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Das kommt 2022 auf Bewerberinnen und Bewerber zu

Von dpa
Aktualisiert am 21.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Flexible Arbeitszeiten- und Orte: Das k├Ânnen Arbeitgeber guten Kandidatinnen und Kandidaten derzeit kaum mehr verwehren.
Flexible Arbeitszeiten- und Orte: Das k├Ânnen Arbeitgeber guten Kandidatinnen und Kandidaten derzeit kaum mehr verwehren. (Quelle: Steve Brookland/Westend61/dpa-tmn/Illustration./dpa)
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Berlin/M├╝nchen (dpa/tmn) - Jetzt muss was Neues her: Dieser Impuls begleitet derzeit viele Besch├Ąftigte. Vier von zehn Erwerbst├Ątigen denken ├╝ber einen Jobwechsel nach.

37 Prozent sind 2022 offen f├╝r einen neuen Job oder haben sogar bereits konkrete Schritte in die Wege geleitet, so das Ergebnis einer Umfrage, die Forsa im Januar unter gut 1000 Besch├Ąftigten im Auftrag von Xing E-Recruiting durchgef├╝hrt hat.

Solche Zahlen deuten auf Bewegung auf dem Arbeitsmarkt hin. Aber: Welche Entwicklungen sollten Jobwechsler jetzt beachten? Was k├Ânnen Bewerberinnen und Bewerber verlangen, was m├╝ssen sie mitbringen? Personal-Expertinnen und Experten wagen einen Ausblick.

Die Chancen auf dem Kandidatenmarkt sind gut

Grunds├Ątzlich sehen Expertinnen und Experten gro├čer Personaldienstleister in Deutschland 2022 gute Chancen auf Jobwechslerinnen und Jobwechsler zukommen. "Der Fachkr├Ąftemangel hat auch w├Ąhrend Corona ├╝ber fast alle Qualifikationsebenen nicht nachgelassen", sagt Heinz Ostermann, Personalvermittlungsexperte im Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister. "Als Bewerber w├╝rde mich das zuversichtlich stimmen."

Nach der anf├Ąnglich gro├čen Unsicherheit nach Beginn der Pandemie seien die meisten Unternehmen wieder aus der "Schockstarre" geflohen, so auch Marlene P├Âhlmann, Managing Director beim Personalvermittler Robert Half. "Damit wurde das Ganze sicherer und man merkt jetzt nach wie vor: Es ist wirklich ein totaler Kandidaten-Markt."

Gleichzeitig sei die Pandemie f├╝r viele eine Zeit gewesen, "wirklich mal alles in ihrem Leben zu ├╝berdenken." Ist das noch immer ein Job, den ich haben m├Âchte? "Man merkt schon, dass jetzt die Bereitschaft zu wechseln um einiges h├Âher ist", sagt P├Âhlmann.

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Laut Christoph Niewerth, Chief Operating Officer im Vorstand des Personalvermittlungsunternehmens Hays, bleibt trotz der positiven Grundstimmung die Qualifikation aber wichtig. Je eher sich eine T├Ątigkeit digitalisieren oder automatisieren l├Ąsst, desto mehr Druck werde es geben, ersetzt zu werden.

Bewerbungs- und Onboardingprozesse bleiben digital

Die Pandemie hat das Arbeiten stark ver├Ąndert, das haben die meisten hautnah erlebt. Laut P├Âhlmann m├╝ssen sich Bewerberinnen und Bewerber auch k├╝nftig auf digitale Bewerbungsgespr├Ąche und digitale Onboardings einstellen.

Das gilt nicht nur f├╝r Hochqualifizierte oder Wissensjobs. ├ťber alle Qualifikationsebenen hinweg sei festzustellen, dass das pers├Ânliche Vorstellungsgespr├Ąch dem digitalen Gespr├Ąch nach und nach weicht. "Als Bewerber muss ich mich einfach darauf einstellen", so Ostermann.

