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"MilitĂ€risch anspruchsvoll, aber fĂŒr Russland machbar"

  • Luis Reiß
Von Nils Kögler, Luis Reiß

Aktualisiert am 23.01.2022Lesedauer: 5 Min.
Luftaufnahmen zeigen das Ausmaß der MilitĂ€roffensive: An mehreren Orten nahe der ukrainischen Grenze zeigt Russland seine Einsatzbereitschaft. (Quelle: t-online)
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US-Außenminister Blinken nennt einen Angriff Russlands auf die Ukraine ein "reales Risiko". Doch wie könnte das ablaufen? Die wahrscheinlichste Option beinhaltet weder Soldaten noch Waffen.

Es ist die Woche der Diplomatie: Sie begann mit der Reise der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock in die Ukraine und nach Russland. Sie endet mit dem GesprĂ€ch von US-Chefdiplomat Antony Blinken und seinem russischen Amtskollegen Sergei Lawrow in Genf an diesem Freitag. Die russischen DrohgebĂ€rden nahe der ukrainischen Grenze gehen unterdessen unvermindert weiter.

Das Problem: Bedeutende Fortschritte gibt es kaum. Russland verlangt weiterhin eine Garantie, dass die Ukraine niemals Mitglied des westlichen MilitĂ€rbĂŒndnisses Nato wird und keine weiteren Waffen aus dem Westen erhĂ€lt. Doch niemand erwĂ€gt derzeit ernsthaft, auf diese Forderung einzugehen.

Eine Kompromisslösung scheint kaum möglich:

  • Gibt der Westen nach, wĂŒrde ihn das erpressbar erscheinen lassen, auch wenn ein Nato-Beitritt der Ukraine kurzfristig ohnehin kein Thema ist. Faktisch aber Russland ĂŒber Mitgliedstaaten entscheiden zu lassen und damit auch das Selbstbestimmungsrecht der Ukraine zu beschneiden, wĂ€re ein verheerendes Signal fĂŒr den Westen.
  • Gibt Russland nach und zieht seine Truppen ohne ZugestĂ€ndnisse des Westens wieder ab, kĂ€me das einem erheblichen Gesichtsverlust fĂŒr PrĂ€sident Wladimir Putin gleich – international, aber auch innenpolitisch.

Wegen dieser Ausgangslage nannte US-Außenminister Blinken eine militĂ€rische Eskalation ein "reales und hohes Risiko". Hinzu kommt: Sollte Russland eine Invasion planen, wĂ€ren die kommenden Wochen bis Mitte MĂ€rz dafĂŒr nach Ansicht von Experten am besten geeignet. Dann sind die Böden im Osten der Ukraine ĂŒblicherweise gefroren und damit fĂŒr Panzer leichter befahrbar.

Ist das alles nur "russlandfeindliche Hysterie", wie Russlands Außenminister Lawrow am Freitag verkĂŒndete? Auf jeden Fall lohnt ein Blick auf mögliche Szenarien einer militĂ€rischen Eskalation. Ein Überblick ĂŒber einige Varianten, die derzeit diskutiert werden:

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Szenario 1: Der Zangenangriff

Es ist das Horrorszenario der Ukrainer: Russland wagt eine vollstĂ€ndige Invasion der Ukraine und versucht die Kontrolle ĂŒber das ganze Land zu gewinnen. Dazu wĂŒrde Putin seine Soldaten wohl unter anderem ĂŒber Belarus im Norden, ĂŒber die Krisenregion Donbass im Osten und ĂŒber die bereits annektierte Halbinsel Krim im SĂŒden einmarschieren lassen. Auch US-Außenminister Antony Blinken betonte am Freitag, dass Russland mit seiner gegenwĂ€rtigen militĂ€rischen Aufstellung die Ukraine vom SĂŒden, Osten und Norden her angreifen könnte.

Der Politikwissenschaftler Gerhard Mangott, Professor fĂŒr internationale Beziehungen an der UniversitĂ€t Innsbruck, hĂ€lt das jedoch fĂŒr unwahrscheinlich. "Eine MilitĂ€roperation in diesem Ausmaß wĂ€re an sich finanziell schon sehr teuer", sagt er. Die Ukraine wĂŒrde sich mit allen Mitteln wehren und den Einmarsch auch fĂŒr Russland sehr blutig machen. Sei der Krieg gewonnen, komme auf Russland die ebenfalls schwierige Aufgabe zu, seine Macht gegen wohl massive WiderstĂ€nde in der ukrainischen Bevölkerung zu konsolidieren. Ein Erfolg? "Kaum vorstellbar", sagt Mangott. Von den massiven Sanktionen, die der Westen verhĂ€ngen wĂŒrde, ganz zu schweigen.

Szenario 2: "Alliierte Entschlossenheit" – Einmarsch ĂŒber Belarus

Seit Dezember steht der Plan fĂŒr die MilitĂ€rĂŒbung "Alliierte Entschlossenheit". Nun hat Russland Truppen in das von Alexander Lukaschenko regierte Land verlegt, um angeblich im Februar gemeinsame Manöver mit dem belarussischen MilitĂ€r zu starten. Die Übungen sollen im Westen an der Grenze zu Polen und Litauen sowie im SĂŒden an der Grenze zur Ukraine vollzogen werden. Rund 13.000 Soldaten sowie Artillerie und MilitĂ€rfahrzeuge hat Russland dafĂŒr bereits verfrachtet. Einige Experten halten das fĂŒr eine Möglichkeit, ĂŒber Belarus in die Ukraine einzumarschieren.

