Sie sind hier: Home > Politik > Ausland > USA >

Donald Trump: 70.000 Euro an seinen Frisör – dafür kaum Steuern

Enthüllungen über Donald Trump  

Schlechter Geschäftsmann, perfekter Steuervermeider

Von Mauritius Kloft, Johannes Bebermeier

28.09.2020, 16:38 Uhr
Trump soll jahrelang keine oder kaum Steuern gezahlt haben

Die "New York Times" erhielt nach eigener Darstellung Zugang zu Steuerunterlagen über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten, die den Präsidenten wie auch Hunderte Firmen seines Geschäftsimperiums betreffen.

Hier reagiert der US-Präsident auf Vorwürfe: Donald Trump soll jahrelang keine oder kaum Steuern gezahlt haben. (Quelle: Reuters)


Jahrelang zahlte er keine Steuern – dafür 70.000 Dollar an seinen Frisör. Die Enthüllungen über den US-Präsidenten klingen spektakulär. Aber werden sie Trump wirklich schaden?

Wahrscheinlich bleibt bei den meisten nur diese Zahl hängen: 750 Dollar. So viel Einkommensteuer zahlte Donald Trump 2016 an die Bundesebene, also in jenem Jahr, in dem er zum Präsidenten gewählt wurde. Und in seinem ersten Jahr im Weißen Haus noch einmal. Das sind immerhin 1.500 Dollar mehr als in zehn der vorherigen 15 Jahre. Da zahlte er: Null Dollar.

Die "New York Times" hat Steuerunterlagen Trumps und Hunderter seiner Unternehmen aus mehr als zwei Jahrzehnten ausgewertet. Was die Reporter der renommierten Zeitung herausgefunden haben, kann dem Präsidenten nicht gefallen. Zumal er sich anders als die amerikanischen Staatschefs vor ihm beharrlich weigert, seine Finanzen offenzulegen. 

Aus gutem Grund, wie man jetzt detailliert lesen kann: Donald Trump ist entweder ein ausgesprochen erfolgloser Geschäftsmann – anders als er behauptet. Oder seine Steuerberater sind sehr gut darin, das Geld zusammenzuhalten. Die Enthüllungen weisen darauf hin, dass es wohl eine Mischung aus beidem ist.

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Womit hat Donald Trump sein Geld verdient?

Den Steuerunterlagen zufolge hat Trump in den letzten Jahrzehnten ironischerweise vor allem als Darsteller eines Geschäftsmanns Geld verdient – nicht als wirklicher Geschäftsmann. Seine TV-Show "The Apprentice", die 2004 startete, brachte ihm insgesamt 427,4 Millionen Dollar ein. 

Mit seinen Hotels und Golfresorts hingegen machte er den Recherchen zufolge hohe Verluste. An Ehrgeiz hat es ihm dabei nicht gemangelt: 2004 hatte Trump erst zwei Golfanlagen eröffnet, 2015 waren es schon 15.

Trump ist passionierter Golfspieler, die Resorts sind für ihn ein sehr wichtiger Teil seines Firmengeflechts. Nur zahlen sie sich eben finanziell nicht aus. Im Gegenteil: Seit 2000 fuhren sie mehr als 315 Millionen Dollar Verluste ein. Das Hotel "Trump National Doral" bei Miami, in dem er den G7-Gipfel veranstalten wollte, hat besonders viel Miese gemacht.

Wie hat es Trump geschafft, so wenig Steuern zu zahlen?

Hauptsächlich dadurch, dass er Verluste seiner Unternehmen mit seinen Einnahmen verrechnete. So steckte er das Geld aus seiner Show "The Apprentice" laut "New York Times" in seine völlig defizitären Geschäfte – etwa die Golfresorts.

Diese Möglichkeit des Verrechnens von Einnahmen und Ausgaben ist in den USA beliebt. "Wenn Trump das kann, werden es auch andere können", sagte Hans-Jörg Fischer, Fachanwalt für Steuerrecht und Professor für Wirtschaftsrecht an der privaten Hochschule FOM, t-online. Wie viele es genau machen, ist indes nicht klar. Denn auch in den USA gibt es ein Steuergeheimnis.

