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Dann soll Nagelsmann lieber gar nichts sagen

Eine Kolumne von Stefan Effenberg

Aktualisiert am 06.05.2022Lesedauer: 6 Min.
Bayern-Trainer Julian Nagelsmann musste sich zuletzt mehrfach fĂŒr Äußerungen entschuldigen.
Bayern-Trainer Julian Nagelsmann musste sich zuletzt mehrfach fĂŒr Äußerungen entschuldigen. (Quelle: MIS/imago-images-bilder)
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WĂ€hrend Eintracht Frankfurt aus dem Jubeln nicht mehr herauskommt, ist die Stimmung in Leipzig und MĂŒnchen schlechter. Dabei machten die Trainer in Sachen Kommunikation ein paar Fehler.

Dortmunds GeschĂ€ftsfĂŒhrer Hans-Joachim Watzke hat erst kĂŒrzlich wieder betont, warum die VerhĂ€ltnisse an der Spitze der Bundesliga aus seiner Sicht so klar sind: "Der Abstand im Gehaltsvolumen zwischen dem Tabellenersten Bayern und dem Zweiten Dortmund betrĂ€gt mittlerweile wahrscheinlich mehr als 150 Millionen Euro. [
] Es gibt eine glasklare Korrelation zwischen finanziellem Aufwand und sportlichem Erfolg."


FC Bayern: Was diese ehemaligen Stars heute machen

t-online.de hat sich 20 ehemalige Spieler des deutschen Rekordmeisters herausgesucht und aufgeschrieben, was sie heute machen. Tobias Rau beispielsweise, 2003 bis 2005 im Verein, unterrichtet heute in der NĂ€he von Bielefeld an einer Gesamtschule Biologie und Sport.
Thomas Helmer (1992–1999): Jahrelang eine Bank in der Defensive des FC Bayern. Zuletzt moderierte der Europameister von 1996 die Sport1-Kultsendung "Doppelpass", im Sommer 2021 gab er sie jedoch an Florian König ab. Helmer ist dennoch weiterhin fĂŒr Sport1 als Moderator im Einsatz, moderiert unter anderem den "Doppelpass on Tour", den Sport1-Fantalk oder auch die Spiele des DFB-Pokals.
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Die Aussage mag ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum zutreffend sein. In dieser Saison ist sie es an diversen Stellen allerdings mal wieder nicht.

Ähnlich groß wie der Abstand zwischen Bayern und Dortmund ist wohl auch der zwischen Dortmund und Frankfurt, dem Tabellenelften der Bundesliga.

Und der hat gerade das Finale der Europa League erreicht. Des Wettbewerbs also, aus dem der BVB frĂŒhzeitig und blamabel ausgeschieden ist. Und in dem auch RB Leipzig nun im Halbfinale an den Glasgow Rangers scheiterte.

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Wie nehme ich als Verein diesen Wettbewerb an und wie transportiere ich das dann in Richtung der Spieler, der Fans und der Stadt?

Das ist die Frage, deren Beantwortung ganz offensichtlich noch viel wichtiger ist als das Gehaltsvolumen. Und das haben in den vergangenen 25 Jahren sehr viele Bundesligisten nicht verstanden oder umgesetzt bekommen. Auch die finanzkrÀftigeren, zu denen Dortmund hier zweifellos gehört.

Der TV-Sender RTL hat das erkannt und ist am Donnerstagabend nicht nach Gehaltsvolumen gegangen. RTL hat sich entschieden, das Frankfurter Spiel gegen West Ham United (1:0) im Free-TV zu zeigen und das von RB Leipzig bei den Rangers (1:3) bei RTL plus zu verstecken. Das war die richtige Entscheidung.

Die Eintracht-Fans haben fĂŒr spektakulĂ€re Bilder gesorgt und der Verein hat die Ehre des deutschen Fußballs in diesem Wettbewerb gerettet. Frankfurt lebt seine Tradition und die Europa League. Wir können stolz auf diese Mannschaft sein.

Auf der anderen Seite RB Leipzig und die ernĂŒchternde Erkenntnis: Dieser Verein gibt einfach nicht mehr her, was die Begeisterung von Fans und Stadt angeht. Das Aus im Halbfinale ist kein Erfolg. Und: Nachdem RB das Stadion schon im Hinspiel nicht voll bekommen hat, waren auch in Glasgow nur 1.000 AnhĂ€nger dabei, obwohl 2.200 Tickets zur VerfĂŒgung standen. Und sogar ein Fanmarsch musste abgesagt werden, weil dafĂŒr zu wenig Leute da waren.

Ich muss ganz ehrlich sagen: Da sehe ich lieber Vereine wie Frankfurt oder den 1. FC Köln im Europacup. Die reisen mit Tausenden Fans an, sorgen fĂŒr eine unglaubliche Euphorie und machen so Werbung fĂŒr den deutschen Fußball. Zumal die Leistung der RB-Spieler auch ĂŒberschaubar war.

