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FinanzÀmter winken ab Herbst womöglich mehr durch

  • Christine Holthoff
Von Christine Holthoff

Aktualisiert am 16.07.2020Lesedauer: 4 Min.
SteuererklĂ€rung (Symbolbild): FĂŒr komplizierte SteuerfĂ€lle könnten die FinanzĂ€mter in diesem Jahr lĂ€nger brauchen.
SteuererklĂ€rung (Symbolbild): FĂŒr komplizierte SteuerfĂ€lle könnten die FinanzĂ€mter in diesem Jahr lĂ€nger brauchen. (Quelle: MiS/imago-images-bilder)
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Homeoffice, Kurzarbeit – die Corona-Krise hat das Arbeitsleben ordentlich umgekrempelt. Auch die FinanzĂ€mter sind betroffen – und könnten bei manchen SteuererklĂ€rungen bald ein Auge zudrĂŒcken.

Die Corona-Pandemie stellt Steuerzahler und FinanzĂ€mter vor neue Herausforderungen. Hunderttausende Kurzarbeiter mĂŒssen plötzlich eine SteuererklĂ€rung abgeben, die Pendlerpauschale fĂ€llt wegen Homeoffice knapper aus, gleichzeitig darf man die Arbeitsecke am Esstisch aber nicht absetzen.


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Thomas Eigenthaler, Chef der Deutschen Steuergewerkschaft, sieht die Politik in der Pflicht, die Steuerzahler zu entlasten. Im t-online.de-Interview fordert er eine Homeoffice-Pauschale von 600 Euro, mehr Kulanz fĂŒr Kurzarbeiter und erlĂ€utert, warum die FinanzĂ€mter ab Herbst bei manchen SteuererklĂ€rungen womöglich nicht mehr ganz genau hinschauen.

t-online.de: Herr Eigenthaler, viele Steuerzahler mĂŒssen ihre SteuererklĂ€rung bis zum 31. Juli abgeben. Oder sind die FinanzĂ€mter in Corona-Zeiten kulanter, was verspĂ€tete Abgaben angeht?

Thomas Eigenthaler: Wer es versĂ€umt, die Frist zu verlĂ€ngern, bei dem schlĂ€gt das Gesetz zu. Corona ist kein Grund, die Dinge schleifen zu lassen. Viele hatten sogar fast mehr Zeit, sich zu kĂŒmmern. Da kann es kein großes Entgegenkommen geben. In EinzelfĂ€llen vielleicht, aber nicht flĂ€chendeckend.

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Oberster Steuergewerkschafter
Thomas Eigenthaler, geboren 1958, ist seit 2011 Bundesvorsitzender der Deutschen Steuergewerkschaft (DSTG). Er vertritt die rund 110.000 Mitarbeiter in den mehr als 600 deutschen FinanzĂ€mtern. Eigenthaler ist außerdem Stellvertretender Bundesvorsitzender des DBB Beamtenbund und Tarifunion.

Auch die Mitarbeiter der FinanzĂ€mter haben zum Teil im Homeoffice gearbeitet. MĂŒssen die Steuerzahler in diesem Jahr deshalb lĂ€nger auf ihren Bescheid warten?

Bei den einfachen Arbeitnehmer-FÀllen stellen wir da keinen signifikanten Unterschied fest. Die BeschÀftigten in den FinanzÀmtern waren ja nicht in Kurzarbeit. Allerdings können im Homeoffice nur die elektronischen Daten bearbeitet werden, also meist die einfachen FÀlle.

Bei komplizierteren FĂ€llen hingegen – wenn man zum Beispiel Bilanzen wĂ€lzen und NebeneinkĂŒnfte prĂŒfen muss – kann man nicht ausschließen, dass das lĂ€nger dauert. Im Interesse der FinanzĂ€mter ist das aber nicht. Wir wollen keine Bugwelle an SteuererklĂ€rungen vor uns herschieben.

Heißt das, die FinanzĂ€mter drĂŒcken bald ein Auge zu?

Es ist doch so: Wir dĂŒrfen als einzige Behörde in Deutschland nicht jahrelang im RĂŒckstand sein. Deshalb mĂŒssen wir uns genau ĂŒberlegen, was wir prĂŒfen – und was nicht. Es kann sein, dass wir im Herbst nicht mehr jede Kleinigkeit beanstanden, dass wir die Ampel nach den Ferien hĂ€ufiger auf "grĂŒn" schalten.

