• Home
  • Politik
  • Deutschland
  • Corona-Demos in Berlin: Ist den Covid-19-Leugnern noch zu helfen?


Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextUS-Schauspielerin in Fluss ertrunkenSymbolbild fĂŒr einen TextMoody's stellt Zahlungsausfall Russlands festSymbolbild fĂŒr einen TextJunge erschießt einjĂ€hriges MĂ€dchenSymbolbild fĂŒr einen TextDeshalb will Lewandowski zu BarçaSymbolbild fĂŒr einen TextFrau seit mehr als 1.000 Tagen vermisstSymbolbild fĂŒr einen TextVerbindung zum Axtmörder? Seniorin getötetSymbolbild fĂŒr einen TextSo denkt Lahm ĂŒber Götze und ManĂ©Symbolbild fĂŒr einen TextAirline verliert Tasche von Tennis-ProfiSymbolbild fĂŒr einen TextGelbe Giftwolke tötet zwölf MenschenSymbolbild fĂŒr einen TextARD-Serienstar wird ersetztSymbolbild fĂŒr einen TextLeiche bei Kraftwerk gefundenSymbolbild fĂŒr einen Watson TeaserInfluencerin lĂŒgt dreist in die KameraSymbolbild fĂŒr einen TextDieses StĂ€dteaufbauspiel wird Sie fesseln

Ist denen noch zu helfen?

  • Martin Trotz
  • Tim Kummert
  • Camilla Kohrs
Von D. Schreckenberg, M. Trotz, T. Kummert, C. Kohrs

Aktualisiert am 19.11.2020Lesedauer: 6 Min.
Eine Frau hÀlt der Polizei ein Kruzifix entgegen: "Sie sehen sich als Helden, wenn sie im Wasserwerferregen tanzen", sagt der Psychologe Sebastian Bartoschek.
Eine Frau hÀlt der Polizei ein Kruzifix entgegen: "Sie sehen sich als Helden, wenn sie im Wasserwerferregen tanzen", sagt der Psychologe Sebastian Bartoschek. (Quelle: Christian Mang/Reuters-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

FĂŒr sie ist Corona eine Grippe und die Bundesrepublik eine Diktatur. Bei vielen Corona-Demonstranten stehen keine echten Ängste mehr im Vordergrund. Wie kann man sie zurĂŒck in die Wirklichkeit holen?

Vor den Absperrungen am Brandenburger Tor steht eine Frau, blond, mittelalt, schwarze Felljacke, ihre HĂ€nde gen Himmel gestreckt, als erwarte sie die göttliche Erlösung. Hinter ihr fahren die Wasserwerfer der Polizei auf, feiner SprĂŒhregen durchsetzt die Luft. Ihren Blick wendet sie dennoch nicht vom Himmel ab. Die Frau ist nur eine der rund 10.000 Demonstranten, die am Mittwoch in Berlin zusammengefunden haben, um gegen die Corona-Maßnahmen im Allgemeinen und die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes im Speziellen zu protestieren. Eine Maske trĂ€gt sie nicht.


Diese Spitzenpolitiker hatten das Coronavirus

Emmanuel Macron: Frankreichs PrÀsident hatte Symptome, wie Husten und Fieber.
Jair Bolsonaro: Der brasilianische Regierungschef verharmlost das Virus immer noch. Am 7. Juli 2020 war bekannt geworden, dass der 65-JĂ€hrige an Covid-19 erkrankt war.
+15

Die Menschen tanzen unter Wasserwerfern, fĂŒrchten, durch das Pfefferspray der Polizei geimpft zu werden, halten keinen Abstand. Sie sehen in einer GesetzesĂ€nderung das Ende der Demokratie. WĂ€hrend ein großer Teil der BĂŒrger in Deutschland jeden Tag versucht, die Ausbreitung des Virus zu verhindern, ist diesen Menschen die Gefahr der Pandemie offenbar egal.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Schon kommt die nÀchste Krise
In der EuropÀischen Zentralbank in Frankfurt wird Europas Geldpolitik gemacht.


