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Donald Trump: Was macht der Ex-US-Präsident eigentlich den ganzen Tag?

Out of Oval Office  

Was macht eigentlich Donald Trump den ganzen Tag?

Von Bastian Brauns

02.05.2021, 09:00 Uhr
Donald Trump: Was macht der Ex-US-Präsident eigentlich den ganzen Tag?. Donald Trump im März in New York: Der Ex-Präsident betreibt weiter Politik. (Quelle: Reuters/Carlo Allegri)

Donald Trump im März in New York: Der Ex-Präsident betreibt weiter Politik. (Quelle: Carlo Allegri/Reuters)

Ohne Amt und ohne Twitter ist es still geworden um den Mann, der bis vor 100 Tagen die Welt im Dauer-Atem hielt. Doch mit Donald Trump ist auch in Mar-a-Lago noch immer zu rechnen: Das hat er gerade erst gezeigt.

Wenige Tage, bevor Donald Trump mit ansehen muss, wie sein Nachfolger Joe Biden die erste Präsidentenrede vor dem Kongress hält, hat er sich entschieden, sich seiner ganz eigenen Nation zuzuwenden: In einem abgedunkelten Raum seines Golfclub-Anwesens Mar-a-Lago im Bundesstaat Florida sitzt der 45. Präsident dem Fox News-Moderator Sean Hannity gegenüber.

Schwere, dunkle Möbel, ein paar weiße Orchideen im Hintergrund und ein ehemaliger Präsident mit einem Glas Wasser auf dem Tischchen neben sich. Keine Diet-Coke. Denn Coca-Cola müsse boykottiert werden, dazu hat Trump neulich erst seine Anhänger aufgefordert.

Dass ausgerechnet Hannity dieses erste Exklusivinterview seit Trumps Auszug aus dem Weißen Haus führt, ist kein Zufall. Der Fox-News-Moderator gilt nicht nur als erzkonservativ und homophob, sondern vor allem als unumstößlicher Trump-Fan.

Doch so sehr Hannity während seiner exklusiven zehn Minuten den Ex-Präsidenten in dessen positiver Sicht auf sich selbst bestätigt, auf die Frage, ob Donald Trump im Jahr 2024 erneut als Präsidentschaftskandidat antreten wolle, bekommt auch er keine klare Antwort.

Stattdessen gibt Trump zu verstehen, wie "traumatisch" die vergangenen Jahre für ihn gewesen seien. "Ich hatte ein großartiges Leben, eine großartige Firma, ein großartiges Geschäft, keine Probleme", sagt er. Seit er sich aber um seine erste Präsidentschaft beworben habe – während seiner Amtszeit und selbst jetzt noch würden ihm die Leute immerzu nachstellen. "Das ist bösartig. Das ist schrecklich."

Fast kann man den Eindruck gewinnen, der 45. will gar kein 47. Präsident werden. "Aber wissen Sie was?", ändert Trump dann seinen Tonfall. "Ich liebe es, all dies zu tun, weil ich den Menschen damit helfe." Bei den Jobs, bei den Steuern und gegen die Migration. Ausgang offen.

Der Gegenpräsident aus Mar-a-Lago

Trump bleibt Trump – so viel steht nach seinen ersten gut 100 Tagen "Out of Oval Office" fest.

Auch wenn er seine Landsleute und die ganze Welt noch darüber im Unklaren lässt, wie genau mit ihm zu rechnen sein wird: Dass er die Republikanische Partei und seine Anhänger weiter aufmischt und sie ideologisch anführt, daran besteht unter Beobachtern kaum Zweifel. "Helfen" werde er natürlich auch bei den sogenannten Midterms, also den Zwischenwahlen zum US-Kongress im kommenden Jahr. Wobei er in jene Bundesstaaten fliegen wolle, wo vielversprechende Republikaner ("very good people") ihm treu ergeben sind. Den ein oder anderen Anruf werde er natürlich auch tätigen, sagt Trump noch.

