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Stefan Effenberg: Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge widerspricht sich selbst


Rummenigge widerspricht sich selbst

Eine Kolumne von Stefan Effenberg

Aktualisiert am 14.08.2020Lesedauer: 6 Min.
Meinung
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Karl-Heinz Rummenigge glaubt an einen Weltfußballer-Titel für Robert Lewandowski. Für Stefan Effenberg kommt das zu früh.
Karl-Heinz Rummenigge glaubt an einen Weltfußballer-Titel für Robert Lewandowski. Für Stefan Effenberg kommt das zu früh. (Quelle: Poolfoto/imago-images-bilder)
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Warum Bayern-Boss Rummenigge gleich bei zwei Themen falsch liegt und welche Fragezeichen der FC Bayern mit ins Königsklasse-Turnier nimmt.

Die Transferphase, die Finalturniere in der Europa- und nun insbesondere in der Champions League: Es ist der spannendste August aller Zeiten. Und nachdem gestern Abend Paris St. Germain erst in der Nachspielzeit ein peinliches Aus gegen Bergamo abwenden konnte, nimmt der Wettbewerb mit dem ersten Viertelfinale mit deutscher Beteiligung, dem Duell zwischen RB Leipzig und Atlético Madrid, noch mehr Fahrt auf.


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Die Champions League ist Europas Königsklasse. Die größten Spieler aller Zeiten wurden hier zu Legenden und setzten sich ihre ganz persönlichen Denkmäler. Diese Spieler prägten den Wettbewerb wie keine anderen. Doch was machen sie heute?
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Natürlich steht alles noch stark unter den unschönen Eindrücken der Corona-Pandemie. Mir persönlich fällt es in der Champions League noch schwerer als in der Bundesliga, die Spiele ohne Zuschauer zu akzeptieren. Wenn die Hymne dieses Wettbewerbs läuft, ist das noch krasser, die leeren Ränge zu sehen. Es ist nicht das, was wir wollen. Trotzdem birgt der Modus ohne Rückspiele natürlich viel Spannung. Und darauf will ich mich bei meinen sieben Thesen konzentrieren.

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1. Für Bayern war es noch nie so leicht, die Champions League zu gewinnen – doch es gibt einen gewaltigen Haken

Nur eineinhalb Wochen, dann wissen wir, wer Champions-League-Sieger ist. Nur drei Spiele bis zum Titel. Dreimal 90 Minuten plus mögliche Verlängerung und Elfmeterschießen. Ein Lewandowski in Topform, gute Stimmung, kaum Verletzte, viel Selbstbewusstsein nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft sowie des DFB-Pokals. Man könnte meinen: Noch nie war es für den FC Bayern so einfach, diesen Titel zu holen.

Leider gibt es einen entscheidenden Haken: Die Unberechenbarkeit nach den teilweise langen Pausen und in diesem Modus ohne Rückspiel. Das beweist das überraschende Aus für Juventus Turin. Als italienischer Meister waren sie bis zum 1. August im Spielbetrieb und dementsprechend voll im Saft – während Gegner Lyon in den letzten fünf Monaten nur ein Pflichtspiel hatte, nachdem die Liga abgebrochen wurde. Ein massiver Nachteil? Eigentlich schon. Und trotzdem setzten sich die Franzosen durch. Beim zweiten Duell zwischen Italien und Frankreich, zwischen Bergamo und Paris (1:2), war den Mannschaften der unterschiedliche Leistungsstand dagegen durchaus anzumerken.

Für Bayern heißt das: Sie können lockerleicht in drei Spielen das nächste Triple nach 2013 einfahren oder genauso gut ihren Traum nach nur 90 Minuten im Viertelfinale gegen Barcelona beerdigen – schon morgen Abend (ab 21 Uhr im Liveticker bei t-online.de).

2. Ein Finalturnier in einer Stadt kann keine Dauerlösung sein

Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge geht davon aus, dass der Modus "einschlagen wird wie eine Bombe". Er schlägt vor, auch künftig ein Finalturnier auszutragen mit Halbfinals und einem Finale in nur einer Stadt. Ich teile diese Ansicht ehrlich gesagt überhaupt nicht und sehe auch keine Notwendigkeit, den bisherigen Modus zu reformieren. Ich bin ein großer Freund der Gruppenphase, bei der der Gruppendritte noch in der Europa League weiterspielen darf – und ich bin ein großer Befürworter der Achtel-, Viertel- und Halbfinals mit Hin- und Rückspiel.

