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Wie Eltern zum Lobbyverein fürs Lockern wurden

"Familien in der Krise"  

Wie Eltern zum Lobbyverein fürs Lockern wurden

09.02.2021, 17:53 Uhr
. "Kinder brauchen Kinder" – und deshalb geöffnete Einrichtungen: Obwohl der Leidensdruck vieler Familien groß ist, konnte "Familien in der Krise" nie viele Demonstranten mobilisieren. In der Öffentlichkeit spielt die Gruppe aber eine große Rolle.  (Quelle: dpa)

"Kinder brauchen Kinder" – und deshalb geöffnete Einrichtungen: Obwohl der Leidensdruck vieler Familien groß ist, konnte "Familien in der Krise" nie viele Demonstranten mobilisieren. In der Öffentlichkeit spielt die Gruppe aber eine große Rolle. (Quelle: dpa)

Wenn es um die Öffnung von Kitas und Schulen geht, prescht eine Initiative "Familien in der Krise" oft vor – und wird dafür auch angegriffen: Was haben PR-Profis damit zu tun?

Auf Wikipedia ist nicht mehr zu lesen, was "Familien in der Krise" (FidK) ist: Gelöscht ist er, der Beitrag über die "bundesweite Elterninitiative, die das Ziel verfolgt, Familien und Kinder in das Zentrum politischer Entscheidungen zu rücken". Die Entscheidung ist ein kleiner Sieg für die, die vor zu schnellem Lockern warnen und denen FidK dabei ein Dorn im Auge ist. 

Vielleicht sei die Organisation relevant, heißt es in der Begründung, die Darstellung war aber zu PR-lastig. Nicht relevant, zu viel PR, das meinen Kritiker seit Monaten über die Initiative. Sie wüten, während "Familien in der Krise"-Mitglieder in Interviews mit Medien und Gesprächen mit Politikern die Probleme ausbreiten. In der Corona-Krise wird um nichts so gestritten wie um die Öffnung von Kitas und Schulen – und das fast seit Beginn der Krise.

Auch wenn Kanzlerin und Ministerpräsidenten zusammensitzen, ist eine der wichtigsten Fragen, wann trotz viel ansteckenderer Mutationen der Präsenzunterricht wieder losgeht. Die Frage bewegt seit dem Frühjahr viele Menschen enorm, und sie treibt die Mitglieder von "Familien in der Krise" an.

"Kein Lockdown für Kinderrechte": "Familien in der Krise" beklagt, dass Bildung, Betreuung und Kontakt zu anderen Kindern zu kurz kommen. Damit setzt sich die Gruppe für Lockerungen bei Schulen und Kitas ein. Doch wie konnte sie so schnell so präsent sein? (Quelle: Wikimedia/Orchidee1702 CC BY-SA 4.0)"Kein Lockdown für Kinderrechte": "Familien in der Krise" beklagt, dass Bildung, Betreuung und Kontakt zu anderen Kindern zu kurz kommen. Damit setzt sich die Gruppe für Lockerungen bei Schulen und Kitas ein. Doch wie konnte sie so schnell so präsent sein? (Quelle: Wikimedia/Orchidee1702 CC BY-SA 4.0)

Die Geschichte der Organisation erzählt von privat und beruflich sehr engagierten Müttern, die unentwegt auf das Schicksal vor allem kleiner Kinder in der Corona-Krise aufmerksam machen und dafür Lockerungen anmahnen.

"Unglaublich", meint die Gründerin

Es ist aber auch eine Geschichte mit einigen Rätseln und vielen Zufällen, mit PR-Profis, mit Adligen, mit einer früheren Bundesministerin als Beraterin und mit Medien und Politikern, die ihre Türe weit geöffnet haben für Elternvertreter, die aus dem Nichts kamen. Der Begriff "Astroturfing" fällt, eine gesteuerte Kampagne, die den Eindruck einer spontanen Graswurzelbewegung vortäuscht. Zu belegen ist das nicht, aber in England gibt es Aufregung um eine ähnliche Gruppe.

Begeisterung einerseits und Zweifel andererseits spiegelt am besten ein Satz von Diane Siegloch wider, einer Gründerin von "Familien in der Krise": "Es ist unglaublich, was wir in so kurzer Zeit ehrenamtlich bereits auf die Beine gestellt haben", freut sie sich. Andere Vereine brauchten Jahre, um sich eine so breite Basis aufzubauen.