Der Ex-Präsident weiß sich ganz offensichtlich zu beschäftigen. Während andere Präsidenten nach dem Ende ihrer Amtszeit zu malen begannen (George W. Bush) oder Erdnussfarmer wurden (Jimmy Carter), bleibt Trump politisch und vor allem machtbewusst. Historische Vergleiche hinken schnell, aber so wie Donald Trump es sich in den vergangenen Monaten in seiner Golf-Trutzburg Mar-a-Lago eingerichtet hat, wirkt der 45. Präsident (der den Sieg des 46. Präsidenten nie offiziell anerkannt hat) wie einst die Gegenpäpste von Avignon, die bis ins 15. Jahrhundert parallel zu den Päpsten in Rom einfach zusätzlich über ihre eigene Kirche herrschten.

Nun ist Florida nicht Avignon und der US-Präsident kein Papst. Doch hinsichtlich der Politik geht es eben vielfach auch um Glaubensfragen. Und was einst als "Abendländisches Schisma" die geistliche Glaubenswelt Europas für mehrere Jahrzehnte spaltete, birgt weltlich-ideologisch heute auch in den USA zumindest die Gefahr vor kommenden großen Macht- und Gesellschaftskonflikten.

Golfclubressort Mar-a-Lago (Quelle: Getty Images)Trutzburg des Gegenpräsidenten: Donald Trumps Mar-a-Lago in Palm Beach, Florida. (Quelle: Getty Images)

Zwar will Trump offenbar während der heißen Sommermonate Mar-a-Lago verlassen und stattdessen in seinem anderen Luxus-Golf-Resort in Bedminster, im Bundesstaat New Jersey, residieren. Sein wichtigstes Machtzentrum, sein post- und womöglich prä-präsidiales Büro aber bleibt Mar-a-Lago, in Palm Beach, Florida.

Während Trump dort residiert, lässt er über seine eigens erstellte Webseite 45office.com in regelmäßigen Abständen "Statements" veröffentlichen zu seiner nach wie vor propagierten Mission: "Donald J. Trump wird nie den Kampf aufgeben, Amerika wieder großartig zu machen". Zuletzt griff er dort Mitte April Joe Biden und dessen Migrationspolitik an, die angeblich den Terrorismus befördert.

Trump hat die Republikaner fest im Griff

Ein erstes gemeinsames Foto aus seinem neuen Büro in Mar-a-Lago twitterte Trumps ehemaliger Chefberater, der als rechtsextrem geltende Stephen Miller, am 4. April. Wenige Tage später gründete dieser dann die konservative Organisation "America First Legal", die nicht weniger zum Ziel hat, als die Biden-Administration in Schwierigkeiten zu bringen, indem etwa republikanische Generalstaatsanwälte gegen vermeintliche Regierungsverfehlungen in Stellung gebracht oder eigene Klagen angestrengt werden sollen.

Schnell fiel Beobachtern auf, dass auf dem Foto im Hintergrund nicht nur eine Trump-Statue und andere aufschlussreiche Artefakte zu sehen sind, sondern auch eine offenbar eilig, aber nur notdürftig versteckte Diet-Coke-Flasche. 

Häme brach in den sozialen Netzwerken los, weil Trump ja gerade erst einen kompletten Boykott des Getränkeherstellers gefordert hatte. "Boykottieren Sie die Baseball Major League (MLB), Coca-Cola, Delta Airlines, JP Morgan Chase, ViacomCBS, Citigroup, Cisco, UPS, und Merck", hatte Trump seine Unterstützer in einer Pressemitteilung aufgefordert, weil jene Unternehmen die neuen, von Republikanern eingeführten Wahlgesetze in Georgia kritisiert hatten, da diese Minderheiten benachteiligen würden. Trump ist keiner, der gerne verzichtet, offenbar selbst dann nicht, wenn es um die eigene Sache geht.