Mobiles Arbeiten wird zum Standard

Regelm├Ą├čiges Arbeiten im Homeoffice, damit haben viele in der Pandemie zum ersten Mal Erfahrung gemacht. In "enorm vielen Stellenanzeigen" werde Remote Work derzeit zum Standard, sagt Marlene P├Âhlmann. Arbeitgeber seien vermehrt auch offen daf├╝r, jemanden aus Dresden oder aus N├╝rnberg einzustellen - selbst wenn das Unternehmen in Berlin sitzt, sagt P├Âhlmann.

Das erm├Âgliche viel Flexibilit├Ąt, auf der anderen Seite l├Ąsst sich das zum Teil als negative Entwicklung verzeichnen. Bei der Frage, warum jemand seinen Job gerne macht, k├Ânne die Verlagerung ins Digitale eine Stelle schon sehr ver├Ąndern, so die Expertin. "F├╝hrungskr├Ąfte m├╝ssen nun besonderen Wert darauf legen, wie sie das Wir-Gef├╝hl im Team st├Ąrken."

Nat├╝rlich werden die, die nicht in einem B├╝rojob arbeiten, weiter zur Arbeit pendeln m├╝ssen. Auf der Negativ-Seite seien deshalb auch die steigenden Kosten f├╝r Berufspendler zu verbuchen, so Heinz Ostermann. Das k├Ânne f├╝r diese Gruppe der Berufst├Ątigkeiten ein Hemmnis werden.

Kommunikation und Selbstorganisation sind entscheidend

K├╝nftige Besch├Ąftigte m├╝ssten sich mit der digitalen Arbeitswelt arrangieren, sagt P├Âhlmann. Dazu geh├Ârt eine gewisse Flexibilit├Ąt, die F├Ąhigkeit, um- und agil zu denken sowie die Kompetenz, sagen zu k├Ânnen: "Ja, ich kann im Homeoffice effizient arbeiten und mit meinen Vorgesetzten oder mit meinem Team kommunizieren."

Auch Christoph Niewerth betont die Rolle der Soft Skills. Die Arbeitswelt werde immer schneller, die Arbeitsweise interdisziplin├Ąrer, agiler und unabh├Ąngiger. Wer erwartet, selbstst├Ąndig arbeiten zu d├╝rfen, m├╝sse das auch in der eigenen Arbeitsweise widerspiegeln k├Ânnen.

Bewerberinnen und Bewerbern k├Ânnen Flexibilit├Ąt fordern

Ein Gro├čteil der Unternehmen m├╝sse sich inzwischen darauf einstellen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - da wo es m├Âglich ist - flexible Arbeitszeiten fordern. Als Bewerberin oder Bewerber kann man laut P├Âhlmann durchaus darauf pochen, dass sich das Unternehmen mehr an die eigenen Lebensumst├Ąnde anpasst.

"Man sitzt nicht mehr unbedingt von 9 bis 17 Uhr am Schreibtisch, sondern nutzt eher die Methode: Das Projekt muss bis zum Zeitpunkt X umgesetzt sein." Wer dann von 18 bis 22 Uhr besser Zeit hat, weil die Kinder im Bett sind, sollte das auch vom Arbeitgeber gew├Ąhrleistet bekommen.

Auch Weiterbildung und Onboarding seien gro├če Themen, sagt Niewerth. "Gerade jetzt sollte man als Bewerber danach fragen, wie sich das Unternehmen hier entwickelt." Wie findet das Unternehmen die Balance zwischen flexiblen Arbeitsmodellen und einer guten Teamstruktur, in die man sich auch integriert f├╝hlt?

In dem Zusammenhang werde f├╝r Bewerberinnen und Bewerber k├╝nftig auch die Frage wichtig: Wie werde ich beim meinem psychischen und physischen Wohlbefinden unterst├╝tzt? Hier m├╝ssen sich Niewerth zufolge viele Arbeitgeber umstellen. "Da m├╝ssen sich Unternehmen wirklich attraktiv machen und genau zuh├Âren: Was wollen meine Leute? Ich glaube, das Unternehmen, das am besten zuh├Ârt, wird den besten Weg machen."

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