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CDU: Wie Anja Karliczek bei Merkel punktete

Überraschungsministerin der CDU  

Wie Anja Karliczek bei Merkel punktete

26.02.2018, 14:17 Uhr | ds, dpa, rtr

CDU: Wie Anja Karliczek bei Merkel punktete. Anja Karliczek soll neue Bildungsministerin werden: Die CDU-Politikerin ist von Angela Merkel nominiert worden. (Quelle: dpa/Ralf Hirschberger)

Anja Karliczek soll neue Bildungsministerin werden: Die CDU-Politikerin ist von Angela Merkel nominiert worden. (Quelle: Ralf Hirschberger/dpa)

Das politische Rampenlicht hatte sie bislang gemieden. Anja Karliczek ist die größte Überraschung im neuen Groko-Kabinett. Die CDU-Politikerin soll neue Bildungsministerin werden – ganz ohne Vorerfahrung.  

"Das war schon eine Überraschung. Ich hatte nicht damit gerechnet", sagte Anja Karliczek auf dem Bundesparteitag der CDU. Am Tag zuvor hatte Kanzlerin Angela Merkel sie als neue Bildungsministerin vorgeschlagen. Gerechnet hatten damit die wenigsten. In allen Ratespielen rund um das neue Groko-Kabinett kam der Name Karliczek nicht vor. Auch in der Öffentlichkeit ist die 46-Jährige kaum bekannt.

Aufgewachsen ist die Betriebswirtin und dreifache Mutter in Brochterbeck, einem 2.700-Seelen-Dorf im Tecklenburger Land, am nördlichsten Zipfel von NRW. Die Familie betreibt hier ein Vier-Sterne-Hotel, hier geht sie zunächst auf die Realschule, wechselt dann auf das Gymnasium im Nachbarort. Nach dem Abitur 1990 macht sie eine Ausbildung zur Bankkauffrau, wird übernommen. Nach nur einem Jahr hört sie auf, wechselt in den familieneigenen Hotelbetrieb.

Sie macht erneut eine Ausbildung, diesmal zur Hotelkauffrau, wird schnell leitende Angestellte in dem von ihren Brüdern Olaf und Reiner Kerssen geführten Haus. Sie heiratet Lothar Karliczek, einen Piloten. Als junge Mutter kämpft sie für den Ausbau der Kinderbetreuung in Tecklenburg, tritt 1998 in die Junge Union ein. Sie wird 2004 in den Stadtrat gewählt, wird Fraktionsvorsitzende und Chefin des Stadtverbandes der Partei. Sie macht ein Fernstudium in Betriebswirtschaft, bekommt 2008 ihr Diplom.

Paradebeispiel für unorthodoxen Karriereweg

2013 tritt Karliczek erstmals für die CDU im Wahlkreis Steinfurt III bei den Bundestagswahlen an. Sie bekommt fast jede zweite Stimme. 2017 kann sie ihr Mandat verteidigen, wird in diesem Jahr auch eine der fünf Parlamentarischen Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag. Das politische Rampenlicht sucht Karliczek nicht. Auf Twitter verbreitet sie lediglich Tweets von anderen, auf Youtube haben Videos mit ihr meist weniger als 500 Klicks.  

Angela Merkel ist trotzdem von ihr überzeugt. Die CDU-Chefin machte am Montag deutlich, dass sie gerade Karliczeks nicht geradlinig verlaufenden beruflichen Werdegang als Plus sieht. "Sie ist sozusagen das lebendige Beispiel dafür, wie man berufliche Bildung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, akademische Bildung auch auf neuen und ungewohnten Bildungswegen sehr, sehr gut vereinbaren kann."

Karliczek habe einen großen Willen und die Fähigkeit bewiesen, sich schnell einzuarbeiten, sagte Merkel. Die Kanzlerin ist überzeugt, dass sie die Aufgabe "sehr gut ausfüllen wird". Das dürfte für Karliczeks weitere Karriere auch wichtig sein: Denn Merkel hat seit Längerem klar gemacht, wie wichtig ihr das Thema Forschung und Bildung gerade in dieser Legislaturperiode ist.

Erst mal „fragen, fragen, fragen“

In ihrer ersten Legislaturperiode saß Karliczek im Tourismusausschuss des Bundestages. Sie rückte dann in den wichtigen Finanzausschuss vor und ist dort etwa als Berichterstatterin für die betriebliche Altersvorsorge zuständig. Zudem ist sie stellvertretendes Mitglied im Haushaltsausschuss.

Dort wird sie von Kollegen als zupackend und willensstark beschrieben. Gelobt wird ausdrücklich sowohl ihre Bodenständigkeit als auch ihre Fähigkeit zur Kommunikation mit anderen Politikern und mit Bürgern. Karliczek gilt als sehr gründliche Parlamentarierin, heißt es aus Unionskreisen.

Besondere Nähe zu dem neuen Ressort Bildung und Forschung werden ihr anders als ihrer Vorgängerin Johanna Wanka indes nicht nachgesagt. "Fragen, fragen, fragen" sei deshalb nun ihre Strategie, sich einzuarbeiten, versprach Karliczek gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Die fehlende Kenntnis über ihr neues Ressort sei kein Nachteil, sagte Merkel am Sonntag und verwies auf ihre eigene politische Karriere. Schließlich sei sie auch immer wieder gefragt worden, was sie eigentlich erst zur Familien- und dann zur Umweltministerin qualifiziert habe.

Mehr Gewicht für Katholiken und Frauen

Anja Maria-Antonia Karliczek, so ihr voller Name, ist katholisch. Das ist deshalb von Belang, weil es in der West-CDU seit Längerem Grummeln gegeben haben soll, dass mit Merkel, Fraktionschef Volker Kauder und auch Wolfgang Schäuble vor allem Protestanten die Top-Positionen der Partei besetzten.

Mit Karliczek, Annegret Kramp-Karrenbauer und Gesundheitsminister Jens Spahn sollen nun drei Neu-Katholiken im Kabinett die Nörgler besänftigen. Indirekt profitiert Karliczek wohl auch davon, dass Merkel es mit zunehmender Amtszeit nach eigenen Worten immer ernster meint mit ihrer angekündigten Frauenförderung. Die Kanzlerin hatte zugesagt, die Hälfte der sechs CDU-Ministerposten mit Frauen zu besetzen.

Die Entscheidung für Karliczek ist vor allem für den bisherigen Gesundheitsminister Hermann Gröhe bitter. Wohl auch wegen des Regionalproporzes – beide kommen aus Nordrhein-Westfalen – musste der Neusser ausgerechnet an seinem 57. Geburtstag zur Kenntnis nehmen, dass er im nächsten Kabinett Merkel nicht mehr vertreten sein wird. Dabei galt der Ex-CDU-Generalsekretär lange als Vertrauter der Kanzlerin. Bis zuletzt war auch in ihrem Umfeld nicht wirklich damit gerechnet worden, dass sie Gröhe ganz fallen lassen würde. 

Verwendete Quellen:
  • Reuters
  • dpa
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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