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China-Taiwan-Konflikt: So stark ist die chinesische Armee


Drohungen gegen Taiwan
Mit dieser Armee will China den Westen einschüchtern


24.05.2024Lesedauer: 5 Min.
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Ein chinesischer Soldat bei einer Parade: Die Volksrepublik hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten militärisch massiv aufgerüstet.Vergrößern des Bildes
Chinesische Soldaten bei einer Parade: Die Volksrepublik hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten militärisch massiv aufgerüstet. (Quelle: via www.imago-images.de/imago-images-bilder)

China probt im Chinesischen Meer die Invasion Taiwans. Doch wie stark ist die chinesische Armee wirklich?

China lässt die Muskeln spielen: In einem aktuellen Militärmanöver übt die chinesische Armee die Machtübernahme in Taiwan – einer demokratischen Inselrepublik vor der Küste Chinas. Dafür hat Chinas Militär die Insel umrundet. 19 chinesische Marineschiffe und sieben Schiffe der chinesischen Küstenwache wurden gesichtet, zudem registrierte Taiwan fast 50 Kampfflugzeuge, von denen 35 in die taiwanesische Luftverteidigungszone eindrangen.

Es werden Einsätze durchgeführt, "um die Fähigkeiten des Kommandos zu testen, gemeinsam die Kontrolle über das Schlachtfeld zu übernehmen, gemeinsame Angriffe durchzuführen und die Kontrolle über wichtige Gebiete zu übernehmen", zitierten chinesische Staatsmedien am Freitag den Militärsprecher Li Xi.

Hinter der Übung steckt eine reale Gefahr. Denn China betrachtet Taiwan als Teil seines Territoriums, obwohl dort seit Jahrzehnten unabhängige und demokratisch gewählte Regierungen an der Macht sind. Die chinesische Führung droht immer wieder, die Insel anzugreifen und zu annektieren. Auch im Westen mehren sich die Sorgen, dass es bald zu einem Angriff kommen könnte.

China hat in den vergangenen Jahren sein Militär immer weiter gestärkt, nachdem es lange eine zurückhaltende Strategie gefahren war. Bereits unter Hu Jintao, dem Vorhänger des derzeitigen Präsidenten Xi Jinping, begann das Land schnell aufzurüsten und Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer zu stellen. Als Xi 2013 die Macht übernahm, setzte er diesen Weg fort.

Xi formuliert seine Ziele so: China soll die USA als Weltmacht überholen. Bis zum Jahr 2035 soll die Modernisierung der chinesischen Armee abgeschlossen sein, bis 2049 will die Volksrepublik militärisch auf Augenhöhe mit den USA sein. "Ein Militär ist dafür da, um zu kämpfen", sagte der Präsident zum 90. Jahrestag der Gründung der chinesischen Volksbefreiungsarmee im Jahr 2017. "Kampfbereitschaft ist der Maßstab für unser Militär und die Fähigkeit zu gewinnen."

Stärken der chinesischen Armee: Masse und Qualität

Die chinesische Führung hält sich mit genauen Angaben der eigenen militärischen Möglichkeiten zurück. Eigenen Angaben zufolge gibt die Volksrepublik 2024 rund 231 Milliarden US-Dollar für ihr Militär aus. Beobachter gehen allerdings davon aus, dass China einige Milliarden mehr investiert. Zum Vergleich: Die USA gaben 2023 rund 820 Milliarden US-Dollar aus – fast viermal so viel. In einigen Bereichen ist das chinesische Militär dennoch auf Augenhöhe mit den Amerikanern. Ein Überblick.

1. Die Marine

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Vorherrschaft in der eigenen Nachbarschaft ist, die militärische US-Präsenz im Indopazifik zurückzudrängen. Aus Sicht Pekings sollten die lebenswichtigen Versorgungswege auf den Weltmeeren nicht jederzeit von den USA und ihren Verbündeten blockiert werden können.

China baute sich dafür im Eiltempo die größte Marine weltweit auf: Sie verfügt mittlerweile über zwei Flugzeugträger, ein dritter ist Anfang Mai zu seiner ersten Probefahrt aufgebrochen. Und ein weiterer Ausbau der Marine ist geplant. Die US-Marine geht davon aus, dass die Gesamtzahl der chinesischen Marineschiffe zwischen 2020 und 2040 um fast 40 Prozent zunehmen wird. Militäranalysten in den USA warnen bereits seit einigen Jahren davor. Auch technologisch entwickelt das chinesische Militär seine Kriegsschiffe in hohem Tempo weiter.

2. Konventionelle Streitkräfte

Vor der Modernisierung lag die militärische Stärke Chinas vor allem in der Masse der verfügbaren Soldaten. Noch immer unterhält China mit mehr als drei Millionen Militärangehörigen die größte Streitkraft der Welt. 2,5 Millionen davon sind in der Armee, 400.000 bei der Luftwaffe und 280.000 bei der Marine. China kann im Ernstfall zudem auf eine hohe Zahl an Reservisten und Milizen zurückgreifen.

