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Konflikt um INF-Vertrag: Trump droht Russland und China mit US-Atomwaffen

Konflikt um INF-Vertrag  

Trump droht Russland und China mit US-Atomwaffen

24.10.2018, 18:11 Uhr | dpa

Russland reagiert auf Ankündigung der INF-Kündigung der USA (Screenshot: Reuters)
Russland: Gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen

In Moskau wartet man auf eine offizielle Erklärung der USA.

Mögliches Aus des Atomwaffenabkommens: Russland reagiert mit einer deutlichen Ankündigung auf die Pläne der USA. (Quelle: Reuters)


US-Präsident Trump verschärft seine Warnungen an die Adresse Russlands und Chinas - und droht mit der Aufstockung des US-Nukleararsenals. Moskau warnt dagegen vor Trump.

Nach dem angekündigten Ausstieg aus einem wichtigen Abrüstungsvertrag hat US-Präsident Donald Trump mit einer Aufstockung des amerikanischen Atomwaffenarsenals gedroht. Trump sagte im Weißen Haus, diese Drohung gelte Russland und China und "jedem sonst, der dieses Spiel spielen will". Trump betonte zugleich, sollten die anderen Staaten "zur Vernunft kommen", sei er auch wieder zur Abrüstung bereit.

Trump kündigte erneut an, die USA würden aus dem INF-Vertrag aussteigen. Das Abkommen aus dem Jahr 1987 zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion untersagt den Bau und Besitz landgestützter, atomar bewaffneter Raketen oder Marschflugkörper mit einer Reichweite von 500 bis 5500 Kilometern. Die USA und Russland werfen sich gegenseitig vor, den Vertrag gebrochen zu haben.

Moskau sieht Trump als Risiko

Russland warnte angesichts des angekündigten Ausstiegs der USA aus dem INF-Abkommen vor globalen Sicherheitsrisiken. Damit mache Trump die Welt deutlich gefährlicher, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag in Moskau. Peskow betonte, Russland halte sich an die Vereinbarungen. Doch müsse sein Land im Fall eines einseitigen Rückzugs der USA "nach einer Wiederherstellung des Gleichgewichts in diesem Bereich suchen".

Bundesaußenminister Heiko Maas kündigte an, sich für eine Rettung des INF-Vertrags einzusetzen. "Dieses Abkommen berührt lebenswichtige Interessen Europas. Solange es noch eine Chance gibt, das Abkommen zu erhalten, wollen wir mit allen diplomatischen Mitteln dafür kämpfen", sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag).

Maas betonte: "Wir werden das Thema in der Nato ganz oben auf die Tagesordnung setzen. Wir sind bereit, auf Russland einzuwirken, um die Einhaltung des INF zu forcieren. Wir sind nicht bereit, ein neues Wettrüsten in Gang zu setzen."


Trump warf den Russen vor, sich "nicht an den Geist der Vereinbarung oder an die Vereinbarung selber gehalten" zu haben. Zudem sei China nicht Teil des Abkommens, obwohl das notwendig wäre. Der US-Präsident sagte, die USA würden ihr Atomwaffenarsenal aufbauen, "bis sie zur Vernunft kommen. Wenn sie das tun, werden wir alle schlau sein und alle aufhören. Und übrigens nicht nur stoppen, wir werden reduzieren, was ich gerne tun würde."

Trumps Sicherheitsberater John Bolton führte am Montag Gespräche in Moskau. Nach einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Nikolai Patruschew äußerte Russland die Bereitschaft, die gegenseitigen Vorwürfe auszuräumen. Patruschew bekräftigte laut einer Mitteilung des Sicherheitsrates, es sei wichtig, an dem Vertrag festzuhalten. Die von den USA geplante Aufkündigung sei "ein schwerer Schlag für das internationale Rechtssystem der Nichtverbreitung und Rüstungskontrolle". Bei dem Gespräch sei es auch darum gegangen, den 2021 auslaufenden New-Start-Vertrag um fünf Jahre zu verlängern.

"Bereit zu verhandeln"

Bolton sagte dazu dem Radiosender Echo Moskwy: "Wir sind bereit zu verhandeln. Jetzt ist Zeit für diesen Prozess. Nun verstehen wir auch die russische Position besser." Jetzt gehe es darum, sie zu präzisieren und Details zu klären. Besprochen worden sei auch die Möglichkeit eines Gipfeltreffens zwischen beiden Ländern. Die Entscheidung liege bei Präsident Wladimir Putin, sagte Bolton der Zeitung "Kommersant". Bolton wollte seine Gespräche in Moskau am Dienstag fortsetzen.

Kremlsprecher Peskow warnte, dass die USA nach einem Ausstieg aus dem INF-Vertrag genau die Waffensysteme entwickeln wollten, die durch das Abkommen verboten werden. Schon jetzt verletzten die USA das Abkommen seit Jahren systematisch, etwa mit der Entwicklung raketenbestückter Drohnen. Im Falle eines Ausstiegs aus dem Vertrag müsse Russland Maßnahmen ergreifen, um seine Sicherheit zu garantieren, betonte er.

Die USA wollen die Nato-Partner im Laufe der Woche offiziell über ihre Pläne informieren. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen soll die Unterrichtung im Rahmen einer Sitzung des Nordatlantikrats erfolgen.

China nicht Teil des Abkommens

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) fordert dabei eine Mitsprache aller Nato-Staaten. "Für uns Europäer ist der INF-Vertrag ein Kernelement unserer Sicherheit. Und deshalb muss es jetzt auch darum gehen, Wege aufzuzeigen, wie diese Sicherheit erhalten werden kann", sagte die Ministerin. Bei einem Besuch in Peking nannte sie die Entwicklung "besorgniserregend", wenn auch absehbar.

Trump hatte am Wochenende gesagt, seine Regierung werde die derzeit verbotenen Waffen bauen, sollten Russland und auch China nicht einem neuen Abkommen dazu zustimmen. Die USA stören sich daran, dass China nicht Teil des Abkommens ist und so ungehindert aufrüsten könne.

Das chinesische Außenministerium wies diese Darstellung zurück. "Es ist völlig falsch, China in den Rückzug aus dem Vertrag zu involvieren", sagte Ministeriumssprecherin Hua Chunyin. Der Vertrag zwischen den USA und Russland habe als wichtiges Abrüstungsabkommen viel dazu beigetragen, das strategische Gleichgewicht zu wahren. Deshalb sollten die USA Vorsicht walten lassen. Eine einseitige Aufkündigung des Vertrags werde "viele negative Auswirkungen" haben.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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