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Rente: Arbeitgeber fordern längere Lebensarbeitszeit

"Finanzierung sieht alt aus"  

Arbeitgeber fordern längere Lebensarbeitszeit

02.08.2021, 09:25 Uhr | mak, dpa, t-online

Rente: Arbeitgeber fordern längere Lebensarbeitszeit. Ein älterer Drechsler an einer Werkbank (Symbolbild): Die Arbeitgeber möchten eine Debatte über längeres Arbeiten. (Quelle: Getty Images/RainStar)

Ein älterer Drechsler an einer Werkbank (Symbolbild): Die Arbeitgeber möchten eine Debatte über längeres Arbeiten. (Quelle: RainStar/Getty Images)

Drastische Worte findet Deutschlands Arbeitgeberpräsident: Das Rentensystem werde in seiner jetzigen Form nicht dauerhaft bestehen. Er fordert eine Diskussion über eine längere Lebensarbeitszeit.

Deutschlands Arbeitgeber haben eine Debatte über eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit in Deutschland gefordert. "So wie es jetzt ist, wird das Rentensystem nicht dauerhaft bestehen können", sagte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Unsere jetzige Finanzierung für die Altersvorsorge sieht tatsächlich alt aus."

Das Problem sei, dass das Verhältnis zwischen Leistungsempfängern und Einzahlern immer mehr aus dem Gleichgewicht gerate, wenn die Jahrgänge, die in den 60er-Jahren geboren wurden, in Rente gingen. Diese Jahrgänge heißen auch Babyboomer.

"Die entstehende Lücke müsste der Bund mit Steuermitteln wieder auffangen, doch das ist keine nachhaltig finanzierbare Lösung", so Dulger. "Klar ist: Wir kommen nicht um eine Diskussion über eine längere Lebensarbeitszeit herum."

Gewerkschaften kritisieren Vorstöße für längeres Arbeiten vehement

Doch wann soll die Arbeit enden? Nach geltender Rechtslage wird die Altersgrenze für die Rente ohne Abschläge bis 2029 schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Mehr dazu lesen Sie hier.

Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium schlug im Juni vor, dass bei steigender Lebenserwartung zusätzliche Jahre in Arbeitsjahre und Rentenbezug aufgeteilt werden. Bei Kopplung an die Lebenserwartung würde das Rentenalter im Jahr 2042 mit 68 Jahren erreicht, so der Beirat.

Doch solche Vorstöße lehnen etwa Gewerkschaften vehement ab. Über das Renteneintrittsalter, fordern sie, müsse auch künftig politisch entschieden werden. Längeres Arbeiten wäre eine Rentenkürzung durch die Hintertür, und viele könnten gesundheitlich gar nicht so lange arbeiten.

Dulger: "Mehr Anreize" für längeres Arbeiten setzen

Dulger sieht das anders. Schon heute arbeiteten viele Menschen gerne länger als bis zum offiziellen Renteneintrittsalter. "Wir sollten mehr Anreize dafür setzen, bereits im heute bestehenden Rahmen länger zu arbeiten", sagte Dulger.

"Es macht doch beispielsweise wenig Sinn, wenn jemand, der sich entschieden hat, länger zu arbeiten, weiter in die Arbeitslosenversicherung einzahlt, denn er kann ja gar nicht mehr arbeitslos werden." Würde man Betroffenen diese Beiträge erlassen oder das Geld für die private Altersvorsorge einsetzen, dann wäre das ein echter Anreiz, meinte Dulger.

Forderung nach langfristiger Rentenpolitik

Die Politik müsse sich bei dem Thema Rente ehrlich machen, so Dulger. "Wir brauchen eine Rentenpolitik, die länger als bis zum nächsten Wahltermin blickt." Die Rente enkelfest zu machen, sei eine Frage der Generationengerechtigkeit.

"Denn ich möchte, dass auch meine Kinder noch eine auskömmliche Rente bekommen." Nötig seien eine längerfristige Vorausschau und regelmäßige Berichte für alle Sozialversicherungsbeiträge. So solle das Thema breit in der Gesellschaft diskutiert werden.

Auch Top-Ökonom Clemens Fuest, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, forderte jüngst im Interview mit t-online eine langfristige Rentenpolitik, "die Distanz von der Tagespolitik und von Wahlkämpfen hat. Alle Bürger würden davon profitieren, wenn sie wüssten, dass das Rentensystem verlässlich funktioniert, unabhängig davon, wer gerade das Land regiert."

Dazu schlug er vor, "eine Art Nachhaltigkeitsvorgabe für die Rente im Grundgesetz verankern, ähnlich wie bei der Schuldenbremse". In der Politik stießen solche Ideen jedoch überwiegend auf Ablehnungder Vorschlag sei "völlig weltfremd" hieß es etwa von den Grünen.

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