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Will Putin überhaupt verhandeln?

  • Tim Kummert
Von Lisa Becke, Tim Kummert

Aktualisiert am 22.03.2022Lesedauer: 5 Min.
Feuerwehrleute vor den Trümmern eines Einkaufszentrums in Kiew: Das Gebäude wurde durch eine russische Rakete zerstört.
Feuerwehrleute vor den Trümmern eines Einkaufszentrums in Kiew: Das Gebäude wurde durch eine russische Rakete zerstört. (Quelle: Marko Djurica/Reuters-bilder)
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Seit fast vier Wochen führt Russland Krieg gegen die Ukraine. Millionen Menschen sind auf der Flucht, etliche Kämpfe wirken festgefahren. Wie könnte sich die Lage weiter entwickeln?

Die Toten im Krieg lassen sich in ersten Zahlen fassen. 115 ist eine dieser Zahlen. 115 Kinder wurden seit dem Beginn des Ukraine-Krieges im Land getötet, das teilte die Generalstaatsanwaltschaft in Kiew mit. Die Angaben lassen sich noch nicht verifizieren, doch es ist von insgesamt tausenden Opfern auszugehen.


Russischer Angriffskrieg gegen die Ukraine: Eine Chronologie in Bildern

Mehrere Wochen dauert der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine nun schon an. Mit jedem Tag steigt die Anzahl der Toten, Vertriebenen und zerstörten Ortschaften. Ein Überblick über die Geschehnisse seit Beginn der Invasion. Im
21. Februar: Russlands Präsident Wladimir Putin erkennt die selbst ernannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk im Osten der Ukraine als unabhängige Staaten an. Tags darauf stimmt das russische Parlament zu. Soldaten sollen in die Separatistengebiete entsandt werden.
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Seit fast einem Monat führt Wladimir Putin seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Wie lange wird das so weitergehen? Kann Putin sich noch zurückziehen? Und welche Rolle spielt die Hafenstadt Mariupol? Ein Überblick.

Wie ist die aktuelle Lage?

Knapp einen Monat nach dem Beginn des Angriffskrieges kann Russland nur geringfügige Gewinne verzeichnen. Und nehme zunehmend zivile Ziele ins Visier, sagen Analysten und US-Offizielle. Weil der Vormarsch auf Kiew stockt, geht das russische Militär äußerst massiv gegen andere strategisch wichtige Städte vor: Aus mehreren Städten werden heftige Kämpfe und schwere Schäden gemeldet.

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Besonders dramatisch ist die Situation in der belagerten Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer – doch auch Charkiw werde weiterhin mit Artillerie beschossen, berichtete die Agentur Unian. Schwere Gefechte gibt es auch um die nordukrainische Stadt Tschernihiw nahe der Grenze zu Belarus: Nach Militärangaben aus Kiew wird die 300.000-Einwohner-Stadt beschossen, es gibt keinen Strom und keine Heizung mehr.

Die ukrainischen Behörden versuchen weiterhin, landesweit Zivilisten aus umkämpften Städten und Dörfern in Sicherheit zu bringen. Aus den umkämpften Orten nördlich und östlich von Kiew sollen Zivilisten etwa näher an die Hauptstadt gebracht werden, so Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk.

Welche Rolle spielt die Stadt Mariupol im Krieg?

Eine entscheidende: Die Hafenstadt hat eine strategisch wichtige Lage und die russischen Truppen sind schon weit vorgerückt. Die humanitäre Lage in der Stadt am Asowschen Meer sei katastrophal: "Hölle auf Erden", so beschrieb es der ukrainische Parlamentsabgeordnete Yaroslav Zhelezniak gegenüber der BBC.

In den jüngsten Entwicklungen sehen Experten einen Wechsel der militärischen Strategie Russlands: Es gehe nun um "Zermürbung im großen Maßstab", so etwa der ehemalige britische Offizier Richard Barrons bei der BBC.

Seit Wochen harren in Mariupol rund 300.000 Menschen unter russischem Bombardement aus. Die Lebensmittel sind knapp, es gibt oft keinen Strom und kein fließendes Wasser. Am Sonntag hatte Russland die ukrainischen Truppen in der Stadt aufgefordert, die Waffen niederzulegen – dieses Ultimatum wurde von der ukrainischen Führung abgelehnt. "An Mariupol sieht man, dass die Perversion der Entmenschlichung durch Russland dramatische Züge angenommen hat. Aus Putins Krieg ist Russlands Krieg geworden", sagte die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann t-online.

Das Szenario der "Zermürbung" drohe auch anderen ukrainischen Städten, die für den russischen Feldzug wichtig seien, glaubt Barrons. Diese neue Strategie werde wohl mit willkürlichem Beschuss einhergehen, davon geht das britische Verteidigungsministerium aus – und damit mit einer höheren Zahl ziviler Oper, der Zerstörung ukrainischer Infrastruktur und der Verschärfung der humanitären Krise.

Wollen Russen und Ukrainer ernsthaft verhandeln?

Auch am Montag sollen die Unterhändler der Ukraine und Russlands in einer Videoschalte zusammenkommen und erneut über eine diplomatische Lösung verhandeln. Dabei gab es in den vergangenen Tagen immer wieder positive Zeichen, nach Meinung des ukrainischen Präsidentenberaters Mychajlo Podoljak etwa sei Moskaus Position zuletzt "angemessener" geworden. Am Montag jedoch beschuldigte der Kreml die ukrainische Seite, ihre "Hausaufgaben" nicht zu machen und nicht verhandlungsbereit zu sein.


