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Mehr als 60 Banken verlangen Minuszinsen von Kunden

Auswertung von Vergleichsportal  

Mehr als 60 Banken verlangen Minuszinsen von Kunden

03.03.2020, 12:09 Uhr | mak, dpa-AFX

Mehr als 60 Banken verlangen Minuszinsen von Kunden. Bankenviertel in Frankfurt: Immer mehr Geldhäuser geben die Negativzinsen an ihre Kunden weiter. (Quelle: imago images/Sven Simon)

Bankenviertel in Frankfurt: Immer mehr Geldhäuser geben die Negativzinsen an ihre Kunden weiter. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Minuszinsen statt Erträge auf das Ersparte: Mehr als 60 Banken geben negative Zinsen an ihre Kunden weiter – vor allem bei Tagesgeldkonten. Verbraucherschützer sind alarmiert.

Immer mehr Banken und Sparkassen wälzen Negativzinsen auf einen Teil ihrer Privatkunden ab. Seit der vergangenen Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) vor knapp sechs Monaten hat sich die Zahl der Institute auf mindestens 61 mehr als vervierfacht, wie aus einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox hervorgeht.

"Seit dem Notenbankentscheid nahm der Trend immer mehr Fahrt auf", berichtete Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. Allein in diesem Jahr hätten 35 Geldhäuser Negativzinsen für Guthaben vor allem auf dem Tagesgeldkonto eingeführt. Damit sind solche Banken aber immer noch in der Minderheit: Das Vergleichsportal hat die im Internet veröffentlichten Preisaushänge von rund 800 Banken und Sparkassen ausgewertet.

Strafzinsen sollen Konjunktur ankurbeln

Im Fokus stehen dabei Tagesgeldkonten. Da einige Institute individuelle Vereinbarungen mit vermögenden Kunden träfen, dürften insgesamt mehr als 61 Geldhäuser Negativzinsen verlangen, erläuterte Maier.

Hinzu kämen sechs Finanzhäuser, bei denen das üblicherweise kostenfreie Tagesgeldkonto Gebühren koste. Dadurch entstünden faktisch Negativzinsen.

Die EZB hatte Mitte September 2019 den Strafzins auf 0,5 Prozent verschärft, den Finanzinstitute zahlen müssen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Damit wollen die Währungshüter Anreize für die Kreditvergabe schaffen, um die Konjunktur anzukurbeln.

Auch wenn es inzwischen höhere Freibeträge gibt, sind die Strafzinsen eine Milliardenbelastung für die Branche. Nach Daten der Deutschen Bundesbank haben Kreditinstitute von Mitte Dezember 2018 bis Mitte Dezember 2019 rund 2,4 Milliarden Euro Zinsen auf bei der Notenbank gebunkertes Geld bezahlt.

Firmenkunden müssen schon länger Negativzinsen zahlen

An Firmenkunden geben Geldhäuser die Kosten schon länger weiter. Zunehmend trifft es aber auch Privatkunden – zum Teil schon bei geringeren Summen. Verivox zufolge räumen zehn Institute Kunden weniger als 100.000 Euro Freibetrag auf dem Tagesgeldkonto ein. Zwei davon erheben den Negativzins auf das gesamte Guthaben.

Verbraucherschützern zufolge sind Negativzinsen grundsätzlich verboten. Sie seien bei Bestands- und Neukunden nur zulässig, wenn das Verwahrentgelt explizit mit den Kunden vereinbart worden sei. "Es reicht nicht, lediglich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu ändern", sagte Dorothea Mohn, Leiterin des Finanzmarktteams beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Betroffene sollten bei Zweifelsfragen die Verbraucherzentralen kontaktieren.

Grundsätzlich sehen Verbraucherschützer Negativzinsen bei "gängigen" Summen auf Spar- oder Girokonten kritisch. "Aus unserer Sicht ist das wirtschaftlich nicht erforderlich. Die Banken verdienen nach wie vor gut", sagte Verbraucherschützerin Mohn. Betroffene Kunden sollten über einen Wechsel des Kreditinstitutes nachdenken.

Commerzbank will Kunden verschonen

Verbände wie der Genossenschaftsverband erwarten allerdings keine Negativzinsen auf breiter Front. Die Volks- und Raiffeisenbanken nähmen den "Schutz des Spargedankens" sehr ernst, sagte der Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Ingmar Rega jüngst. "Es wird viel mehr über die Weitergabe von Negativzinsen diskutiert als über den ausbleibenden Vermögensaufbau für die Altersvorsorge der Menschen", sagte Rega.

Auch die Commerzbank will den Großteil ihrer Kunden vor Negativzinsen verschonen. "Wir versuchen den Sparer weitestgehend von den Belastungen freizuhalten. Das funktioniert im Moment auch noch", sagte Konzernchef Martin Zielke jüngst der "Bild"-Zeitung. Im November hatte die Commerzbank angekündigt, sie suche mit Privatkunden, die deutlich mehr als eine Million Euro auf ihrem Bankkonto haben, das Gespräch über alternative Anlagemöglichkeiten.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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