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Tagesanbruch: Wer könnte nach Angela Merkel ins Kanzleramt einziehen?

MEINUNGTagesanbruch  

Was heute Morgen wichtig ist

Von Florian Harms

27.09.2018, 09:02 Uhr

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

hier ist der kommentierte Überblick über die Themen des Tages:

WAS WAR?

Dieter Zetsche, Ola Källenius  (Quelle: AP/dpa/Tony Ding)Dieter Zetsche, Ola Källenius (Quelle: Tony Ding/AP/dpa)

In Berlin kündigt sich nach 13 Jahren das Ende einer Ära an – in Stuttgart endet sie nach 13 Jahren: Der Mann mit dem markanten Schnauzer wird die Macht über die Sterne abgeben. Dieter Zetsche führte Daimler aus den Stürmen der Finanzkrise, überholte BMW beim Verkauf von Premiumschlitten und Volkswagen bei Konzepten für alternative Antriebe, er stolperte aber auch fahrlässig durch die Abgasaffäre.

Deshalb ist es konsequent, dass die nächsten Herkulesaufgaben nun ein anderer lösen soll: Der 49-jährige schwäbische Schwede Ola Källenius soll die neue Konzernstruktur mit drei selbstständigen Unternehmen für Pkw/Vans, Trucks/Busse sowie Finanzgeschäfte einführen – und gleichzeitig die Folgen des Dieselbetrugs aufarbeiten. Letzteres dürfte deutlich anstrengender werden.

Denn es ist ein Elend mit der deutschen Autoindustrie. Sie hat ihre Kunden betrogen und drückt sich nun vor der Verantwortung. Es ist aber auch ein Elend mit der deutschen Politik. Sie weiß, dass sie die Hersteller eigentlich zwingen müsste, alle Dieselbetrugsautos nachzurüsten – aber will den mächtigen Konzernen mit ihren Tausenden Arbeitsplätzen nicht allzu sehr wehtun. So geht das nicht weiter, schreibt unsere Wirtschaftskolumnistin Ursula Weidenfeld. Die Autofirmen müssen endlich haften – ohne Wenn und Aber. Der Rechtsstaat muss beweisen, dass vor dem Gesetz doch jeder gleich ist. Vollkommen richtig.

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Donald Trump (Quelle: Reuters/Carlos Barria)Donald Trump (Quelle: Carlos Barria/Reuters)


Donald Trump hat am Mittwochabend in New York eine Pressekonferenz gegeben. Solche Auftritte des US-Präsidenten sind selten – es war erst das fünfte Mal, dass Trump allein und über einen längeren Zeitraum Fragen von Journalisten beantwortete. Doch die 83 Minuten vor der versammelten Weltpresse ermöglichten einen tiefen Blick in Trumps Verfasstheit, wie mein Kollege Fabian Reinbold berichtet.

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WAS STEHT AN?

Alexander Dobrindt (Quelle: Reuters/Hannibal Hanschke )Alexander Dobrindt (Quelle: Hannibal Hanschke /Reuters)

Nach dem Brinkhaus-Beben hört man aus der Union jetzt viele Beschwichtigungen. CDU und CSU stünden “geschlossen“ hinter der Kanzlerin, nein, das sei “keine Revolution“, alles ganz normal und so weiter. Aber sobald die Kameras aus und die Mikrofone abgeschaltet sind, wird Tacheles geredet. Selbstverständlich war das nicht nur ein Aufstand gegen Volker Kauder, sondern auch gegen das System Merkel – und nun wird die Macht neu verteilt. Nicht sofort, aber Schritt für Schritt. Wer hat das Zeug, sich in den kommenden Monaten nach vorn zu kämpfen, vielleicht selbst irgendwann die Nummer eins zu werden? Ein kleines Personal-Tableau ohne Ewigkeitsgarantie:

Ursula von der Leyen: Besitzt enorme politische Begabung und ebenso großen Ehrgeiz, das ist zugleich aber auch ihr Problem. Hat es sich mit vielen verscherzt, sowohl im Verteidigungsministerium als auch in der Bundeswehr als auch in der CDU. Hat wohl trotzdem große Chancen, da sie geschickt Wertkonservatismus und Fortschrittsglauben verbindet.

