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  • Mehrwertsteuer: Wann zahle ich 19 Prozent, wann 7 Prozent?


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FĂŒr diesen Beitrag haben wir alle relevanten Fakten sorgfĂ€ltig recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

FĂŒr welche Produkte welcher Mehrwertsteuersatz gilt

  • Christine Holthoff
Von Christine Holthoff

Aktualisiert am 19.01.2022Lesedauer: 5 Min.
19 oder 7 Prozent? Die MehrwertsteuersÀtze unterscheiden sich je nach Produkt.
19 oder 7 Prozent? Die MehrwertsteuersÀtze unterscheiden sich je nach Produkt. (Quelle: Jan Woitas/dpa-bilder)
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Wer etwas kauft, zahlt meist nicht bloß den Nettopreis, sondern in der Regel auch Mehrwertsteuer. Die aber kann je nach Produkt oder Dienstleistung unterschiedlich hoch sein. Wir zeigen, wann welcher Satz gilt.

Das Wichtigste im Überblick


  • Was ist die Mehrwertsteuer?
  • Was unterscheidet Mehrwertsteuer und Umsatzsteuer?
  • FĂŒr welche Produkte gilt welche Mehrwertsteuer?
  • Wann wird keine Mehrwertsteuer fĂ€llig?
  • Wie berechnet man die Mehrwertsteuer?

Egal ob Sie eine TĂŒte Milch kaufen oder ein Auto – bei fast allen Waren und Dienstleistungen finden Sie neben dem Nettopreis auch die Mehrwertsteuer auf Ihrem Kassenbon. Mal betrĂ€gt sie allerdings 19 Prozent, mal nur 7 Prozent. In der Corona-Krise galten zudem zeitweise MehrwertsteuersĂ€tze von 16 und 5 Prozent.

Wir erklĂ€ren, wozu die Mehrwertsteuer ĂŒberhaupt gut ist, was sie mit der Umsatzsteuer zu tun hat und bei welchen Produkten Sie welchen Steuersatz zahlen mĂŒssen.

Was ist die Mehrwertsteuer?

Die Mehrwertsteuer, abgekĂŒrzt MwSt. oder Mw.-St., ist eine Steuer auf den Mehrwert, den Unternehmen schaffen, indem sie Produkte herstellen oder Dienstleistungen anbieten. Die Firmen schlagen sie auf ihre Waren und Dienstleistungen auf und reichen sie so an die Verbraucher weiter.

Die Kunden zahlen also einen Bruttopreis, der sich aus dem eigentlichen Warenwert (Nettopreis) und dem Mehrwertsteuerbetrag zusammensetzt. Die eingenommene Steuer fĂŒhren die Unternehmen anschließend an das Finanzamt ab. Dabei wird sie als Umsatzsteuer bezeichnet.

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Was unterscheidet Mehrwertsteuer und Umsatzsteuer?

Die Mehrwertsteuer ist eine sogenannte Konsumentensteuer. Das heißt, sie soll ausschließlich den Endverbraucher belasten, wenn dieser ein Produkt kauft oder eine Dienstleistung erhĂ€lt.

Damit das gelingt, muss die Steuer fĂŒr Unternehmer zu einem durchlaufenden Posten werden. Das bedeutet, die HĂ€ndler mĂŒssen die Mehrwertsteuer, die sie selbst zum Beispiel an Lieferanten zahlen, mit der von ihren Kunden kassierten Mehrwertsteuer verrechnen dĂŒrfen. Das nennt sich Vorsteuerabzug.

Auf diese Weise wird verhindert, dass die Mehrwertsteuer jene Unternehmen belastet, die ein Produkt weiterverarbeiten und dadurch im Vergleich zur vorherigen Fertigungsstufe aufwerten. Außerdem wird der Preis des Endprodukts nicht unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig hoch, weil die Mehrwertsteuer nur so weit steigt, wie es auch dem tatsĂ€chlichen Mehrwert innerhalb der Wertschöpfungskette entspricht.

Bei der Umsatzsteuer hingegen geschieht genau das nicht. Um sie zu berechnen, wird der komplette Umsatz jeder Handels- oder Produktionsstufe herangezogen, sodass sie sich bei einer langen Wertschöpfungskette vervielfacht.

