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"Wir haben gerade erst begonnen"

  • Bastian Brauns
Von Bastian Brauns, Washington

Aktualisiert am 16.01.2022Lesedauer: 5 Min.
Trump bei seinem Auftritt in Arizona: Er schwor seine Anh├Ąnger auf das Wahljahr 2022 ein.
Trump bei seinem Auftritt in Arizona: Er schwor seine Anh├Ąnger auf das Wahljahr 2022 ein. (Quelle: Carlos Barria/Reuters-bilder)
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Bei seinem ersten Auftritt in diesem Jahr offenbart Donald Trump in Arizona seinen Plan. Er will die totale Kontrolle ├╝ber seine Partei und die k├╝nftigen Wahlergebnisse.

"Lock him up! Lock him up! Lock him up!" ÔÇô so br├╝llen es Tausende Menschen in den Abendhimmel von Arizona. Sie wollen jenen Mann hinter Gittern sehen, der ohnehin schon mit Todesdrohungen gegen sich und seine Familie leben muss. Dr. Fauci, der bekannte Immunologe und oberste Gesundheitsberater des US-Pr├Ąsidenten, ist derzeit das erkl├Ąrte Ziel der Attacken von Republikanern und Trump-Anh├Ąngern.

Auf dem Gel├Ąnde, wo sonst einmal im Jahr das Country Thunder Festival in Florence im Bundesstaat Arizona stattfindet, h├Ąlt Donald Trump an diesem Samstag seine erste Rallye in diesem Jahr. Wie immer bei diesen Veranstaltungen geht es zwar auch um den Ex-Pr├Ąsidenten, vor allem aber geht es darum, die ihm treu ergebenen Kandidaten und Kandidatinnen der Republikaner vorzustellen. Hier auf der B├╝hne vor seinen vielen Tausend Anh├Ąngern k├Ânnen und m├╝ssen sie beweisen, dass sie hinter ihm stehen. Nur dann erhalten sie auch weiterhin seine Unterst├╝tzung.

"Alle ins Gef├Ąngnis"

In Florence, Arizona, ist es Kari Lake. Die 52-j├Ąhrige ehemalige TV-Moderatorin tritt an, um hier Gouverneurin zu werden bei den in diesem Jahr stattfindenden Wahlen. Lake ist Teil jenes Plans von Donald Trump, insbesondere in umk├Ąmpften Bundesstaaten Republikaner einzusetzen, die im Zweifel auch bereit w├Ąren, Stimmen f├╝r ihn zu finden, die es wom├Âglich gar nicht gibt. Oder Stimmen f├╝r nicht regul├Ąr zu erkl├Ąren, die f├╝r die Demokraten abgegeben w├╝rden. In Washington spricht man von einem "Putsch mit legalen Mitteln".

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Trump treu ergeben: Gouverneurs-Kandidatin Kari Lake
Trump treu ergeben: Gouverneurs-Kandidatin Kari Lake (Quelle: imago-images-bilder)

Bevor Donald Trump also ans Mikrofon tritt, um seine Rede zu halten, hat Kari Lake die Menge gegen den renommierten Covid-19-Experten Anthony Fauci aufgepeitscht und sich damit als w├╝rdig f├╝r Trumps Unterst├╝tzung erwiesen. "Ich will jemanden wegsperren. Und das ist der L├╝gner Dr. Fauci."

Die aufbrandenden Rufe der Menge erinnern an "Lock her up!"-Szenen aus Trumps Wahlkampf gegen Hillary Clinton 2016. Damals sollte sie weggesperrt werden. "Ich wei├č ja nicht, wie es euch geht. Aber mein Tacho spielt verr├╝ckt, jedes Mal, wenn er seinen Mund aufmacht", sagt Kari Lake.

Und noch mehr Menschen wollte Lake gleich hier in Florence ins Gef├Ąngnis werfen, wenn sie nur die Macht dazu h├Ątte: "Jeden, der beteiligt war an dieser korrupten, zwielichtigen und sch├Ąbigen Wahl im Jahr 2020!" Dann ruft Lake: "Sperrt sie weg!" Die Menge johlt.

Kari Lake wei├č, was sie sagen muss. Es steht auf einem Zettel, den sie in den H├Ąnden h├Ąlt. Und sie hat es schon oft getan. Nach den Pr├Ąsidentschaftswahlen 2020 hatte sie bereits die Inhaftierung der stellvertretenden Gouverneurin von Arizona gefordert, die organisatorisch f├╝r das Durchf├╝hren von Wahlen zust├Ąndig ist. Gerade auf Posten wie diese schielen die Republikaner.

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"Es ist fast schon ein Kult"

Arizona ist, ├Ąhnlich wie der Bundesstaat Georgia, ein ├Ąu├čerst negativ besetztes Symbol f├╝r Donald Trump und seine Anh├Ąnger. 2020 war der sogenannte Swingstate einer der entscheidenden Bundesstaaten, der schlie├člich nicht an ihn, sondern an Joe Biden fiel. Ausgerechnet der ihm bislang zugeneigte Sender Fox News legte sich damals zuerst fest: Sein demokratischer Kontrahent hatte gewonnen.