Wolfgang Schäuble: Mit Abstand die größte Autorität in der Partei. An ihm kommt keiner vorbei. Fraglich aber, ob er in seinem Alter noch mal in die erste Reihe der Parteipolitik vortreten will. Wäre allenfalls ein Kandidat für eine Übergangszeit, falls die große Koalition implodiert.

Peter Altmaier: Gilt als schwarz-grüner Vordenker, aber vor allem als hundertprozentiger Merkel-Gefolgsmann und dürfte es als solcher schwer haben, den von vielen Unionsanhängern ersehnten Neuanfang zu verkörpern.

Volker Bouffier: Hat sich vom Hardliner zum Grünen-Versteher gewandelt. In Hessen verwurzelt, auf Bundesebene wenig verdrahtet. Ob er künftig eine wichtigere Rolle in der CDU spielt, entscheidet sich am 28. Oktober. Dann wählen die Hessen (hier übrigens der Wahlomat). 

Norbert Röttgen: Einst von Merkel abgeräumt, hat sich als Außenpolitiker aber wieder Ansehen und Einfluss erkämpft. Sein Name fällt in letzter Zeit immer öfter, wenn es um die künftige Besetzung wichtiger Posten geht.

Annegret Kramp-Karrenbauer: Gilt als Merkels präferierte Wahl für ihre Nachfolge. Ist klug, pragmatisch und pflegt einen kollegialen Führungsstil, kann aber, wenn nötig, auch Härte zeigen. Ihre Entscheidung, sich abseits der Regierung als CDU-Generalsekretärin bundespolitisch zu profilieren, hat ihr Respekt eingebracht. Ist für viele Bürger aber noch ein unbeschriebenes Blatt und könnte als Merkel-Vertraute die große Verliererin einer künftigen Neuaufstellung sein.

Jens Spahn: Die große Hoffnung aller jungen, ein bisschen rebellischen, vor allem aber karrierebewussten CDUler. Kann gut reden, selbst wenn er mal nichts zu sagen hat, was gar nicht so selten vorkommt. Baut das Gesundheitsministerium zur Kanzleramtrampe um, denn eigentlich will er nur dorthin. Hat in Wolfgang Schäuble einen mächtigen Unterstützer. Mit ihm wird zu rechnen sein.

Michael Kretschmer: Galt als große Nachwuchshoffnung, tut sich aber schwer, sich aus den vielen Problemen seines Bundeslandes herauszukämpfen. Machte bei der Aufarbeitung der Ausschreitungen in Chemnitz nicht immer eine glückliche Figur. Braucht wohl noch ein paar Jahre, bis er nach höher hängenden Früchten greifen kann. Falls er als sächsischer Ministerpräsident überhaupt wiedergewählt wird.

Daniel Günther (Schleswig-Holstein) und Tobias Hans (Saarland): Junge Ministerpräsidenten, die unkonventionelle Wege gehen (Günther pragmatisch-schwarz-grün, Hans Studienabbrecher nach 16 Semestern), aber noch das Problem haben, dass man außerhalb ihrer Heimat hinter ihren Namen Amt und Bundesland dazu schreiben muss, um klarzustellen, warum sie was zu sagen haben.

Julia Klöckner, Thomas Strobl: Sind auch ein bisschen wichtig, aber auch nicht so sehr. Bleibt wohl so.

Ralph Brinkhaus: Der Mann, der sich als erster getraut hat, die geschwächte Kanzlerin offen anzugreifen, und dem dafür nun die Herzen aller unzufriedenen Unionsanhänger zufliegen. Gut vernetzter Parlamentarier mit viel Finanzexpertise, der jetzt aber erst mal zeigen muss, dass er auch führen und, wenn nötig, hart zulangen kann.

