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Kampfpanzer für die Ukraine? Das ungelöste Rätsel um die US-Panzer Abrams


Das Märchen von den Abrams-Panzern

  • Bastian Brauns
Von Bastian Brauns, Washington

Aktualisiert am 24.01.2023Lesedauer: 5 Min.
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Lieferung für Polen, aber nicht für die Ukraine: Sind Abrams-Panzer wirklich zu kompliziert?
Lieferung für Polen, aber nicht für die Ukraine: Sind Abrams-Panzer wirklich zu kompliziert? (Quelle: IMAGO/Remko de Waal)
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Die USA wollen, dass Deutschland Leopard 2 an die Ukraine liefert. Doch die eigenen Kampfpanzer sind in Washington tabu. Die Begründungen überzeugen nicht.

Bundeskanzler Olaf Scholz wird heftig kritisiert: Er will nur dann Leopard-2-Panzer an die Ukraine liefern, wenn auch die US-Regierung ihre schweren Abrams-Kampfpanzer dorthin schickt. Ob Scholz zu Recht zögert oder nur einen Vorwand sucht, ist die eine Frage.

Die andere aber lautet: Warum sträuben sich die Amerikaner eigentlich? Danach wird viel seltener gefragt. Und es kursieren zwar viele Argumente, die das Nein aus Washington logisch und nachvollziehbar erscheinen lassen sollen. Aber egal, ob es sich um technische, logistische oder strategische Gründe handelt: Nur wenige davon sind bei näherer Betrachtung überzeugend oder entsprechen überhaupt den Tatsachen.

Ein Überblick.

Das Sprit-Märchen

Vielleicht war die Sprecherin im Pentagon nur schlecht vorbereitet. Aber als Sabrina Singh vergangene Woche vor Journalisten darlegte, warum die USA keine Abrams liefern, entsprachen ihre Ausführungen nicht den technischen Tatsachen. Der Abrams sei "ein Panzer, der Kerosin benötigt" während der Leopard und der Challenger Diesel bräuchten, so Singh.

Das Argument an sich ist durchaus fragwürdig. Kerosin in die Ukraine zu liefern, ist kein Ding der Unmöglichkeit. Es handelt sich aber auch um eine Falschinformation, die sich seit Wochen hartnäckig im politischen und medialen Betrieb dies- und jenseits des Atlantiks hält. In Hintergrundgesprächen, auf öffentlichen Podien und in vielen Presseartikeln wird sie trotzdem immer wieder verbreitet.

Das Treibstoff-Märchen rührt daher, dass Abrams in den USA vorwiegend mit Kerosin betankt werden. Der mit einer Art Düsentriebwerk ausgestattete US-Panzer fährt laut Hersteller de facto aber auch mit Diesel oder Benzin. Im Notfall auch mit allem anderen, was brennbar sei, im Zweifel sogar mit Wodka, heißt es.

Die Komplexitäts-Erzählung

Sehr kompliziert, wartungsanfällig, zu schwer, zu teuer, zu lange Lieferwege: Hört man dem Pentagon zu, entsteht nicht der Eindruck, dass es sich beim Abrams um den Stolz der US- Landstreitkräfte und einen der meistverkauften Panzer handelt. Eher wirkt er wie ein Anlass, um sich zu schämen. Auch der Sprecher von Präsident Joe Biden im nationalen Sicherheitsrat, John Kirby, sagt: Das Abrams-System sei "sehr teuer im Betrieb, sehr teuer im Kraftstoffverbrauch, sehr teuer in der Wartung, und es erfordert viel Training."

Je mehr man aber mit Militär- und Rüstungsexperten in Washington und Berlin spricht, desto eher verfestigt sich ein anderes Bild: Die angeblichen technischen Schwierigkeiten sind kein hinreichender Grund, die Abrams nicht zu liefern.

Anfang Januar unterzeichnete Polen innerhalb kürzester Zeit den zweiten Kaufvertrag über die US-Kampfpanzer. Bereits im Dezember 2022 waren Abrams von Südkorea dorthin verkauft worden. Wäre der Abrams so schlecht wie dargestellt, hätte Polen ihn wohl kaum gekauft.

Amerikanische Abrams: Polens Verteidigungsminister Mariusz Błaszczak nimmt sie Anfang Januar entgegen
Amerikanische Abrams: Polens Verteidigungsminister Mariusz Błaszczak nimmt sie Anfang Januar entgegen. (Quelle: IMAGO/DAMIAN BURZYKOWSKI)

Die vermeintliche Logistik-Falle

Auch die geografische Lage der Ukraine wurde in den USA immer wieder als Gegenargument angeführt. Die rund 2.000 Leopard-Panzer, die es in Europa gebe, seien viel näher am Geschehen, so das Argument. Würden die USA ihre Panzer aber tatsächlich nach Europa verschiffen wollen, wäre dies kein unlösbares logistisches Problem.

