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Tagesanbruch: Trumps nächste Turbulenz, Wohltat für Senioren – Last für Junge

MEINUNGTagesanbruch  

Was heute Morgen wichtig ist

Von Florian Harms

13.07.2018, 10:23 Uhr

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

hier ist der kommentierte Überblick über die Themen des Tages:

WAS WAR?

Donald Trump mit seiner Gattin Melania und Theresa May. (Quelle: AP/dpa/Pablo Martinez Monsivais)Donald Trump mit seiner Gattin Melania und Theresa May. (Quelle: Pablo Martinez Monsivais/AP/dpa)

Dieser Nato-Gipfel war wohl der turbulenteste, den es je gegeben hat – dank Donald Trump. Erst drohen, dann schmeicheln, erst das eine twittern, dann im Vieraugengespräch das Gegenteil sagen: Gäbe es einen Preis für den unberechenbarsten Politiker, Herr Trump hätte ihn längst eingeheimst. Eine Frage aber bestimmte das gesamte Treffen: Muss Deutschland mehr Geld für Rüstung und Armee ausgeben? Ist Trumps Forderung also berechtigt oder Unsinn? Wer sich abseits des Getwitteres und Lärmens mit den Fakten beschäftigt, sieht rasch, dass diese Frage alles andere als einfach zu beantworten ist.

“Fakt ist: Die Bundeswehr ist unterfinanziert und nur bedingt einsatzbereit“, schreibt mein Kollege David Ruch. “Sie kommt beim Abarbeiten der Ausrüstungsmängel kaum hinterher. Dem Heer fehlen funktionierende Panzer, Nachtsichtgeräte und kugelsichere Westen, der Marine einsatzfähige Schiffe. Dieser Zustand der Truppe kollidiert jedoch massiv mit den selbst gesetzten Ansprüchen. Deutschland will mehr Verantwortung in der Welt übernehmen, auch militärisch, und eine europäische Verteidigungsunion vorantreiben. So steht es im Koalitionsvertrag. In der Haushaltsplanung wird das Regierungsbündnis diesem Anspruch jedoch kaum gerecht.“

Moment Mal, sagt dagegen mein Kollege Patrick Diekmann. “Deutschland darf nicht auf Donald Trump hereinfallen. Es geht nur um Geld. Natürlich spekuliert Trump darauf, dass bei steigenden Verteidigungsausgaben vor allem US-Unternehmen mehr Aufträge bekommen. Deutschland läuft erneut Gefahr, Geld im Militärbereich zu verpulvern. Stattdessen muss mehr Geld in Entwicklungshilfe fließen. Die Welt braucht außerdem eine globale Sicherheitsarchitektur und deshalb gute Beziehungen zu Russland. Trumps Forderung steht all diesen deutschen Interessen entgegen.“

Und wer hat nun recht? Der eine? Der andere? Alle beide? Bitte bilden Sie sich selbst Ihre Meinung, indem Sie unser Format Pro & Kontra lesen. So sind Sie bestens gewappnet für Trumps nächsten Auftritt: Heute besucht er mit Theresa May in England eine Truppenübung, abends trifft er gemeinsam mit seiner Gattin Melania auf Schloss Windsor Königin Elizabeth II. Vorher wollen in London Zehntausende gegen den Besuch demonstrieren. Wo dieser Präsident auch hinkommt: überall Turbulenzen.

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Matteo Salvini und Horst Seehofer. (Quelle: Reuters/Lisi Niesner)Matteo Salvini und Horst Seehofer. (Quelle: Lisi Niesner/Reuters)

Erst ein Frühstück. Dann eine Stellungnahme. Dann Beratungen. Dann wieder eine Stellungnahme. Zwischendurch immer wieder Bekenntnisse, man sei guter Dinge. Und am Ende: keine Einigung in den Streitfragen. So in etwa verlief das Treffen der EU-Innenminister zum Thema Migration. Bundesinnenminister Seehofer kam zum ersten Mal mit allen seinen europäischen Kollegen zusammen, darunter Herr Kickl von der extrem rechten FPÖ aus Österreich und Herr Salvini von der extrem rechten Lega aus Italien.