Auch bei Panzern und gepanzerten Fahrzeugen holt China im Vergleich zu den USA deutlich auf. So hat China rund 4.000 Panzer einsatzbereit. Ausrüstung, Waffen und militärisches Gerät werden mittlerweile fast ausschließlich in Eigenproduktion hergestellt, was das Regime unabhängig vom Ausland macht. Dadurch ist die Produktion von konventionellen Waffen und Gerät für die Volksrepublik vergleichsweise günstig. Die chinesische Propaganda versucht, diese Eigenentwicklungen spektakulär in Szene zu setzen. Über die tatsächliche technische Qualität gibt es aber kaum Erkenntnisse.

3. Die Luftwaffe

Westliche Militärexperten rätseln außerdem über die Schlagkraft der chinesischen Kampfflugzeuge. China verfügt über Jets der 5. und 6. Generation, die über eine fortgeschrittene Tarnkappentechnologie verfügen sollen. Bisher gibt es im Ausland aber nur wenige Erkenntnisse über die Leistungsfähigkeit.

Zweifel gibt es außerdem daran, dass die Volksrepublik ihre Kampfjets wirklich selbst entwickelt hat. Die USA werfen dem chinesischen Regime vor, Pläne für US-Kampfflugzeuge – darunter auch den der F-35 – gestohlen zu haben. Während sich chinesische Kampfjets in der Vergangenheit oft an russischen Vorbildern wie der MiG-21 orientierten, ist das modernste Kampfflugzeug – die Chengdu J-20 "Mighty Dragon" – zumindest äußerlich eher modernen US-Jets nachempfunden.

Lediglich die Antriebstechnologie galt bei westlichen Experten lange als rückständig. Videos aus dem Jahr 2023 allerdings führten zu Spekulationen, dass die Jets mittlerweile mit deutlich fortschrittlicheren Triebwerken ausgestattet werden. Ein anonymer pensionierter Geheimdienstoffizier aus einem Nato-Land sagte im vergangenen Jahr dazu "Breaking Defense": "Das würde die Bedrohung durch ihre Luftstreitkräfte um mehr als nur ein paar Stufen nach oben verschieben."

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Als im Frühjahr 2022 amerikanische F-35 im Südchinesischen Meer auf chinesische J-20 trafen, äußerten sich US-Militärs beeindruckt von dem chinesischen Jet. "Sie fliegen ziemlich gut", sagte Kenneth Wilsbach, Offizier der Air Force. Um dieser Gefahr zu begegnen, werden US-Kampfpiloten seither gezielter im Kampf gegen moderne Tarnkappenjäger ausgebildet.

4. Nuklearwaffen und Waffentechnologien der Zukunft

China ist eine Atommacht. Das chinesische Militär verfügt zwar "nur" über bis zu 300 Sprengköpfe. Diese wurden aber modernisiert, chinesische Interkontinentalraketen können zudem jeden Ort auf der Welt erreichen.

Die Volksrepublik verfügt über viel Kapital und investiert dementsprechend in die Erforschung von neuen Waffentechnologien. So untersucht China nach eigenen Angaben Ionen- und Laserwaffen und entwickelt seine Radartechnologie stetig weiter. Bei der Entwicklung von Hyperschallraketen soll das Reich der Mitte weltweit führend sein. Mehr dazu lesen Sie hier.

Schwächen der Armee: Korruption und kaum Erfahrung

Im Vergleich mit den USA und anderen führenden Militärmächten hat China jedoch eine zentrale Schwäche: Die Volksbefreiungsarmee hat kaum Kampferfahrung. Der letzte Kampf war 1979 gegen Vietnam, deutlich vor der Modernisierung.

In einem Krieg könnte dies entscheidend sein. Dabei geht es nicht nur um die unerfahrenen Soldaten und Befehlshaber. Auch die chinesischen Waffen wurden bisher kaum im Kampf erprobt. Das chinesische Regime hofft nun offenbar auf Testläufe im Ausland. Staatliche Rüstungskonzerne werben auf Waffenmessen derzeit sehr offensiv für die eigene Technologie.

Zudem gibt es Berichte über eine grassierende Korruption in der chinesischen Armee. Das berichtete etwa der ehemalige Oberstleutnant Yao Cheng, der 2016 in die USA geflohen ist. Demnach wird das Budget für die Beschaffung von Kriegsgerät oftmals notgedrungen für die Verpflegung des Personals ausgegeben. "Einige Einheiten haben überhaupt kein Geld [für Verpflegung], und wenn sie Geld brauchen, müssen die Kommandanten der Einheiten für Kriegszwecke vorgesehenes Material für die Verpflegung bereitstellen", sagte Cheng.

Es soll beispielsweise vorgekommen sein, dass Soldaten Raketentreibstoff zur Erhitzung des traditionellen Gerichts Feuertopf genutzt hätten, da ihnen ausreichend Proviant gefehlt habe, wie der US-finanzierte Radiosender Radio Free Asia im März berichtete.

Die US-Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete unter Bezugnahme auf US-Geheimdienste, wie weitreichend die Korruption offenbar ist. So sollen Raketen mit Wasser statt Benzin betankt worden sein, außerdem gibt es Zweifel an der Funktionsfähigkeit der Raketensilos. In der chinesischen Führung kamen daraufhin Fragen auf, wie kriegsfähig China tatsächlich sei.

Verwendete Quellen
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