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Der Druck wächst: Mehr Kinder mit psychischen Problemen in Therapie

Der Druck wächst  

Mehr Kinder mit psychischen Problemen in Therapie

25.10.2018, 12:49 Uhr | dpa

Der Druck wächst: Mehr Kinder mit psychischen Problemen in Therapie. Immer mehr Schüler sind wegen Anpassungs-, Angst- oder Schlafstörungen, Burnout oder Depression in ärztlicher Behandlung.

Immer mehr Schüler sind wegen Anpassungs-, Angst- oder Schlafstörungen, Burnout oder Depression in ärztlicher Behandlung. Foto: Nicolas Armer. (Quelle: dpa)

Hannover (dpa) - Sie haben Kopf- oder Bauchschmerzen, sind leicht reizbar oder fühlen sich ständig erschöpft: Wegen stressbedingter Beschwerden und psychischer Krankheiten sind immer mehr Schülerinnen und Schüler in Behandlung.

Das geht aus einer Auswertung der Versichertendaten der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) in Hannover hervor. Hochgerechnet handele es sich um etwa 1,1 der insgesamt rund 9 Millionen 6- bis 18-Jährigen in Deutschland, teilte die KKH mit. Als Ursachen gelten der hohe Leistungsdruck durch Schule und Eltern, digitale Reizüberflutung, Mobbing in sozialen Netzwerken sowie Versagensängste.

Steigende Behandlungszahlen

Im Jahr 2017 waren rund 26.500 bei der KKH versicherte Kinder und Jugendliche wegen Anpassungs-, Angst- oder Schlafstörungen, Burnout, Depression sowie somatoformen Störungen in Therapie. Letztere sind Beschwerden oder Schmerzen, die keine erkennbare organische Ursache haben. Im Vergleich zu 2007 stiegen die Behandlungszahlen vor allem bei den 13- bis 18-Jährigen teils um mehr als 100 Prozent. Die Daten zeigten auch, dass psychische Erkrankungen besser erkannt werden als früher, sagte Marcel Romanos, Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Würzburger Universitätsklinikum.

Nach Angaben der Studie des Robert Koch-Instituts zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland waren zuletzt etwa 16,9 Prozent der Kinder und Jugendlichen psychisch auffällig. Dem Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit zufolge hatten sogar 26 Prozent der Jungen und Mädchen psychische Leiden.

Eltern sollten ihre Kinder stärken

"Kinder sind unter Druck in Deutschland", betonte Romanos. Auslöser für einen Klinikaufenthalt sei oft Mobbing. Ein Beispiel könne sein, dass eine 13-Jährige ihrem Freund per Smartphone ein Nacktfoto von sich schickt, dieser das Bild dann in Chats verbreitet und das Mädchen massiv unter Druck gerät und den Schulbesuch verweigert.

Auch Kinder, die eine Angststörung oder Konzentrationsproblematik mitbringen, erleben dem Jugendpsychiater zufolge schneller Stress als andere. Franziska Klemm, Psychologin bei der KKH, ermutigte die Eltern, ihre Kinder zu stärken. "Ein Baum mit starken Wurzeln ist widerstandsfähiger", sagte sie. Wichtig sei eine Wertschätzung und Anerkennung für alles, was das Kind bereits erreicht hat.

"Durchschnittliche Leistungen werden weniger akzeptiert", beobachtet auch Romanos. Dies gelte für Eltern, die eine Drei als schlechte Note sehen, aber auch für Freunde und Medien. "Kinder können emotional überfordert sein, wenn Eltern krank sind, wenn sie nicht Modelmaße haben oder nicht die hippe Kleidung wie ihre Freunde."

Lehrer sind sensibler geworden

Nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH unter rund 1000 Eltern leidet jeder vierte 13- bis 18-Jährige unter stressbedingter Müdigkeit und Erschöpfung. 22 Prozent klagen über Kopfschmerzen. Bei den 6- bis 12-Jährigen sind 13,5 Prozent von Bauchschmerzen und genauso viele von Erschöpfung betroffen.

Laut dem Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen sind Lehrerinnen und Lehrer und Schulleitungen sensibler für die seelische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen geworden. "Lehrkräfte wenden sich an Eltern, wenn sie psychische Auffälligkeiten sehen", sagte die Vorsitzende der Sektion Schulpsychologie, Meltem Avci-Werning, der Deutschen Presse-Agentur. Auch die zunehmende Beschleunigung und Komplexität rufe Stress bei den Heranwachsenden hervor, meint sie.

Avci-Werning sieht insbesondere Handlungsbedarf bei der Wiedereingliederung von Schülerinnen und Schülern nach einer längeren Fehlzeit, sei es nach einer Depression, Drogenmissbrauch oder sexuellem Missbrauch. "Schulpsychologinnen und Schulpsychologen haben dafür Konzepte, Schulen benötigen an dieser Stelle oft noch mehr Unterstützung."

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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