NatĂŒrlich hat Vorstandschef Oliver Mintzlaff immer wieder bekrĂ€ftigt, dass RB Leipzig ein junger Verein ist.

Oliver Mintzlaff: Der Vorstandsvorsitzende von RB Leipzig diskutiert am Sonntag mit Stefan Effenberg beim Sport1-"Doppelpass".
Oliver Mintzlaff: Der Vorstandsvorsitzende von RB Leipzig diskutiert am Sonntag mit Stefan Effenberg beim Sport1-"Doppelpass". (Quelle: Picture Point LE/imago-images-bilder)

Das interessiert mich allerdings als Fußballfan ĂŒberhaupt nicht und das will auch sonst niemand hören. Wollen sie denn noch 20 Jahre lernen, bis sie mal etwas gewinnen?

Trainer Domenico Tedesco sagte vor dem Spiel, dass es immer noch "eine super, super Saison" wĂ€re, selbst wenn RB "jetzt jedes Spiel verlieren wĂŒrde." Das war ganz offensichtlich nicht nur die falsche Ansprache. Das war auch inhaltlich nicht zutreffend.

TatsĂ€chlich entscheidet sich erst in den nĂ€chsten zwei Wochen, ob es wirklich eine erfolgreiche Saison fĂŒr RB wird. Verliert Leipzig tatsĂ€chlich jedes Spiel, verpasst der Klub nach dem Titel in der Europa League auch den im DFB-Pokalfinale – und dazu noch die Qualifikation fĂŒr die Champions League. Dann war es ganz sicher keine erfolgreiche Saison.

Intern haben sie auch einen anderen Anspruch, davon bin ich ĂŒberzeugt, aber den mĂŒssen sie eben auch nach außen transportieren, wenn sie ernst genommen werden und eine Euphorie entfachen wollen. Leipzig muss dieses Jahr endlich den Pokal gewinnen. Ganz einfach.

Die Kommunikation von Tedesco war also mindestens unglĂŒcklich – damit steht er allerdings nicht allein da.

Auch Bayern-Trainer Julian Nagelsmann hat zuletzt mehrfach danebengelegen.

FĂŒr seinen Satz "Wir sind nicht bei der Freiwilligen Feuerwehr SĂŒdgiesing, sondern beim FC Bayern MĂŒnchen", musste er sich bei der Feuerwehr entschuldigen. FĂŒr seine Kritik an der Entscheidung des SC Freiburg, gegen die Spielwertung des 1:4 gegen Bayern aufgrund eines Wechselfehlers Einspruch einzulegen, musste er seinen Trainerkollegen Christian Streich um Vergebung bitten.

Und auch die Aussage "Es gibt schon AnsĂ€tze zur VerĂ€nderung, aber die verrate ich nicht" nach dem 1:3 in Mainz war nicht clever. Die sorgt natĂŒrlich dafĂŒr, dass dann wild spekuliert wird.

Dann soll Nagelsmann doch lieber gar nichts sagen. Und sich kĂŒnftig auf das Sportliche konzentrieren.

Noch im November wurde er gefeiert, weil er sich eloquent zu Themen geĂ€ußert hatte, die eigentlich eher in der Verantwortung von Vorstandschef Oliver Kahn gelegen hĂ€tten. Ich habe schon damals gesagt: "Wartet mal ab mit euren Lobeshymnen."

Zuletzt kritisierte Nagelsmann auch die Ibiza-Reise seiner Spieler im Anschluss an die Pleite in Mainz, die in dieser Woche fĂŒr Aufregung gesorgt hat.

Womöglich zu Recht.

Das Thema Ibiza ist nĂ€mlich noch nicht abgehakt. Ich persönlich gehe davon aus, dass Bayern am Wochenende gegen den VfB Stuttgart gewinnt und die VorwĂŒrfe abrĂ€umt, man wĂŒrde sich nach der Meisterschaft hĂ€ngen lassen und den Wettbewerb verzerren. Ich muss aber auch sagen: Gewinnt Bayern nicht, fĂ€llt dem Verein und insbesondere Nagelsmann diese Ibiza-Reise auf die FĂŒĂŸe. Er hat sie zumindest nicht verboten – vielleicht hĂ€tte er das tun sollen.

Zumal diese Reise wirklich nullkommanull Sinn ergibt. Die Spieler sind doch ohnehin in zwei Wochen im Urlaub.

Selbst wenn es eine Teambuilding-Maßnahme war, wie sie Sportvorstand Hassan Salihamidzic nannte, darf die Sinnhaftigkeit zu diesem Zeitpunkt stark bezweifelt werden. Im Pokal und in der Champions League ist Bayern raus, in der Bundesliga vorzeitig Meister – und in der kommenden Saison sieht die Mannschaft anders aus. Wozu braucht es da eine Teambuilding-Maßnahme, bei der dann auch noch diverse Spieler fehlen?

