Sie sind hier: Home > Politik > Tagesanbruch >

Tagesanbruch: WM-Finale, Wimbledon-Sieg und Trump und Putin in Helsinki

MEINUNGTagesanbruch  

Was heute Morgen wichtig ist

Von Rüdiger Schmitz-Normann

16.07.2018, 09:50 Uhr

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

hier ist der kommentierte Überblick über die Themen des Tages:

WAS WAR?

WM-Endspiel: Frankreich – Kroatien. Am Ende stand es 4:2. (Quelle: Reuters/Vincent Kessler)WM-Endspiel: Frankreich – Kroatien. Am Ende stand es 4:2. (Quelle: Vincent Kessler/Reuters)

Gestern Abend, Berlin: Vor den Kneipen läuft auf Leinwänden und Flachbildschirmen auf schnell zusammen gezimmerten Holzkonstruktionen das WM-Endspiel – aber das ist nur der Vorwand für eine Mischung aus Nachbarschaftsfest, Grillparty und Sundowner-Treff.

Die Paletten, Bierbänke, Stühle und Schalensitze sind schon lange vor dem Anstoß belegt, Kinder und Hunde laufen durch die Reihen, den Reiz dieser Abende hat noch keine Bierwerbung eingefangen. Niemand regt sich darüber auf, dass Griezmann mit einer Schwalbe einen Freistoß herausholt, der die Niederlage der Kroaten einleitet.

Seit vier Wochen ist das jetzt so, fast jeden Abend, auch wenn die deutschen Spieler schon lange zuhause sind – oder, nach ihrem unrühmlichen Abgang, fleißig Fotos posten, wie schön es im Urlaub ist. Dann ist das Spiel aus, die Franzosen jubeln erst im echten, dann im goldenen Konfetti-Regen. Die Franzosen feiern ihren Titel, die Kroaten ihren zweiten Platz. Und wir? Was machen wir jetzt, in diesen samtenen Sommernächten, ohne Fußball?

Bis gestern war Deutschland amtierender Weltmeister im Fußball – nun ist es Frankreich. Das 4:2 im Finale gegen Kroatien hatte es in sich: Das erste Eigentor in einem WM-Endspiel überhaupt, der erste Einsatz eines Video-Assistenten samt Riesen-Ärger und gleich vier Flitzer auf dem Feld.

Meine Kollegen aus der Sportredaktion haben alles aufgearbeitet. Und unser Reporter Benjamin Zurmühl kommt nach mehr als vier Wochen aus Russland zurück, wo er einen super Job gemacht hat. Vorher erklärt er noch schnell im Video direkt aus dem Medienzentrum des Moskauer Final-Stadions, warum Antoine Griezmann trotz seiner Schwalbe sein Image aufpoliert hat.

Kindheits-Traum: Angelique Kerber küsst die Wimbledon-Trophäe. (Quelle: Reuters/Toby Melville)Kindheits-Traum: Angelique Kerber küsst die Wimbledon-Trophäe. (Quelle: Toby Melville/Reuters)

Bleiben wir beim Sport: Nach 22 Jahren haben wir wieder eine deutsche Wimbledon-Siegerin. Angelique Kerber ist in die Fußstapfen ihres großen Vorbilds Steffi Graf getreten – und das in einer unheimlich sympathischen und bodenständigen Art und Weise.

Kerber hat eine schwere Zeit hinter sich, aber sie hat die richtigen Schlüsse gezogen, ist stärker zurückgekommen und durfte nun den größten Erfolg ihrer Karriere feiern. Sie ist jetzt selbst ein Vorbild. Und zwar nicht nur für Tennisspielerinnen. Warum sie erfolgreich ist und der deutsche Fußball nicht? Mein Kollege Philip Seiler im Kommentar, was Fußball-Deutschland von Kerber lernen kann. Kleiner Tipp: Wille spielt auch eine Rolle.

Liebe zur Raumfahrt: Laura Winterling.  (Quelle: SpaceTimeConcepts)Liebe zur Raumfahrt: Laura Winterling. (Quelle: SpaceTimeConcepts)

Sagt Ihnen der Name Laura Winterling etwas? Vermutlich eher nicht, falls Sie nicht zufällig Raumfahrtexperte sind. Winterling ist Astronauten-Trainerin. Einer ihrer berühmtesten Schüler? Alexander Gerst. Der im Übrigen auch ihr Lebensgefährte ist. Genügend Gründe also, um sich mit ihr über Raumfahrt, das Astronauten-Leben und "Astro-Alex" zu unterhalten. Lesen Sie das Interview, das mein Kollege Patrick Diekmann mit ihr geführt hat.