Dass sie damit andere Menschen gefĂ€hrden, scheint sie nicht zu stören. Auf Schildern klagen sie darĂŒber, ihre Meinung nicht mehr kundtun zu dĂŒrfen, dabei dĂŒrfen sie demonstrieren, wenn sie sich an zwei Regeln halten: eine Maske und eineinhalb Meter Abstand zum Nebenmann. Ein Widerspruch.

Ein Widerspruch, der ratlos zurĂŒcklĂ€sst.

Loading...
Symbolbild fĂŒr eingebettete Inhalte

Embed

Alle Versuche, objektiv ĂŒber das Coronavirus und die politischen Maßnahmen zu berichten, scheinen bei diesen Demonstranten nicht mehr anzukommen. Muss man diese Menschen deshalb abschreiben? Oder kann man sie trotzdem noch irgendwie erreichen? t-online hat versucht Antworten auf diese Frage zu finden. Politiker, die genau jene Entscheidungen treffen, die diese Menschen so wĂŒtend machen, ein Experte fĂŒr Verschwörungstheorien, ein Psychologe und die Polizei versuchen zu erklĂ€ren, was nun geschehen muss.

Das sagt die Polizei:

FĂŒr Jörg Radke war die Demo vor dem Brandenburger mal wieder eine Provokation. Er ist stellvertretener Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei und sieht die Proteste in Berlin in einer Reihe mit den vorherigen Demonstrationen der Querdenken-Bewegungen: Bereits in Leipzig hatten sich Gegner der Corona-Maßnahmen nicht damit zufriedengegeben, auf dem dortigen MessegelĂ€nde mit viel Platz zu demonstrieren. Stattdessen wĂ€hlten sie den beengten Innenstadt-Ring, einen Ort, an dem die Proteste gegen das DDR-Regime ihren Höhepunkt fanden. "Diese Menschen wollen historische Orte zu historischen Daten besetzen. Es geht ihnen aber nicht um die freie MeinungsĂ€ußerung." Das sehe man auch daran, wie aggressiv gegen Journalisten vorgegangen wird, so Radke.

Die Polizei beregnete die Protestler: "Wir mĂŒssen einfach diese Geduld aufbringen", sagt Jörg Radke.
Die Polizei beregnete die Protestler: "Wir mĂŒssen einfach diese Geduld aufbringen", sagt Jörg Radke. (Quelle: Christian Mang/Reuters-bilder)

"Wir mĂŒssen uns eingestehen, dass dieser Veranstaltungstypus rein auf Provokation anlegt", sagt Radke, der am Mittwoch das Treiben im Berliner Regierungsviertel hautnah miterlebt hat. Da seien vor allem Rechtsextremisten gewesen, die sich die Ängste der besorgten Menschen zu eigen machten. "Die Veranstaltung wurde so radikalisiert."

Die AufzĂŒge in Berlin waren zum großen Teil erlaubt, doch es gab Auflagen. Das Tragen einer Maske, der Abstand zum Nebenmann. An beides hielten sich nur die wenigsten. Radke: "Es muss jedem klar sein, dass er sich mit Vorsatz nicht an das Recht hĂ€lt. Doch es wird immer noch so getan, als sei das ein Kavaliersdelikt."

Die Polizei stellt das vor Probleme: Wie reagieren auf Masken-Verweigerer und Pandemie-Leugner? Was tun, wenn Menschen nicht gehen wollen, obwohl die Demo lĂ€ngst aufgelöst wurde? Recht mit Gewalt durchzusetzen, scheint keine Lösung. "Dort werden Familien mit kleinen Kindern in die erste Reihe der Demo gestellt. Warum? Weil die Veranstalter auf Bilder von verĂ€ngstigten Kindern hoffen. Und somit ihre Propaganda vom Polizeistaat in die Welt gesendet bekommen", klagt Radke. Stattdessen besprĂŒhte die Polizei die Menge mit Wasser aus den Wasserwerfern, deren Vorrichtungen waren nicht auf die Demonstranten gerichtet, sondern Richtung Himmel. Man wollte es den Teilnehmern "ungemĂŒtlich" machen, so Radke. Am Ende mit Erfolg, selbst wenn auch Stunden nach dem Demo-Ende noch immer Tausende Menschen zusammenstanden. "Wir mĂŒssen einfach diese Geduld aufbringen. Anders geht es nicht. Wir mĂŒssen erkennen, dass solche Demonstrationen nicht in zwei Stunden aufgelöst werden können."

