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Reichsbürger-Razzia: Ex-Kommandeure spielten in Terrorgruppe Schlüsselrolle


Zwei Ex-Kommandeure spielten eine Schlüsselrolle

  • Lars Wienand
Von Lars Wienand

Aktualisiert am 08.12.2022Lesedauer: 5 Min.
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Das Ende der Putschpläne: Der Prinz wurde verhaftet, der Staatsstreich fällt aus. (Quelle: Reuters)
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"Reichsbürger" wollten die Regierung stürzen – zur Not mit Waffengewalt und Terror. Auch einige hochrangige Soldaten mit dubioser Vergangenheit sind darunter.

Am Mittwochmorgen um 5.34 Uhr war Maximilian Eder noch voller Hoffnung auf den bevorstehenden Putsch: "Es wird sich demnächst alles drehen", schrieb er in dem Messengerdienst Telegram. Die, die bislang Staatsanwälte und Richter seien, säßen bald auf der Anklagebank: "Nürnberg 2.0". Der schmächtige Mann schrieb das aus Perugia, wo er "Fronturlaub" mache, wie er es nannte. Rund eine halbe Stunde später drehte sich dann tatsächlich alles, aber für ihn: Polizisten nahmen ihn in seinem italienischen Feriendomizil fest.

Eder soll eines der Mitglied jener mutmaßlichen terroristischen Vereinigung sein, die mutmaßlich einen Sturz des politischen Systems plante. Die Polizei hatte am Mittwoch bei einer Großrazzia 25 Menschen aus der "Reichsbürger"-Szene festgenommen, beschuldigt werden insgesamt 54, 19 sitzen in Untersuchungshaft.

Neben der früheren AfD-Bundestagsabgeordneten Birgit Malsack-Winkemann, die "Justizministerin" in der künftigen Regierung werden wollte, ist Eder der bekannteste Kopf. Er trat auf diversen Demonstrationen der "Querdenker"-Szene teilweise in Uniform auf. Eder ist Oberst a. D. und war vor seiner Pensionierung auch bei der Bundeswehr-Eliteeinheit KSK in Calw.

Aber er ist nicht der einzige Soldat mit einer Vergangenheit dort: Wer sind die Bundeswehrangehörigen, die möglicherweise einen Prinzen zum Chef einer neuen Regierung machen wollten und nun in Haft sitzen?

Maximilian Eder, der Lautsprecher: Eder, der seit 2016 nicht mehr im aktiven Dienst der Bundeswehr ist, fiel bei der Flut im Ahrtal 2021 auf. Damals wollte er als selbsternannter "Führer Kommandozentrale und Stabsgruppe" ein Hilfszentrum einrichten, trat in Uniform auf und gab Interviews. Er kassierte deswegen einen Strafbefehl wegen Amtsanmaßung.

Eder hat eine ansehnliche Karriere hinter sich. Er war zuletzt Nato-Verbindungsoffizier in Georgien, als er aus der Bundeswehr ausschied. Als Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 112 aus Regen hatte er zwischenzeitlich auch den KFOR-Einsatz der Bundeswehr im Kosovo geleitet, den ersten Kriegseinsatz der Bundeswehr überhaupt.

Er wollte "das KSK mal nach Berlin schicken"

Eder war 1995 bei der Gründung des Kommandos Spezialkräfte (KSK) dabei, arbeitete dort als Chef des Stabes. Sein damaliger Vorgesetzter, Brigadegeneral Reinhard Günzel, wurde 2003 entlassen, weil er dem damaligen CDU-Abgeordneten Martin Hohmann in einem Brief zu einer Rede gratuliert hatte, die als antisemitisch kritisiert worden war. Eder hielt die Entlassung für falsch. Bei der internen Abschiedsfeier für Günzel soll Eder gesagt haben, der Staatsbürger in Uniform müsse sich seine eigene Meinung bilden können, schrieb die Zeitschrift "Focus" damals.

