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Wen die AfD in den Bundestag schickt

Von dpa
Aktualisiert am 25.09.2017Lesedauer: 5 Min.
Eine Zusammenstellung aus Abgeordneten der neuen AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag.
Eine Zusammenstellung aus Abgeordneten der neuen AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag. (Quelle: /dpa-bilder)
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Alexander Gauland und Alice Weidel geh├Âren zu den bekanntesten Abgeordneten, die die Alternative f├╝r Deutschland im Bundestag vertreten werden. Doch wer sind die anderen neuen Gesichter? Ein ├ťberblick.

MARKUS FROHNMAIER (26) ist Bundesvorsitzender der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative. Geboren wurde er im rum├Ąnischen Craiova. Aufgewachsen ist er in Weil der Stadt in Baden-W├╝rttemberg. Der Jura-Student arbeitete zuletzt als Sprecher von Spitzenkandidatin Alice Weidel. Als seine Chefin eine Wahlkampf-Sendung mit Fernsehmoderatorin Marietta Slomka unter Protest verlie├č, schrieb der Nachwuchspolitiker bei Twitter: "Am 24.09. mache ich dich arbeitslos M├Ąuschen". Frohnmaier geh├Ârt zu den Erstunterzeichnern der "Erfurter Resolution", dem Gr├╝ndungsmanifest des rechten "Fl├╝gels" um Bj├Ârn H├Âcke.

SEBASTIAN M├ťNZENMAIER (28) wirft die Mainzer Staatsanwaltschaft vor, zusammen mit anderen Anh├Ąngern des 1. FC Kaiserslautern Fans des Fu├čballclubs Mainz 05 angegriffen zu haben. Er habe sich nie an gewaltt├Ątigen Auseinandersetzungen beteiligt, sagte der rheinland-pf├Ąlzische AfD-Spitzenkandidat bei Parteiveranstaltungen. Der Prozess wird sich noch bis Oktober hinziehen. Sein Mandat jedoch d├╝rfte der S├╝dpf├Ąlzer selbst im Fall einer etwaigen Verurteilung wegen schwerer K├Ârperverletzung nicht verlieren. M├╝nzenmaier stand hinter einer Aktion der AfD-Jugendorganisation, die an einem Infostand Pfefferspray verteilte. Auf einem Plakat erkl├Ąrte er: "Ob mit Pfefferspray oder ohne: Sexuellen ├ťbergriffen entschieden entgegentreten!" Bis 2012 war M├╝nzenmaier Mitglied der Partei Die Freiheit, die 2013 in Bayern vom dortigen Verfassungsschutz beobachtet und als islamfeindlich eingestuft wurde.

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JENS MAIER (55) geh├Ârt zum Rechtsau├čen-Fl├╝gel der Partei um Bj├Ârn H├Âcke. Gegen ihn l├Ąuft ein Parteiausschlussverfahren, das allerdings schon seit geraumer Zeit nicht richtig vorankommt. Maier ist Richter am Landgericht Dresden. Im vergangenen Januar wurde ihm die Zust├Ąndigkeit f├╝r Verfahren im Bereich Medien- und Presserecht entzogen - laut Pressemitteilung des Landgerichts einvernehmlich. Nach einer umstrittenen Rede in Dresden erteilte ihm der Gerichtspr├Ąsident einen disziplinarischen Verweis, weil er nach dessen ├ťberzeugung gegen das sogenannte M├Ą├čigungsgebot f├╝r Richter versto├čen hatte. Maier hatte als Vorredner von H├Âcke unter anderem das Ende des deutschen "Schuldkults" gefordert und ├╝ber die "Herstellung von Mischv├Âlkern" orakelt. Maier nennt sich selbst "kleiner H├Âcke".

MARIANA HARDER-K├ťHNEL (43) ist eine Senkrechtstarterin in der hessischen AfD. Die Rechtsanw├Ąltin wurde ohne Gegenkandidaten auf den ersten Listenplatz f├╝r die Bundestagswahl gew├Ąhlt. Zu ihren ehemaligen Klassenkameraden z├Ąhlt sie CDU-Generalsekret├Ąr Peter Tauber. ├ťber ihn sagt sie heute, er habe sich "immer weiter sozialdemokratisiert", w├Ąhrend sie selbst "wertkonservativ" geblieben sei. Harder-K├╝hnel ist verheiratet und hat drei Kinder. F├╝r Schlagzeilen sorgte sie mit einem Selfie, das sie zusammen mit SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz zeigt. Harder-K├╝hnel twitterte dazu: "Noch erkennt Martin Schulz mich nicht, das sollte sich nach der #Btw17 ├Ąndern!"