Das sagt die Politik:

Konstantin Kuhle ist kein Fan des neuen Infektionsschutzgesetzes. Doch statt eine Verschwörung darin zu sehen oder sich ĂŒber Allmachtsphantasien der Regierung zu sorgen, stimmte der Oppositionspolitiker gegen die GesetzesĂ€nderung. Man kann ihn in diesem Fall also als Regierungskritiker bezeichnen. Und doch macht er es ganz anders als die demonstrierenden Menschen vor dem ReichstagsgebĂ€ude. In einem knapp 8-minĂŒtigen Video auf Youtube erklĂ€rt er ruhig, sachlich und in einfachen Worten, was ihn und seine Partei, die FDP, an den GesetzesĂ€nderungen stört.

FDP-Politiker Konstantin Kuhle: "Kritische und interessierte BĂŒrgerinnen und BĂŒrger haben immer Antworten und ErklĂ€rungen durch die Politik verdient."
FDP-Politiker Konstantin Kuhle: "Kritische und interessierte BĂŒrgerinnen und BĂŒrger haben immer Antworten und ErklĂ€rungen durch die Politik verdient." (Quelle: imago-images-bilder)

Am Nachmittag ist er einer der Politiker, die neben Wirtschaftsminister Peter Altmaier von rechten Aktivisten im Bundestag bedrĂ€ngt werden. (Mehr zu den HintergrĂŒnden lesen Sie hier). Er empfinde "diese Versuche der Beeinflussung des Abstimmungsverhaltens als absolut unerhört", schreibt er auf Twitter. Konkreter wird er auf Nachfrage bei t-online: "Bei den Demonstrationen mischen sich echte EnttĂ€uschung und wahrer Frust ĂŒber die einschneidenden Corona-Maßnahmen mit rechtsextremen und demokratiefeindlichen Motiven sowie mit dem einfachen Wunsch, bei einer solchen Versammlung etwas zu erleben."

So legitim die Anliegen mancher Demonstranten seien, so traurig sei es auch, dass die genannten Motive immer mehr ineinander ĂŒbergehen, so Kuhle. Doch einfach Abschreiben will er die Menschen nicht – auch wenn er deutlich wird: "Kritische und interessierte BĂŒrgerinnen und BĂŒrger haben immer Antworten und ErklĂ€rungen durch die Politik verdient. Wenn mit Gewalt, Drohungen und Aggression gearbeitet wird, muss die Antwort allerdings unmissverstĂ€ndlich sein: Sowas hat in einer demokratischen Auseinandersetzung nichts zu suchen. Deswegen mĂŒssen Versammlungen bei GrenzĂŒberschreitungen konsequent aufgelöst werden. Störer mĂŒssen aus dem Parlament entfernt werden."

Loading...
Loading...
Loading...

Das sagt der Psychologe:

Die Szenen am Mittwoch verursachen bei Sebastian Bartoschek KopfschĂŒtteln – und zeigen nach Meinung des Psychologen wie stark die Wahrnehmung dieser Menschen von der RealitĂ€t entrĂŒckt ist. Die Menschen nehmen sich selbst als Rebellen und RevolutionĂ€re gegen eine vermeintliche Diktatur wahr. "Es geht um eine ganz grundsĂ€tzliche Systemkritik, man kann es auch Demokratieverachtung nennen. Sie sehen sich als Helden, wenn sie im Wasserwerferregen tanzen."

Loading...
Symbolbild fĂŒr eingebettete Inhalte

Embed

Bei den Demonstrationen kommen zwar ganz unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Haltungen zusammen, meint Bartoschek. "Sie alle aber eint die Verachtung fĂŒr das System in dem wir leben." Laut Bartoschek gibt es keine andere Möglichkeit, als mit der vollen HĂ€rte der exekutiven Gewalt auf Proteste zu reagieren, in denen gegen die Regeln verstoßen wird. Denn Milde wĂŒrde den Menschen nur das GefĂŒhl geben, tatsĂ€chlich im Recht zu sein und mit ihren Aktionen davonzukommen.