In der Corona-Zeit trat Eder als Protestredner in Uniform bei Demonstrationen der "Querdenker"-Szene auf, dabei sagte er auch Sätze wie: "Man sollte das KSK mal nach Berlin schicken und hier ordentlich aufräumen".

Er war offenbar ein Bindeglied zur Ex-AfD-Abgeordneten Birgit Malsack-Winkemann, die der Terrorgruppe den Weg in den Bundestag ebnen sollte. Wenn Eder in Berlin war, übernachtete er mehrfach bei der AfD-Politikerin.

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Aus dem "Fronturlaub" am Mittelmeer, wo sich zuletzt aufhielt, erzählte er erst vor Kurzem noch in einem Video in seinem Telegram-Kanal: An Weihnachten 2022 könne schon alles vorbei sein. Das Video entstand offenbar in Kroatien, die Festnahme erfolgte in Perugia.*

Peter W., der Einzelkämpfer: W., kommt auch aus Bayern, war Zeitsoldat und bis zum Ende seiner Dienstzeit Fallschirmjägeroffizier. Bei der Ahrtalflut "ernannte" Eder ihn zum "Chef des Stabes". W. blieb vor Ort, nachdem Eder weggeschickt worden war.

W. ist nach eigenen Angaben ein international ausgebildeter Einzelkämpfer – und wollte sich auch an der Ahr im Alleingang auf eine seltsam anmutende Mission begeben: In einem internen Chat schrieb er, er wolle losziehen und überflutetes Gelände aufklären. Es handelte sich dabei um die Flächen der früheren Rheinwiesenlager, in denen nach dem Zweiten Weltkrieg deutsche Kriegsgefangene zeitweise unter miserablen Bedingungen vegetieren mussten. In der "Reichsbürger"- und Neonazi-Szene spielen diese Lager eine wichtige Rolle. Einige Akteure glauben, das wahre Ausmaß des Leides werde vertuscht, weil sich sonst damit "das deutsche Volk" "aufwecken" lasse.

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Gebiet erkunden: Peter W. (mittleres Posting) wollte beim Einsatz zur Fluthilfe aufs Geländer der früheren Rheinweisenlager, schrieb er auf Telegram.
Gebiet erkunden: Peter W. (mittleres Posting) wollte beim Einsatz zur Fluthilfe aufs Geländer der früheren Rheinweisenlager, schrieb er auf Telegram. (Quelle: Screenshot Telegram)

Peter W. bietet in abgelegenen Wäldern unter anderem Überlebenstrainings an. Ermittler hatten ihn offenbar schon länger im Blick. Als im April 2022 eine Gruppe, die sich "Vereinte Patrioten" nannte, aufflog, weil sie mutmaßlich einen Umsturz geplant hatte und Gesundheitsminister Karl Lauterbach entführen wollte, war die Polizei auch bei ihm. Er wurde damals allerdings nur als Zeuge vernommen. Jetzt nahmen SEK-Kräfte ihn fest und er sitzt als Verdächtiger in Untersuchungshaft.

Mehrere ehemalige NVA-Soldaten

Festgenommen wurde damals im April Sven B., ein früherer NVA-Soldat. Er gilt als einer der Köpfe der "Vereinten Patrioten" und hat inzwischen viele der Vorwürfe zum geplanten Putsch eingeräumt. Sven B. war ebenfalls einer der Koordinatoren beim ominösen Einsatz im Ahrtal. Sven B. organisierte für Demonstrationen zudem Reservisten, die Teilnehmer vor der Polizei "schützen" sollten. Er beteiligte sich mehrfach an chatinternen Ankündigungen zu Umstürzen. Unter den festgenommenen "Vereinten Patrioten" war er nicht der einzige frühere NVA-Soldat, t-online titelte damals: "Das Staatsstreichkommando von der NVA".