Das sind doch die Spiele, nach denen Vereine, Spieler und Fans lechzen. Im Heimspiel profitiert nicht nur der Verein, sondern die ganze Stadt von zusätzlichen Einnahmen, einer besonderen Stimmung und einem Highlight vor der eigenen Haustür. Und dann bist du selbst noch zu Gast im Nou Camp in Barcelona oder an der Anfield Road in Liverpool. Geiler geht es doch nicht. Zumal es der fairste Modus ist. Wer einen schlechten Tag im Hinspiel hat, kann im Rückspiel alles gutmachen. So stehen am Ende auch die besten Mannschaften im Finale.

Nicht nur ich widerspreche Rummenigge übrigens in diesem Punkt. Aus meiner Sicht spricht das gegen das, was der FC Bayern eigentlich repräsentiert. Finanzielle Gewinnorientierung und Fannähe. Beides würde womöglich bei so einem Konstrukt ohne Heimspiel im Halbfinale leiden. Damit widerspricht Rummenigge sich also selbst.

3. Lewandowski hat von allen Protagonisten den höchsten Druck

Druck kann gut sein – und die Topspieler und Trainer im Fußball können damit umgehen. Beim Finalturnier in Lissabon gibt es einige, auf denen nun ein ganz besonderer Druck lastet. Lionel Messi hat mit Barcelona zuletzt 2015 den Titel geholt und im Alter von 33 Jahren nicht mehr viele Chancen, diesen zu gewinnen. Trainer Pep Guardiola hat den Pokal zuletzt 2011 in den Händen gehalten. Dabei hat Manchester City ihn 2016 genau dafür verpflichtet. Genauso hoch ist der Druck bei Paris St. Germain und somit für Trainer Thomas Tuchel. Und auch Atlético läuft diesem Titel seit Jahren hinterher.

Aber: Den höchsten Druck aller Protagonisten hat Robert Lewandowski.

Guardiola, Tuchel oder Simeone haben als Trainer viel mehr Möglichkeiten, die Champions League in den nächsten zehn bis 15 Jahren zu gewinnen. Als Spieler dagegen ist die Zeit sehr begrenzt. Lewandowski ist mittlerweile 31 Jahre alt. Er ist vor sechs Jahren zu Bayern gegangen, um diesen Titel zu holen. Und er wird daran gemessen. Verfehlt Bayern das Ziel, wird das an ihm festgemacht. Gewinnt Bayern, ist es die Erfüllung der Karriere von Lewandowski.

4. Der beste Spieler der Welt kann Lewandowski nur mit Champions-League-Titel sein

Klar ist: Lewandowski hat bisher eine überragende Saison gespielt. In 44 Pflichtspielen hat er 53 Tore erzielt. Ich wäre entsetzt, wenn Lewandowski in diesem Jahr nicht endlich zum ersten Mal Deutschlands Fußballer des Jahres wird.

Aber Weltfußballer?

Derzeit wird an vielen Stellen so getan, als könne es – sofern die Wahl überhaupt stattfindet – nur einen Weltfußballer geben. Rummenigge hat sich bei Fifa-Präsident Gianni Infantino sogar dafür stark gemacht, dass die Auszeichnung vergeben wird – in dem Glauben, dass Lewandowski die besten Chancen darauf hat. Ich widerspreche dem entschieden. Wenn Kylian Mbappé Paris zum Champions-League-Titel schießt, ist er auch der beste Spieler der Welt in dieser Saison. Er war zwar zwischenzeitlich verletzt, im Schnitt aber an mehr Toren (1,4) pro Spiel beteiligt als Lewandowski (1,38). Und drei Spiele stehen ja noch aus.