Seit Gründung im Mai 2020 war "Familien in der Krise" Vertretung der Eltern in gemeinsamen Stellungnahmen mit Fachgesellschaften, Mitglieder von FidK waren Gesprächspartner in den großen Talkshows und Zeitungen. Und sie waren im Gespräch bei Landes- und Bundespolitikern, während mancherorts gewählte Vertreter auf solche Termine weiter warten.

Kristina Schröder: "Einfach professionell"

Wer Kristina Schröder fragt, warum FidK gelang, was so viele nicht schaffen, bekommt eine plausibel klingende Antwort: "Die Initiative arbeitet einfach professionell – schnell, überzeugend und geschickt", sagt die frühere Bundesfamilienministerin. "Und dann gibt es natürlich einen selbstverstärkenden Prozess: Wer in den Medien ist, wird auch von anderen Medien gefragt."

Anteil daran hat allerdings auch Schröder, die mit ihrer "Kristina Schröder Consulting GmbH" etwa für den staatlichen Deutschen Lotto- und Totoblock arbeitet. Im Juni war sie zu einer Videokonferenz  von FidK zugeschaltet. Gründerin Siegloch schwärmte danach: "Die hat uns super Tipps gegeben, wie man politische Entscheider beeinflussen kann, wie man an die rankommt, welche Themen für die Zukunft gut wären für uns."

Kristina Schröder gibt Tipps: Die frühere Bundesfamilienministerin ließ sich zu einer Videokonferenz von "Familien in der Krise" zuschalten. (Quelle: FamilieninderKrise.com)Kristina Schröder gibt Tipps: Die frühere Bundesfamilienministerin ließ sich zu einer Videokonferenz von "Familien in der Krise" zuschalten. (Quelle: FamilieninderKrise.com)

Schröder sagt, sie sei über Tweets und einen TV-Beitrag auf die Organisation gestoßen. Der Hessische Rundfunk berichtete über eine Demo, bei der auch Siegloch auftrat. "Ich fand das Engagement großartig", sagt Schröder t-online. Weil sie wie Siegloch in der Wiesbadener CDU ist, habe sie die Parteifreundin angerufen.

Es habe sie zuvor "entsetzt", als im ersten Lockdown Lockerungen für Kinder keine große Rolle gespielt hätten. Zum Ausstieg aus dem ersten Lockdown hatte die Leopoldina, die Nationale Akademie der Wissenschaften, am 13. April eine Stellungnahme herausgegeben. Und die Politik nahm die Empfehlung auf, Kitas bis zum Ende der Sommerferien zu schließen. 

PR-Profis und Adelige legten los

Das ist die Zeit, in der auch die Anfänge von FidK liegen. Diese Geschichte beginnt mit einer Vorgänger-Initiative, die sich aber heute distanziert. "Eltern in der Krise": "Weder Politik noch Medien widmeten damals der Verzweiflung von Eltern in diesem Moment Aufmerksamkeit", erinnern sich die Gründerinnen von "EidK". Als sie die Facebook-Gruppe "Eltern in der Krise" eröffnen, sind sie zu sechst.

Es ist eine illustre Runde: Drei haben Adelshintergrund, drei sind PR-Profis. Sarah von Wehrs gibt im Businessprofil "Vice President Communications Deutsche Bank" an, war freiberuflich in der strategischen Kommunikationsberatung tätig. Alberta von Brandenstein und Karline Wenzel sind Direktorinnen bei Brunswick und Kekst CNC, global vernetzte PR-Unternehmen, die etwa für Konzerne Strategien zur Krisenkommunikation und zum Lobbying ersinnen. 

Elite-Eltern? "Diese Auffälligkeit", räumen die Frauen ein, "hat uns von Anfang an Sorgen gemacht, weil wir daran nicht gemessen werden wollen." Ihre Arbeitgeber hätten auch nichts mit dem Engagement zu tun, und ihre Namen hätten sie sich nicht ausgesucht. Sie seien sich "sicher, dass jede mögliche Erklärung hier nicht relevant ist." 

"Lediglich Stein ins Rollen bringen"

Eine andere ist es vielleicht schon. Schon am Tag 1 schrieben sie: "Wir wollen ganz deutlich machen, dass wir als Initiatoren lediglich den Stein ins Rollen bringen möchten." Und der Stein rollt schnell: Die Gruppe gewinnt in den ersten Tagen rund 10.000 Mitglieder, Diane Siegloch ist darunter und treibt in eigens aufgesetzten Slack-Kanälen Pläne voran. Am 22. April postet sie: "Wir müssen auf die Straße!" Die Aktion müsse am besten in mehreren Städten gleichzeitig ablaufen.