Weil das deutsche Umsatzsteuerrecht aber den Vorsteuerabzug ermöglicht, gleicht sich die Umsatzsteuer dann der Mehrwertsteuer an. Dass im normalen Sprachgebrauch meist kein Unterschied zwischen Mehrwertsteuer und Umsatzsteuer gemacht wird, ist daher streng genommen nicht korrekt. Mehr zur Umsatzsteuer lesen Sie hier.

FĂŒr welche Produkte gilt welche Mehrwertsteuer?

In Deutschland gibt es zwei SteuersĂ€tze fĂŒr die Mehrwertsteuer: den Regelsteuersatz und den ermĂ€ĂŸigten Steuersatz. Mit diesen ProzentsĂ€tzen berechnet man die Mehrwertsteuer (mehr dazu unten).

Laut § 12 Umsatzsteuergesetz (UStG) betrĂ€gt der Regelsteuersatz derzeit 19 Prozent, der ermĂ€ĂŸigte Steuersatz 7 Prozent. Dabei gilt: Der Standardsatz gilt fĂŒr jeden steuerpflichtigen Nettoumsatz – es sei denn, er wurde mit einem Produkt oder einer Dienstleistung erzielt, die zum Grundbedarf zĂ€hlen. Dann greift der ermĂ€ĂŸigte Steuersatz.

Achtung: Es gibt noch zwei weitere MehrwertsteuersĂ€tze, die weniger bekannt sind. Sie gelten fĂŒr die Land- und Forstwirtschaft und betragen 10,7 Prozent und 5,5 Prozent.

Die ursprĂŒngliche Idee hinter dem ermĂ€ĂŸigten Steuersatz war, dass lebensnotwendige Produkte fĂŒr jeden bezahlbar bleiben sollten. Deshalb werden auf viele Lebensmittel nur 7 Prozent Mehrwertsteuer fĂ€llig. Doch dieser Grundgedanke spielt bei vielen Produkten nur eine untergeordnete Rolle.

Denn: Die Politik setzt den ermĂ€ĂŸigten Steuersatz auch ein, um bestimmte Branchen zu subventionieren und um das Verhalten der Konsumenten in eine bestimmte Richtung zu lenken, zum Beispiel bei Zigaretten, die der Staat zusĂ€tzlich noch mit der steigenden Tabaksteuer belegt.

Diese Lenkungsidee steckte auch hinter der Mehrwertsteuersenkung in der Corona-Pandemie, als die Bundesregierung die SteuersĂ€tze zeitweise auf 16 Prozent (Regelsatz) und 5 Prozent (ermĂ€ĂŸigt) reduzierte. Die Verbraucher sollten durch die so purzelnden Preise mehr Geld ausgeben, um die Wirtschaft ĂŒber den Konsum anzukurbeln.

An der Frage, was zum Grundbedarf zĂ€hlt, scheiden sich zudem die Geister. WĂ€hrend beispielsweise fĂŒr Kuhmilch der ermĂ€ĂŸigte Steuersatz gilt, greift fĂŒr pflanzliche Alternativen wie Soja- oder Hafermilch der Regelsteuersatz. Wer Probleme mit den Ohren hat, freut sich ĂŒber ein HörgerĂ€t mit 7 Prozent Mehrwertsteuer, wer Probleme mit den Augen hat, zahlt fĂŒr eine Brille hingegen 19 Prozent obendrauf.

FĂŒr Diskussionen sorgte auch der Regelsteuersatz auf Hygieneartikel wie Tampons und Binden, die fĂŒr viele Frauen eindeutig zum Grundbedarf zĂ€hlen. Seit Januar 2020 spiegelt sich das auch in der darauf erhobenen Mehrwertsteuer wider: Es gilt in Deutschland seither der ermĂ€ĂŸigte Steuersatz.

Eine Auswahl an Produkten und Dienstleistungen, fĂŒr die der ermĂ€ĂŸigte Steuersatz gilt:

  • BĂŒcher, Zeitungen, Zeitschriften
  • Öffentlicher Nahverkehr mit Bussen, Bahnen, Taxis, Seilbahnen und Schiffen in einem 50-Kilometer-Radius
  • Eintrittskarten fĂŒr Kino, Theater, Konzerte, Sportveranstaltungen, botanische und zoologische GĂ€rten
  • Bestimmte Zahnarztleistungen und Zahntechnik
  • Leistungen gemeinnĂŒtziger, mildtĂ€tiger und kirchlicher Vereine
  • Vieh- und Pflanzenzucht, Viehhaltung
  • Kurzfristige Vermietung von Wohn- und SchlafrĂ€umen oder CampingplĂ€tzen

Die komplette Liste an GegenstĂ€nden, die dem ermĂ€ĂŸigten Steuersatz unterliegen, finden Sie in Anlage 2 UStG.