Beate Zschaepe vor der Urteilsverkündung: Viele Rätsel bleiben auch nach dem NSU-Prozess ungelöst. (Quelle: Reuters/Michaela Rehle)Beate Zschaepe vor der Urteilsverkündung: Viele Rätsel bleiben auch nach dem NSU-Prozess ungelöst. (Quelle: Michaela Rehle/Reuters)

Der NSU-Prozess ist zwar vorbei. Doch viele Rätsel sind ungelöst. Das liegt auch an den Behörden. Der Verfassungsschutz Hessen beispielsweise hat eine Akte über die Rechtsterroristen 120 Jahre lang gesperrt. Jawohl, Sie haben richtig gelesen: 120 Jahre. Was es damit auf sich hat, schlüsselt unser Investigativ-Chef Lars Wienand auf.

Ein Israeli in Sderot: der ewige Konflikt. (Quelle: Reuters/Amir Cohen)Ein Israeli in Sderot: der ewige Konflikt. (Quelle: Amir Cohen/Reuters)

Nachdem in den letzten Tagen der Konflikt zwischen Israel und der Hamas nach monatelangen Spannungen eskalierte und zu den schwersten militärischen Auseinandersetzungen seit Jahren führte, hielt gestern die von Ägypten vermittelte Waffenruhe anscheinend an.

Der UN-Sondergesandte für den Nahen Osten, Nikolai Mladenow, traf nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP gestern in Gaza ein. Mladenow werde "mit allen involvierten Parteien zusammenarbeiten, um die Situation zu deeskalieren", sagte ein UN-Mitarbeiter. Das haben wir in der Vergangenheit leider schon oft zu gehört, um wirklich daran glauben zu können. Seit März wurden an der Grenze mindestens 141 Palästinenser getötet und rund 4.000 verletzt.

Militärische Ehren: Queen Elizabeth II. und Donald Trump auf Schloss Windsor.  (Quelle: AP/dpa/Pablo Martinez Monsivais)Militärische Ehren: Queen Elizabeth II. und Donald Trump auf Schloss Windsor. (Quelle: Pablo Martinez Monsivais/AP/dpa)

Ein Amerikaner in Europa: Nachdem US-Präsident Donald Trump beim Nato-Treffen in Brüssel die europäischen Staatschefs und insbesondere Angela Merkel rundmachte, weil sie an seinem Rockzipfel (und seiner Geldbörse) hängen, fegte er am Wochenende durch Großbritannien: Trump ließ die Queen 15 Minuten warten, plauderte in den Medien über Inhalte ihres Gesprächs, riet Theresa May, die EU zu verklagen, und drohte damit, im Falle eines "weichen" Brexits werde es kein Handelsabkommen zwischen Großbritannien und den USA geben.

Die Botschaft: Die einstige Kolonialmacht Großbritannien hat bei gutem Benehmen hervorragende Chancen, zur wichtigsten US-Kolonie in Europa zu werden. Den Sonntag nutzte Trump dann zum Golfspielen in seiner Luxus-Anlage in Schottland.

WAS STEHT AN?

Wladimir Putin und Donald Trump: Im Juli 2017 beim G20-Gipfel in Hamburg.  (Quelle: Reuters/Carlos Barria)Wladimir Putin und Donald Trump: Im Juli 2017 beim G20-Gipfel in Hamburg. (Quelle: Carlos Barria/Reuters)

Und natürlich geht die Trump-Show weiter. Gestern Abend ist der US-Präsident in Helsinki eingetroffen, wo er heute Wladimir Putin treffen wird. In der finnischen Hauptstadt, deren Verkehr gerade so gut wie lahmgelegt ist, finden zahlreiche Proteste statt. Die Stimmung zwischen den beiden Atommächten ist so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr, die Welt schaut gebannt auf die Stadt, in der sich bereits George H.W. Bush und Michail Gorbatschow (1990) sowie Bill Clinton und Boris Jelzin (1997) trafen.

Beim Treffen der beiden Alphatiere steht auf der einen Seite Putin, der Ex-KGB-Offizier, der seit 18 Jahren jede Gelegenheit nutzt, um Russland wieder groß zu machen, dafür auch Kriege nicht scheut und seine Macht stetig ausbaut. Auf der anderen Seite der Ex-TV-Star und Bauunternehmer, der schon seit längerem von Putin schwärmt. Mein Kollege Jonas Mueller-Töwe zeigt in einer amüsanten Bilderstrecke, wie ähnlich sich die beiden Männer sind.

„Putin ist der Autokrat, der Trump sein möchte“, analysiert unser Kolumnist Gerhard Spörl in seinem Beitrag, den Sie heute auf unserer Seite lesen können. „Sein Wort hat Gewicht und kein Gericht, keine Verfassung und keine Medien funken ihm dazwischen. Er formt Russland, er ist Russland. Missliebige Journalisten sterben, missliebige Politiker wandern ins Gefängnis oder sterben. Putin steht über den Dingen, versteht sich, und vertraut, wie er manchmal sagt, bei der Aufklärung von Verbrechen auf den Rechtsstaat, der Russland aber natürlich nicht ist.“

Themen bei diesem Treffen gibt es genug: von der Annexion der Ukraine bis zum Stellvertreterkrieg in Syrien. Die Frage ist, ob darüber wirklich gesprochen wird oder ob das Ganze unverbindlich bleibt. Um 12 Uhr unserer Zeit beginnt das Spektakel mit einem Einzeltreffen von Trump und Putin.