Zu einer der ersten Demos kommt eine "Eltern in der Krise"-Gründerin dann nicht mehr. Die Demos sind von den "Eltern" nicht gewünscht. "Wir haben seit April immer darauf geachtet, nichts zu fordern, das wir später bereuen könnten", erklärt Sarah Wehrs später. Die, die aktiver werden wollen, machen sich selbstständig: "Familien in der Krise" wird gegründet. Und "Eltern in der Krise" sind verärgert über den ähnlichen Namen. 

"Eltern in der Krise"-Demo vor dem Bundeskanzleramt: Die Initiatorinnen der Gruppe wollten keine Kundgebungen wie diese im Mai 2020 mehr unter ihrem Namen, deshalb bildete sich "Familien in der Krise".  (Quelle: Getty Images/Michele Tantussi)"Eltern in der Krise"-Demo vor dem Bundeskanzleramt: Die Initiatorinnen der Gruppe wollten keine Kundgebungen wie diese im Mai 2020 mehr unter ihrem Namen, deshalb bildete sich "Familien in der Krise". (Quelle: Michele Tantussi/Getty Images)

Diese Ausgründung war nicht der Plan, erklären beide Initiativen, und es gebe seither kaum noch Austausch. Wieder ein Zufall: Zwei "Familien"-Aktivposten kannten jeweils eine der "Eltern"-Gründerinnen schon vor Corona: Siegloch und eine Organisatorin der NRW-Demos, eine geborene Reichsfreiin, die das gleiche Internat besuchte wie "Eltern"-Gründerin Louisa (Prinzessin zu) Löwenstein.

Schon vor Corona in Familienpolitik engagiert

Aber ist es überhaupt angebracht, bei ehrenamtlichen Initiativen die Mitglieder so zu durchleuchten, nur weil die erfolgreich sind? "Es ist uns unerklärlich, warum manche Menschen Zeit dafür aufwenden", erklärt eine FidK-Sprecherin, man schlage sich Nächte um die Ohren, um alles unter einen Hut zu bekommen. Alle sind Eltern, alle erleben die Probleme, die viele Eltern derzeit mitmachen.

Beim "Eltern"-Sextett aus PR- und Adelsfrauen finden sich auch Belege, wie sehr das Thema der Kinderbetreuung für sie bereits vorher Anliegen war: Löwenstein hatte bereits ein Konzept für ein anderes Elterngeldmodell für mehr Gleichberechtigung mitentwickelt und Familienministerin Franziska Giffey vorstellen können. Eine Gründerin ist Autorin eines "Mama"-Buchs, in dem es um die Perspektive beruflich erfolgreicher Mütter geht.

EidK erklärt, man fordere "eine adäquate Gewichtung von Familien bei politischen Entscheidungen, die der gesamtgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rolle von Kindern und Eltern heute und vor allem für die Zukunft angemessen ist." Es sei "absurd", wenn von Astroturfing gesprochen wird. 

Schröder und die Wirtschaftslobby 

Damit sieht sich auch Kristina Schröder konfrontiert, die mit FidK weiter in losem Austausch steht. Sie sagt, es wundere sie, "wenn man einer früheren Familienministerin und dreifachen Mutter echtes inneres Engagement bei diesem wichtigen Thema nicht abnimmt und etwas über finstere Mächte im Hintergrund zusammenfantasiert".

Sie ist auch Botschafterin der wirtschaftsliberalen Lobbyorganisation "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" (INSM), und das hat Fantasien beflügelt. Das oft zu lesende Narrativ geht so: "Die Wirtschaft" will, dass die Beschäftigten wieder unbelastet von Kindern arbeiten können, und deshalb fördert sie heimlich FidK – oder auch "NoFidK", wie die Gegner die Gruppe inzwischen nennen. Der Name hält sich, auch wenn FidK gerade in einem Verein "Initiative Familien e. V." aufgegangen ist und langfristig arbeiten will.

Die INSM weist die Behauptung zurück, und Schröder ist fast belustigt: "Dort haben sie wahrscheinlich erst einmal gerätselt, was FidK überhaupt ist." Mit Vertretern der INSM habe sie noch nie über die Gruppe gesprochen. Forderungen, stärker die Wirtschaft statt der Kinder in die Pflicht zu nehmen oder Maskenpflicht an Grundschulen auszusetzen, könnten auch kaum im Interesse der Wirtschaft sein, meint sie.

