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Drei Wege, wie Sie mit Schicksalsschlägen umgehen können

Eine Kolumne von Ulrike Scheuermann

Aktualisiert am 16.02.2020Lesedauer: 3 Min.
Abschied von einem geliebten Menschen: Die Arten zu trauern sind so vielfältig wie die Menschen. (bearbeitet)
Abschied von einem geliebten Menschen: Die Arten zu trauern sind so vielfältig wie die Menschen. (bearbeitet) (Quelle: KatarzynaBialasiewicz/getty-images-bilder)
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Dieser Moment, in dem die Zeit still zu stehen scheint: eine schlimme Diagnose, ein Unfall oder ein anderer Schicksalsschlag. Plötzlich ist nichts mehr, wie es war.

Schicksalsschläge können jeden von uns treffen – meist vollkommen unvorbereitet. Wir müssen trotzdem damit umgehen, sie aushalten oder überwinden, anstatt daran zu zerbrechen. Im besten Fall wachsen wir an ihnen. Aber wie?

Martina hat im vorigen Jahr ihre Eltern kurz nacheinander an eine schwere Krankheit verloren, jetzt liegt ihr Mann im Sterben. Sie wird mit den zwei Kindern allein zurückbleiben. Warum stößt ihr das alles zu? Wie soll sie das alleine alles schaffen?

Jeder geht mit einem Schicksalsschlag anders um. In meinen zehn Jahren Arbeit im Berliner Krisendienst habe ich erlebt, wie unterschiedlich Menschen in Krisen reagieren. Es gibt dennoch Hilfe und Halt, wenn die Not am größten ist.

Wenn ein geliebter Mensch stirbt

Martina hat einen großen Berg zu tragen, genauso geht es Eltern, deren Kind an Leukämie erkrankt oder Menschen, deren beste Freundin stirbt. Wer einen geliebten Menschen verliert, dessen Leben verändert sich einschneidend. Der Boden tut sich unter den Füßen auf.

Was tun im ersten Schock? Manche sehen sich immer wieder Fotos von den Familienreisen an, sie wollen nicht vergessen. Sie gehen an Orte, wo man gemeinsam war: den Park, die Lieblingskneipe.

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Die Arten zu trauern sind so vielfältig wie die Menschen. Martina ist zwischendurch regelrecht neidisch auf die Sorglosen und Glücklichen um sie herum. An anderen Tagen ist sie gefühllos, dann wieder rastlos, und oft ist da Wut: Sie fühlt sich alleingelassen von ihrem Mann, der sich so plötzlich davongemacht hat. Dann wirft sie ihm vor: "Du hättest gesünder leben können, weniger rauchen, abnehmen!" Kürzlich hat sie einer Freundin davon erzählt und die hat verständnisvoll reagiert. "Lass alles zu", hat sie gesagt. Das hat Martina geholfen.

"Die Zeit heilt alle Wunden?" Hier ist Zeit eine variable Größe. Trauer kommt in Wellen, es kann eine Weile Ruhe herrschen und dann, scheinbar aus dem Nichts oder durch eine Erinnerung ausgelöst, taucht die Traurigkeit wieder auf. Bei der einen ist die Trauer nach einem Jahr abgeklungen, bei jemand anders währt sie jahrelang.

Akzeptieren Sie alles, was nach einem Verlust auftaucht, als normal und richtig. Wüten Sie, wenn Sie Wut empfinden, weinen Sie, wenn Sie traurig sind, reden oder schreiben Sie, wenn Sie erzählen wollen. Es ist, wie es ist. Es gibt keine Regeln. Nur Monate oder viele Jahre zu trauern ist genauso "richtig" wie unerwartete Gefühle zu durchleben – Ärger, Ohnmacht, Schuldgefühle.

Was Ihnen an schweren Tagen helfen kann

  1. Die Nähe zu anderen Menschen suchen: Verstecken Sie sich nicht. Die berühmte Decke über den Kopf macht es oft schlimmer. Der Spruch "Geteiltes Leid ist halbes Leid" stimmt. Sie müssen da nicht allein durch. Wer sonst im Leben nicht so viele Kontakte hat, kann die Telefonseelsorge oder einen Krisendienst anrufen. Es gibt Selbsthilfe- und Trauergruppen. Solche Gruppen werden oft unterschätzt, aber die persönliche Begegnung ist etwas anderes, als in einer Social-Media-Gruppe zu chatten. Eine Umarmung, ein direktes Gespräch, die Nähe eines anderen Menschen kann zutiefst tröstlich sein.
  2. Schreiben Sie: Die therapeutische Wirkung des Schreibens ist in vielen wissenschaftlichen Studien nachgewiesen. Was wir aufschreiben, ist raus aus dem Kopf. Schreiben wirkt entlastend, klärend, beruhigend, lindernd und sogar heilend. Wir gewinnen Abstand und kommen zur Ruhe, der Schmerz wird aushaltbarer oder flaut sogar ab.
  3. Eine widerstandsfähige Haltung entwickeln: Wenn wir fest daran glauben, dass wir eine Situation beeinflussen können, fühlen wir uns nicht mehr ausgeliefert. Den Schicksalsschlag können Sie nicht ungeschehen machen, den verlorenen Menschen nicht wiederbekommen, die Krankheit nicht wegmachen. Aber Sie können liebevoll und sorgsam mit sich umgehen, offen für Hilfe sein und dadurch mit weitaus mehr Kraft die für Sie richtigen Schritte gehen.

Bei vielen Menschen, die eine schlimme Krise überwinden, steht später die Erkenntnis im Vordergrund, etwas gelernt zu haben und daran gewachsen zu sein. Ganz nach dem Motto: Wenn das Leben nicht dein Freund ist, ist es dein Lehrer.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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