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DETLEV SPANGENBERG (73) sorgte 2014 nach dem Einzug der AfD in den s├Ąchsischen Landtag f├╝r einen Eklat. Als seine fr├╝heren Kontakte zu rechten Kreisen bekannt wurden, verzichtete er auf das Amt des Alterspr├Ąsidenten. Seine bisherige politische Arbeit - unter anderem f├╝r das "B├╝ndnis Arbeit, Familie, Vaterland" oder das "B├╝ndnis f├╝r Freiheit und Demokratie" - habe er verschwiegen, hie├č es aus der Fraktionsf├╝hrung. Die best├Ątigte im Januar 2016 auch die Existenz von Dokumenten, die Spangenbergs Stasi-Mitarbeit belegen sollen. Der Bewertungsausschuss des Landtages sah darin aber keinen Grund f├╝r eine Abgeordnetenklage, die ihn das Landtagsmandat h├Ątte kosten k├Ânnen.

MARTIN RENNER (63) ist der Spitzenkandidat des NRW-Landesverbandes. Er wird dem ├Ąu├čersten rechten Fl├╝gel der Partei zugerechnet. Das Partei-Gr├╝ndungsmitglied ist ein scharfer Widersacher des NRW-Landesvorsitzenden Marcus Pretzell, der mit Parteichefin Frauke Petry verheiratet ist. Renner hatte der CDU aus Frust ├╝ber die Griechenland-Politik der EU den R├╝cken zugekehrt. Der Islam ist f├╝r ihn eine "Unterwerfungsideologie". Die AfD sollte f├╝r ihn "systemgenetisch eine rechte Partei sein".

CHRISTIAN WIRTH (54) trat 2015 aus Protest gegen die Fl├╝chtlingspolitik der Bundesregierung in die AfD ein. Er sagt: "Ich sch├Ątze unsere Kultur und unsere Sprache - und w├╝rde das alles ganz gerne bewahrt wissen." Der Rechtsanwalt aus Saarbr├╝cken war fr├╝her FDP-Mitglied. Auf Platz eins der saarl├Ąndischen AfD-Landesliste kam er im zweiten Anlauf, nachdem die erste Wahl wegen eines Formfehlers wiederholt werden musste. Bei der ersten Abstimmung hatte sich der Sohn des AfD-Landeschefs Josef D├Ârr (79), Michel D├Ârr, noch gegen Wirth durchgesetzt.

STEPHAN BRANDNER (51) hat als AfD-Landtagsabgeordneter in Erfurt etliche Ordnungsrufe kassiert. Nach einer Serie von Beleidigungen wurde das ehemalige CDU-Mitglied im Mai 2016 aus dem Plenum geworfen. Zuvor hatte der Rechtsanwalt die Gr├╝nen unter anderem als "Koksnasen" und "Kindersch├Ąnder" beschimpft. W├Ąhrend einer Wahlkampfveranstaltung in Jena bezeichnete er Gegendemonstranten als "Brut", unterstellte Inzucht und Sodomie. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte er "Kampf-Fuchtel". Mit H├Âcke arbeitet Brandner eng zusammen, er gilt aber nicht als Vertrauter des Th├╝ringer AfD-Fraktionschefs.

WILHELM VON GOTTBERG (77) aus dem Landkreis L├╝chow-Dannenberg war bis 2012 Vizepr├Ąsident des Bundes der Vertriebenen. 2001 schrieb er im "Ostpreu├čenblatt" ├╝ber den Holocaust: "Als wirksames Instrument zur Kriminalisierung der Deutschen und ihrer Geschichte wird immer noch ... der V├Âlkermord am europ├Ąischen Judentum herangezogen." Als Abgeordneter will er sich daf├╝r stark machen, den "Kult mit der Schuld" zu beenden. Von Gottberg h├Ątte gute Chancen gehabt, Alterspr├Ąsident des Bundestages zu werden. Um das zu verhindern, ├Ąnderte der Bundestag eigens seine Gesch├Ąftsordnung: Jetzt wird nach Dienstjahren entschieden, nicht mehr nach Lebensalter.