Mit einem Posting gegen Maskenpflicht ist Schröder selbst aufgefallen, wurde von SPD-Chefin Saskia Esken kritisiert und auf Twitter zur "Corona-Verharmloserin des Tages" erklärt.

Schröder verteidigt die Demo mit laut Polizei 150 Teilnehmenden, weil es um eine Sondersituation in Wiesbaden gegangen sei mit Zwang an Grundschulen entgegen der hessenweiten Regel. Und für Grundschüler sei die Maske über viele Stunden nicht zumutbar. FidK musste sich danach dennoch von "Querdenken" distanzieren und tat das auch überzeugend.

Irritation um Äußerung zu Mutationen

Im Januar musste FidK versichern, dass man die Mutationen sehr wohl ernst nehme. Eine Rednerin konnte so verstanden werden, dass sie Mutationen für einen Vorwand bei Schließungen hält. Mitten in die zweite Welle war auch die Forderung gekommen, Grundschulen zu öffnen, unabhängig von der Inzidenz – also egal, wie stark das Coronavirus auch wütet.

Schröder verteidigt das: "Schulen werden nicht zum Schutz der Kinder geschlossen, sondern wegen ihres möglichen Beitrags zum Infektionsgeschehen." Sie sei der festen Überzeugung, dass die Erwachsenen die Hauptlast der Pandemiebekämpfung tragen sollten, nicht die Kinder, für deren Entwicklung geschlossene Einrichtungen verheerend seien.

Beharrlich: Politiker kamen manchmal gar nicht an "Familien in der Krise" vorbei, die Mitgründerin Diane Siegloch protestierte im Sommer bei einem Termin mit dem hessischen Sozialminister Kai Klose (Grüne) gegen die schleppende Wiederöffnung von Kitas. Danach kam eine Einladung. (Quelle: dpa)Beharrlich: Politiker kamen manchmal gar nicht an "Familien in der Krise" vorbei, die Mitgründerin Diane Siegloch protestierte im Sommer bei einem Termin mit dem hessischen Sozialminister Kai Klose (Grüne) gegen die schleppende Wiederöffnung von Kitas. Danach kam eine Einladung. (Quelle: dpa)

In einem Brief an Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier kritisiert FidK aktuell sogar, "die Panik, die über Gewerkschaften und Verbände verbreitet wird, ist (...) moralisch verwerflich". Die Formulierung sei unglücklich gewählt, kommentiert eine Sprecherin. Man lerne noch. Auch in sozialen Netzwerken hätte man "an manchen Stellen deeskalierender kommunizieren können". 

Zwei Lager: Das Virus und die Menschen

Die weitgehenden Forderungen treffen auf andere Initiativen wie "Bildung aber sicher" oder "Sichere Bildung", in denen sich auch viele Menschen engagieren, die im Bildungsbereich arbeiten: Von entgegengesetzten Lagern mag "Sichere Bildung"-Sprecher Bruno Capra, Erzieher und Vater, nicht sprechen: "Um das Kindeswohl geht es allen Initiativen, die sich rund um das Thema Bildung engagieren." Wenn es zwei Lager gebe, "dann sind es das Virus und die Menschen."  

Es sei aber beunruhigend, wie an der Überzeugung festgehalten werde, Covid sei für Kinder harmlos. "Angesichts der kurzen Beobachtungszeit und den immer wieder neuen Informationen aus der Wissenschaft halten wir dies für sehr gewagt." Nur: Wer Schulen für kein großes Risiko hält, findet auch Studien, die das stützen. Und Politiker, die öffnen wollen, haben in "Familien in der Krise" Rückhalt von Eltern, die das lautstark vertreten. Capra meint: "'Einfacher' zu erfüllende Forderungen werden bevorzugt behandelt, anders als Forderungen nach ganzheitlichen und tragfähigen Konzepten."

Ministerin: FidK statt Landesschulbeirat

In Baden-Württemberg hat sich Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am 11. Januar mit FidK getroffen, aber den Landesschulbeirat nicht einberufen, der seit fast 70 Jahren beratend tätig ist. Eisenmann gilt als eine der energischsten Verfechterinnen von Schulöffnungen, eine Pressekonferenz zur Öffnung ist in letzter Minute geplatzt, weil "völlig überraschend" Fälle mit der Virusmutation in einer Freiburger Kita bekannt wurden.

