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"Putin lĂŒgt die gesamte Welt an"

Von Stefan Simon

23.02.2022Lesedauer: 5 Min.
Demonstration von in Berlin und Deutschland lebenden Ukrainern (Archivbild): Auch in Frankfurt lebende Ukrainerinnen und Ukrainern fĂŒrchten sich vor einem Krieg.
Demonstration von in Deutschland lebenden Ukrainern (Archivbild): Auch in Frankfurt lebende Ukrainerinnen und Ukrainer fĂŒrchten sich vor einem Krieg. (Quelle: Olaf Schuelke/imago-images-bilder)
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Russland hat die selbst ernannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk als unabhÀngig anerkannt. Nun hat Putin den Angriffskrieg auf die Ukraine begonnen. Die ukrainische Community in Frankfurt ist besorgt.

Daniel Heinz ist wĂŒtend. Krieg herrsche in der Ukraine schon seit 2014. Der Ernst der Lage sei in Deutschland lange Zeit nicht erkannt worden, kritisiert er. "Seit acht Jahren sind russische Soldaten im Donbass. Menschen, die sich nicht russifizieren lassen wollen, werden vertrieben. Die, die sich nicht vertreiben ließen, werden bedroht bis gefoltert", betont er.


Ukraine-Krieg: Die Chronologie des Konflikts

Dezember 2013: Hunderttausende Ukrainer protestieren in der Hauptstadt Kiew gegen den prorussischen PrÀsidenten Viktor Janukowitsch, weil seine Regierung das Partnerschaftsabkommen mit der EU kippte. Der UnabhÀngigkeitsplatz (Maidan) wird zum Symbol.
Februar 2014: Viktor Janukowitsch flieht nach Russland. Moskau besetzt militÀrisch die ukrainische Schwarzmeerhalbinsel Krim.
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Nuh haben russische StreitkrĂ€fte in der Nacht zum 24. Februar einen Angriffskrieg auf die Ukraine gestartet. Bis in die ukrainische Hauptstadt Kiew sind russische Soldaten vorgedrungen. Es wird berichtet, dass Bewohner in Luftschutzbunker flĂŒchten.

Der 25-jĂ€hrige Heinz ist in Deutschland geboren. Letztes Jahr studierte er in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Er arbeitet fĂŒr die BildungsstĂ€tte Anne Frank in Frankfurt und leitet Workshops zu Antisemitismus, Rassismus und Antidiskriminierung. Außerdem organisiert er Austauschprogramme mit einem ukrainischen Verein.

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Der 25-jĂ€hrige Daniel Heinz: Er befĂŒrchtet, dass noch mehr Menschen sterben werden.
Der 25-jĂ€hrige Daniel Heinz: Er befĂŒrchtet, dass noch mehr Menschen sterben werden. (Quelle: Privat/leer)

Heinz erzĂ€hlt von seinen Großeltern, die in den 1930er-Jahren in Odessa am Schwarzen Meer geboren wurden. Sie zĂ€hlen zu den Schwarzmeerdeutschen. "Im Zuge des Zweiten Weltkriegs wurden sie nach Sibirien deportiert, mussten zwangsarbeiten und konnten erst nach dem Tod Josef Stalins in die Ukraine zurĂŒckkehren", erzĂ€hlt Heinz. Aufgrund der wirtschaftlichen Lage emigrierten sie in den 1960ern nach Kasachstan und in den 1990ern schließlich nach Deutschland.

Frankfurter mit ukrainischen Wurzeln: Putin lĂŒgt ĂŒber die Geschichte der Ukraine

"Die Geschichte wiederholt sich", sagt er. "Die Krim zum Beispiel ist die historische Heimat der Krimtataren. Sie wurden mit den Schwarzmeerdeutschen und weiteren Gruppen in Gulags deportiert und dort ihrem Schicksal ĂŒberlassen. Als die Sowjetunion zusammenbrach, kehrten sie in die Krim zurĂŒck. Seit der Annexion Russlands werden sie wieder deportiert", berichtet Heinz.

