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Will H&M Mütter in Elternzeit loswerden?

Von Nele Behrens

Aktualisiert am 30.01.2021Lesedauer: 3 Min.
Eine H&M-Filiale in Stuttgart (Archivbild): Das Unternehmen will 800 Stellen in Deutschland streichen.
Eine H&M-Filiale in Stuttgart (Archivbild): Das Unternehmen will 800 Stellen in Deutschland streichen. (Quelle: Ralph Peters/imago-images-bilder)
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Das Modeunternehmen H&M will 800 Stellen in Deutschland streichen. Nun sorgt ein Vorschlag für das Freiwilligenprogramm für Kritik an dem Konzern. Denn offenbar sollen junge Mütter zuerst gehen.

Jeder hat mindestens ein Kleidungsstück des Moderiesens im Schrank: H&M ist weltweit der drittgrößte Modekonzern und zeichnet sich vor allem durch seine Filialdichte aus. Doch auch H&M denkt um und richtet sich auf das Onlinegeschäft aus – auch wenn hier bereits Platzhirsche wie Zalando und About You die Gewohnheiten der Kunden kennen und bedienen.

Der Strategiewechsel beim schwedischen Konzern bedeutet für die insgesamt knapp 123.000 Mitarbeiter vor allem eines: Sorge um ihren Job. Allein in Deutschland will der Konzern 800 Stellen streichen. Ein Detail der Kürzungspläne sorgt dabei besonders für Aufregung: Als erstes sollen junge Mütter gefeuert werden – denn diese können meist nicht am Wochenende oder in den Abendstunden arbeiten.

Das geht laut einem Bericht des Wirtschaftsmagazins "Business Insider" aus einem Vorschlag für ein sogenanntes Freiwilligenprogramm hervor. Hier bekommen Mitarbeiter eine Abfindung, wenn sie ihre Stelle verlassen. Besonders häufig auf der Liste sollen dabei Mitarbeiterinnen in Elternzeit sein, die in wenig ausgelasteten Filialen arbeiten.

Stimmt dies, hätte der Vorgang einen schlechten Beigeschmack. Denn in der Elternzeit dürfen Arbeitnehmer nicht gekündigt werden. Sobald sie aber an den Arbeitsplatz zurückkehren, verfällt dieser Schutz.

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H&M streitet Vorwürfe ab

Auf Anfrage von t-online streitet eine H&M-Sprecherin die Vorwürfe ab: "Das Freiwilligenprogramm bei H&M Deutschland richtet sich nicht vorrangig an Mütter und Väter." Mit dem Freiwilligenprogramm habe das Unternehmen "ein milderes Mittel gewählt um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden", heißt es weiter.

"Es richtet sich an alle Kollegen aus unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnissen, die sich konkret für dieses Programm entscheiden können. Wir gehen in diesem Fall ganz klar nach geltenden rechtlichen Bestimmungen vor."

Sollte die Anzahl der Freiwilligen in dem Programm nicht ausreichen, werde H&M betriebsbedingte Kündigungen aussprechen – nach einer Sozialauswahl. "Diese schützt nach geltendem Arbeitsrecht Mitarbeiter, die eine Kündigung mit besonderer sozialer Härte treffen würde, wie beispielsweise Mütter und Väter."

Verdi übt schwere Kritik an H&M

Die Aussagen des Modehändlers möchte Cosimo-Damiano Quinto aus der Verdi-Bundesfachgruppe Einzelhandel so nicht stehen lassen. "Dieses Freiwilligenprogramm ist nichts Anderes als der Versuch, die in einem Sozialplan vorgesehene Sozialauswahl zu umgehen", unterstreicht er im Gespräch mit t-online.

Frauen, die wegen ihrer Kinderbetreuung nicht am Wochenende oder in den Abendstunden arbeiten könnten, seien dem Unternehmen ein Dorn im Auge. "Es geht um den Abbau von Sozialstandards. Was ist das für ein Freiwilligenprogramm, wenn dir gesagt wird: 'Wir wollen dich nicht, also unterschreibe. Krieg noch eine Abfindung, aber geh!'"

Er berichtet, dass der Gesamtbetriebsrat sehr klar gemacht habe, er werde einem Freiwilligenprogramm kein "Gütesiegel" geben. Zu Verhandlungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan habe der Konzern den Gesamtbetriebsrat zu keiner Zeit aufgerufen, denn H&M bestreite, dass die Digitalisierung des Unternehmens überhaupt eine "sozialplanpflichtige Betriebsänderung" darstelle.

Daher habe der Gesamtbetriebsrat das Freiwilligenprogramm auch nicht befürwortet. "Wir lassen uns nicht instrumentalisieren", so Quinto.

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Auch für SPD-Fraktionsvize Katja Mast bleibt es "ein Vorgang mit fadem Beigeschmack", sagte sie t-online. "Es ist höchste Zeit, dass die Spitze des Unternehmens selbst Stellung nimmt."

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