• Home
  • Wirtschaft & Finanzen
  • Unternehmen & Verbraucher
  • Verbraucher
  • Warnung vor Gasstopp: "Dann droht Deutschland ein Schweinestau"


Interview
Unsere Interview-Regel

Der GesprĂ€chspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschließend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren.

"Dann droht Deutschland ein Schweinestau"

  • Mauritius Kloft
Von Mauritius Kloft

Aktualisiert am 24.05.2022Lesedauer: 4 Min.
Ferkeltransport (Symbolbild): Bei einem Gasstopp droht ein Schweinestau.
Ferkeltransport (Symbolbild): Bei einem Gasstopp droht ein Schweinestau. (Quelle: Countrypixel/imago-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextRussland zahlt fĂ€llige Zinsschulden nichtSymbolbild fĂŒr einen TextG7-Foto ohne Scholz: Söder Ă€ußert sichSymbolbild fĂŒr einen TextFC Bayern gibt ManĂ©s Nummer bekanntSymbolbild fĂŒr einen TextTV-Star wird zweimal wiederbelebtSymbolbild fĂŒr ein VideoG7: Warum schon wieder in Bayern?Symbolbild fĂŒr einen TextTĂŒrkei: 200 Festnahmen bei "Pride Parade"Symbolbild fĂŒr einen TextTribĂŒne bei Stierkampf stĂŒrzt ein – ToteSymbolbild fĂŒr einen Text"Arrogante Vollidioten": BVB-Boss sauerSymbolbild fĂŒr einen TextGerĂŒchte um Neymar werden konkreterSymbolbild fĂŒr einen TextGercke ĂŒberrascht mit Mama-Tochter-FotoSymbolbild fĂŒr einen TextStaatschefs witzeln ĂŒber PutinSymbolbild fĂŒr einen Watson TeaserRTL-Moderatorin bei Flirt im TV erwischtSymbolbild fĂŒr einen TextJetzt testen: Was fĂŒr ein Herrscher sind Sie?

Leberwurst, Mortadella oder Steak: Wer im Supermarkt oder beim Metzger einkauft, beobachtet seit Wochen steigende Preise. Woran liegt das? Und: Könnten die Preise noch anziehen? Der Chef des Wurstproduzenten-Verbands gibt Antworten.

Deutschlands Fleischliebhaber mĂŒssen schon seit Wochen mit steigenden Preisen klarkommen. Schnitzel, Hackfleisch und Wurst kosten immer mehr – wegen der Folgen des Ukraine-Krieges (t-online berichtete). Nun warnt der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Bundesverbands Deutscher Wurst- und Schinkenproduzenten, Thomas Vogelsang, vor noch höheren Preisen.

Im Interview mit t-online erklĂ€rt Vogelsang, was die Preisentwicklung fĂŒr die Tierhaltung bedeutet. Und warum er nicht daran glaubt, dass die Deutschen jetzt zu Vegetariern werden.

t-online: Herr Vogelsang, haben Sie die Grillsaison fĂŒr dieses Jahr bereits eröffnet?

Thomas Vogelsang: Ja, fĂŒr mich und viele andere hat die Grillsaison begonnen. Bei dem schönen Wetter sind ja auch die Bedingungen hervorragend, um den Grill anzuwerfen. Allerdings ist die Nachfrage nach Schweinefleisch derzeit noch sehr verhalten. Die Grillsaison wird daher möglicherweise kleiner ausfallen als in den vergangenen Jahren.

Warum?

Wegen der gestiegenen Preise. Schweinefleisch hat sich extrem verteuert, auch andere Fleischsorten sind deutlich im Preis gestiegen.

Wie stark?

