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Studien starten: Kann die mRNA-Impfung auch gegen Krebs helfen?


Kampf gegen Krebs: Können wir uns bald impfen lassen?


01.10.2021Lesedauer: 3 Min.
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Forschungslabor: Können mRNA-Impfstoffe auch in der Krebstherapie eingesetzt werden?Vergrößern des Bildes
Forschungslabor: Können mRNA-Impfstoffe auch in der Krebstherapie eingesetzt werden? (Quelle: Manjurul/getty-images-bilder)

Die mRNA-Impfstoffe haben sich im Kampf gegen Corona bewährt. Nun sollen sie auch bei anderen Erkrankungen eingesetzt werden. Erste Studien laufen zu einer Impfung gegen Krebs.

In der vergangenen Woche verkündete Biontech den Start der Phase 2 einer klinischen Studie zur Entwicklung einer Krebsimmuntherapie. Das Mittel BNT122, das wie der Covid-19-Impfstoff von Biontech auf der mRNA-Technologie basiert, kommt zunächst in Tests unter anderem gegen Darmkrebs zum Einsatz. Etwa 200 Patienten in den USA, Deutschland, Spanien und Belgien sollen an dieser Studie teilnehmen.

t-online sprach mit Dr. Dirk Arnold, Chefarzt in der Abteilung für Onkologie am Asklepios Klinikum Hamburg-Altona, wo das Mittel erprobt wird.

t-online: Herr Arnold, an Ihrer Klinik hat eine Studie zu einer mRNA-Impfung bei Darmkrebs begonnen. Erklären Sie uns, was dort passiert.

Dirk Arnold: Das Therapieprinzip ist das Folgende: Wenn Sie Darmkrebs hatten, und der Tumor operativ entfernt wurde, besteht ein Risiko für ein Rezidiv, vereinfacht gesagt: dass es zu einem Rückfall kommt. Das Risiko dafür lässt sich anhand bestimmter Parameter abschätzen.

Welche sind das?

Nun, der Pathologe schaut: Wie groß war der Tumor? Wie tief war er in die Darmwand eingedrungen, und waren Lymphknoten in der Umgebung betroffen? Das ist die Standardvorgehensweise. Neu ist die Bestimmung zusätzlicher Werte, die eher "biologisch" sind – zum Beispiel, wieviel Tumor-DNA sich im Blut des Patienten nachweisen lässt. Aus diesen Parametern lässt sich noch besser abschätzen, wie hoch das Risiko ist, dass der Patient in den nächsten zwei bis drei Jahren ein Rezidiv bekommen kann.

Wann kommt die mRNA-Impfung ins Spiel?

Wenn diese Parameter für ein höheres Risiko sprechen, behandeln wir in der Regel zunächst mit einer konventionellen Chemotherapie, diese dauert etwa drei bis sechs Monate. Und danach testen wir dann die mRNA-Impfung in einer Studie.

Wie funktioniert das?

Ganz praktisch schicken wir das bei der Operation gewonnene Tumorgewebe an die Biontech-Studienzentrale. Dort gehen die Wissenschaftler so vor wie der bei der Entwicklung des bekannten Corona-Impfstoffes. Sie isolieren bestimmte enthaltene Proteine und überführen Bestandteile dieser in eine Impfung.

Diese Vakzine übermitteln den Zellen des Immunsystems den Bauplan für dieses Protein und erzeugen damit eine Immunantwort des Körpers. Das Immunsystem wird in die Lage versetzt, Antikörper zu bilden. So können neu entstehende Krebszellen identifiziert werden und in ihrer Produktion gehindert und zerstört werden. Damit soll ein erneutes Tumorwachstum verhindert werden.

Das heißt, jeder Patient bekommt eine individuelle Therapie?

Ja, jeder bekommt die Impfung, die speziell auf die individuellen Eigenschaften des eigenen Tumors zugeschnitten ist. Jede Impfung wird also individuell hergestellt.

Info: So funktionieren mRNA-Impfstoffe
mRNA steht für messenger-Ribonukleinsäure, auch als Boten-RNA bezeichnet. Bei mRNA-Impfstoffen werden keine Krankheitserreger oder deren Bestandteile benötigt wie bei herkömmlichen Impfstoffen. Vielmehr werden einigen wenigen Körperzellen mit dem Impfstoff Teile der Erbinformation des Virus als RNA mitgegeben – geliefert wird also der Bauplan für einzelne Virusproteine, die auch als Antigene bezeichnet werden.
Antigene aktivieren das Immunsystem und sollen so die schützende Immunantwort erzeugen. Vereinfacht gesagt: Bei herkömmlichen Impfstoffen wird das Antigen selbst gespritzt, bei mRNA hingegen die genetische Information, sodass der Körper das Antigen selbst bildet.

Den genauen Mechanismus, wie Biontech das macht, kennen wir nicht …

Nein, das ist sozusagen Firmengeheimnis des Konzerns, aber man hat ja bei der Corona-Impfung gesehen: Die Technologie funktioniert gegen das Coronavirus sehr gut, nun schaut man, ob die Impfung auch bei Krebs helfen kann.

Wie viele Menschen nehmen teil?

Wir evaluieren gerade die Patienten, die für die Studie infrage kommen. Insgesamt werden etwa 200 Probanden aus verschiedenen Ländern teilnehmen. Sie bekommen dann mehrere mRNA-Impfdosen von Biontech.

Wenn 90 Prozent der Rezidive bei Darmkrebs in den ersten zwei bis drei Jahren nach der Behandlung auftreten, können Sie ja auch erst in einigen Jahren sehen, ob die Impfung gewirkt hat.

Ja, Ergebnisse werden wir erst in einigen Jahren sehen.

Herr Arnold, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!

Transparenzhinweis
  • Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.
Verwendete Quellen
  • Interview mit Dirk Arnold
  • Nachrichtenagentur Reuters
  • Eigene Recherche
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