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So lÀuft die Versorgung auf einer Palliativstation

dpa, Marie von der Tann

Aktualisiert am 24.11.2021Lesedauer: 3 Min.
Versorgung eines Sterbenden: Wer keine engmaschige medizinische Betreuung, aber dennoch eine spezialisierte Pflege braucht, kann ein Hospiz in ErwÀgung ziehen.
Versorgung eines Sterbenden: Wer keine engmaschige medizinische Betreuung, aber dennoch eine spezialisierte Pflege braucht, kann ein Hospiz in ErwÀgung ziehen. (Quelle: Felix KÀstle/dpa-bilder)
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Ihre letzte Zeit möchten die meisten Menschen zu Hause verbringen. Oft sterben sie aber im Krankenhaus. Das ginge anders – wenn die HĂŒrde vor rechtzeitiger Palliativversorgung nicht so hoch wĂ€re.

Das Wichtigste im Überblick


  • Warum mehr Leute im Krankenhaus sterben, als es sein sollten
  • Alternativen zur Palliativstation
  • Letzte WĂŒnsche werden wahr
  • Wenn der letzte Tag gekommen ist

Der Tod, fĂŒr viele ein unangenehmes Thema. Oberarzt Philipp von Trott weiß, dass auf einer Palliativstation nicht nur Ă€rztliche QualitĂ€ten gefragt sind: "Mehrmals habe ich erlebt, dass eine Ehefrau zu mir sagt: 'Ich weiß, ich werde sterben. Aber erzĂ€hlen sie es bloß nicht meinem Mann.'"

Der Ehemann habe anschließend gesagt: "Ich weiß, sie wird sterben, aber sagen sie es bloß nicht meiner Frau – sie weiß davon nichts." Von Trott arrangiert dann ein offenes GesprĂ€ch mit den beiden. Die Erleichterung nach dem Austausch sei meist unbeschreiblich.

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Warum mehr Leute im Krankenhaus sterben, als es sein sollten

Auf eine Palliativstation wie die im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe in Berlin kommen Menschen mit einer nicht mehr heilbaren Krankheit. "Unser Job ist es, dafĂŒr zu sorgen, dass die Patienten so lange wie möglich eine bestmögliche LebensqualitĂ€t haben", so von Trott. Auf der Station verbringen die Patienten durchschnittlich neun Tage. Dort wird ĂŒberlegt: Ist eine weitere Chemotherapie sinnvoll? Wie hilft man gegen Schmerzen? Was muss organisatorisch geklĂ€rt werden?

Um diese Belange kĂŒmmert sich ein interdisziplinĂ€res Team aus Ärzten, Therapeuten, Pflegern, Sozialarbeitern und Freiwilligen. Dabei geht es nicht primĂ€r um die Krankheit, sondern um das Gesunde im Menschen, die Ressourcen. Sind die mobilisiert, geht es wieder nach Hause. Nicht selten fĂŒr Jahre – wenn der Patient frĂŒh genug vorstellig wird.

Doch da genau liegt das Problem. "Palliativstation verbinden viele mit einer Endstation", so Philipp von Trott. "Wenn ich da einmal hingehe, verlasse ich die nie wieder." Das fĂŒhrt dazu, dass Patienten sich viel zu spĂ€t an Palliativstationen oder spezialisierte Ärzte wenden. So sterben mehr Leute im Krankenhaus, als es sein sollten.

Alternativen zur Palliativstation

Dabei ist die Palliativversorgung auch sehr gut zu Hause möglich. Mobile Teams kommen ans Krankenbett. Auch hier geht es um die Symptomkontrolle, Schmerztherapie und Betreuung der Angehörigen. Alexandra Scherg vom UniversitĂ€tsklinikum DĂŒsseldorf weiß: "Unser Job ist es auch, die Angehörigen zu betreuen. Ihnen zu sagen, dass sie ruhig auch mal rausgehen können."

Wer keine engmaschige medizinische Betreuung, aber dennoch eine spezialisierte Pflege braucht, kann auch gut in einem Hospiz aufgehoben sein. "Hospize nehmen Kranke, die eine begrenzte Lebenserwartung von wenigen Monaten haben", erklÀrt Scherg. Dort ist man nicht allein, es ist immer jemand da.

Hospize entlasten außerdem Angehörige. "Wenn ein Kind mit im Haushalt des Schwerkranken ist, stellen sich viele die Frage, ob es zumutbar ist, zu Hause zu sterben", so Scherg. Dann kann ein Hospiz eine sehr gute Lösung sein. Das kann auch der Fall sein, wenn sich der Gesundheitszustand rapide verschlechtert und zu Hause darauf schlecht eingegangen werden kann. Oder wenn es keine Angehörigen mehr gibt.

Letzte WĂŒnsche werden wahr

"Sterben ist ein Prozess", beschreibt von Trott. Auch mit viel Erfahrung und dem Vorliegen der Diagnose ist es schwierig, eine konkrete Prognose fĂŒr die Lebenserwartung abzugeben. Dennoch ist es wichtig, die Fragen der Patienten und Angehörigen möglichst offen zu beantworten und fĂŒr GesprĂ€che zur VerfĂŒgung zu stehen.

Manchmal spielen letzte WĂŒnsche eine große Rolle. "Wir haben schon Pferde in den Klinikpark geholt", erzĂ€hlt Scherg. In einigen FĂ€llen rollt auch mal der WĂŒnschewagen an: Speziell ausgerĂŒstete Transporter des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) bringen Kranke dorthin, wo sie noch einmal sein möchten. Umgesetzt werden die WĂŒnsche durch Spenden.

Wenn der letzte Tag gekommen ist

Irgendwann ist er dann aber gekommen, der letzte Tag: Wenn der Sterbende die letzten AtemzĂŒge macht, geht es in der Palliativversorgung um den Sterbenden und seine Angehörigen gleichermaßen. Medikamentös wird er so leicht wie möglich gemacht. An Herzschlag und Atmung ist oft zu erkennen, dass der Sterbende seelischen Beistand wahrnimmt. Einfach nur daneben sitzen und Ruhe ausstrahlen, das wirkt. Angehörige sollten sich aber auch nicht ĂŒberstrapazieren.


Der Umgang mit Leid ist unterschiedlich. Von Trott hat von stummer Trauer bis zu kollektivem Schreien im Familienkreis schon alles erlebt. Das alles sei menschlich, sagt er. Wichtig sei, dass Zeit fĂŒr Abschied vorhanden sei und dem Verstorbenen eine letzte Ehre erwiesen werde. Im anthroposophisch gefĂŒhrten Havelhöhe bedeutet das das Einreiben des Leichnams mit Rosenöl, das Betten des Verstorbenen und das Öffnen des Fensters, damit die Seele aus dem Fenster fliegen kann.

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