Und dann gibt es da noch eine ganz andere Idee auf die Frage, wer nach Merkel ins Kanzleramt einziehen könnte. Eine leise, versteckte, die niemand laut ausspricht, schon gar nicht der Betreffende selbst: Alexander Dobrindt. Wer sagt eigentlich, dass immer nur die CDU den Kanzlerkandidaten der Union stellen darf? Sicher, Franz Josef Strauß scheiterte 1980, aber das war aus heutiger Sicht im politischen Pleistozän. Die “jungen Wilden“ in der CSU registrieren sehr aufmerksam, wie schwer sich ihre Schwesterpartei tut, Nachfolgekandidaten für Merkel aufzubauen. Was auch daran liegt, dass die Kanzlerin bisher jeden kaltstellte, der ihr gefährlich wurde. Inzwischen fehlt ihr dafür aber die Macht. Dobrindt hat den Ruf eines geschickten, fast schon genialischen und vor allem eiskalt kalkulierenden Taktikprofis, und das genießt er ersichtlich. Wie er mal offen, mal verborgen immer wieder neue Konflikte mit der CDU schürt, aber dann jedes Mal den Ärger auf Horst Seehofer umleitet (dem er zugleich seine Freundschaft versichert), ist politische Raffinesse von Shakespeare‘scher Qualität. Das muss man nicht mögen, aber wer im politischen Raubtierkäfig auf das oberste Podest springen will, der braucht Biss. Deshalb wird es ein spannendes politisches Schauspiel sein, wie Dobrindt sich nach dem absehbaren Bayernwahl-Debakel der CSU positioniert.

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Recep Tayyip Erdogan (Quelle: Reuters/Andrew Kelly)Recep Tayyip Erdogan (Quelle: Andrew Kelly/Reuters)

Gesperrte Straßen, strikte Halte- und Abstellverbote, nicht mal einen Regenschirm darf man irgendwo anlehnen: Das Berliner Regierungsviertel zwischen Spree, Kanzleramt, Reichstag, Hotel Adlon und der US-Botschaft verwandelt sich heute und morgen in eine Hochsicherheitszone. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan war schon oft in Deutschland, aber noch nie war ein Staatsbesuch so umstritten wie jetzt. Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sind zerrüttet, seit EU-Streit, Syrienkrieg und Flüchtlingskrise Ankara und Berlin entzweiten, Erdogan deutsche Politiker mit Nazis verglich, die türkische Justiz deutsche Journalisten einsperrte.

Gebeutelt von der Lira- und Wirtschaftskrise erhofft sich der türkische Präsident jetzt Hilfe aus Berlin und schwenkt notgedrungen auf einen Schmusekurs um. Deutsche Unternehmen sollen wieder am Bosporus investieren. Klingt erst mal nicht schlecht, aber die Verletzungen schmerzen immer noch, viele Politiker und auch Kanzlerin Merkel schwänzen deshalb das Staatsbankett, das Bundespräsident Steinmeier zu Erdogans Ehren ausrichtet. Und wir sollten nicht vergessen: Trotz der verbalen Abrüstung haben sich Erdogans politische Ziele nicht verändert. Es geht ihm vor allem um Vergeltung und die Festigung seiner Macht, schreibt unser Türkei-Experte Patrick Diekmann in seiner Analyse. Mein Kollege und ich werden den schwierigen Besuch beobachten und heute und vor allem morgen, wenn die wichtigsten Termine anstehen, für Sie im Liveticker auf t-online.de berichten: sowohl aus dem Kanzleramt als auch über die Protestaktionen von Erdogan-Kritikern.

