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Gutverdiener häufiger Ziel ärztlicher Selbstzahlerangebote

AOK-Studie enthüllt  

Viele ärztliche Behandlungen werden nur Besserverdienern angeboten

26.02.2019, 13:38 Uhr | dpa-AFX

Gutverdiener häufiger Ziel ärztlicher Selbstzahlerangebote. Ultraschalluntersuchung beim Arzt: Immer öfter lassen sich Patienten auf Behandlungsmethoden ein, die sie aus eigener Tasche zahlen müssen. (Quelle: dpa/Angelika Warmuth)

Ultraschalluntersuchung beim Arzt: Immer öfter lassen sich Patienten auf Behandlungsmethoden ein, die sie aus eigener Tasche zahlen müssen. (Quelle: Angelika Warmuth/dpa)

Früherkennung von Krebs oder Grünem Star, Down-Syndrom-Tests für Föten oder Medikamente für die Darmflora: Ärzte machen ihren Patienten regelmäßig Angebote zum Selbstzahlen – offenbar nicht nur nach medizinischen Gesichtspunkten.

Niedergelassene Ärzte bieten Selbstzahlerleistungen überwiegend Versicherten mit höherem Einkommen an. 21,6 Prozent der Versicherten mit einem Haushaltseinkommen unter 2.000 Euro wurden zuletzt innerhalb eines Jahres von ihrem Arzt auf sogenannte Individuelle Gesundheitsleistung angesprochen. Bei Personen mit einem monatlichen Haushaltseinkommen über 4.000 Euro waren es laut einer neuen Umfrage sogar 35,4 Prozent. Das teilt das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) in Berlin mit.

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) gehören nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung. Sie werden von niedergelassenen Ärzten gegen Bezahlung angeboten. Das Spektrum reicht von der professionellen Zahnreinigung über die Laserbehandlung von Krampfadern und Reiseimpfungen bis hin zur Augeninnendruckmessung zur Früherkennung des Grünen Stars.

Studie zu Selbstzahlerangeboten für Versicherte

Klaus Zok, Studienleiter des WIdO, sagt: "Ob ein Patient eine IGeL-Leistung angeboten bekommt, hängt weniger vom Alter und dem Gesundheitszustand ab als von seinem Portemonnaie." Insgesamt bekamen im vergangenen Jahr 28,9 Prozent der Versicherten eine IGeL-Leistung angeboten. Die Anteile schwankten in den vergangenen zehn Jahren zwischen 26,7 und 33,3 Prozent.

Gefragt wurden die Versicherten auch nach den Kosten der jeweiligen Angebote. Es ergab sich eine Spanne zwischen unter 10 und 1.000 Euro – mit einem Mittelwert von 74 Euro. Während die Hälfte der Leistungen maximal 48 Euro kosten, werden für manche Leistungen hohe dreistellige und sogar vierstellige Beträge genannt.

Ärzte verdienen mit Leistungen rund eine Milliarde Euro jährlich

Einige Befragte nannten laut dem AOK-Institut Beispiele: So zahlte eine 37-jährige Patientin auf Anraten eines HNO-Arztes 600 Euro für eine Untersuchung auf Hörsturz. Ein 33-Jähriger zahlte bei einem Allgemeinmediziner 400 Euro für die Gabe eines Medikaments für die Darmkultur. Eine Schwangere (35) zahlte bei einem Gynäkologen 300 Euro für einen Test des Fötus auf Down-Syndrom und andere Erbkrankheiten. Unterm Strich bringen die Leistungen den Ärzten laut der Studie rund eine Milliarde Euro pro Jahr ein.

Mit Abstand am häufigsten angeboten werden Ultraschalluntersuchungen (26,9 Prozent) – überwiegend zur Krebsfrüherkennung bei Frauen – und Leistungen im Rahmen der Glaukom-Früherkennung (18,1 Prozent). Rund elf Prozent der Angebote entfallen auf Blutuntersuchungen und Laborleistungen sowie rund 10 Prozent auf Medikamente, Heil- und Hilfsmittel.

Krankenkassen betonen immer wieder, dass viele IGeL-Leistungen fragwürdig seien. Das AOK-Institut nannte Ultraschalluntersuchungen der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung als Beispiel. Studien hätten keinen Hinweis auf einen Nutzen gegeben. Angebote wie Reiseimpfungen seien hingegen sinnvoll.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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