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Migrationspolitik: Anzahl der unerlaubten Einreisen zuletzt gesunken


Zahl unerlaubter Einreisen sinkt deutlich

Von dpa
Aktualisiert am 07.12.2023Lesedauer: 3 Min.
Stationäre Kontrolle der Bundespolizei und vom Zoll im Kampf gegen Schleuser auf der Stadtbrücke in Frankfurt Oder: Innenministerin Faeser zeigt sich zufrieden mit den Ergebnissen der Kontrolle.Vergrößern des BildesKontrolle von Bundespolizei und Zoll auf der Stadtbrücke in Frankfurt Oder: Innenministerin Faeser zeigt sich zufrieden mit den Ergebnissen der Kontrolle. (Quelle: Volker Hohlfeld/imago images)
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Die Bundespolizei verzeichnete im November nur ein Viertel so viele unerlaubte Einreisen wie im Oktober. Das liege auch an einem Domino-Effekt.

Die Zahl der unerlaubten Einreisen nach Deutschland ist im November im Vergleich zum Vormonat stark zurückgegangen. Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Frage der Abgeordneten Clara Bünger (Linke) hervorgeht, stellte die Bundespolizei vom 1. bis zum 23. November an den Landesgrenzen insgesamt 4.353 unerlaubte Einreisen fest und ordnete 2.299 Zurückweisungen an.

Im Monat Oktober waren an den deutschen Landesgrenzen 18.384 unerlaubte Einreisen gezählt worden – davon der Großteil in der ersten Monatshälfte. Auch der Vergleich zu den Monaten der Vorjahre veranschaulicht die relativ niedrigen Zahlen: Im gesamten Monat November 2021 hatte die Bundespolizei an allen Grenzen 7.543 unerlaubte Einreisen festgestellt, im November vergangenen Jahres waren es 12.538 gewesen.

Unerlaubte Einreisen auch an Grenzen zu Österreich stark zurückgegangen

Einen erheblichen Rückgang gab es in den ersten Novemberwochen den Angaben zufolge nicht nur an den Grenzen zu Polen, Tschechien und der Schweiz, wo es seit dem 16. Oktober feste Grenzkontrollen gibt, sondern auch an der Grenze zu Österreich. Dort waren solche stationären Kontrollen bereits im Herbst 2015 angeordnet und seither immer wieder verlängert worden.

Laut vorläufigen Zahlen der Bundespolizei wurden an der deutsch-österreichischen Landgrenze zwischen dem 1. und dem 23. November 921 unerlaubt eingereiste Menschen festgestellt und circa halb so viele Zurückweisungen angeordnet. Im Monat davor waren dort noch mehr als 6.921 unerlaubt Eingereiste angetroffen worden. Die häufigsten Herkunftsländer der 4.820 Menschen, die im Oktober insgesamt an Deutschlands Grenzen zurückgewiesen wurden, waren die Türkei, Syrien, Afghanistan und Marokko.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) vermutet allerdings, dass der starke Rückgang in den vergangenen Wochen nur zu einem geringen Teil auf die von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) Mitte Oktober angeordneten Grenzkontrollen zurückzuführen ist.

Domino-Effekt sorgt für Nachahmungen bei Nachbarstaaten

Beobachter sehen allerdings einen gewissen Domino-Effekt, also dass Anrainerstaaten und deren Nachbarn in der Folge ihren eigenen Grenzschutz verstärkt haben. Andreas Roßkopf, bei der GdP zuständig für Bundespolizei und Zoll, merkt an, dass Österreich und die Slowakei zuletzt ihre Grenzkontrollen zu Ungarn intensiviert hätten.

Dieser Effekt sei durchaus erwünscht, sagt der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm, der die Grenzkontrollen – ebenso wie Ministerin Faeser – als erfolgreich bezeichnet. Der CDU-Politiker betont jedoch: "Grenzkontrollen sind kein Allheilmittel." Deutschland müsse auch bei der Rückführung abgelehnter Asylbewerber besser werden.

Um falsche Anreize zu vermeiden, sollten Ausländer, die in einem anderen EU-Staat bereits einen Asylantrag gestellt haben, seiner Meinung nach in Zukunft nur noch ein Übergangsgeld erhalten "und die Reisekosten, damit sie in dieses Land zurückkehren".

Roßkopf führt den Rückgang der festgestellten unerlaubten Einreisen auch auf einen vorübergehenden Sondereffekt zurück. Er sagt: "Unseren Erkenntnissen nach haben sich rivalisierende Schleuserorganisationen eine heftige Auseinandersetzung geliefert und somit sind auch hier viele Migranten zunächst nicht weiter geschleust worden."

"Grenzkontrollen verhindern nicht, dass Menschen Asyl brauchen"

Dass die verschiedenen Schleuser-Netzwerke bald versuchen werden, neue Wege zu finden, um Menschen gegen Geld nach Deutschland zu bringen, ist allerdings zu erwarten. "Grenzkontrollen verhindern nicht, dass Menschen Asyl brauchen, sie machen die Fluchtwege nur noch gefährlicher", sagte Linken-Abgeordnete Bünger. Dass Schutzsuchende nun bei Minusgraden und Schneechaos auf andere Routen ausweichen müssten, sei schon aus humanitären Gründen untragbar.

Grenzkontrollen sind innerhalb des Schengen-Raums eigentlich nicht vorgesehen und müssen in Brüssel gemeldet werden. Handelt es sich um nur wenige Tage, kann dies mit kurzer Frist getan werden. Diese Möglichkeit endet allerdings nach zwei Monaten, im Falle Deutschlands am 15. Dezember. Beobachter erwarten jedoch – nicht zuletzt, weil Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) dies im Bundestag so angekündigt hat – dass Faeser zumindest an den Grenzen zu Polen und Tschechien auch längerfristig an den Kontrollen festhalten und die EU-Kommission darüber bald informieren wird.

Bünger plädiert hier – so wie auch mehrere Abgeordnete der Grünen-Fraktion – für eine Umkehr. Dass stationäre Kontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze inzwischen zu einem Dauerzustand geworden seien, verstoße gegen EU-Recht und müsse beendet werden, anstatt diese Praxis auf weitere Grenzabschnitte auszuweiten.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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