Keine große Einigung also: Was eigentlich keine Nachricht ist, ist hier doch eine, denn die Gespräche in Innsbruck sollten Hinweise darauf geben, wie der große Streit um Flüchtlinge, der beinahe die deutsche Regierung zerstört hätte, gelöst werden kann. Und ob er überhaupt gelöst werden kann. Bei der für Seehofer entscheidenden Frage sieht es nicht so aus, berichtet mein Kollege Jonas Schaible. Gibt es aber keine Abkommen, gibt es auch keinen Asylkompromiss. Und das Theater zwischen CDU und CSU könnte von vorn beginnen.

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WAS STEHT AN?

Das 280 Millionen Euro teure Radioteleskop Meerkat wird heute eröffnet. (Quelle: SKA South Africa)Das 280 Millionen Euro teure Radioteleskop Meerkat wird heute eröffnet. (Quelle: SKA South Africa)

Was uns hier unten auf der Erde den lieben langen Tag so beschäftigt: Der Trump mit seinem wüsten Mundwerk und dem gelben Haar, der Seehofer mit seinem Plan und dem ratlosen Blick, so viele Nationalmannschaften, die viel besser Fußball spielen als wir, die Steuererklärung ist immer noch nicht gemacht, und beim Wagen muss dringend der TÜV verlängert werden. Große und kleine Dramen, Weltpolitik und Alltag, kommt uns alles so viel und so groß vor – und ist in Wahrheit doch so winzig klein. Wenn man für einen kurzen Moment die Perspektive wechselt und sich vorstellt, wie jemand von oben uns hier unten sähe, wie wir uns von unseren Alltagssorgen treiben lassen. Ich meine: von ganz, ganz weit oben. So ungefähr fünf oder zehn oder hundert Milliarden Kilometer über uns. Ich ahne: Da sähen wir und unsere Themen ganz schön klein aus.

Wir können den Spieß natürlich auch umdrehen und einfach mal die Frage stellen, wer oder was denn eigentlich dort oben ist. Wir sind ja von Natur aus neugierig, wir Homo Sapiens. Deshalb ist der Termin, der heute Morgen in der südafrikanischen Halbwüste Karoo stattfindet, nur logisch: Dort eröffnet heute Herr David Mabuza, seines Zeichens Vizepräsident Südafrikas, ein 280 Millionen Euro teures Gerät namens Meerkat. Es ist das größte und stärkste Radioteleskop der südlichen Hemisphäre. Dank der 64 tellerförmigen Antennen mit einem Durchmesser von mehr als 13 Metern können Forscher künftig Objekte beobachten, die Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt sind. “Meerkat ist ein riesiger Schritt für uns bei der Erforschung des Weltalls“, sagt der technische Leiter der Anlage, Justin Jonas. Der Standort in der Halbwüste sei perfekt, da diese kaum von irdischer Störstrahlung betroffen sei. Also: keine Handymasten, keine Radiowellen, keine TV-Signale, keine Menschen mit ihren unzähligen Geräten und Alltagssorgen.

In einigen Jahren wird die Anlage dann in das noch größere Radioteleskop SKA integriert, das über die ganze Welt verteilt ist. Dann können wir noch hundert Mal weiter ins All schauen als jetzt. Und wer weiß: Vielleicht schaut dann ja jemand zurück.

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Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). (Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Auf 100 Werktätige kommen in Deutschland etwa 36 Rentner, ein Spitzenwert in Europa. In zehn Jahren werden es fast 47 sein, so schnell steigt die Quote fast nirgendwo auf der Welt. Angesichts dieser Entwicklung wird das gegenwärtige Rentensystem auf lange Sicht implodieren. Die Politik muss also reagieren. Die Bundesregierung gedenkt das Problem erst mal auf die lange Bank zu schieben und hat es in eine Kommission verlagert.