Interessieren Sie sich für die US-Wahl? Washington-Korrespondent Fabian Reinbold schreibt über seine Arbeit im Weißen Haus und seine Eindrücke aus den USA unter Donald Trump einen Newsletter. Hier können Sie die "Post aus Washington" kostenlos abonnieren, die dann einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

Trump häufte den Recherchen zufolge in vielen Jahren zudem mehr Verluste an, als er zum Drücken seiner Steuern benötigte. Doch Unternehmer können in den USA demnach unter bestimmten Voraussetzungen ihre Verluste in einem Jahr auch noch nutzen, um in Folgejahren Steuern zu senken.

Trump hat außerdem geschickt Kosten als geschäftliche Ausgaben deklariert – und so steuerlich abgesetzt. Mehr als 70.000 Dollar setzte Trump während "The Apprentice" für seine Frisur ab. Und über neun seiner Firmen haben die Trumps Gesamtkosten für die Frisur von Tochter Ivanka in Höhe von mehr als 95.000 Dollar abgesetzt.

Ivanka hat ohnehin steuerlich klug viel Geld von ihrem Vater bekommen: Fast 750.000 Dollar soll sie für Berateraufträge erhalten haben – von insgesamt mehr als 26 Millionen Dollar, die Trump seit 2010 steuerlich als Beraterkosten geltend machte.

Die Steuerunterlagen, die der "New York Times" vorliegen, behandeln allerdings nur Trumps Zahlungen an die Bundesebene. Die sind wichtig, aber nicht die einzigen. Denn in den USA zahlt man auch noch in vielen Bundesstaaten und Kommunen Einkommenssteuer. 

Ist das auch in Deutschland möglich?

Nein. In diesem starken Ausmaß ist das Steueroptimieren hierzulande nicht möglich, sagte Steuerexperte Fischer t-online. Natürlich können Privatpersonen Verluste, die sie gemacht haben, verrechnen. "Das geht zum Beispiel, wenn jemand eine Personengesellschaft hat, die pleitegeht", erklärte Fischer.
 

 
"Doch die Verrechnungsmöglichkeit in Deutschland ist stark eingeschränkt." Das heißt also: Privatpersonen begeben sich schnell ins Illegale, wenn sie versuchen, Steuerzahlungen zu vermeiden.

Wie reagieren die Demokraten auf die Enthüllungen?

"Ich habe mehr Einkommensteuer als Donald Trump bezahlt", steht auf Stickern, die Joe Bidens Wahlkampfteam nun verkauft. Die Demokraten versuchen natürlich, die Enthüllungen vor der Wahl im November für sich zu nutzen.

Kate Bedingfield, Bidens Kommunikationschefin, sagte CNN, der Bericht untermauere den Eindruck, dass Trump auf arbeitende Menschen herabschaue. Joe Biden, der Mann der Arbeiterklasse, im Kontrast zum abgehobenen Immobilienmogul Donald Trump – mit dieser Botschaft versuchen sie, die Unterschiede zwischen beiden weiter zu betonen.

Wie sehr schaden Trump die Enthüllungen?

Vermutlich gar nicht so sehr. Sie haben zwar das Potenzial, Trumps Gegner noch einmal zu motivieren, im November auch wirklich zur Wahl zu gehen. Unter seinen Anhängern dürfte der Effekt jedoch weitgehend verpuffen. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Dass Trump sehr wenige Steuern zahlt, ist keinesfalls neu. Neu ist vor allem die Detailtiefe der Recherchen. Schon im Wahlkampf 2016 versuchte Hillary Clinton, ihm seine Steuervermeidung vorzuwerfen. Damals verteidigte er sich mit dem Argument, er sei eben ein smarter Businessman. Und mit dieser Haltung dürfte er längst nicht nur unter seinen Hardcore-Anhängern Zustimmung finden. In Amerika werden staatliche Eingriffe und besonders Steuern traditionell viel skeptischer gesehen als in Europa. 

Trump selbst beeilte sich zudem, die Enthüllungen als "totally fake news" zu bezeichnen. Seine engsten Anhänger werden das genauso sehen. Bisher konnte sie noch keiner der zahlreichen Skandale davon abbringen, Trump weiter die Treue zu halten. Für sie gilt zumindest sprichwörtlich, was Trump selbst im Wahlkampf vor vier Jahren gesagt hat: "Ich könnte mitten auf der Fifth Avenue stehen und jemanden erschießen, und ich würde keine Wähler verlieren."

Verwendete Quellen:

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal