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Corona in Deutschland: Diese Menschen sind die Helden in der Krise

MEINUNGWas heute wichtig ist  

Sie sind Helden

01.10.2020, 07:25 Uhr
Corona in Deutschland: Diese Menschen sind die Helden in der Krise. Die Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim, der Virologe Christian Drosten, die Notärztin Lisa Federle. (Quelle: imago images/Collage: t-online/Future Image/photothek/ULMER Pressebildagentur)

Die Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim, der Virologe Christian Drosten, die Notärztin Lisa Federle. (Quelle: Collage: t-online/Future Image/photothek/ULMER Pressebildagentur/imago images)

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

heute darf ich Sie anstelle von Florian Harms begrüßen. Hier ist der kommentierte Überblick über die Themen des Tages:

WAS WAR?

Stellen Sie sich vor, Captain Marvel kommt aus einer fernen Galaxie herbeigesaust und bringt Antikörper mit, die der verflixten Corona-Pandemie von heute auf morgen den Garaus machen. Oder Wonder Woman flitzt über die Frontlinie in Bergkarabach und verknotet blitzschnell die Geschützrohre der armenischen und aserbaidschanischen Kriegsgegner. Wäre das nicht wunderbar?

In Zeiten großer Krisen sehnen wir uns nach Superhelden, die uns auf einen Schlag von scheinbar unlösbaren Problemen befreien. Leider existieren diese Erlöserfiguren nur in Comics, Filmen oder heiligen Büchern. In der schnöden Realität müssen wir uns den Katastrophen selbst stellen.

Dennoch gibt es auch in der echten Welt Helden. Menschen, die aufstehen und sich für andere einsetzen. Menschen, die all ihren Mut zusammennehmen und nach Lösungen suchen. 15 dieser Helden werden heute im Schloss Bellevue von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Einige kennen Sie sicher: den Virologen Christian Drosten zum Beispiel oder die Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim. Die meisten unter ihnen sind viel unscheinbarer und leisten dennoch Großartiges. Deshalb möchte ich Ihnen alle Ausgezeichneten kurz vorstellen:

  • Birgit Brandtscheit hat in Sachsen-Anhalt eine "Kindertafel" gegründet, die Kindern aus sozial schwachen Familien hilft.
  • Der frühere THW-Präsident Albrecht Broemme hat seinen Ruhestand unterbrochen und in Berlin ein Behandlungszentrum für 500 Covid-19-Patienten aufgebaut.

Albrecht Broemme (Quelle: imago images/Metodi Popow )Albrecht Broemme (Quelle: Metodi Popow /imago images)

  • Christian Drosten hat den ersten zuverlässigen Corona-Test entwickelt und informiert in seinem Podcast über die neuesten Entwicklungen der Krise.
  • Die Notärztin Lisa Federle hat mit ihrer "rollenden Arztpraxis" in Tübingen das erste Drive-in-Testzentrum der Corona-Pandemie eröffnet.
  • Kai Frobel setzt sich seit mehr als 40 Jahren für den Naturschutz ein und gilt als Vater des "Grünen Bandes" auf dem ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifen.

Kai Frobel (Quelle: imago images/BildFunkMV)Kai Frobel (Quelle: BildFunkMV/imago images)

  • Der Kfz-Meister Toralf Herzog aus Mecklenburg-Vorpommern hat spontan die Leitung eines Corona-Abstrichzentrums übernommen und ein effektives System zur Probenentnahme entwickelt.
  • Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger engagiert sich gegen Homophobie und Sexismus im Fußball.
  • Die Schauspielerin Sandra Hüller setzt sich seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie für existenzbedrohte Künstler ein.

Sandra Hüller (Quelle: imago images/STPP)Sandra Hüller (Quelle: STPP/imago images)

  • Hannah Kiesbye aus Hamburg hatte die Idee für den "Schwer-in-Ordnung-Ausweis", der den Blick der Gesellschaft auf Schwerbehinderte verändern soll.
  • Der Klavier-Virtuose Igor Levit überträgt seit Beginn der Pandemie Live-Konzerte aus seiner Wohnung ins Internet und setzt sich gegen die Ausgrenzung von Minderheiten ein.
  • Die Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim begeistert mit ihren YouTube-Videos ein Millionenpulikum für die Wissenschaft.
  • Stephan Pusch hat als Landrat von Heinsberg Pionierarbeit bei der Eindämmung und der Erforschung des Coronavirus geleistet.