In der Industrie nutzen wir den sogenannten Schlachtschweinepreis der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften fĂŒr Vieh und Fleisch. Der ist seit Jahresanfang von 1,20 Euro bis Mitte Mai auf 1,80 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht gestiegen.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Das Putin-Beben


Thomas Vogelsang: Er ist bereits seit 1991 GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Bundesverbandes Deutscher Wurst- und Schinkenproduzenten.
Thomas Vogelsang: Er ist bereits seit 1991 GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Bundesverbandes Deutscher Wurst- und Schinkenproduzenten. (Quelle: privat)

Woran liegt das genau?

Der Energieaufwand in der landwirtschaftlichen Erzeugung ist hoch, aber auch in der anschließenden Schlachtung, der Verarbeitung und der Logistik. Steigen die Energiekosten, spĂŒren wir das drastisch. Auch die Futtermittelpreise sind gestiegen, ein großer Teil des Futtermittels kommt aus der Ukraine. Die höheren Kosten schlagen sich hier direkt nieder. Die VerfĂŒgbarkeit von Lebensmitteln hat sich grundlegend verĂ€ndert, fĂŒr manche Verbraucher ist das ein Schock.

Wird der Preis noch weiter steigen?

Das lÀsst sich seriös noch nicht abschÀtzen, es wÀre ein Blick in die Kristallkugel. Doch die Energiesituation wird sich so schnell nicht entspannen. Es gibt daher die Gefahr, dass die Fleischpreise im Herbst weiter steigen werden. Zumal die Preise schon vor Kriegsausbruch anzogen.

Wegen der Corona-Pandemie?

Richtig. Die Preise stiegen bereits vor der russischen Invasion, weil die weltweiten Lieferketten gestört waren und es ja immer noch sind. Verpackungsfolien sind beispielsweise 70 Prozent teurer als vergangenes Jahr, auch GewĂŒrzpreise haben deutlich angezogen. Der Verbraucher wird sich einschrĂ€nken mĂŒssen. Auch die Gastronomie wird die Preisexplosion spĂŒren.

Das Schnitzel in der GaststÀtte wird also ebenfalls mehr kosten?

Das muss es, ja. Ein Wiener Schnitzel wird bald deutlich teurer. Ein Gastwirt muss kostendeckend arbeiten. Die Hilfen von der Bundesregierung reichen bei weitem nicht aus, die Kostensteigerungen aufzufangen.

Wiener Schnitzel mit Pommes (Symbolbild): Das beliebte Gericht könnte bald teurer werden.
Wiener Schnitzel mit Pommes (Symbolbild): Das beliebte Gericht könnte bald teurer werden. (Quelle: YAY Images/imago-images-bilder)

Haben Sie denn Angst, dass es zu FleischengpÀssen kommen könnte?

Nein, da kann ich die Deutschen beruhigen. Es gibt genĂŒgend Fleisch im Markt, mit Schweinefleisch sind wir gut versorgt in Europa. Es wird nur eben teurer. Wir mĂŒssen die Preise an den Handel und letztlich an den Verbraucher weitergeben. Im Wesentlichen ist das gelungen. Wie der Verbraucher beim Einkauf reagiert, muss man schauen.

Werden die Deutschen wegen der steigenden Preise jetzt zu Vegetariern?

Nein, ganz bestimmt nicht.

Was macht Sie da so sicher?

Nun ja: Die Fleischersatzprodukte werden auch teurer, ebenfalls Obst und GemĂŒse. Soja wird etwa auch in der Ukraine angebaut. Den Zusammenhang zwischen steigenden Fleischpreisen und mehr Vegetariern sehe ich nicht.

Im Bundesverband Deutscher Wurst- und Schinkenproduzenten sind die industriellen Hersteller der Fleischwirtschaft organisiert, etwa RĂŒgenwalder MĂŒhle, Meica oder Wilhelm Brandenburg. Die Unternehmen der Fleischwarenindustrie sind mit einem Umsatz von rund 20 Milliarden Euro und 65.000 BeschĂ€ftigten der grĂ¶ĂŸte Teilbereich in der Lebensmittelindustrie.