Er spreche Russisch und habe sich die einstĂŒndige Rede Putins am Montagabend angehört. "Putin behauptete, dass Lenin die Ukraine erfunden hĂ€tte, dabei ist der VorgĂ€ngerstaat der Ukraine Ă€lter als der von Russland. Auch seine Behauptung, in der Ukraine herrsche ein BĂŒrgerkrieg, ist eine LĂŒge. Die Ukrainer bekĂ€mpfen sich nicht gegenseitig, sondern gegen die russischen Aggressoren", kritisiert er. Einen Faktencheck zu Putins Rede finden Sie hier.

https://compass.pressekompass.net/compasses/tonline/wird-sich-russlands-vorgehen-auf-die-ost-EyYQqz

Auch die 29-jĂ€hrige Daria Olefirenko war entsetzt ĂŒber die Rede des russischen PrĂ€sidenten. Sie ist in Kiew geboren und aufgewachsen. Seit zwei Jahren lebt sie in Frankfurt und arbeitet als Tanz-PĂ€dagogin sowie Ballettlehrerin. "Putin hat die Geschichte verdreht. Die Ukraine hat eine eigene Kultur, Geschichte und Sprache. Die Ukraine ist nicht russisch. Putin lĂŒgt die gesamte Weltbevölkerung an."

Die 29-jĂ€hrige Daria Olefirenko: FĂŒr sie verdreht Putin die Geschichte.
Die 29-jĂ€hrige Daria Olefirenko: FĂŒr sie verdreht Putin die Geschichte. (Quelle: Privat/leer)

Putin spricht Ukraine das Existenzrecht ab

Mit seiner Rede hat Putin der Ukraine das Existenzrecht abgesprochen. Der Vorsitzende des ukrainischen Vereins in Frankfurt, Stepan Rudzinskyy, ging schon bei dem GesprÀch mit t-online am Mittwoch von einer Zuspitzung des Konfliktes aus. "Putin wird entweder das ganze Land besetzen oder nur Teile der Ukraine besetzen wollen", glaubt er.

Mit der Absprache des Existenzrechts der Ukraine hat Putin eine argumentative BrĂŒcke geschlagen, um das gesamte Land anzugreifen. (mehr zu Putins PlĂ€nen lesen sie hier).

Ukrainer in Frankfurt: "Mein Cousin erlitt ein schweres psychisches Trauma"

Rudzinskyy lebt seit einigen Jahren in Deutschland. Seine Eltern und seine Schwester leben in der Ukraine. "Ich komme aus der Westukraine. Die Frontlinie ist tausend Kilometer entfernt. Doch mein Cousin vierten Grades erlitt ein schweres psychisches Trauma, als er in der Ostukraine war und gegen Teile der russischen Armee kĂ€mpfte", berichtet er. Auch im Freundeskreis, im Dorf, wo er herkomme, seien Menschen verstorben. "Es gab zudem viele FlĂŒchtlinge aus der Ost- in die Westukraine."

Rudzinskyy befĂŒrwortet die Sanktionen der USA und der EU gegen Russland. Er fordert weitere Sanktionen und etwa auch den Ausschluss Russlands aus der Swift. Zudem fordert Rudzinskyy, Waffen und militĂ€rische AusrĂŒstung fĂŒr die ukrainische Armee. Mit seinem Verein organisiert er am Donnerstagabend ab 18.30 Uhr eine Demonstration in Frankfurt (Mehr dazu lesen die hier).

Auch der Stopp der Gaspipeline Nord Stream 2 hĂ€tte seines Erachtens schon frĂŒher kommen sollen. "Es ist der Schritt in die richtige Richtung", sagt er.

Heinz hingegen widerspricht ihm und hĂ€lt die Sanktionen fĂŒr "einen Witz". "Die Sanktionen treffen wenn dann die Ukraine und nicht Russland." Bei einem sind sich die beiden dennoch einig: Sie wĂŒnschen sich, dass die Ukraine in die EuropĂ€ische Union eintreten könnte. Rudzinskyy befĂŒrwortet zudem den Eintritt in die Nato.

