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So lange müssen Deutsche für einen Liter Benzin arbeiten


Benzin, Strom, Lebensmittel  

Wird das Leben in Deutschland immer teurer?

27.10.2021, 17:57 Uhr | fls, fho, t-online

So lange müssen Deutsche für einen Liter Benzin arbeiten. Ein Mann betankt sein Auto (Symbolbild): Aktuell machen die hohen Benzinpreise vielen Autofahrern zu schaffen.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ein Mann betankt sein Auto (Symbolbild): Aktuell machen die hohen Benzinpreise vielen Autofahrern zu schaffen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

"Alles wird teurer" ist eine beliebte Aussage. Gerade mit Blick auf die Preise an den Tankstellen dürfte dieser Satz vielen Deutschen in den vergangenen Tagen leicht über die Lippen gegangen sein. Doch stimmt er?

Die Preise steigen, die Inflation zieht merklich an. Im September mussten Verbraucher im Schnitt 4,1 Prozent mehr für Waren und Dienstleistungen zahlen als im September vor einem Jahr. Viele Menschen fürchten deshalb, dass sie künftig mehr arbeiten müssen, um sich genauso viel leisten zu können wie zuletzt, zumindest wenn sie zugleich nicht mehr Lohn bekommen. 

Doch stimmt das eigentlich? Dieser Frage ist jetzt das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) nachgegangen. Eine aktuelle IW-Berechnung für den "Spiegel", die auch t-online vorliegt, zeigt dabei, wie lange die Deutschen für gängige Waren und Verbrauchsgütern arbeiten müssen – heute sowie in der Vergangenheit.

Benzin ist teurer als 2020, aber billiger als 1960

Konkret hat der Ökonom Christoph Schröder dafür die sogenannte Kaufkraft pro Lohnminute analysiert. Das heißt, er hat die durchschnittlichen Löhne ins Verhältnis zu den jeweiligen Preise in ausgewählten Jahren gesetzt. Teil der Untersuchung waren die Jahre 1960, 1991, 2015, 2020 sowie 2021.

t-online fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen:

Für Strom (200 Kilowattstunden pro Monat) mussten die Deutschen im September durchschnittlich 3 Stunden und 34 Minuten arbeiten. Im Jahr 1960 wurden 10 Stunden und drei Minuten benötigt, um das Geld für diese Menge an Strom zu verdienen. 

Besonderes Ärgernis sind die aktuellen Benzinpreise. Für einen Liter Benzin müssen durchschnittlich fünf Minuten gearbeitet werden. Vergangenes Jahr reichten noch vier Minuten Arbeit. Doch im Vergleich zum Jahr 1960 kommen Autofahrer heute günstiger weg. Damals mussten durchschnittlich 16 Minuten gearbeitet werden. 

Tierische Produkte sind insgesamt deutlich günstiger zu haben als früher. Für zehn Eier fallen rund sieben Minuten Arbeitszeit (1960: 50 Minuten) an, für ein Mischbrot zehn Minuten (1960: 19 Minuten) und für ein Schweinekotelette knapp 30 Minuten (1960: zwei Stunden und 36 Minuten). Grund dafür ist vor allem auch die günstigere Massentierhaltung. 

Technik ist heute deutlich günstiger zu haben

Ein Fernseher kostete 1960 umgerechnet in heutige Preise 446,87 Euro. 2021 war ein durchschnittliches Gerät mit moderner Technik für 445,67 Euro zu haben. Das klingt sehr ähnlich, doch vor 60 Jahren mussten für diesen Betrag noch mehr als 349 Stunden gearbeitet werden, heute reicht durchschnittlich eine Arbeitszeit von knapp 23 Stunden aus. 

Im Dienstleistungsbereich, etwa beim Friseurbesuch, müssen die Deutschen heute etwas mehr ausgeben als im vergangenen Jahr. 2021 mussten sie eine Stunde und zwölf Minuten arbeiten, um die 23,53 Euro für einen Haarschnitt zu verdienen. Im vergangenen Jahr reichten drei Minuten weniger aus. 

Auch für Kabeljau und Bohnenkaffe müssen die Deutschen in diesem Jahr länger arbeiten, beziehungsweise tiefer in die Tasche greifen als noch vor einem Jahr. 

Vergleich findet vor allem mit Vorjahr statt

Was anhand der Zahlen auffällt: Bei den meisten der ausgewählten Produkte zeigen sich in der jüngsten Vergangenheit kaum Veränderungen, der Arbeitsaufwand blieb für vieles gleich. Im Vergleich zu 1960 ist in den meisten Fällen sogar deutlich weniger Arbeit notwendig, um sich die verschiedenen Güter leisten zu können. Warum kommt es uns dann trotzdem so vor, als sei vieles teurer geworden?

Zum einen ändern sich nicht nur die Preise, sondern auch die Löhne. Verdienten die Deutschen 1960 durchschnittlich 1,28 Euro pro Stunde, sind es 2021 im Schnitt 19,67 Euro. Doch der Vergleichsrahmen ist für die meisten Menschen die jüngere Vergangenheit.

Gerade beim Thema Benzin zeigt sich das deutlich. 2020 waren die Preise für Öl und Strom besonders günstig, da die Corona-Pandemie die Nachfrage aus der Industrie drosselte. Mittlerweile ist die Wirtschaft wieder im Aufschwung und die Nachfrage steigt, sodass auch die Preise wieder auf Vorkrisenniveau steigen. Das nennt sich auch Basiseffekt. Dieser wird noch durch die zeitweise abgesenkte Mehrwertsteuer verstärkt. 

Wohnkosten werden in Berechnungen nicht berücksichtigt

Hinzu kommt: Die Berechnungen basieren auf ähnlichen Modellen der Produkte. Was also in den 1960er-Jahren ein VW Golf war, wird heute mit einem Dacia verglichen. Verbraucher vergleichen aber eher mit der gleichen Marke. 

Ein gewichtiger Faktor ist auch, dass gestiegene Immobilien- und Mietpreise nicht bei der Inflationsrate berücksichtigt werden. Auch in den Berechnungen des IW kommen diese nicht vor, dabei sind sie für viele Menschen entscheidend. "Ärmere Haushalte geben viel für Wohnen, aber nur wenig für Verkehr aus", sagt Studien-Autor Schröder. "Damit trifft die Inflation sie weniger stark als andere, zumindest prozentual. Im Portemonnaie selbst können die hohen Preise aber gerade für einkommensschwache Haushalte dramatisch sein."

Verwendete Quellen:

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