BEATRIX VON STORCH (46) ist Vize-Vorsitzende der Bundespartei und bisher Europaparlamentarierin. Die Abtreibungsgegnerin ist erzkonservativ und meinungsstark, provoziert via Twitter oder Facebook. Mit ├äu├čerungen zum Schusswaffeneinsatz an der deutschen Grenze l├Âste sie 2016 einen Sturm der Entr├╝stung aus, stufte das sp├Ąter als "Fehler" ein. Sie teilt sich den AfD-Landesvorsitz in Berlin seit Januar 2016 mit Georg Pazderski.

GOTTFRIED CURIO (geb 1960): Der Physiker und Mathematiker wettert im Berliner Abgeordnetenhaus immer wieder gegen Fl├╝chtlinge ("Str├Âme von Migrantenmassen") und den Islam ("Nicht mit dem Grundgesetz vereinbar"). Er spricht von einer "gef├╝hlten Entheimatung der Deutschen" und warnt vor einer "feindlichen ├ťbernahme" durch den "Geburten-Dschihad". Curio sorgte im Landesparlament mit der Forderung f├╝r Heiterkeit, das ZDF m├Âge in den "heute"-Nachrichten wieder eine Deutschland-Karte einblenden.

Im Blick des bayerischen Verfassungsschutzes: Der bayerische AfD-Landesvorsitzende Petr Bystron.
Im Blick des bayerischen Verfassungsschutzes: Der bayerische AfD-Landesvorsitzende Petr Bystron. (Quelle: Matthias Balk/dpa-bilder)
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PETR BYSTRON (44) stammt aus der Tschechoslowakei. Der zweifache Vater war von 2006 bis 2013 in der FDP aktiv. Heute ist er AfD-Landesvorsitzender in Bayern. In der Partei hat Bystron immer mit Kritik leben m├╝ssen. Unter anderem wurde er als "Karrierist" bezeichnet, dem die Ziele der AfD weniger wichtig seien als seine eigene politische Laufbahn. Auf dem Nominierungsparteitag musste er sich in einer Kampfabstimmung um den ersten Listenplatz ├╝berraschend dem Schriftf├╝hrer Martin Hebner geschlagen und sich stattdessen mit Platz vier zufrieden geben. Der bayerische Verfassungsschutz hat Bystron unter Beobachtung, weil er Sympathien f├╝r die rechtsextremistische "Identit├Ąre Bewegung" bekundet haben soll.

MARTIN HEBNER (57) hatte vor seiner ├╝berraschenden Nominierung als Spitzenkandidat der bayerischen AfD selbst in der eigenen Partei niemand auf dem Zettel. Der Diplom-Informatiker gilt als gro├čer Euro-Kritiker, bei Themen wie Asyl oder Fl├╝chtlingspolitik pr├Ąsentierte er sich bislang eher gem├Ą├čigt.

ROMAN REUSCH (63) hat als Berliner Oberstaatsanwalt schon vor Jahren mit der Forderung nach h├Ąrteren Strafen f├╝r kriminelle Jugendliche f├╝r Schlagzeilen gesorgt. In Berlin war er 2008 als Leiter der Intensivt├Ąterabteilung der Staatsanwaltschaft abgel├Âst worden. Die damalige Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) sagte dazu sp├Ąter in einem Interview des "Tagesspiegels", Reusch habe sich gelegentlich so ausgedr├╝ckt, dass er missverstanden werden konnte. Das habe sie nicht billigen k├Ânnen. Reuschs Bef├Ârderung zum Leitenden Oberstaatsanwalt stie├č 2016 unter anderem beim T├╝rkischen Bund auf Kritik. Kurz vor der Bundestagswahl trug er zusammen mit den AfD-Spitzenkandidaten in Berlin die Idee vor, im Ausland Gef├Ąngnisse unter deutscher Leitung einzurichten. Dort sollten in Deutschland straff├Ąllig gewordene Ausl├Ąnder ihre Strafe verb├╝├čen.

ENRICO KOMNING (49) ist Rechtsanwalt in Neubrandenburg und Abgeordneter des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern. Laut eigenen Eintr├Ągen auf seiner Facebook-Seite ist er Burschenschaftler. Er spricht sich f├╝r eine Liberalisierung des Waffenrechts aus und begr├╝ndet dies mit den Worten: "Terroristen haben keine zugelassenen Waffen. Den B├╝rgern ist jedoch das Recht auf Selbstschutz genommen."

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