Aber glauben Sie nicht, dass ein Anreiz besteht, auf Fleisch zu verzichten?

Das wird man abwarten mĂŒssen. Ich könnte mir vorstellen, dass der Kunde statt der Rinderroulade eher preiswerteres Hackfleisch kauft. Und ja, möglich ist auch, dass er weniger kauft. Ich glaube aber nicht, dass der Antrieb jetzt da ist, vegetarisches Hack zu kaufen, nur weil es preiswerter ist. Die Deutschen werden am Fleischkonsum festhalten. Sicher ist: Der Preis hat an Bedeutung gewonnen, das Einkaufsverhalten wird sich Ă€ndern.

Inwiefern?

Das ganze Thema Tierwohl kostet jede Menge Geld, das treibt den Preis zusÀtzlich. Auch bereits hochpreisige Bio-Produkte werden jetzt teurer. Ich schÀtze, dass viele Menschen nun vor dem Hintergrund der allgemeinen Kostensteigerung möglicherweise auf Bio verzichten und vermehrt konventionelle Lebensmittel kaufen werden.

FĂŒr das Tierwohl ist das keine gute Nachricht.

Ich glaube nicht, dass das Thema Tierwohl an Bedeutung verlieren wird. Das ist ein riesiges gesellschaftliches Thema, das nicht einfach durch etwas höhere Preise infrage gestellt wird. Aber die Biobranche könnte einen Schlag bekommen.

Zwei junge Schweine beschnuppern sich in einem Laufstall (Symbolbild): Tierwohl kostet.
Zwei junge Schweine beschnuppern sich in einem Laufstall (Symbolbild): Tierwohl kostet. (Quelle: Countrypixel/imago-images-bilder)

Klingt hart.

Ja, ist es auch. Der Bund sollte daher jetzt Klarheit schaffen, was seine PlĂ€ne fĂŒr höhere Tierhaltungsstandards angeht. Seit Monaten wartet die Branche vergeblich auf klare Signale des zustĂ€ndigen Ministers Özdemir. Der Bund sollte den Landwirten und den Fleischproduzenten in dieser schweren Zeit Orientierung bieten und nicht noch mehr Steine in den Weg legen.

Schwierigkeiten könnten Sie auch bekommen, wenn der Bund im Notfall das Gas rationieren muss. Welche Auswirkungen hĂ€tte ein Gasembargo fĂŒr die Fleischbranche?

Fatale! Die Nahrungsmittelindustrie ist nach der Chemieindustrie in Deutschland der Bereich, der am meisten Energie benötigt. Und innerhalb der Lebensmittelproduzenten macht die Fleischbranche den grĂ¶ĂŸten Anteil aus. Die Bundesnetzagentur hat signalisiert, dass sie der Lebensmittelproduktion das Gas wohl nicht abstellen wird – zum GlĂŒck.

ErklÀren Sie das bitte.

Wir sind systemrelevant, die Deutschen brauchen schließlich Nahrungsmittel. Die Regale mĂŒssen weiterhin gefĂŒllt sein. In der Fleischwirtschaft spielt der Tierschutz noch eine zusĂ€tzliche Rolle.

Wieso?

Bei einem Gasstopp droht Deutschland ein Schweinestau, und zwar noch deutlich schlimmer als nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies. 30 Millionen Tiere mĂŒssten ĂŒber ihr Schlachtgewicht hinaus in den StĂ€llen stehen. Im Notfall mĂŒssten sie sogar massenhaft gekeult werden. Ich will mir eine solche Situation gar nicht ausmalen. Nöte gibt es zwar ĂŒberall, doch hier wĂ€ren die Folgen besonders furchtbar. Ich hoffe und gehe davon aus, dass die Entscheider das auch wissen.

Herr Vogelsang, vielen Dank fĂŒr das GesprĂ€ch!

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
  • Christine Holthoff
Von Christine Holthoff
DeutschlandDiscounterSupermarktUkraine
Ratgeber

t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website