Michael Mittelstaedt, Vorsitzender des dortigen Landeselternbeirats, nannte Eisenmann in einer Stellungnahme zwischenzeitlich "Kultusverhinderungsministerin", weil sie Präsenzunterricht "unabhängig von Inzidenzzahlen" plante, statt eine ernsthafte Bestrebung für Unterricht im Wechselmodell zu verfolgen. "Unsere Kultusministerin weiß, dass das Risiko in Schulen anders ist, als sie es sehen will, und mit Vernunft hat ihr Agieren nichts zu tun." Ein Vorwurf, den einige Kultusminister zu hören bekommen und zu dem sie mit wenig Transparenz viel beigetragen haben.

Für FidK hat Landeselternsprecher Mittelstaedt viel Verständnis: In der Corona-Krise habe sich gezeigt, dass wir "offensichtlich in unserem Land nicht für jedes Problem eine Lösung haben." So erkläre sich vielleicht auch die Entstehung von "Familien in der Krise": "Frauen, denen 30 Jahre lang erzählt wurde, dass alle arbeiten gehen sollen und sich dafür um die Kinder gekümmert wird, stellen fest, dass dieses Versprechen nicht gilt und sie wieder in alte Rollen zurückfallen sollen." Homeoffice sei auch nicht dazu da, kleine Kinder zu betreuen, Forderungen nach Lösungen seien also berechtigt. Und FidK habe wichtige Anliegen aufgebracht, die sonst nicht vertreten würden, etwa die Rolle von Vereinsarbeit für die Kinderbetreuung. Kein Gedanke an Astroturfing.

Auch in Kinderkommission des Bundestags

Aber Medien, die Vertretern eine Plattform als die "Elternsicht" bieten? Über Demos finden sich viele Berichte, obwohl dann dort auch von fast lächerlichen Teilnehmerzahlen zu lesen ist. Bei einer Demo mit 25 Teilnehmern freute sich FidK Anfang Juli über "von weit her zugereiste Mitglieder der Initiative". Düsseldorfs Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke (SPD) munterte als Rednerin auf: "Lassen Sie sich nicht davon abhalten, dass wir heute nicht viele sind. Wir stehen immer für viele hier." Das ist das, was "Familien in der Krise" vermitteln will und was Kritiker bezweifeln. 250 Aktive gibt FidK an. 

Unterstützer hat FidK in allen demokratischen Parteien. In Hamburg mischt die stellvertretende Bundesvorsitzende der Liberalen Frauen mit, in Berlin eine frühere Grünen-Fraktionsvorsitzende in der Bezirksverordnetenversammlung, in Frankfurt eine Linken-Stadtverordnete. Sie saß sogar als Expertin in der Kinderkommission des Bundestags. Sie habe die Kinderkommission seit Gründung der Initiative immer wieder angeschrieben und sei eingeladen worden. Vorsitzender dort: der Linken-Abgeordnete Norbert Müller.

Verbindung zu Ökonomen-Aufruf

FidK liefert neben Beharrlichkeit und Beziehungen aber auch noch eine andere Erklärung für die Professionalität: "Eltern unterschiedlichster Professionen setzten schlichtweg das Wissen und die Erfahrungen aus ihrem Berufsleben ein." Es gibt nicht nur eine "AG Jura", sondern auch eine "Science-AG", die auch ein Papier für ein Testkonzept mitentwickelt hat.

Vernetzt ist FidK auch dort: Parallel zu Demovorbereitungen in Bayern veröffentlichten im Mai 2020 90 Ökonomen einen Appell "Bildung ermöglichen". Mitinitiator war ein Professor der KU Eichstädt. An seinem Lehrstuhl ist FidK-Administratorin Helen Zeidler Doktorandin und Mitarbeiterin. Zeidler, die aktuell in Elternzeit ist, wurde von der KU "für ihr herausragendes Engagement" bei "Familien in der Krise" mit einem Ehrenamtspreis geehrt.

Das stand auch im wohlwollenden Wikipedia-Beitrag. Er ist gelöscht worden, obwohl der Ersteller sich auch für die "zukünftige Wartung" bereit erklärt hatte. Es ist ein Hamburger Softwareunternehmer ohne Kinder. Er sagt, dass er die Lösungsvorschläge angesichts der Lage von Mitarbeiterinnen gut fand. "An Astroturfing habe ich nie gedacht, aber ich habe gemerkt, dass das Thema hochemotional ist." 

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