Viele Beobachter zeigen sich kritisch angesichts der Verhandlungen: Am Wochenende warnte die britische Außenministerin Liz Truss in der Londoner "Times", dass Moskau nur zum Schein verhandelte und die Zeit dazu nutze, seine Truppen militärisch neu zu ordnen. Ähnlich hatte sich bereits zuvor der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian geäußert.

Der Politologe Gerhard Mangott von der Universität Innsbruck sagte dagegen dem RND: Er glaube schon, dass Moskau in den Verhandlungen eine politische Lösung herbeiführen möchte. Blieben die bisherigen Differenzen jedoch bestehen, sieht Mangott keine Chance auf eine Lösung des Krieges durch Verhandlungen. "Dann würde Russland versuchen, die Ukraine militärisch zur Kapitulation zu zwingen." Solange die ukrainischen Truppen Russland aber immer wieder zurückdrängten und aufhielten, müsse Putin weiterverhandeln.

Von ukrainischer Seite will man durchaus grundsätzliche Verhandlungen mit der russischen Delegation führen. Sie sollen die Basis sein, um zumindest eine erste Waffenruhe auszuhandeln. Doch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj möchte mehr: ein direktes Treffen mit Wladimir Putin.

Am Wochenende rief Selenskyj die russische Seite erneut zu "ehrlichen Verhandlungen ohne Verzögerungen" auf. Selenskyj ist klar: Sobald es direkte Verhandlungen zwischen ihm mit Putin gibt, wird in der Öffentlichkeit eine Augenhöhe zwischen den beiden Staatschefs hergestellt. Die Hoffnung: Dann geht es nicht nur um eine kurzfristige Waffenruhe, sondern um eine dauerhafte Lösung. Und im Idealfall sogar um eine Anerkennung der Ukraine als souveränes Land.

Welche Möglichkeiten hat Putin noch?

Theoretisch: viele. Putin könnte kompromissbereite Verhandlungen über eine Waffenruhe führen und einen vorzeitigen Stopp des Vorrückens seiner Truppen befehlen. Doch das wird er wohl vorerst nicht tun.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Montag: "ehrliche Verhandlungen ohne Verzögerungen".
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Montag: "ehrliche Verhandlungen ohne Verzögerungen". (Quelle: dpa-bilder)

Denn der russische Autokrat hat seit Beginn des Krieges die strategische Wichtigkeit seiner "militärischen Sonderoperation" betont. Er argumentiert, er wolle die Ukraine "entnazifizieren". Jetzt, da der Angriffskrieg ins Stocken gerät, kann sich Putin kaum sofort zurückziehen. Seine politische Glaubwürdigkeit im Inland hängt von diesem Krieg ab: Putin will Russland wieder mächtiger machen, das soll der erste Schritt dafür sein. Und er will sich als jemand präsentieren, der schon in der Vergangenheit eisern seine Ziele verfolgte.

Ob Putin die Lage weiter eskaliert, dürfte von verschiedenen Faktoren abhängen: Wie gut leistet die Ukraine weiter Widerstand? Wie hoch sind die Verluste bei den eigenen Truppen? Und wie viele russische Ressourcen lassen sich noch als Unterstützung hinzuziehen?

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Als praktisch ausgeschlossen gilt jedoch ein vollständiger Rückzug der russischen Truppen. Mindestens einen Teilerfolg – wie auch immer dieser aussehen wird – wolle Putin vermelden, glauben Verteidigungsexperten.

Wie geht es jetzt weiter?

Das hängt davon ab, wie die nächsten Tage verlaufen. Die Russen ändern aktuell ihre Strategie, glaubt der Militärexperte Carlo Masala. Er sagte t-online: "Momentan sieht es so aus, als ob sich die russischen Truppen auf Defensivoperationen einstellen. Das heißt, die Verteidigung und Zerstörung von gehaltenem Gebiet scheint Priorität vor der Eroberung neuen Territoriums zu haben."

Ukrainische Flüchtlinge: Mindestens 115 Kinder sind bislang durch russische Angriffe getötet worden, so die Generalstaatsanwaltschaft in Kiew.
Ukrainische Flüchtlinge: Mindestens 115 Kinder sind bislang durch russische Angriffe getötet worden, so die Generalstaatsanwaltschaft in Kiew. (Quelle: imago-images-bilder)

Von einem "Überrennen des Landes", wovon viele Beobachter am Anfang des Krieges ausgingen, ist keine Rede mehr. Nordwestlich von Kiew werden einige der russischen Truppen bereits zurückgedrängt. Korrespondenten vor Ort berichten davon, dass sich die Lage in der ukrainischen Hauptstadt in den letzten Tagen etwas entspannt habe.

Ob dies so bleibt, ist noch unsicher. Und dürfte sich auch an der Frage entscheiden, wie gut die Ukrainer mit Waffen und Munition weiterhin ausgestattet werden. Wichtig wird die Hafenstadt Odessa, die noch hart umkämpft ist – und als Knotenpunkt von Handelsrouten gilt.

Mehrere Experten halten eine dauerhafte Patt-Situation für wahrscheinlich. Es wäre eine Form von Krieg als Normalität, zumindest in gewissen Regionen.

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Von Annika Leister
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