Als Donald Trump an diesem Samstagabend schlie├člich gegen 19.30 Uhr in Florence auf die B├╝hne steigt, ist er die betonte Lockerheit. Sein wei├čes Hemd unter dem blauen Mantel tr├Ągt er oben offen, keine Krawatte. Auf dem Kopf sitzt eine rote Kappe mit seinem Schriftzug "Make America Great Again". Ein paar weitere MAGA-Hats schmei├čt er in die jubelnde Menge.

Die gro├čen TV-Stationen des Landes ├╝bertragen seine erste Rallye nicht. Aber die rechten Netzwerke Newsmax, OAN und Real America's Voice News streamen. Eine Newsmax-Moderatorin hat gerade noch Trumps ehemaligen US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, im Interview. Ganz offen fragt sie ihn, wie es denn sein k├Ânne, dass Donald Trump so viele Anh├Ąnger habe. "Es ist fast schon ein Kult", meint sie. Grenell antwortet, das liege an der Frustration mit Washington. "Es ist kein Kampf mehr zwischen Republikanern und Demokraten. Es ist ein Kampf zwischen Washington und dem ├╝brigen Amerika", sagt er und nennt Trump einen notwendigen Au├čenseiter. Denn die Politiker h├Ârten nicht zu. Darum brauche es gew├Âhnliche Leute aus dem "Everyday-Life".

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"Lasst unsere Kinder in Ruhe!"

Fast anderthalb Stunden spricht Donald Trump anschlie├čend. Es ist das Programm, das er verbreitet, seit er nicht mehr im Wei├čen Haus sitzt. Es geht um "die gestohlene Wahl", um die Inflation, um die Kriminalit├Ątsrate und um sein Lieblingsprojekt, die gro├če Mauer an der S├╝dgrenze zu Mexiko. Und immer wieder geht es auch um den desastr├Âsen Abzug aus Afghanistan. Trump nennt ihn schon seit Monaten "den besch├Ąmendsten Moment in der amerikanischen Geschichte". Gezielt appelliert er an die Ehre der US-Milit├Ąrs und lobt die Veteranen.

Am Pandemiemanagement der Biden-Regierung w├╝rde man es sehen. "Sie sind b├Âse oder sie sind inkompetent", sagt Trump. Und er fordert: "Lasst unsere Kinder in Ruhe!" Sie sollten keine Masken tragen m├╝ssen, denn sie h├Ątten ein "wundersch├Ânes Immunsystem". Sp├Ąter behauptet er, die Demokraten seien auch daf├╝r, dass Babys nicht nur jederzeit abgetrieben, sondern noch nach der Geburt get├Âtet werden sollen.

Als "stalinistische Show-Gerichtsverhandlung von Nancy Pelosi" bezeichnet Trump den von den Demokraten eingesetzten Untersuchungsausschuss zum Sturm auf das Kapitol. Er k├╝ndigt an, dass man "eine eigene Untersuchung" durchf├╝hren werde, wenn man wieder an der Macht sei. Die Schuld an den Entwicklungen vom 6. Januar 2021 schiebt er angeblichen Agenten des FBI in die Schuhe. Sie h├Ątten die Menschen aufgefordert, ins Kapitol zu gehen. "Wie viele Leute am Kapitol waren FBI-Informanten oder Agenten?", fragt Trump. Die "Fake-News"-Presse weigere sich bis heute dar├╝ber zu berichten und dar├╝ber, dass damals die gr├Â├čte Menge ├╝berhaupt in Washington seiner Rede gelauscht habe.

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Trumps erste Rallye im Jahr 2022 ist ein erster Vorgeschmack auf das, was im Jahr der Zwischenwahlen auf die USA zukommt. Ihm und seinen Mitstreitern wie Kari Lake oder Richard Grenell geht es weiterhin darum, Misstrauen zu s├Ąen an der korrekten Durchf├╝hrung der Wahlen und an den Medien. Die demokratischen Institutionen bleiben im Fokus der Attacken.

Im Dezember hatte das Institute of Politics der Harvard Kennedy School eine Umfrage unter Jugendlichen ver├Âffentlicht, die zeigt, wie nachhaltig diese Strategie gerade auch bei jungen Menschen zu wirken scheint. Eine Mehrheit von 52 Prozent der 18- bis 29-j├Ąhrigen Amerikaner glaubt demnach, dass die US-Demokratie "in Schwierigkeiten" steckt oder "versagt". Dass sie m├Âglicherweise einen B├╝rgerkrieg in ihrem Leben erleben werden, glauben 35 Prozent. Unter den Anh├Ąngern der Republikaner sind die Zahlen noch deutlich st├Ąrker ausgepr├Ągt.

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Einer der letzten S├Ątze von Trump an diesem Abend: "Wir haben gerade erst begonnen. Und wir werden niemals zur├╝ckweichen."

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