Rüdiger von P., der Stratege: An Heiligabend 1996 endete die Bundeswehrkarriere von Oberstleutnant Rüdiger von P. abrupt mit seiner Festnahme. Der Kommandeur des Fallschirmjägerbataillons 251 in Calw, dem einst nachgesagt worden war, er hätte das Zeug zum General, wurde damals unehrenhaft entlassen. Denn Rüdiger von P. hatte Waffen zur Seite geschafft.

Er war zeitweilig in den Osten abkommandiert worden, um dort Langwaffen der NVA zu vernichten. Aber statt die DDR-Gewehre zu zerstören, hatte von P. einige davon an Offiziere zu deren Verabschiedung verschenkt. In der Truppe seien viele überrascht gewesen, dass der geschätzte und geachtete Offizier so gehandelt hatte, hieß es damals. Bei der Auflösung seines Bataillons, das im KSK aufging, wurde festgestellt, dass auch dort Waffen fehlten, er als Kommandeur hatte dafür die Verantwortung.

Nach dem Rauswurf bei der Bundeswehr soll von P. wenig Probleme gehabt haben, in der Wirtschaft Fuß zu fassen. Er ging nach Südamerika. Inzwischen ist er zurück. Noch von Brasilien aus schrieb er 2019 unter einem Blogeintrag, in dem es um Hitlers in Ungnade gefallenen Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht ging: Die Menschheit werde "die Wahrheit erst nach dem Systemwechsel" erfahren, der "Krankheitskeim Freimaurer" solle für alle Zeit exterminiert sein. Peter W. kommentierte damals darunter: "Grüße von einem Ihrer damals jungen Offiziere aus Calw."

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Mehr noch als Maximilian Eder gilt von P. als ein Anführer und Stratege. Aus Ermittlerkreisen heißt es, dass seine Rolle deutlich wichtiger gewesen sei als die von Eder, er sollte an der Spitze von "Heimatschutzkompanien" stehen.

Suche nach Verstärkung lief

Andreas M., der aktive KSK-Soldat: Andreas M. ist Unteroffizier beim KSK in Calw und ist bisher als einziger öffentlich nocch aktiver Bundeswehrsoldat der Terrorgruppe bekannt. Er arbeitet in der Logistik des KSK. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" soll er zu den älteren Soldaten des Verbandes gehörten. Er habe die Bundeswehr 1990 eigentlich schon verlassen, sei dann sechs Jahre später aber zurückgekehrt, zunächst als Reservist. Er soll auch bei Einsätzen in Afghanistan dabei gewesen sein. Beim KSK habe er in der Öffentlichkeitsarbeit angefangen. Zugleich sei er seit Monaten wegen einer schweren Erkrankung nicht im Dienst gewesen sein, schreibt die "Süddeutsche Zeitung." Am Mittwoch wurde er von einer Spezialeinheit der Bundespolizei GSG9 festgenommen, wie die "Zeit" berichtet.

Zum Führungsstab des "militärischen Arms" der Terrorgruppe rechnen die Ermittler insgesamt neun Männer, darunter auch Polizisten. Rüdiger von P. soll etwa noch vor Kurzem versucht haben, gemeinsam mit dem Niedersachsen Michael Fritsch Polizeibeamte in Norddeutschland zu rekrutieren.

Fritsch hatte als Hauptkommissar unter anderem die jüdische Gemeinde in Sicherheitsfragen beraten und war im April aus dem Beamtenverhältnis entlassen worden. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Er war öffentlich ähnlich radikal aufgetreten wie Maximilian Eder.

*Wir hatten an dieser Stelle zunächst berichtet, auch das Video sei aus Perugia abgeschickt worden. Eder war da aber offenbar im kroatischen Dalmatien und ist danach weitergereist.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherchen
  • swr.de: "Wegen Amtsanmaßung nach Ahrflut: Strafbefehl für Ex-Oberst der Bundeswehr"
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