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Verbrauchersch├╝tzer wollen schnelles Recht auf Reparatur

Von dpa
Aktualisiert am 07.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Verbrauchersch├╝tzer haben die Bundesregierung aufgefordert, das geplante Recht auf Reparatur bis Mitte M├Ąrz auf den Weg zu bringen.
Verbrauchersch├╝tzer haben die Bundesregierung aufgefordert, das geplante Recht auf Reparatur bis Mitte M├Ąrz auf den Weg zu bringen. (Quelle: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Handy-Akkus lassen sich nicht wechseln, die Reparatur des Fernsehers ist teurer als ein neuer - das muss sich aus Sicht von Verbrauchersch├╝tzern schnell ├Ąndern. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat die neue Bundesregierung aufgefordert, das geplante Recht auf Reparatur rasch umzusetzen.

"Das h├Ątten wir gerne innerhalb der ersten hundert Tage auf den Weg gebracht", sagte Verbandschef Klaus M├╝ller der Deutschen Presse-Agentur. Das w├Ąre Mitte M├Ąrz 2022.

Die Nachhaltigkeit von Haushaltsger├Ąten und Elektronikprodukten m├╝sse deutlich besser werden, betonte M├╝ller. "Viele Menschen ├Ąrgern sich st├Ąndig, weil etwas kaputt geht und man es dann wegwerfen muss. Das ist schlecht f├╝r den Geldbeutel und ein gutes ├Âkologisches Gewissen hat man dabei auch nicht."

├ľkodesign-Richtlinie soll Elektroschrott reduzieren

Seit M├Ąrz 2021 gilt in der EU bereits eine neue ├ľkodesign-Richtlinie mit dem Prinzip "reparieren statt wegschmei├čen". Hersteller von Waschmaschinen, Sp├╝lmaschinen, K├╝hlschr├Ąnken und anderen gro├čen Haushaltsger├Ąten m├╝ssen daf├╝r sorgen, dass Ersatzteile sieben bis zehn Jahre lang verf├╝gbar sind. Da geht es vor allem um Kleinteile wie Dichtungen oder Spr├╝harme von Geschirrsp├╝lern. Au├čerdem m├╝ssen die Produkte so gebaut sein, dass man sie mit herk├Âmmlichen Werkzeugen auseinanderbauen kann, ohne etwas kaputt zu machen.

So soll der riesige Berg anElektroschrottreduziert werden, der sich j├Ąhrlich in Europa anh├Ąuft. Statistisch gesehen produziert jeder Deutsche im Jahr mehr als zehn Kilo Elektroschrott. Den aktuellsten Daten des Statistischen Bundesamts zufolge wurden im Jahr 2018 insgesamt 853.000 Ger├Ąte weggeworfen. Nach Angaben des Europ├Ąischen Parlaments werden nur knapp 42 Prozent des in der EU anfallenden Elektroschrotts recycelt.

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Recht auf Reparatur auch f├╝r kleinere Ger├Ąte gefordert

Verbrauchersch├╝tzern und auch der neuen Ampel-Koalition reichen die geltenden Vorgaben daher nicht aus. SPD, Gr├╝ne und FDP wollen ein Recht auf Reparatur auch f├╝r kleinere Ger├Ąte wie Handys und Laptops auf EU-Ebene durchsetzen. Au├čerdem soll die Gew├Ąhrleistungsfrist l├Ąnger werden, in der Verbraucher ihr defektes Ger├Ąt einschicken und kostenlos reparieren lassen k├Ânnen. Laut Koalitionsvertrag sollen die Hersteller auch Reparaturanleitungen ver├Âffentlichen, so dass man defekte Bauteile wie Handyakkus selbst tauschen kann.

"Viel zu oft wird doch ein Produkt nicht repariert, sondern einfach durch ein neues ersetzt", sagte Verbraucherschutzministerin Steffi Lemke (Gr├╝ne) zu ihrem Amtsantritt der "S├╝ddeutschen Zeitung". Einfachste Reparaturen scheiterten daran, dass Ger├Ąte verklebt oder mit Spezialschrauben versehen seien. "Das zu ├Ąndern ist sozial und auch ├Âkologisch ein Gewinn."