Thomas Eigenthaler, Chef der Deutschen Steuergewerkschaft, hĂ€lt es fĂŒr möglich, dass SteuererklĂ€rungen ab Herbst nicht mehr bis ins kleinste Detail geprĂŒft werden.
Thomas Eigenthaler, Chef der Deutschen Steuergewerkschaft, hĂ€lt es fĂŒr möglich, dass SteuererklĂ€rungen ab Herbst nicht mehr bis ins kleinste Detail geprĂŒft werden. (Quelle: dbb/leer)

Die Corona-Krise hat viele Arbeitnehmer ins Homeoffice gezwungen. Ein Arbeitszimmer, das vom Finanzamt anerkannt wird, besitzen aber die wenigsten. Das ist doch ziemlich ungerecht, oder?

Da haben Sie recht. Ein hĂ€usliches Arbeitszimmer anerkannt zu bekommen, ist – Stand heute – tatsĂ€chlich sehr schwierig. DafĂŒr mĂŒssen Sie einen Raum haben, der nahezu ausschließlich fĂŒr berufliche Zwecke genutzt wird. So große WohnverhĂ€ltnisse haben viele gar nicht. Andererseits werden die FinanzĂ€mter nun aber genau hinschauen und die Kilometerpauschale um die Zeit des Homeoffice kĂŒrzen.

Sollte man die Regel deshalb lockern?

Ja! Ich bin fĂŒr eine Homeoffice-Pauschale. Dann braucht niemand mit dem Zollstock nachzumessen. Das hessische Finanzministerium hat sich bereits dafĂŒr ausgesprochen, maximal 600 Euro pauschal von der Steuer abzuziehen. Das halte ich fĂŒr eine sinnvolle Idee.


FĂŒr Steuergesetze ist allerdings der Bund zustĂ€ndig. Wie realistisch ist es, dass der Vorschlag durchgeht?

Ich kann nur hoffen, dass die Politik ein Einsehen hat. Denn wenn wir im Finanzamt jetzt anfangen, die Kilometerpauschale zu kĂŒrzen, im Gegenzug aber nichts anbieten, bringt das nur Ärger.

Im Einsatz fĂŒr die FinanzĂ€mter
Die Deutsche Steuergewerkschaft (DSTG) ist eine parteipolitisch unabhĂ€ngige Interessenvertretung fĂŒr die Mitarbeiter der deutschen Finanzverwaltung. Sie ist Mitgliedsgewerkschaft der DBB Beamtenbund und Tarifunion. Sie setzt sich dafĂŒr ein, dass die BeschĂ€ftigten in den FinanzĂ€mtern gute Arbeitsbedingungen vorfinden, verfolgt aber auch steuerpolitische Ziele. Unter anderem tritt sie ein fĂŒr einfachere Steuergesetze und den Kampf gegen Steuerhinterziehung.

Nicht nur Homeoffice ist in diesem Jahr fĂŒr viele neu, auch Kurzarbeit betrifft Millionen Arbeitnehmer. Welche Folgen hat das fĂŒr ihre Steuern?

Kurzarbeitergeld ist an sich erst mal steuerfrei, es unterliegt aber dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Das heißt: Kurzarbeitergeld erhöht den Steuersatz fĂŒr den Rest des zu versteuernden Einkommens. Man bekommt dann weniger Geld zurĂŒck, als wenn man nicht in Kurzarbeit gewesen wĂ€re. Der Arbeitgeber darf zudem im Dezember keinen Lohnsteuerjahresausgleich machen, mit dem er dem Arbeitnehmer zu viel gezahlte Steuer erstattet. Wer Kurzarbeitergeld erhalten hat, wird also tendenziell mit einer Überzahlung ins Jahr 2021 geschickt und muss eine SteuererklĂ€rung abgeben.

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Die FinanzÀmter bekommen also viele neue FÀlle?

Genau. Und fĂŒr die Arbeitnehmer bedeutet das womöglich weitere Kosten, wenn sie sich von einem Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater helfen lassen mĂŒssen. Im Finanzausschuss des Bundestages habe ich deshalb vorgeschlagen, die Regel fĂŒr 2020 auszusetzen, um sich nicht den Unmut vieler Kurzarbeiter zuzuziehen. Allerdings stieß das nur bei der FDP auf offene Ohren, der Rest lehnt das ab.

Die FinanzĂ€mter wĂŒrden sich auch Arbeit sparen, wenn mehr SteuererklĂ€rungen automatisch bearbeitet werden könnten. Wie weit sind Sie von Ihrem Ziel entfernt, die HĂ€lfte bis 2023 vollautomatisiert zu prĂŒfen?

Davon sind wir noch ein deutliches StĂŒck weg. Etwa zehn bis 15 Prozent der ErklĂ€rungen werden aktuell bearbeitet, ohne dass ein Mitarbeiter eingreift. Das deutsche Steuerrecht ist in vielen FĂ€llen zu kompliziert fĂŒr eine Automatisierung.

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FinanzamtSteuererklÀrung

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