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Kommentar: Drei Gründe, warum der Optimismus der Wirtschaft verfrüht ist

MEINUNGBessere Konjunkturzahlen  

Drei Gründe, warum der Optimismus der Wirtschaft verfrüht ist

Kommentar: Drei Gründe, warum der Optimismus der Wirtschaft verfrüht ist. Eine Geschäftsaufgabe in Fellbach bei Stuttgart: Die Zahl der Insolvenzen dürfte im Zuge der Corona-Krise deutlich steigen. (Quelle: imago images/Arnulf Hettrich)

Eine Geschäftsaufgabe in Fellbach bei Stuttgart: Die Zahl der Insolvenzen dürfte im Zuge der Corona-Krise deutlich steigen. (Quelle: Arnulf Hettrich/imago images)

Die deutsche Wirtschaft blickt wieder zuversichtlich in die Zukunft. Auch die jüngsten Konjunkturdaten sind besser als erwartet. Ist die Corona-Krise also schon wieder vorbei? Ganz bestimmt nicht.

Wer die Welt in Schlagzeilen wahrnimmt, konnte sich zuletzt freuen.  "Stimmung der Wirtschaft verbessert sich", "Baugewerbe verzeichnet Auftragsrekord", "Wirtschaftseinbruch geringer als zuletzt geschätzt" – Überschriften wie diese sind nur eine Auswahl von Meldungen, die uns aus der deutschen Wirtschaft erreichten.

Tatsächlich stecken hinter all diesen großen Buchstaben auch Zahlen, die die Aussagen stützen. So hatte etwa das Statistische Bundesamt noch vor wenigen Wochen den Einbruch der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal auf historische 10,1 Prozent beziffert. Nun beläuft sich das Minus beim Bruttoinlandsprodukt "nur" auf 9,7 Prozent.

Deutschlands Firmenchefs sind zuversichtlich

Ähnliches gilt für das Ergebnis einer turnusmäßigen Umfrage in den Chefetagen der Unternehmen, die das Münchner Ifo-Institut am Dienstag veröffentlichte. Demnach stiegt der Ifo-Geschäftsklimaindex zum vierten Mal in Folge. Das heißt: Die Firmenchefs sind optimistisch; sie schätzen, dass es weiter aufwärts geht mit der Konjunktur.

Zahlen lügen nicht, sagen Sie? Stimmt.

Trotzdem sollten wir uns von ihnen über eines nicht hinwegtäuschen lassen: Die Zeiten können sehr schnell sehr ungemütlich werden. Auch wenn wir auf ein zügiges Ende der Corona-Krise hoffen dürfen, sollten wir drei Dinge nicht vergessen:

  1. Der Optimismus der Wirtschaft ist fragil. Die Unsicherheit in den Unternehmen ist weiterhin sehr hoch. Auch wenn viele Firmen die Kurzarbeit zurückfahren, die Fabriken wieder laufen, die Auftragsbücher voller werden – steigen die Infizierten-Zahlen weiter, ist die Angst schnell wieder da. Exemplarisch zeigt sich das schon jetzt in der Hotellerie und Gastronomie: Werden die Corona-Maßnahmen im Herbst und Winter wieder verschärft, droht vielen Betrieben der endgültige Kollaps, inklusive Entlassungen, schlimmstenfalls Schließungen.
  2. Der Aufschwung ist teuer erkauft. Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg hat eine Bundesregierung in so kurzer Zeit so viel Geld zur Unterstützung der Unternehmen locker gemacht wie in der Corona-Krise. Geld, das wir später alle gemeinsam erwirtschaften müssen. Obwohl die Zinsen niedrig sind, die Kredite, die der Staat aufgenommen hat, also günstig, wird es lange dauern, bis die Volkswirtschaft aus ihren neuen Schulden herausgewachsen ist.
  3. Die gute Stimmung ist trügerisch. Und sie hängt von einer Ausnahmeregelung im Insolvenzrecht ab. Nur weil die Bundesregierung die Pflicht zur Beantragung der Insolvenz bis Ende September ausgesetzt hat, existieren viele Firmen noch immer – obwohl sie eigentlich schon längst Pleite wären. Das Problem: Selbst wenn die Ausnahme noch einmal verlängert wird, früher oder später ist eine Rückkehr zur ursprünglichen Gesetzeslage unumgänglich. Spätestens dann wird die Zahl der Firmeninsolvenzen deutlich zunehmen – und mit ihr die der geplatzten Kredite. Aus der Corona-Krise kann so leicht ein Banken- und damit ein Finanzcrash folgen.

Umso wichtiger ist es deshalb, dass sich insbesondere die erwähnte Furcht vor einer zweiten, womöglich noch heftigeren Welle, nicht durchsetzt. Die Verantwortung dafür tragen wir alle: Bis ein Corona-Impfstoff gefunden ist, der die gesundheitlichen Gefahren von Covid-19 bannt, sind die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wichtig. 

Nach aktuellem Ermessen der Wissenschaftler heißt das: Abstand halten und bei zu engem menschlichen Kontakt Masken auf – egal ob in Bus, Bahn oder bei der Familienfeier. Halten wir uns umgekehrt nicht an diese einfachen Regeln, verspielen wir den wirtschaftlichen Aufschwung. Und damit unseren künftigen Wohlstand.

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