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Auch kleine Schrammen können teuer werden

Von dpa-tmn
09.10.2015Lesedauer: 3 Min.
Kleiner Autounfall: Polizei rufen oder nicht?
Kleiner Autounfall: Polizei rufen oder nicht? (Quelle: imago/Jochen Tack)
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Es ist nur ein kleiner Unfall. Soll man die Polizei rufen? In der Regel werden bei sogenannten BagatellunfĂ€llen selten die Beamten hinzugeholt. Wenn etwa ein Fahrzeug beim Ausparken das Blinkerglas eines anderen Autos beschĂ€digt oder das Öffnen einer TĂŒr einen Kratzer beim Nachbarauto hinterlĂ€sst, ist die Schuldfrage in der Regel eindeutig.

Verursacher und GeschĂ€digter können dann die Adressen austauschen und sich darauf verstĂ€ndigen, den Schaden auf direktem Wege und ohne Versicherung zu regeln. In vielen FĂ€llen funktioniert die Abwicklung dann allerdings nicht so reibungslos. "Es reicht nicht aus, einfach nur eine Visitenkarte hinter den Scheibenwischer zu klemmen", sagt Jens Dötsch, Fachanwalt fĂŒr Verkehrs- und Versicherungsrecht. Das könne als Unfallflucht gewertet werden und sowohl eine Geldstrafe als auch den FĂŒhrerscheinverlust zur Folge haben.

Mindestens 30 Minuten warten

"Die Rechtsprechung sieht eine Wartezeit von rund 30 Minuten als erforderlich an", erklĂ€rt Dötsch. Sollte der GeschĂ€digte auch dann noch nicht zurĂŒckgekommen sein, sollte die Polizei noch von der Unfallstelle aus angerufen werden. "Sie kann dann zwar auch ein Bußgeld wegen Unfallverursachung aussprechen, das jedoch wird sich im niedrigen Eurobereich bewegen und ist immer noch gĂŒnstiger als ein mögliches Strafverfahren wegen Unfallflucht", meint Dötsch.

Auch im umgekehrten Fall, wenn also ein Autofahrer nach der RĂŒckkehr zu seinem Wagen einen Schaden bemerkt, sollte in jedem Fall die Polizei verstĂ€ndigt werden. "Die stellt Ermittlungen an und kann gegebenenfalls den Unfallverursacher ausfindig machen", betont Dötsch. Gerade ParkplĂ€tze von Einkaufszentren werden meist auch von Videokameras erfasst, deren Bilder ausgewertet werden können.

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Keine Übernahme durch die Versicherung garantiert

"Aber selbst wenn dies nicht gelingen sollte, sehen die meisten Kaskobedingungen der Versicherungen vor, dass im Fall eines fremdverursachten Unfallschadens die Polizei hinzugezogen werden muss", sagt Dötsch. Ohne offizielle Unfallaufnahme könnte die Versicherung die KostenĂŒbernahme verweigern. Der GDV (Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft) selbst hĂ€lt bei BagatellunfĂ€llen eine polizeiliche Unfallaufnahme nicht fĂŒr zwingend erforderlich:

"Wenn der Unfallschaden wenige hundert Euro nicht ĂŒbersteigt, können die Beteiligten auch selbst ein Unfallprotokoll aufnehmen", sagt GDV-Sprecherin Una Großmann. Es sollte alle wichtigen Informationen wie Kennzeichen, Namen und Adressen sowie Ort und Zeitpunkt des Unfalls enthalten und sich am besten am EuropĂ€ischen Unfallbericht orientieren. "Den erhĂ€lt man kostenlos bei seiner Kraftfahrtversicherung", sagt Großmann. Daneben sollten Namen und Adressen von möglichen Zeugen notiert werden.

Fotos sind immer hilfreich

"Hilfreich ist auch, Fotos vom eigenen und gegnerischen Schaden zu machen und die gesamte Unfallstelle von verschiedenen Perspektiven aus zu fotografieren", erklĂ€rt Großmann. Wurden Personen verletzt oder war Alkohol im Spiel, sollte in jedem Fall die Polizei informiert werden. Generell unterscheidet sich der Versicherungsschutz bei BagatellschĂ€den nicht von anderen SchĂ€den: "Die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers ĂŒbernimmt den Schaden des Gegners. Die Vollkasko ĂŒbernimmt die Kosten fĂŒr die Reparatur am eigenen Auto", erlĂ€utert Großmann.

Auch wenn ein Autofahrer einen Kleinschaden aus eigener Tasche bezahlen will, sollte er ihn innerhalb einer Woche seiner Versicherung melden. Stellt sich spĂ€ter heraus, dass die Schadenshöhe doch grĂ¶ĂŸer ist, kann der Autofahrer den Schaden dann von seiner Vollkasko-Versicherung bezahlen lassen. Wann ein Schaden noch im Bagatellbereich liegt, ist fĂŒr einen Autofahrer nicht immer zweifelsfrei abzuschĂ€tzen. "Eine gesetzliche Definition hierzu gibt es nicht", sagt Dötsch. "Überwiegend wird von den Gerichten die Auffassung vertreten, dass bis zu einer Schadenshöhe von rund 750 Euro noch von einer Bagatelle gesprochen wird."

"Versteckte" SchÀden schwer erkennbar

Bei einem Blinkerglas oder einem kleinen Kratzer ist dies noch eindeutig erkennbar, "versteckte" SchĂ€den jedoch sind fĂŒr den Laien nicht gleich festzustellen. Um eine erste EinschĂ€tzung zu bekommen, ob ein grĂ¶ĂŸerer Schaden vorliegt und ein Gutachten sinnvoll ist oder ein Kostenvoranschlag ausreicht, genĂŒgt meist der Gang zur Werkstatt des Vertrauens. "TĂŒckisch sind insbesondere UnfĂ€lle, bei denen die Stoßstange in Mitleidenschaft gezogen wird", sagt Markus SchĂ€pe vom ADAC. Denn auch wenn Ă€ußerlich nicht viel zu erkennen ist, könnten PralldĂ€mpfer, TrĂ€ger oder verdeckte Bleche beschĂ€digt sein.

"Richtig teuer wird es, wenn in der Stoßstange noch Abstandsassistenten oder Parkhilfen eingebaut sind, die durch den leichten Aufprall beschĂ€digt wurden", warnt SchĂ€pe. Auf der sicheren Seite sind Autofahrer in jedem Fall, wenn sie sich mit dem Unfallgegner noch vor Ort verstĂ€ndigen und das schriftlich festhalten. Zwar sei auch eine mĂŒndlich getroffene Vereinbarung eigentlich bindend, sagt Rechtsanwalt Dötsch, wenn jedoch etwa der GeschĂ€digte sich spĂ€ter plötzlich nicht mehr daran erinnern kann, sei ein entsprechendes SchriftstĂŒck sehr hilfreich.

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  • Christine Holthoff
Von Christine Holthoff
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