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Fans bei der WM 2006. (Quelle: Christian Mang/imago)Fans bei der WM 2006. (Quelle: Christian Mang/imago)

Auch an der sportlichen Front geht es heute um Deutschland gegen die Türkei: Welches der beiden Länder darf die Fußball-EM 2024 austragen? Heute Nachmittag fällt die Entscheidung. Doch wer stimmt eigentlich darüber ab? Und in welchen deutschen Städten würde gespielt? Hier bekommen Sie vorab die wichtigsten Antworten. Die Erinnerungen an das Sommermärchen bei der Heim-WM 2006 erfüllen uns immer noch mit Freude – doch im Nachhinein steht das Ereignis auch für Korruptionsverdacht und zweifelhafte Zahlungen des Deutschen Fußball-Bunds. Ist ein Heim-Turnier also überhaupt wünschenswert? Bevor die Entscheidung fällt, diskutieren heute Morgen meine Kollegen Noah Platschko und Benjamin Zurmühl in einem Pro & Kontra auf unserer Seite.

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WAS LESEN?

Kürzlich schrieb ich im Tagesanbruch über die kriminellen Umtriebe arabischer Großfamilien in deutschen Großstädten. Daraufhin bekam ich viele Zuschriften von Leserinnen und Lesern, die sich fragen, was der Staat tun kann, um den Clans das Handwerk zu legen. Also habe ich unseren Blaulicht-Reporter Dietmar Seher gebeten, sich des Themas noch mal anzunehmen – und er hat Interessantes herausgefunden. Experten sagen: Den Patriarchen muss die Machtbasis entzogen werden – vielleicht auch dadurch, dass man ihnen die Kinder wegnimmt? 

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Stellen Sie sich vor, Sie leben in einem Dorf. Ach was, selbst das ist viel zu hoch gegriffen für eine Ansammlung von ein paar Häusern mit insgesamt elf Einwohnern. Man kennt sich. Man mag sich nicht unbedingt. Und dann, eines Tages, sind Sie in ihrem "Dorf" auf einmal nur noch zu zehnt. Einer ist weg. Verschwunden auf dem Heimweg, nach ein paar Bier in der einzigen Kneipe.

Nach ein paar Tagen erscheint die Polizei bei Ihnen im Nirgendwo. Das Grillhähnchen ihres verschwundenen Nachbarn steckt noch in der Mikrowelle. Viele, viele Kilometer sind es von Ihrem einsamen Außenposten bis zur nächsten menschlichen Behausung. Für die ermittelnden Polizisten ist inzwischen klar, dass sie es mit einem Mordfall zu tun haben. Und einer Ihrer neun verbliebenen Nachbarn ist der Mörder. Oder Sie. Durchreisende waren nicht im Ort.

Heiß ist es bei Ihnen, heiß und staubig. Seltsame Dinge haben sich immer mal wieder ereignet über die Jahrzehnte, auf der langen, langen Straße, die durch Ihren Ort und wieder ins Nichts führt. Menschen verschwanden. Die Ureinwohner dieses harten Landes meiden seit jeher Ihr Kaff. Sie sagen, es sei ein verfluchter Ort.

Die Monate gehen ins Land. Es gibt Vernehmungen, es gibt Verdächtigungen. Was es nicht gibt, ist eine Spur. Vom Verschwundenen. Oder zum Täter. Sie beäugen ihre neun verbliebenen Nachbarn, und Ihre Nachbarn beäugen Sie. Einer von Ihnen ist ein Mörder. Die Zeit scheint still zu stehen in Larrimah, tief im australischen Outback.

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WAS AMÜSIERT MICH?

Reden ja jetzt alle davon, dass dem Fußball die Leichtigkeit fehle, alles so ernst, effizient, stromlinienförmige Millionäre auf dem Rasen, keine Charaktertypen mehr, zu wenig Zauberer, zu wenig Kreativität. Kein Wunder, wenn die Zauberer der Bundesliga alle den Rücken kehren. Dieser Herr hier kickt jedenfalls heute in England. Dabei braucht er zum Zaubern noch nicht mal einen Ball. 

Ich wünsche Ihnen einen verzauberten Tag.

Ihr Florian Harms
Chefredakteur t-online.de
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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