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Postbank-Kundin sauer: "Man wird behandelt wie Klein-Doofy"


250 Filialen werden geschlossen
Postbankkundin: "Man wird behandelt wie Klein-Doofy"

Von t-online, dom

Aktualisiert am 10.11.2023Lesedauer: 4 Min.
Postbankangestellte berät eine Kundin (Symbolbild): Die geplanten Filialschließungen verärgern viele t-online-Leser.Vergrößern des BildesPostbankangestellte berät eine Kundin (Symbolbild): Die geplanten Filialschließungen verärgern viele t-online-Leser. (Quelle: Thomas Koehler/photothek.net/imago-images-bilder)
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Das Sterben von Postbankfilialen ist seit Jahren ein schleichender Prozess. Jetzt steht eine neue Schließungsrunde an. Kunden machen ihrem Ärger in Leserbriefen an t-online Luft.

Die Postbank kündigte Anfang der Woche an, bis Mitte 2026 jede zweite der derzeit noch 550 Filialen in Deutschland schließen zu wollen. Für viele Kunden ist das eine Hiobsbotschaft. Vor allem ältere Menschen und Postbank-Nutzer in ländlichen Gegenden stehen vor einem riesigen Problem. Wo bekomme ich Bargeld? Wie komme ich da hin? Mit wem kann ich sprechen?

Rentner: "Ständig auf der Suche nach einer Filiale"

"Dass Postbanken geschlossen werden, ist ja nichts Neues. Bei mir schloss vor einigen Jahren die Filiale im Mühlencenter in Berlin. Übrig blieb ein Geldautomat, der mittlerweile auch abgeschafft wurde. Das fand ich ärgerlich, konnte aber auf eine Filiale in der Prenzlauer Allee ausweichen", erzählt Günter Jantschke (78) aus Berlin. "Aber auch diese wurde Anfang dieses Jahres verrammelt. Ich bin ständig nur auf der Suche nach einer funktionierenden Zweigstelle. Ich bin wirklich entnervt."

Der Rentner bezahlt an der Kasse nicht gerne mit Karte. "Auch weil ich dann in dem Moment des Bezahlens oft einfach die Pinnummer nicht weiß." Für junge Menschen sei das vielleicht ein bisschen lächerlich, aber Menschen aus der Nachkriegsgeneration hätten gerne Bargeld in der Tasche und redeten lieber mit einem Bankmitarbeiter, als an einem Computer zu verzweifeln.

Der alte Herr sagt: "Für die Landbevölkerung ist das noch eine viel größere Zumutung. Die können ja nicht so leicht ausweichen. Und was, wenn du nicht mehr mobil bist? Wie kommst du dann in den nächsten Ort mit einem Automaten?"

Konto nach 50 Jahren gekündigt

Ulrich Ochs aus Malsch in Baden-Württemberg läuft der Postbank nicht mehr hinterher. Der Rentner ging jetzt den finalen Schritt. In einem Leserbrief an t-online erzählt er: "Ich habe mein Postbankkonto Ende September, nach 50 Jahren als Kunde, gekündigt. Der Service insgesamt ist wirklich miserabel geworden. Nur das Nötigste funktioniert über das Onlinebanking und die Kundenhotline ist praktisch nicht erreichbar. Eine schriftliche Beschwerde meinerseits wurde nie beantwortet."

Laufen der Postbank jetzt Mitarbeiter und Kunden in Scharen weg? Achim Hengsbach aus dem Westmünsterland bemerkt in seinem Leserbrief ironisch: "Kostensenkungen sind gut für ein Unternehmen und für die Aktionäre. Wenn man keine Kunden mehr hat, hat man auch weniger Kosten. Noch besser oder etwa nicht?"

Geldinstitute bauten im vorigen Jahr 1.266 Filialen ab

Aber nicht nur die Postbank baut massiv Filialen ab, auch andere Geldinstitute ziehen sich mehr und mehr zurück, wie aus Zahlen der Bundesbank hervorgeht. So verringerte sich die Zahl der inländischen Zweigstellen in Deutschland 2022 um 1.266 (5,8 Prozent) auf 20.446. Im Jahr zuvor war ein Abbau von 2.388 Zweigstellen (9,9 Prozent) verzeichnet worden.

Hannelore Berger (74) aus Finsterwalde in Brandenburg erzählt: "Postbank und Deutsche Bank sind hier schon seit über einem Jahr weg. Ich habe kein Smartphone und kenne mich mit Onlinebanking nicht aus. Meine Tochter hat mir helfen müssen, die Bank zu wechseln, und wenn ich Geld brauche, holt sie meist welches für mich."

Sibylle Osthus aus München fühlte sich in ihrer Filiale in Schwabing manchmal "behandelt wir Klein-Doofy. Und wenn jetzt geplant wird, weitere Filialen zu schließen, ist das wirklich ein Armutszeugnis."

Sie begegnet der Situation mit Eigeninitiative und einer großen Portion Galgenhumor. Osthus schreibt in einem Leserbrief: "Inzwischen habe ich in ganz München in dem immer weiter ausgedünnten Filialnetz aber zumindest eine Filiale gefunden, wo es noch redlicher zugeht. Mehr Platz, mehr Personal, bessere Stimmung. Da fahre ich jetzt immer öfter hin. Ist zwar circa 15 Kilometer, viele U-Bahn-Stationen und insgesamt circa 45 Minuten entfernt, aber das ist es mir wert. Dort ist vielleicht irgendein Zaubertrank im Pausen-Café? Ein genialer Personalchef, der für seine Mitarbeiter sorgt? Ich weiß es nicht. Und ich verrate auch nicht, wo diese Post/Postbank-Filiale steht. Geheimtipp!"

Verbraucherschützerin spricht von "blankem Hohn"

Der Filialabbau bei der Postbank hat auch die Verbraucherschützer auf den Plan gerufen. Die Chefin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Ramona Pop, kritisierte in den Zeitungen der Funke-Gruppe das Vorhaben scharf. Die Nachricht, gerade jetzt nahezu die Hälfte der Filialen schließen zu wollen, klinge wie "blanker Hohn" für die Kundinnen und Kunden der Postbank, sagte Pop.

Zumal auch Kunden, die dem Onlinebanking und digitalen Bankgeschäften positiv gegenüberstehen, zuletzt viel Negatives erleben mussten. "Angesichts massiver und anhaltender Probleme beim Onlinebanking in den vergangenen Monaten sollte die Deutsche Bank den Kundenservice endlich verbessern, statt diesen durch Filialschließungen zu schwächen", so Pop.

So kam es bei der IT-Migration der Postbankkonten zur Deutschen Bank Anfang des Jahres zu erheblichen Problemen (lesen Sie hier mehr dazu). Daten von etwa zwölf Millionen Postbank-Kunden wurden auf die IT-Systeme der Deutschen Bank umgestellt. Kunden konnten daraufhin teils nicht auf ihre Konten zugreifen, der Kundenservice war schwer erreichbar. Die Verbraucherschützer hatten vergangene Woche berichtet, dass die Beschwerden von Betroffenen anhalten.

Verwendete Quellen
  • Leserbriefe
  • Gespräche mit Betroffenen
  • bundesbank.de/de/presse: "Bankstellenentwicklung im Jahr 2022"
  • Material der Nachrichtenagentur dpa
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