Stephan Pusch (Quelle: imago images/Ralph Sondermann)Stephan Pusch (Quelle: Ralph Sondermann/imago images)

  • Elke Schlegel floh als junge Frau aus der DDR und klärt heutzutage über das Leben in der Diktatur auf.
  • Der Schriftsteller Ingo Schulze beschäftigt sich in seinen Büchern mit den Lebensläufen von Menschen im wiedervereinigten Deutschland.
  • Leila Younes El-Amaire tritt in Berlin bei Poetry-Slams auf und engagiert sich im Verein "JUMA – jung, muslimisch, aktiv" für ein tolerantes Miteinander. 

Eigentlich wollte ich Ihnen Fotos aller 15 Helden zeigen, doch von vielen waren gar keine Bilder zu finden. Dass sie im Verborgenen wirken und gar nicht im Mittelpunkt stehen wollen, macht ihre Arbeit erst wirklich heldenhaft. Sie sollten uns zum Vorbild dienen. Denn ihr Engagement zeigt, dass in uns allen Helden stecken können.

Falls Sie noch mehr Alltagshelden kennenlernen wollen: Florian Harms hat im Sommer einige von ihnen begleitet.

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WAS STEHT AN?

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (Quelle: imago images/Thomas Imo/photothek.net)Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (Quelle: Thomas Imo/photothek.net/imago images)

Heute sagt Verkehrsminister Andreas Scheuer erstmals vor dem Maut-Untersuchungsausschuss des Bundestages aus. Es könnte ein Auftritt werden, der über die Karriere des CSU-Politikers entscheidet. Denn sein Wille, die Pkw-Maut durchzupeitschen, wird den Staat womöglich mehr als eine halbe Milliarde Euro kosten. Nun scheint es Belege zu geben, dass Scheuer das Parlament belogen hat. Die Recherchen meiner Kollegen Johannes Bebermeier, Tim Kummert und Jonas Mueller-Töwe zu diesem Thema lesen Sie hier.

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In Brüssel beginnt ein zweitägiger Sondergipfel der EU-Regierungschefs. Zunächst steht der Erdgasstreit im Mittelmeer zwischen der Türkei und EU-Mitglied Griechenland auf dem Programm. Ein mögliches Ergebnis des Treffens könnten neue Sanktionen gegen die Türkei sein.

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Manuel Neuer nimmt Robert Lewandowski in den Arm. (Quelle: imago images/Archivbild/ULMER Pressebildagentur)Manuel Neuer nimmt Robert Lewandowski in den Arm. (Quelle: Archivbild/ULMER Pressebildagentur/imago images)

Messi oder Ronaldo? Die Wahl von Europas Fußballer des Jahres lief in den vergangenen Jahren meist auf dieses Duell hinaus. Nun lautet die Frage: Neuer oder Lewandowski? Beide Bayern-Spieler sind für den Titel nominiert, der am Nachmittag verliehen wird. Dem dritten Kandidaten (Kevin De Bruyne von Manchester City) werden keine Chancen zugerechnet. Der Trainer des Jahres wird auf jeden Fall aus Deutschland kommen: Die Auswahlliste besteht aus Hansi Flick (FC Bayern München), Jürgen Klopp (FC Liverpool) und Julian Nagelsmann (RB Leipzig).

Neben der Vergabe der Preise wird am Nachmittag auch die Gruppenphase der Champions League ausgelost. Die deutschen Teilnehmer Bayern München, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach hoffen dabei nicht nur aus sportlichen Gründen auf Losglück. Das Überstehen der ersten Wettbewerbs-Phase würde zusätzliche Millioneneinnahmen garantieren. Und die können die Vereine in der Corona-Krise gut gebrauchen.

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WAS LESEN UND ANSCHAUEN?

Der Rhetorikexperte Tilman Billing analysiert das TV-Duell. (Quelle: t-online)Der Rhetorikexperte Tilman Billing analysiert das TV-Duell. (Quelle: t-online)

Es war ein wildes Aufeinandertreffen: Bei ihrer ersten TV-Debatte ließen US-Präsident Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden in der Nacht zum Mittwoch kaum eine Gelegenheit zur Attacke aus. Sachlich argumentiert wurde dabei selten. Neben ihrer Angriffslust fielen beide Kontrahenten auch durch ihre Körpersprache auf. Meine Kollegen Tim Blumenstein und Arno Wölk haben mit dem Rhetorikexperten Tilman Billing über das Auftreten der beiden Streithähne gesprochen. Seine Analyse sehen Sie hier im Video.