Die Verbraucherzentralen fordern aber nicht nur, dass sich die Bundesregierung auf EU-Ebene f├╝r eine Reform stark macht, sondern auch dass sie selbst aktiv wird. Die Mehrwertsteuer auf bestimmte Reparaturen solle gesenkt werden, damit sie sich eher lohnen, fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Reparaturindex k├Ânnte Orientierung bieten

Au├čerdem solle ein sogenannter Reparaturindex eingef├╝hrt werden, mit dem schon auf der Verpackung auf einen Blick erkennbar ist, wie gut sich ein Produkt reparieren l├Ąsst. Ohne Informationen ├╝ber Reparaturkosten undHaltbarkeitk├Ânnten sich Verbraucher schwer f├╝r die nachhaltige Option entscheiden, argumentieren die Verbrauchersch├╝tzer.

Laut einer Kantar-Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands erwarten die Verbraucher nicht nur, dass ein Ger├Ąt lange h├Ąlt, sondern auch, dass Ersatzteile langfristig verf├╝gbar sind, dass die Reparaturkosten verh├Ąltnism├Ą├čig sind und dass die Reparatur technisch einfach zu machen ist.

Die deutsche Industrie zeigt sich offen f├╝r einen Reparaturindex und auch f├╝r ein Recht auf Reparatur. Es m├╝sse aber an die jeweiligen Produkte angepasst sein, erkl├Ąrte der stellvertretende Hauptgesch├Ąftsf├╝hrer des Branchenverbands BDI, Holger L├Âsch. Bei gro├čen Haushaltsger├Ąten k├Ânne es ├Âkologisch sinnvoller sein, neue, energieeffiziente Produkte zu kaufen, als alte zu reparieren. Wichtig sei eine EU-weite Regelung und das Vermeiden nationaler Sonderregeln.

Bitkom lehnt zu strenge Vorschriften ab

Der Digitalverband Bitkom fordert Augenma├č bei den Vorschriften f├╝r Ersatzteile. "Wenn k├╝nftig s├Ąmtliche Ersatzteile auf Halde produziert und eingelagert werden, kippt die Umweltbilanz eines "Rechts auf Reparatur" schnell ins Minus", sagte Hauptgesch├Ąftsf├╝hrer Bernhard Rohleder der Deutschen Presse-Agentur. Die Ger├Ąte w├╝rden dann definitiv teurer - und ein positiver Effekt f├╝r die Umwelt sei nicht nachgewiesen.

Schon jetzt habe mehr als jeder Dritte sein Smartphone reparieren lassen, wenn es einen Schaden hatte. 17 Prozent h├Ątten einen Defekt einer Bitkom-Studie aus dem Oktober zufolge auch schon einmal selbst repariert. "Das zeigt: Es gibt eine gro├če Nachfrage nach Reparaturleistungen, denen heute bereits eine entsprechend breites Angebot gegen├╝bersteht", sagte Rohleder.

Au├čerdem m├╝sse ber├╝cksichtigt werden, dass Smartphones und Tablets deutlich komplexer seien als Toaster oder andere Haushaltsger├Ąte. "Sie k├Ânnten nicht so flach, leicht und leistungsf├Ąhig und obendrein wasser- und staubdicht sein, wenn sie so konstruiert w├Ąren, dass man sie einfach aufschrauben uns auseinandernehmen k├Ânnte", sagte Rohleder. Wichtiger als die Reparierbarkeit sei daher, dass die Ger├Ąte selten kaputt gehen - daf├╝r seien teils spezielle Klebstoffe und Konstruktionen n├Âtig. "In vielen F├Ąllen w├╝rde ein Reparierbarkeitsindex also genau die falschen Signale geben", sagte Rohleder.

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