Entwicklung der Mehrwertsteuer

Die Mehrwertsteuer gibt es in Deutschland seit 1968. Sie wurde innerhalb der EU ab 2007 vereinheitlicht und wĂ€hrend der Corona-Pandemie befristet gesenkt. Der folgenden Tabelle können Sie entnehmen, wie sich die MehrwertsteuersĂ€tze ĂŒber die Jahre entwickelt haben:


Regelsteuersatz ErmĂ€ĂŸigter Steuersatz
1968 10 Prozent 5 Prozent
1978 11 Prozent 5,5 Prozent
1979 13 Prozent 6,5 Prozent
1983 14 Prozent 7 Prozent
1993 15 Prozent 7 Prozent
1998 16 Prozent 7 Prozent
2007 19 Prozent 7 Prozent
1. Juli 2020 16 Prozent 5 Prozent
2021 19 Prozent 7 Prozent

Wann wird keine Mehrwertsteuer fÀllig?

Manche GĂŒter und Dienstleistungen unterliegen der Steuerfreiheit. Dazu zĂ€hlen vermieteter Wohnraum sowie unter anderem Leistungen von Ärzten, Banken, Pflegeeinrichtungen, Physiotherapeuten und freiberuflichen Journalisten. Waren, die ins Ausland geliefert werden, sind ebenfalls mehrwertsteuerfrei.

Aber auch fĂŒr andere SelbststĂ€ndige gibt es die Möglichkeit, sich beim Finanzamt von der Umsatzsteuer befreien zu lassen: Haben sie nur geringe UmsĂ€tze, können sie von der Kleinunternehmerregelung profitieren. Dann unterliegen sie nicht der Pflicht, die Mehrwertsteuer auf ihre Produkte und Dienstleistungen aufschlagen zu mĂŒssen.

Laut § 19 UStG mĂŒssen sie dafĂŒr zwei Voraussetzungen erfĂŒllen:

  • Ihr (hochgerechneter) Umsatz des vergangenen Jahres darf nicht ĂŒber 22.000 Euro liegen und
  • darf im laufenden Jahr maximal 50.000 Euro betragen.

Wie berechnet man die Mehrwertsteuer?

Vor allem fĂŒr umsatzsteuerpflichtige SelbststĂ€ndige und Unternehmer ist es wichtig, die Höhe der Mehrwertsteuer berechnen zu können. Schließlich mĂŒssen sie diese auf ihren Rechnungen ausweisen. Aber auch fĂŒr Verbraucher ist das hilfreich, um prĂŒfen zu können, ob der Bruttopreis fĂŒr ein Produkt oder eine Dienstleistung korrekt ist.

Die Formel dafĂŒr lautet:

Nettopreis + MwSt = Bruttopreis

  • Beispiel: Hanna möchte eine Brille kaufen. Der Bruttopreis im Laden betrĂ€gt 199,98 Euro. Auf ihrer Rechnung sieht sie, dass 31,93 Euro davon als Mehrwertsteuer erhoben wurden. Der reine Warenwert (Nettopreis) betrĂ€gt also 168,05 Euro. Andersherum schreibt der freiberufliche Journalist Hannes einen Artikel, dessen Wert er mit 200 Euro beziffert. Verkauft er ihn an ein Magazin, muss er noch den ermĂ€ĂŸigten Steuersatz von 7 Prozent draufschlagen. Das macht 14 Euro mehr, sodass er dem Verlag brutto 214 Euro in Rechnung stellt.

Wer nicht selbst rechnen möchte, kann sich Hilfe holen: Im Netz finden sich verschiedene Mehrwertsteuerrechner, mit denen Sie ganz einfach entweder den Brutto- und den MwSt-Betrag oder den Netto- und den MwSt-Betrag ausrechnen lassen können.

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