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Luxusjachtenbauer Nobiskrug ist insolvent

Von dpa-afx, t-online, mak

Aktualisiert am 13.04.2021Lesedauer: 3 Min.
Firmenpleiten betreffen immer mehr deutsche Unternehmen: t-online erklĂ€rt, wann ein Unternehmen insolvent ist und wer das ĂŒbrige Vermögen des Unternehmens bekommt. (Quelle: t-online)
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Vor einigen Jahren lieferte die Traditionswerft Nobiskrug noch die grĂ¶ĂŸte Jacht der Welt an einen russischen Oligarchen aus. Nun ist das Unternehmen pleite.

Mit dem Bau von Luxusjachten machte sich die Rendsburger Werft Nobiskrug einen Namen. So fertigte sie auch die "Sailing Yacht A" ("SY A") an, mit einer LĂ€nge von knapp 143 Metern die grĂ¶ĂŸte Jacht der Welt.


Diese Firmen sind in der Corona-Krise in Schieflage geraten

Adler-ModemĂ€rkte: Die Textilkette hat ihr Insolvenzverfahren Ende August 2021 beendet. Bis zu 500 der insgesamt 3.100 ArbeitsplĂ€tze fallen weg, rund 30 Filialen sind von Schließungen betroffen, wie ein Sprecher des neuen EigentĂŒmers Zeitfracht Gruppe am Dienstag sagte. Das Insolvenzverfahren war im Januar beantragt und am 1. Juli eröffnet worden.
Nobiskrug: Die insolvente Rendsburger Traditionswerft Nobiskrug wurde im Juli 2021 von der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) ĂŒbernommen – und ist damit gerettet. Nahezu alle 300 ArbeitsplĂ€tze blieben erhalten, hieß es. Nobiskrug hatte im April diesen Jahres einen Insolvenzantrag gestellt. Die Werft hat unter anderem die "SY A" gebaut (auf dem Bild), die als als einer der grĂ¶ĂŸten Luxusjachten der Welt gilt.
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Doch die Corona-Pandemie hat das Unternehmen in eine finanzielle Krise gestĂŒrzt. Nun hat die Werft nach eigenen Angaben beim Amtsgericht NeumĂŒnster die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Was das bedeutet, lesen Sie hier.

Als Grund nannte die Firma mit rund 330 BeschĂ€ftigten "kritische Entwicklungen" im Jachtbau mit negativen Auswirkungen auf das Investitionspotenzial und die RentabilitĂ€t. "JĂŒngste Auftragsstornierungen und eine ungewisse Zukunft haben nun die Notwendigkeit eines Insolvenzantrags unvermeidlich gemacht", heißt es in einer Mitteilung.

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Diese Megajacht hat Nobiskrug gebaut

Die auf den Bau von Luxusjachten ab 60 Metern LĂ€nge spezialisierte Werft am Nord-Ostsee-Kanal hat seit ihrer GrĂŒndung 1905 weit mehr als 750 Schiffe vom Stapel gelassen. Die bekannteste Yacht bisher ist die "SY A", die Anfang Februar 2017 offiziell an den russischen MilliardĂ€r und Oligarchen Andrej Melnitschenko ĂŒbergeben wurde. Der Bau des Luxusschiffes soll rund 400 Millionen Euro gekostet haben, heißt es.

Die "SY A" ist knapp 25 Meter breit, hat Masten mit einer Höhe von rund 90 Metern und verfĂŒgt ĂŒber eine Crew aus bis zu 54 MĂ€nnern und Frauen. Besonderheit: eine Unterwasser-Panorama-Lounge.

Nobiskrug selbst gehört zur internationalen Schiffbaugruppe Privinvest. Zu der Gruppe gehören auch die Werften German Naval Yards Kiel und die Lindenau-Werft in Kiel. Beide Schiffbaubetriebe sind von der Nobiskrug-Insolvenz allerdings nicht betroffen.

Die "SY A" gilt als die grĂ¶ĂŸte Segelyacht der Welt.
Die "SY A" gilt als die grĂ¶ĂŸte Segeljacht der Welt. (Quelle: TheYachtPhoto.com/imago-images-bilder)

Betrieb soll weitergefĂŒhrt werden

Das Unternehmen verwies darauf, die Muttergesellschaft habe in den vergangenen Jahren rund 178 Millionen Euro in Nobiskrug investiert, um das laufende GeschĂ€ft zu sichern, ohne dafĂŒr eine Rendite zu erhalten.

Privinvest werde seine anderen Schiffbaueinheiten in Deutschland unterstĂŒtzen und verfolge das Ziel, durch einen konstruktiven Dialog mit allen Beteiligten möglichst viele ArbeitsplĂ€tze in Deutschland zu sichern. Weitere Angaben machte Nobiskrug nicht.

Der Betrieb soll derweil "uneingeschrĂ€nkt weitergefĂŒhrt" werden, heißt es – "einschließlich aktueller Jacht-Neubauten und der Abarbeitung von ReparaturauftrĂ€gen". Die Löhne und GehĂ€lter der BeschĂ€ftigten seien ĂŒber das Insolvenzgeld der Agentur fĂŒr Arbeit fĂŒr drei Monate abgesichert. Mehr dazu lesen Sie hier.

Eine Insolvenz bedeute hÀufig gerade nicht das Ende eines Unternehmens, sondern die Chance auf einen schuldenfreien Neubeginn, erklÀrte der vorlÀufig zum Insolvenzverwalter bestellte Sanierungsexperte Hendrik Gittermann.

120 Mitarbeitern wurde vergangenes Jahr betriebsbedingt gekĂŒndigt

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) betonte, die Lage sei in der Werftenlandschaft insgesamt sehr schwierig. Bereits vor zwei Jahren sei die EinschÀtzung gewesen, dass das Unternehmen in Schwierigkeiten stecke.

"Insoweit hatten wir auch als Land keine Möglichkeiten, da noch verstĂ€rkt einzugreifen", sagte Buchholz. Er hoffe auf Chancen im Zuge des Insolvenzverfahrens. "Dabei gibt es immer noch diverse Möglichkeiten, die fĂŒr die Belegschaft und auch fĂŒr das Unternehmen selbst Perspektiven schaffen können."

Bereits 2020 hatte das Unternehmen 120 Mitarbeitern betriebsbedingt gekĂŒndigt. Zuletzt gab das Unternehmen die Zahl der Jobs mit 330 an. Die Werft sehe sich "solide aufgestellt", hieß es noch vor wenigen Wochen.

Gewerkschaft Ă€ußert Kritik an Werft

Die Gewerkschaft IG Metall kritisierte den Insolvenzantrag als zu kurzfristig. "Weder die IG Metall noch die BetriebsrĂ€te sind im Vorfeld einbezogen worden", sagte der Rendsburger IG-Metall-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Martin Bitter.

"Das ist ein Ärgernis und nicht akzeptabel." Bitter sprach von einem LiquiditĂ€tsproblem, AuftrĂ€ge seien vorhanden.

Er setze darauf, dass der Gesellschafter "zumindest den Neustart finanziert". Aber auch das Land Schleswig-Holstein mĂŒsse beispielsweise mit BĂŒrgschaften eine Rolle spielen.

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