Ukrainer in Frankfurt: "Russland agiert wie Deutschland in der NS-Zeit"

Auch der 28-jĂ€hrige Sergej Borisenko ist wĂŒtend. "Der von Russland gefĂŒhrte Krieg in der Ukraine besteht ja schon seit acht Jahren. Doch nun agieren Putin und die korrupte russische Elite endgĂŒltig wie Deutschland in der NS-Zeit", sagt er.

Borisenko lebt seit 1999 in Deutschland. Er kam fĂŒr das Studium in das Rhein-Main-Gebiet. In Frankfurt arbeitet er als Unternehmensberater. Der Großteil seiner Verwandtschaft lebe in der Ukraine, auch in der viertgrĂ¶ĂŸten Stadt des Landes, Dnipro. "Die Stadt liegt recht nah an den besetzten Gebieten", erzĂ€hlt er.

Der 28-jÀhrige Sergej Borisenko: Putin nutze die Ukraine, um seinen Imperialismus auszubauen.
Der 28-jÀhrige Sergej Borisenko: Putin nutze die Ukraine, um seinen Imperialismus auszubauen. (Quelle: Privat/leer)

Borisenko habe Verwandte und Bekannte in der Armee, stehe stĂ€ndig im Austausch mit seiner Familie. "Man ist bereit, die eigene Heimat zu verteidigen. Putin hat es geschafft, die Ukraine zu vereinen. Das muss man ihm lassen", sagt Borisenko. "Gerade seit 2014 ist das ukrainische Volk vereint wie noch nie, von einer Spaltung kann keine Rede sein. Die Leute stehen zusammen, egal welche Sprache sie sprechen. Der absolute Großteil ist pro-westlich orientiert", urteilt er.

"Putin will seinen Imperialismus ausbauen"

Russland sei wirtschaftlich ein Zwerg, Menschenrechte und Meinungsfreiheit seien praktisch nichts wert, so Borisenko. Er tritt weiter gegen Putin: "Innenpolitisch hat er nichts vorzuweisen, die Umfragewerte sind gesunken, also legt er seinen Fokus auf die Ukraine, um seinen Imperialismus auszubauen und von den inneren Problemen abzulenken."

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Putin ignoriere alle Absprachen und Regeln. "Das Völkerrecht, das Minsker Abkommen, das Budapester Memorandum. Die Frage wird sein, wie nun der Westen und die Ukraine reagieren", sagt Borisenko. Es sei keine Option, Putin auch nur einen Schritt entgegenzukommen. Der russische PrĂ€sident wĂŒrde testen, wie weit er gehen könne. "Und wenn auch nur ein Teil seiner kruden Forderungen erfĂŒllt wird, wird Europa fĂŒr die nĂ€chsten Jahrzehnte keinen Frieden haben, da er immer wieder so vorgehen wird, nicht nur in der Ukraine."

Ungewissheit, was in den nÀchsten Tagen und Wochen passieren wird

Der 25-jĂ€hrige Heinz stellt sich nicht die Frage, wie der Westen reagieren wird. Denn er glaubt, dass der Westen, speziell die EU, weiter zu wenig unternehmen werde, um die Ukraine zu unterstĂŒtzen. "Ich befĂŒrchte, dass noch mehr Menschen sterben. Das wĂ€re katastrophal. Und ich befĂŒrchte, dass Deutschland nichts machen wird."

Die 29-jÀhrige Olefirenko sagte im GesprÀch am Mittwoch noch, dass sie froh sei, dass ihre gesamte Familie in Kiew lebe. Zu dem Zeitpunkt rechnete sie nicht damit, dass Kiew angegriffen wird. Olefirenkos Familie ist jedoch auf eine Situation vorbereitet. "Sie sitzen auf gepackten Koffern und haben alle Dokumente parat. Wenn Russland die ganze Ukraine einnehmen will, dann wird meine Familie fliehen."

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