Im Gegenteil: Im Rahmen ihrer Nato-Strategie sind die Amerikaner sogar echte Experten im Verlegen von Material und Einheiten nach Europa. Die Ladung wäre vielleicht einige Tage länger unterwegs als die in Europa abgestellten Leopards. Aber das wäre dann auch schon der größte Unterschied.

Die angeblichen Interessen der Industrie

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine heißt es immer wieder, dass die USA der eigenen Rüstungsindustrie Aufträge zuschustern wollten, um davon finanziell und strategisch zu profitieren. Zuletzt wurde in einem Artikel der "Neuen Zürcher Zeitung" gemutmaßt, die US-Regierung wolle EU-Staaten dazu bringen, Leopard-Panzer in die Ukraine zu schicken, um die entstehende Lücke mit Abrams aufzufüllen.

Als Quelle werden "Kreise der deutschen Rüstungsindustrie" genannt, die sich ohnehin beklagen, dass die "US-Regierung schon seit Jahren versuche, ihre Waffenverkäufe in Europa zu intensivieren". Einen Beleg für die genannten Hintergedanken aus den USA gibt es nicht. Was es allerdings gibt, sind Argumente, die gegen die genannte These sprechen.

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Ähnlich wie der Leopard 2 gilt der Abrams unter Rüstungsexperten als "ausgereizt". Von "einem schweren Monstrum", das man nicht mehr erweitern könne, spricht ein Berliner Insider. Die neueste Version des Abrams sei voraussichtlich auch die letzte. Dann soll etwas Neues auf den Markt kommen. Die deutsche Rüstungsindustrie wolle mit dieser Erzählung womöglich lediglich vorsorglich einen Pflock einschlagen, heißt es.

In Europa arbeiten Franzosen und Deutsche seit 2012 gemeinsam an einem Nachfolge-Panzer des Leclerc und des Leopard 2. Das Projekt "Main Ground Combat System" (MGCS) soll ab 2035 für den "European Main Battle Tank", also den europäischen Hauptkampfpanzer, sorgen. Es gilt als ausgemacht, damit auch andere europäische Staaten zu beliefern.

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"Wenn überhaupt, könnten die USA als Nebeneffekt einen Fuß in die Tür bekommen", sagt ein Washingtoner Rüstungs-Insider. Der Branchenkenner hält allerdings die These für unwahrscheinlich, wonach die Amerikaner die Europäer drängten, Leopard 2 an die Ukraine weiterzureichen, damit sie anschließend an die europäischen Armeen Abrams liefern könnten. "Dieser Krieg ist brandgefährlich. So wichtig und wertvoll ist die Rüstungsindustrie nicht, als dass man deswegen derartige geopolitischen Risiken eingehen würde", so seine Analyse.

Der Druck auf das Weiße Haus wächst

Angesichts der fragwürdigen Argumente der US-Regierung fordern längst nicht mehr nur die oppositionellen Republikaner den Präsidenten vehement dazu auf, Abrams zu liefern. Auch aus der eigenen Partei, den Demokraten, kommt angesichts des deutschen Zögerns immer mehr Druck. Nicht zuletzt lobbyieren auch die Ukrainer und die osteuropäischen Staaten rund um die Uhr in Washington. Mehr dazu lesen Sie hier.

Ein simpler Grund für das amerikanische Zögern könnte sein: Die US-Regierung ist womöglich noch nicht so weit. Zwar können alle Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Aber Transport, Logistik, Infrastruktur und Training benötigen noch Vorbereitung. Vorher will die Regierung womöglich nicht vorpreschen. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" könnte sich das aber schon diese Woche ändern.

Ähnlich wie in Deutschland liegen die wahren Gründe bislang im Verborgenen. Was Rüstungsexperten über das bisherige Zögern vermuten: Wie schon bei anderen Waffengattungen ist das Weiße Haus auch in der Panzer-Frage skeptisch, weil es sich um eine Offensivwaffe handelt. Die Ukraine könnte Russland mit "zu schnellen" Erfolgen in die Ecke treiben oder übermütig werden. Noch heftigere Angriffe auf die eigene Zivilbevölkerung könnten dann die Folge sein.

Weil Moskau sich auf Augenhöhe mit Washington sehen will, würden schwere Kampfpanzer aus den USA darüber hinaus im Zweifel aus Sicht Russlands eine noch größere Provokation bedeuten als die deutschen Panzer. Man will also womöglich noch ein Ass im Ärmel haben, um den nächsten Schritt zu gehen.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherchen
  • aerospace.honeywell.com: AGT1500 Gas Turbine Engine (englisch)
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Von Sonja Eichert
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