Ein russisches MilitÀrfahrzeug wird in Belarus verladen: Die beiden LÀnder planen Mitte Februar gemeinsame Manöver an der ukrainischen Grenze.
Ein russisches MilitÀrfahrzeug wird in Belarus verladen: Die beiden LÀnder planen Mitte Februar gemeinsame Manöver an der ukrainischen Grenze. (Quelle: SNA/imago-images-bilder)

Experte Mangott sagt: "TruppenĂŒbungen in Belarus sind nicht ungewöhnlich". Derartige Manöver seien schon hĂ€ufiger vorgekommen und auch recht kurzfristig durchgefĂŒhrt worden. In diesem Fall seien die Truppen jedoch tatsĂ€chlich so stationiert, dass auch ein Einmarsch in die Ukraine möglich wĂ€re. Dieses Szenario hĂ€lt er allerdings fĂŒr "militĂ€risch unsinnig". Die von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiete liegen allesamt in einem anderen Landesteil – im Osten.

Szenario 3: Angriff ĂŒber die Separatistengebiete im Osten

Wahrscheinlicher erscheint also eine begrenzte militĂ€rische Eskalation im Osten der Ukraine, bei der die von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiete gefestigt und ausgeweitet werden könnten. So hĂ€lt Mangott den Einmarsch in den Gebieten Donezk und Luhansk fĂŒr möglich, die noch nicht vollstĂ€ndig von den Separatisten kontrolliert wĂŒrden.

"Dann ist auch eine Annexion denkbar", so Mangott. Die Voraussetzungen dafĂŒr habe Russland schon geschaffen, als es die 2014 durch die Separatisten ausgerufenen Volksrepubliken Donezk und Luhansk anerkannt habe. Möglicherweise könnte Putin den Angriff dort auch erneut als Hilfe fĂŒr die russischstĂ€mmige Bevölkerung deklarieren.

Maximal denkbar ist fĂŒr Mangott auch die Schaffung einer LandbrĂŒcke zwischen diesen Gebieten und der Krim, wie er in einem frĂŒheren Interview mit t-online erklĂ€rte. Eine Operation dieses Ausmaßes sei "militĂ€risch anspruchsvoll, aber fĂŒr die russischen StreitkrĂ€fte machbar".

Auch weil dieses Szenario derzeit von vielen Experten als eines der wahrscheinlicheren eingestuft wird, sorgten Aussagen von US-PrĂ€sident Joe Biden am Mittwoch fĂŒr so viel Aufregung. Er suggerierte, kleinere russische Aggressionen gegenĂŒber der Ukraine könnten entsprechend auch nur fĂŒr eine mildere Reaktion des Westens sorgen. SpĂ€ter stellte er klar: Jegliche Form eines Einmarsches russischer Truppen stelle eine Invasion dar und werde eine schnelle, starke und geeinte Antwort der USA und ihrer VerbĂŒndeten zur Folge haben. Zu spĂ€t?

Will Russland eine LandbrĂŒcke von der Krim in die Ostukraine schaffen? "MilitĂ€risch anspruchsvoll, aber machbar", sagt ein Experte.
Will Russland eine LandbrĂŒcke von der Krim in die Ostukraine schaffen? "MilitĂ€risch anspruchsvoll, aber machbar", sagt ein Experte. (Quelle: Sergey Pivovarov/Reuters-bilder)

"Joe Biden hat sich sehr unglĂŒcklich ausgedrĂŒckt", meint Mangott. Doch mittlerweile sei die Situation fĂŒr Russland wieder klar: Auch ein militĂ€risches Vorgehen bei Donezk und Luhansk werde scharfe Sanktionen nach sich ziehen. Sein Fazit deshalb: "Ich halte es fĂŒr unwahrscheinlich, aber wĂŒrde es nicht ausschließen".

Wenn Russland aber einen GrenzĂŒbertritt seiner Truppen nicht riskieren will, wie kann Putin dennoch sein Gesicht wahren? DafĂŒr bringt Mangott andere Szenarien ins Spiel.

Szenario 4: Destabilisierung durch Cyberangriffe und AufrĂŒstung

Mangott hĂ€lt einen Cyberangriff auf die kritische Infrastruktur fĂŒr denkbar. Davon wĂ€ren möglicherweise Wasserkraftwerke, ElektrizitĂ€tswerke, Bahnlinien und auch das Bankensystem und große Unternehmen des Landes betroffen. So könne Putin seinen Forderungen gegenĂŒber dem Westen Nachdruck verleihen, ohne einen Einmarsch seiner Truppen und die damit verbundenen Konsequenzen zu riskieren. US-Außenminister Blinken teilte bereits mit, der USA seien PlĂ€ne Russlands bekannt, die Ukraine zu destabilisieren, ohne dass es dabei zu militĂ€rischer Gewalt komme.

Eine weitere Option sieht Mangott in der Stationierung neuartiger auf Europa gerichteter nuklearer Waffensysteme. Eine solche Stationierung könnte seiner Meinung nach sowohl an der westlichen Grenze Russlands als auch im ukrainischen Donbass, Belarus oder der zwischen Polen und Litauen liegenden, russischen Exklave Kaliningrad erfolgen. Die Raketen könnten von dort aus ganz Westeuropa erreichen. Ein solches Vorgehen wĂŒrde wohl auch nicht folgenlos bleiben. "Die Stationierung neuer russischer Waffen wĂŒrde einen RĂŒstungswettlauf nach sich ziehen", so Mangott. Die Nato wĂŒrde symmetrische Antworten diskutieren mĂŒssen. "Ob dazu schnell eine Einigung zwischen allen 30 Mitgliedstaaten erzielt werden kann, ist aber keineswegs sicher", sagt er.

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Schlussendlich bleibt der Blick in die Glaskugel aber unzuverlĂ€ssig. "Was letztlich passieren wird, ist auch fĂŒr Experten schwer einzuschĂ€tzen", sagt Mangott. Nur Putin selbst wisse genau, was er vorhabe.

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