Für Lionel Messi beim FC Barcelona oder Kevin de Bruyne bei Manchester City gilt grundsätzlich das Gleiche. Schießen sie ihren Verein zum Titel, sehe ich sie vorn. In diesen Spielen zeigt sich doch, wer auch bei einer Weltfußballer-Wahl vorne liegen sollte. Und da hat Lewandowski in den vergangenen Jahren eben selten überzeugt – im Gegensatz zu Messi oder Cristiano Ronaldo.

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Um es noch mal deutlich zu formulieren: Für die höchste Stufe im Weltfußball und für den Titel des Weltfußballers braucht Lewandowski den Champions-League-Titel. Da kommt er nicht drum herum.

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5. Atlético Madrid ist gemacht für den neuen Modus

Natürlich drücke ich am heutigen Abend RB Leipzig als deutschem Verein die Daumen – und ich würde sie auch nicht abschreiben (So sehen Sie das Spiel live im TV). Rein sportlich betrachtet ist der Gegner Atlético Madrid allerdings der klare Favorit und auch mein Geheimtipp für den Titel. Atlético ist gemacht für diesen Wettbewerb ohne Rückspiel. Sie haben nicht nur herausragende Spieler, sondern verkörpern alle wichtigen Eigenschaften, die es braucht. Sie sind böse und schmutzig – im positiven Sinn. Mit Diego Simeone haben sie einen Trainer, der weiß, worauf es ankommt und sie hervorragend einstellen wird.

6. Die Bundesliga gehört nicht zu den stärksten Ligen der Welt

Kaum sind die Achtel- und Viertelfinalspiele gespielt, sind die deutschen Mannschaften in der Europa League auch schon raus. Täglich grüßt das Murmeltier. Oder zumindest jährlich. Das Abschneiden ist wie so oft in den vergangenen Jahren nur mit einem Wort zu beschreiben: kläglich. Die Ausnahme war Frankfurt mit dem Halbfinaleinzug vergangene Saison. Ich kann mir das nicht wirklich erklären, aber es sagt natürlich etwas aus. Wir sollten nicht länger behaupten, dass wir eine der stärksten Ligen der Welt haben. Und wir können künftig nur darauf hoffen, mit Glück mal wieder in ein Halbfinale oder Finale zu kommen. Mit der Qualität schaffen wir das offensichtlich nicht.

7. Der FC Bayern muss viele Fragen beantworten

Weil das Transferfenster in diesem Jahr bis zum 3. Oktober geöffnet hat, bleibt dem FC Bayern noch Zeit, die Personalplanung voranzutreiben. Die läuft natürlich im Hintergrund. Aber: Es ist auch definitiv Druck darauf. Die Zukunft von David Alaba, Thiago, Javi Martinez, Jérôme Boateng und Corentin Tolisso ist immer noch nicht geklärt – und dabei handelt es sich nicht um irgendwelche Spieler. Diese Fragezeichen nehmen sie nun mit in das Champions-League-Turnier. (Lesen Sie hier: Wie Trainer Flick um zwei Stars kämpft)

Wie in den vergangenen Jahren gibt es auch in diesem Diskussionen um einen möglichen Abschied von Jérôme Boateng.
Wie in den vergangenen Jahren gibt es auch in diesem Diskussionen um einen möglichen Abschied von Jérôme Boateng. (Quelle: Poolfoto/imago-images-bilder)
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Für mich gibt es auch deshalb mit Borussia Dortmund Stand jetzt einen Gewinner auf dem Transfermarkt. Mit Thomas Meunier haben sie einen erfahrenen Topspieler geholt, mit Jude Bellingham ein Riesenjuwel und mit Jadon Sancho haben sie einen ihrer besten Spieler an sich gebunden. Mit dem Wintertransfer von Erling Haaland und auch den Transfers des vergangenen Sommers muss man sagen: Sie haben einen Riesenjob gemacht. Auch wenn sie beim Champions-League-Turnier in Lissabon nun nicht dabei sind.

Die Bayern-Transfers von Álvaro Odriozola, Lucas Hernández, Philippe Coutinho, Corentin Tolisso, Jann Fiete Arp oder Michaël Cuisance dagegen waren aus heutiger Sicht betrachtet noch keine genialen Schachzüge.

Wenn Bayern die Champions League gewinnt, spielt das natürlich alles keine Rolle.

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Eine Kolumne von Stefan Effenberg
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