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Düzen Tekkal und Jens Spahn (Quelle: imago images/Collage: t-online/Jürgen Heinrich/Christian Spicker)Düzen Tekkal und Jens Spahn (Quelle: Collage: t-online/Jürgen Heinrich/Christian Spicker/imago images)

Erinnern Sie sich noch an die Diskussion um die "deutsche Leitkultur"? Angestoßen hatte sie vor 20 Jahren Friedrich Merz, damals Fraktionschef der Union im Bundestag. Merz forderte in einem Zeitungsbeitrag, Zuwanderer müssten die "Leitkultur" Deutschlands respektieren. Er warnte vor der Entstehung von "Parallelgesellschaften", sprach sich für strenge Integrationsregeln und gegen den Multikulturalismus aus.

Heute will Merz CDU-Chef werden, beim Thema Integration vertritt er weiterhin eher konservative Positionen. Im parteiinternen Wahlkampf meldet sich nun einer zu Wort, der lange als Konkurrent gehandelt wurde, und schlägt ein neues "Leitbild" für Deutschland vor. Jens Spahn hat zusammen mit der Filmemacherin Düzen Tekkal einen bemerkenswerten Meinungsbeitrag geschrieben, der heute in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erscheint. Darin treten der Gesundheitsminister und das CDU-Mitglied mit jesidisch-kurdischen Wurzeln für einen "weltoffenen Patriotismus" ein, der die Partei und das Land ins 21. Jahrhundert führen soll.

Vielfalt sehen Spahn und Tekkal als Herausforderung und Stärke: Eine Gesellschaft, die ihre Bürger nach Alter, Geschlecht, Sexualität, Herkunft, Hautfarbe oder Religion, nach Identitäten unterteile, werde im 21. Jahrhundert erfolglos bleiben, schreiben sie. Wer einen deutschen Pass habe, solle auch als deutsch akzeptiert werden und sich deutsch fühlen. Einwanderung sollte zuerst als Erfolgs- und Aufstiegsgeschichte erzählt werden, "und nicht als permanente identitäre Klage über die Defizite."

Es ist ein spannender Beitrag, der noch weitere interessante Gedanken enthält und eine größere Debatte auslösen könnte. Schließlich schlagen Spahn und Tekkal nichts weniger als eine Neuausrichtung der Migrations- und Integrationspolitik ihrer Partei vor. Sie wollen die CDU zur Partei einer neuen Mitte machen – einer Mitte, die alle Minderheiten einschließt. Für Spahn gilt zudem: Erstaunlich, dass ein Politiker, der solch große Themen anpackt, nicht Vorsitzender seiner Partei werden will und sich stattdessen mit der Rolle als Nummer zwei (hinter dem Kandidaten Armin Laschet) zufrieden gibt.

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Hendrik Streeck (Quelle: dpa/Federico Gambarini)Hendrik Streeck (Quelle: Federico Gambarini/dpa)

Wann der Impfstoff gegen Covid-19 kommt, kann niemand genau sagen. Der Virologe Hendrik Streeck hält nichts von allzu optimistischen Vorhersagen. Warum er skeptischer ist als andere Experten und wo er die Schwachstellen der Corona-Forschung sieht, hat er meinen Kolleginnen Nicole Sagener und Melanie Weiner erklärt. Das Interview können Sie am Mittag bei t-online lesen. 

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WAS AMÜSIERT MICH?

Nach einer Superhelden-Aktion klingt diese Idee wirklich nicht:

 (Quelle: Mario Lars) (Quelle: Mario Lars)

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Nun aber fix: Falls Sie noch keinen hatten, ist es jetzt höchste Zeit für einen Kaffee. Keine Angst, Sie trinken nicht alleine! 76 Prozent der erwachsenen Deutschen geben an, regelmäßig den Koffeintrunk zu konsumieren. Heute ist Internationaler Tag des Kaffees – ein Grund mehr, sich nun einen einzuschenken.

 (Quelle: Statista) (Quelle: Statista)

Ich wünsche Ihnen einen wachen Tag!

Ihr

Daniel Fersch
Chef vom Dienst t-online
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Twitter: @danielfersch

Mit Material von dpa.

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