Nach Angaben der finnischen Regierung soll es im Anschluss eine gemeinsame Pressekonferenz geben. Vor den Staatschefs treffen sich auch die Außenminister Mike Pompeo und Sergej Lawrow. Die Wetten laufen bereits, dass Trump ebenso als Verlierer vom Platz gehen wird wie nach dem Treffen mit Nordkoreas Kim: mit vollmundigen Verlautbarungen und ohne jede bindende Vereinbarung.

"Halte Deine Freunde nahe bei Dir": EU-Ratspräsident Donald Tusk (l.) und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. (Quelle: imago images/Panoramic )"Halte Deine Freunde nahe bei Dir": EU-Ratspräsident Donald Tusk (l.) und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. (Quelle: Panoramic /imago images)

Weit entfernt, nämlich in Peking, treffen heute auf dem jährlichen EU-China-Gipfel EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Ratspräsident Donald Tusk auf Chinas Premier Li Keqiang und Staats- und Parteichef Xi Jinping. Offiziell geht es um Handelsfragen, ein geplantes Investitionsabkommen, Forderungen der EU nach Marktöffnung in China sowie die Reform der Welthandelsorganisation (WTO). Inoffiziell geht es um eine neue Weltordnung.

China will die führende Weltmacht werden und Europa nicht allzu sehr den Anschluss verlieren. Vor zwei Wochen buhlte Li Kequiang beim 16+1-Treffen in Sofia um Osteuropa, um die Neue Seidenstraße zu verwirklichen. Der gemeinsame Feind Trump verbindet zwar. Aber die Kräfteverhältnisse sind nicht gleich. Europa muss aufpassen. "Halte deine Freunde nahe bei Dir, aber deine Feinde noch näher", wusste schon Macht-Philosoph Michael Corleone aus Francis Ford Coppolas "Der Pate".

WAS LESEN?

Alle Welt sucht nach einem Superman, der uns rettet. Dabei gibt es Superman noch gar nicht so lange. 1938 erst wurde die heute ikonische Figur erfunden, von den beiden US-Zeichnern Joe Shuster und Jerry Siegel. Dafür bekamen sie vom Verlag 130 Dollar und eine Festanstellung als Zeichner – für 13 Dollar pro Seite.

Als Superman richtig abhebt, wollen sie ihren Anteil daran – und werden entlassen. Während das blau-rote Kostüm seinen Siegeszug um die Welt antritt, schlagen sich die beiden Erfinder des stählernen Kämpfers für Gerechtigkeit obdachlos durch New York. Joe Shuster stirbt 1992 hoch verschuldet. Alex Rühle von der Süddeutschen Zeitung hat die ganze traurige Geschichte aufgeschrieben – anlässlich eines neuen Comics von Julian Voloj und Thomas Campi über die Geschichte der beiden Zeichner: "Joe Shuster – Vater der Superhelden". Carlsen Verlag, Hamburg 2018. 176 Seiten. 20,60 Euro.

WAS AMÜSIERT MICH?

Zum Abschluss noch einmal mal zurück zum Sport und zum Abschluss der Weltmeisterschaft: Die vielen Videos und Memes von Neymar, der als Schmerzensmann vom Spielfeld aus durch die ganze Stadt und das ganze Land rollt und schließlich sogar Lawinen auslöst, haben auf der ganzen Welt Kultstatus erreicht, eine Zusammenfassung finden Sie hier. Etwas weniger bekannt: Bereits vor zehn Jahren übte die italienische Nationalmannschaft fleißig Schwalben. Ein geheim aufgenommenes Video beweist es.

Ich wünsche Ihnen eine sonnige Woche voller Fair Play. Morgen schreibt an dieser Stelle wieder, wie gewohnt, Florian Harms.

Ihr Rüdiger Schmitz-Normann
Stellvertretender Chefredakteur t-online.de
E-Mail: Ruediger.Schmitz-Normann@stroeer.de

Mit Material von dpa.

Den täglichen Newsletter der Chefredaktion hier abonnieren.

Ihre Meinung zählt!

Wir freuen uns auf angeregte und faire Diskussionen zu diesem Artikel.
Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

Gefällt 0 Gefällt nicht0
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Newsletter bestellen
i

Abonnieren Sie hier kostenlos den Tagesanbruch!

* Sie können den Newsletter über den klickbaren Link „Newsletter abbestellen“ in der empfangenen E-Mail kündigen. Sie können der Nutzung Ihrer Daten für Werbezwecke auch jederzeit widersprechen und/oder diese der Ströer Digital Publishing GmbH (Platz der Einheit 1, 60327 Frankfurt) erteilte Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, ohne dass Ihnen besondere Kosten entstehen (z.B. per E-Mail an t-online-newsletter@stroeer.de).



shopping-portal