Ich bin gespannt, welche Spieler in der kommenden Saison noch dabei sind. Es ist vollkommen richtig, dass sowohl Bayern als auch Dortmund an ihren Trainern festhalten und sich vielmehr den Kader ganz genau anschauen beziehungsweise verĂ€ndern. Du kannst nicht jede Saison den Trainer wechseln, sondern musst die Schwachstellen im Kader erkennen und ausbĂŒgeln.

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Borussia Dortmund arbeitet beispielsweise sehr gut daran. Die Verpflichtungen von Niklas SĂŒle und Nico Schlotterbeck fĂŒr die Innenverteidigung ergeben Sinn, das Interesse an Außenverteidiger Ramy Bensebaini von Borussia Mönchengladbach ebenfalls. Die geplante Verpflichtung von Karim Adeyemi wĂŒrde helfen.

Und wenn der Abgang von Erling Haaland feststeht, sollte sich der BVB um den frĂŒheren Frankfurter Luka Jovic bemĂŒhen, der bei Real Madrid weiterhin keine Rolle spielt. Der wĂŒrde zu 100 Prozent passen.

Luka Jovic blieb bei Real Madrid oft nur die Rolle des Zuschauers.
Luka Jovic blieb bei Real Madrid oft nur die Rolle des Zuschauers. (Quelle: imago-images-bilder)

Wer oft vergessen wird, wenn es um Dortmund geht, ist der bis 2023 an Frankfurt ausgeliehene Ansgar Knauff. Der hat gerade international eine ĂŒberragende Saison gespielt und ein Riesenpotenzial. Wenn der nicht in KĂŒrze fĂŒr die Nationalmannschaft nominiert wird, kann ich nur mit dem Kopf schĂŒtteln. Zumal er ein Mann fĂŒr die rechte Seite ist, wo es durchaus immer mal Probleme gab.

Schon fĂŒr die kommende Saison wĂŒrde ich bei Dortmund dafĂŒr plĂ€dieren, etwas an der Hierarchie zu Ă€ndern.

Ansgar Knauff: Der Junioren-Nationalspieler hat auch das Zeug fĂŒr die A-Auswahl, sagt Stefan Effenberg.
Ansgar Knauff: Der Junioren-Nationalspieler hat auch das Zeug fĂŒr die A-Auswahl, sagt Stefan Effenberg. (Quelle: PRiME Media Images/imago-images-bilder)

Ich habe schon mal vorgeschlagen, Mittelfeldspieler Jude Bellingham zum KapitĂ€n zu machen – und möchte das hiermit trotz seiner erst 19 Jahre bekrĂ€ftigen. Er spielt eine zentrale Rolle, ist selten verletzt, arbeitet Fußball – und der Verein könnte ihn mit einer solchen Entscheidung weiter an sich binden. Wird Bellingham KapitĂ€n, ĂŒberlegt er sich sicher doppelt, ob er in ein, zwei Jahren wirklich den Verein verlassen möchte.

Was bedeutet das nun fĂŒr die Jagd auf Bayern und die Hoffnung auf einen spannenden Meisterkampf?

Vor zwei Wochen habe ich noch geschrieben: "Leipzig kann in der kommenden Saison im Rennen um die Deutsche Meisterschaft der lang ersehnte Konkurrent fĂŒr Bayern werden."

Die 14 Tage seitdem haben diese Hoffnung etwas geschmĂ€lert. Das Europa-League-Aus, die Kommunikation der Verantwortlichen, die Niederlagen in der Bundesliga zuletzt – und auch die Diskussion um die Zukunft von Topspieler Christopher Nkunku. Klubboss Mintzlaff hatte einen Wechsel Nkunkus ausgeschlossen, nun sind unter der Woche doch wieder Berichte ĂŒber einen angeblichen Wechselwunsch des Angreifers aufgetaucht.

Um Bayern-JĂ€ger zu werden, muss Leipzig seine Mannschaft zusammenhalten. Und zwar so, dass die Topspieler nicht gezwungen werden zu bleiben. Sie mĂŒssen wirklich Lust haben, die Bayern-Jagd mit RB aufzunehmen.

Leipzig schwĂ€chelt also, Dortmund rĂŒstet auf – und ich bin weiterhin optimistisch, dass wir nach 10 Jahren endlich mal wieder einen spannenden Meisterkampf erleben.

Womöglich hÀngt das letztlich sogar an einer einzigen Personalie: Robert Lewandowski.

Ist er bereit, seinen Vertrag bis 2023 bei Bayern zu erfĂŒllen und sich auf die kommende Saison einzulassen – oder will er unbedingt im Sommer gehen?

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Wenn Lewandowski geht, ist der Titelkampf offen wie nie.

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  • Florian Wichert
Von Florian Wichert
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