"Wir mĂŒssen uns außerdem fragen, welche Wirkung hat das auf BĂŒrger, die sich an die Hygienemaßnahmen halten", warnt Bartoschek. Bei diesen Menschen erodiere das Vertrauen in den Staat. "Die Menschen fragen sich, wie kann es sein, dass wir beim Einkaufen Masken tragen mĂŒssen, und die machen da lustige Polonaisen. Das finde ich fataler als die Frage, ob die Leute, die eh schon radikalisiert sind, sich in ihrem radikalen Gedankengut bestĂ€rkt sehen."

Michael Butter: "Über einen langfristigen Zeitraum und im privaten Kontext Dialogbereitschaft signalisieren, Fragen stellen. Nur so kann eine Selbstreflexion in Gang gesetzt werden."
Michael Butter: "Über einen langfristigen Zeitraum und im privaten Kontext Dialogbereitschaft signalisieren, Fragen stellen. Nur so kann eine Selbstreflexion in Gang gesetzt werden." (Quelle: teutopress/imago-images-bilder)

Das sagt der Experte fĂŒr Verschwörungstheorien:

Impfungen durch Nano-Sonden, die große Drosten-und-Merkel-Diktatur: Michael Butter beschĂ€ftigt sich von Beruf aus mit "Alternativen Fakten" – auch zur Corona-Pandemie. Der Professor an der Uni TĂŒbingen forscht eigentlich im Fach Amerikanistik. Doch seit einiger Zeit wird er mehr und mehr zu dem deutschen Experten fĂŒr Verschwörungstheorien. In den Parolen vieler Demonstranten sieht er vor allem eine neue Taktik der Rechtsextremen: "Es gibt vonseiten der Neuen Rechten nicht mehr den Versuch, die Geschichte des Nationalsozialismus umzudeuten, weil sie gemerkt haben, dass das nicht funktioniert und dass das tabu ist."

Stattdessen wĂŒrden sie versuchen, sich selbst gegen rechts zu inszenieren. So will man Demokratie als Diktatur erscheinen lassen. Dabei sei es nur der nĂ€chste logische Schritt, dass man beim Infektionsschutzgesetz den Begriff "ermĂ€chtigen" aufnehme und behaupte, dass hier dasselbe passiere wie 1933.

Beliebteste Videos
1
Mindestens zwölf Menschen sterben in giftiger Gaswolke
Symbolbild fĂŒr ein Video

Alle VideosPfeil nach rechts

Auch Verschwörungstheoretiker aus der linken Szene spielen eine Rolle. Butter: "Da gibt es schon seit Jahren die Meinung, Deutschland driftet ab in eine Diktatur, das wird da wirklich geglaubt. Diese beiden Richtungen stören sich nicht aneinander, sie brĂŒllen die gleichen Parolen. Dadurch ist eine Querfront entstanden, die sich emotionalisiert und mobilisiert hat." Wenn Menschen diese Theorien glauben, werde es schwer, sie davon abzubringen, so der Experte. Die einzige Chance sei: "Über einen langfristigen Zeitraum und im privaten Kontext Dialogbereitschaft signalisieren, Fragen stellen. Nur so kann eine Selbstreflexion in Gang gesetzt werden."

Sie mit der Tatsache, dass es sich bei ihren Vorstellungen um Verschwörungstheorien handelt, zu konfrontieren, habe dagegen den genau gegenteiligen Effekt: "Denn alles wird umgedeutet und zum Beweis fĂŒr die Verschwörung gemacht." Seine Lösung ist daher Ă€hnlich wie die der Polizei: Geduld. Butter: "Ich kann jeden verstehen, der diese Geduld nicht aufbringen kann. Eigentlich ist das aber die einzige Möglichkeit, um noch eine Chance zu haben."

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
  • Tim Kummert
Von Tim Kummert
Von Fabian Reinbold, Elmau
Angela MerkelBrandenburger TorCoronavirusDeutschlandFDPGrippePolizei
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website