Trump scheint viel zu tun zu haben, aber noch mehr zu sagen. Bei einer Veranstaltung mit Republikanischen Spendern in Mar-a-Lago beleidigte er ebenfalls im April schließlich den Fraktionsführer der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, als "vollkommenen Versager" und als "dummen Hurensohn". Von seinem ehemaligen Vizepräsidenten Mike Pence sei er "enttäuscht". In dieser Rede wies Trump die Anwesenden außerdem unmissverständlich auf seine Sicht hin, dass nur mit seinem Politikstil ein Erfolg bei den kommenden Wahlen möglich sein würde. Trump bleibt Trump, nicht nur, wenn es um seine politischen Feinde geht.

Volksnah, aber niemals unpolitisch

Auch sonst hält er Hof, wie man es von ihm kennt, nur jetzt eben vornehmlich in seinem Resort. Dort gibt er sich weiter volksnah. Zwar ist es ihm nach wie vor nicht möglich, selbst auf Twitter, Facebook oder Instagram zu posieren.

Doch zahlreiche von Gästen, Bediensteten oder Aktivisten hochgeladene Videos und Fotos im Club belegen Trumps Auftritte bei abendlichen Dinners und sein Winken und Zwinkern in die Smartphone-Kameras, wenn er auf dem Weg zum Golfplatz ist. Die "Mr. President"- und "God bless you"-Rufe seiner Fans scheint er zu genießen. Eine Auswahl:

Trump signiert rote "MAGA"-Cappies.

Trump verteilt 50-Dollar-Noten.

Trump diniert inmitten seiner Gäste

Selbst bei eigentlich privaten Anlässen schwingt Trump politische Reden. So veröffentlichte die Online-Boulevardzeitung "TMZ", wie Trump plötzlich bei einer Hochzeitsfeier in seinem Club auftauchte und einen Toast ausbrachte, weniger auf das Brautpaar als auf sich selbst. Stolz lobte er dabei seinen Umgang mit Großmächten wie Russland oder China, seine Steuerpolitik und seine Mauer gegen Migrationsströme.

Die letzte Attacke des Ex-Präsidenten kam dann pünktlich zur Oscar-Verleihung. Die Veranstalter sollten den Namen doch bitte zurück ändern in "The Academy Awards", forderte Trump und schrieb weiter: "Seid nicht so politisch korrekt und langweilig, und macht es richtig!" 

Schon 2020 pöbelte er gegen die Preisverleihung. Mit "Und der Gewinner ist ein Film aus Südkorea. Was zum Teufel war da denn los?" empörte er sich damals gegen die Auswahl des Films "Parasite".

Alles also wie immer? Es scheint so. Wenn Facebook nun noch wie angekündigt "bald" über die verhängte Sperre Trumps neu entscheiden will, könnte die ohnehin nur vermeintliche Stille erneut in lauteres Getöse übergehen.

Täglich Golfen und neue Krawattenfarben

Dass Trump auch jetzt regelmäßig für mehrere Stunden am Tag golfen geht, auch das ist kein echter Unterschied zu seiner Zeit als amtierender Präsident. Was sich hingegen sichtbar verändert hat, ist die Farbe seiner Krawatten. Trug er zu seinem blauen Anzug und dem weißen Hemd fast immer die ikonenhaft alarmrote Krawatte, so sieht man Trump in Mar-a-Lago inzwischen oft mit knallgelben oder pfirsichfarbenen Schlipsen auftreten.

Fast wirkt das kleine Kleidungs-Accessoire wie eine Trump-Warn-Ampel. Sie steht aktuell nicht mehr auf Rot, sondern nur auf Gelb oder Orange. Auf Grün aber wird sie wohl niemals springen. Bei Donald Trump ist immer mindestens Vorsicht geboten für die Partei, für das Land und für die Welt.

Mit ihm wird weiter zu rechnen sein, ob in New York City, in New Jersey, in Florida oder eben irgendwann auch wieder in Washington, D.C.

Verwendete Quellen:

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