Weil die SPD im Wahlkampf aber versprochen hat, schnell etwas für Rentner zu tun, stellt Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (von der, genau, SPD) heute ein Rentenkonzept vor. Dieses gönnt den Rentnern von heute etwas mehr Geld. Darüber kann man sich freuen, wenn man selbst zu den Empfängern zählt. Oder man kann sich darüber aufregen, wenn man noch viele Jahre zu arbeiten (und die Renten der anderen zu finanzieren) hat und schon jetzt ahnt, dass später nicht mehr viel zu verteilen sein wird.

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WAS LESEN UND ANSCHAUEN?

Ganz nah dran beim Großereignis: Das ist der Traum eines jeden Fotografen. Nehmen wir mal an, das Großereignis ist die Fußball-WM, zum Beispiel der historische, erstmalige Einzug eines Teams ins Finale. Der Siegtreffer fällt, jubelnd stürzt sich die Mannschaft auf den Torschützen. Die optimale fotografische Position befindet sich wo? Unten drunter. Unter dem Menschenhaufen. Hier der Beweis

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Die Pläne von Theresa May für den Brexit habe ich hier gestern angekündigt, nun hat die Premierministerin die Details vorgestellt. Wie stellt sie sich den Austritt aus der EU vor? Worüber wird gestritten? Das hat mein Kollege Johannes Bebermeier schnell für Sie erklärt

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HTLV-1 ist kein neuer Standard für hochauflösende Fernseher. Kein geostationärer Satellit. Keine Kennung am Rumpf eines Flugzeugs. HTLV-1 ist ein alter Hut. Schon vor bald 40 Jahren wurde das Ding entdeckt. Ein Virus, das beim Sex übertragen wird, Millionen von Menschen infiziert hat und in 90 Prozent der Fälle nicht das Geringste tut. Die übrigen 10 Prozent bringt es in Lebensgefahr.

Wenn Sie von HTLV-1 noch nie etwas gehört haben, sind Sie in bester Gesellschaft. Das Virus löst eine besonders aggressive Form von Blutkrebs und andere schwere Krankheiten aus – bei eben jenen zehn Prozent. Aber kaum jemand hat von dem Erreger gehört. Eine Impfung gibt es nicht, eine Therapie gegen das Virus auch nicht. Fachleute schlagen jetzt Alarm, 60 Forscherinnen und Forscher haben sich mit einem Brandbrief an die Weltgesundheitsorganisation WHO gewandt.

Denn so erfolgreich das Virus im menschlichen Organismus auch ist, einen anderen Kampf hat es verloren: den um genügend Aufmerksamkeit. Kurz nach seiner Entdeckung stieß man auf einen noch gefährlicheren Artgenossen: HIV, das AIDS-Virus, stahl ihm die Show – in der Öffentlichkeit, und in der Forschung. Mit einer Epidemie unter den australischen Ureinwohnern hat es sich inzwischen wieder in Erinnerung gebracht. "HTLV-1 ist eine der am stärksten Krebs erzeugenden Stoffe, die wir kennen", sagt sein Entdecker. Doch die Erkrankten leben vor allem in den ärmeren Teilen der Welt. Also fast so weit weg wie ein Satellit

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WAS AMÜSIERT MICH?

Die Sprache des mächtigsten Mannes der Welt ist interessant. Und schlicht. Und durchsetzt von Schmähungen. Meine Kollegen von Statista haben sich die Mühe gemacht, sämtliche Tweets des US-Präsidenten daraufhin zu untersuchen, welche Worte Herr Trump besonders häufig benutzt. Und das kommt dabei heraus:

 (Quelle: t-online.de) (Quelle: t-online.de)

Und das sagt unser Cartoonist Mario Lars dazu:

 (Quelle: Mario Lars) (Quelle: Mario Lars)

Ich wünsche Ihnen einen Tag mit charmanten Menschen. Falls Sie in NRW wohnen und heute in die Ferien starten, fahren Sie bitte vorsichtig, es wird voll auf den Straßen. Am Montag schreibt mein Kollege Rüdiger Schmitz-Normann den Tagesanbruch. Ab Dienstag bin ich dann wieder für Sie da.


Ihr Florian Harms
Chefredakteur t-online.de
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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