Italien. Die Ausbreitung des Virus könne noch gestoppt werden. Die Zahlen aus Italien, dem Iran und Südkorea seien gleichwohl sehr beunruhigend, sagte er. Nach WHO-Einschätzung handele es sich bislang nicht um eine Pandemie, sondern um Epidemien in einzelnen Ländern.

Auch deutsche Gesundheitspolitiker betonten weiterhin, dass Deutschland gut auf mögliche Infektionsfälle vorbereitet sei. Es gebe "klare Pandemiepläne, regelmäßige Übungen sowie die Ressourcen, um schnell und effektiv zu reagieren", heißt es aus dem Gesundheitsministerium.

Abhängig von der Risikoeinschätzung für Deutschland werden zudem fortlaufend weitere mögliche Maßnahmen geprüft. Aktuell habe das Gesundheitsministerium eine außerplanmäßige Ausgabe in Höhe von bis zu 23 Millionen Euro beantragt. Damit sollen unter anderem die Ausbruchsbekämpfung und die Risikokommunikation gefördert werden. 

Coronavirus: Gibt es einen Impfstoff?

Momentan gibt es keinen Impfstoff. Wann eine Impfung zur Verfügung stehen könnte, ist derzeit nicht absehbar. Wer sich gegen die Grippe impfen lässt, hilft laut Robert Koch-Institut aber dabei, das Gesundheitswesen zu entlasten. Ältere Menschen können sich gegen Pneumokokken impfen lassen.

Weltweit arbeiten Wissenschaftler aber bereits an der Entwicklung eines Wirkstoffs. In China soll Medienberichten zufolge ein erster Impfstoffkandidat ab Ende April 2020 in einer klinischen Studie erprobt werden.

Um internationale Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zu unterstützen, haben die chinesischen Behörden früh die Gensequenz des Erregers veröffentlicht. Dadurch konnte schnell ein Test zur Identifizierung von Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus entwickelt werden.

Reisewarnung: Zum chinesischen Neujahrsfest sind üblicherweise besonders viele Menschen im Land auf Reisen. (Quelle: Reuters/Kim Kyung-Hoon)Reisewarnung: Zum chinesischen Neujahrsfest sind üblicherweise besonders viele Menschen im Land auf Reisen. (Quelle: Kim Kyung-Hoon/Reuters)

Was müssen Sie jetzt beachten?

Es gibt zwar bisher noch keine Hinweise auf eine anhaltende Viruszirkulation in Deutschland. Dennoch rät das Bundesgesundheitsministerium dazu, sich an folgende Maßnahmen zu halten: 

  • Achten Sie auf eine gute Handhygiene. 
  • Halten Sie die Husten-Nies-Etikette ein. 
  • Halten Sie Abstand zu Erkrankten.

Wenn Sie bereits erkrankt sind, kann das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sinnvoll sein, um das Risiko einer Ansteckung anderer Personen durch Tröpfchen zu verringern, welche beim Husten oder Niesen entstehen. Ob ein Mund-Nasen-Schutz einen gesunden Menschen vor einer Ansteckung schützt, sei laut Robert Koch-Institut jedoch nicht hinreichend erwiesen. Im Gegenteil könne das Tragen einer Maske ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen. 

Haben Sie Sorge, sich beispielsweise durch Kontakt zu einem Infizierten bereits angesteckt zu haben, sollten Sie Kontakt zu Ihrem zuständigen Gesundheitsamt suchen. Nach einer individuellen Befragung werden dann nötige Maßnahmen ergriffen. 

Folgende Gebiete werden vom Robert Koch-Institut als Risikogebiete eingestuft und sollten daher gemieden werden: 

  • In China: Provinz Hubei (inkl. Stadt Wuhan) und die Städte Wenzhou, Hangzhou, Ningbo, Taizhou in der Provinz Zhejiang.
  • Im Iran: Provinz Ghom
  • In Italien: Provinz Lodi in der Region Lombardei und die Stadt Vo in der Provinz Padua in der Region Venetien.
  • In Südkorea: Provinz Gyeongsangbuk-do (Nord-Gyeongsang)

Das Auswärtige Amt empfiehlt zudem, sollte sich eine Reise in eines der Gebiete nicht vermeiden lassen, noch strenger auf Hygiene zu achten, Marktbesuche und Kontakt mit Tieren und rohen Tierprodukten sowie mit infizierten Menschen zu vermeiden. 

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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