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Corona | Personalausfälle wegen Omikron: Droht in den Kliniken ein Kollaps?


Warum Omikron gefährlich für die Krankenhäuser ist


15.03.2022Lesedauer: 4 Min.
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Behandlung eines Patienten auf einer Covid-Intensivstation (Archivbild): Immer mehr Pflegepersonal und Ärzte fallen aus, weil sie sich infizieren oder sich in Quarantäne begeben müssen.
Behandlung eines Patienten auf einer Covid-Intensivstation (Archivbild): Immer mehr Pflegepersonal und Ärzte fallen aus, weil sie sich infizieren oder sich in Quarantäne begeben müssen. (Quelle: imago-images-bilder)

Am Sonntag werden die Corona-Regeln vielerorts gelockert. In einigen Kliniken wird derzeit aber das Personal knapp: Viele Beschäftigte sind infiziert oder müssen in Quarantäne. Wie passt das zusammen?

Während sich Deutschland auf erhebliche Lockerungen der Corona-Maßnahmen einstellt, fallen immer neue Infektionsrekorde. Am Montag meldete das Robert Koch-Institut (RKI) eine Sieben-Tage-Inzidenz von 1.543 – so hoch war der Wert bundesweit noch nie. An manchen Tagen gibt es mehr als 200.000 Neuinfektionen.

Das geht auch an den Krankenhäusern nicht spurlos vorbei: Nicht nur die Zahl der Patienten, die mit oder wegen Covid-19 eingeliefert werden, steigt wieder – es infizieren sich auch immer mehr Klinikmitarbeitende oder sie müssen sich aufgrund eines Erstkontakts in Quarantäne begeben.

750 Ausfälle im Uniklinikum Köln

Ein besonders prominentes Beispiel: das Uniklinikum Köln. Nach Karneval fielen rund 750 Mitarbeiter aus – weil sie infiziert waren oder in Quarantäne mussten. "Die große Anzahl an gleichzeitig fehlenden Mitarbeitern ist eine enorme Herausforderung", sagte der Direktor der Klinik, Edgar Schömig, vor wenigen Tagen zu t-online. Planbare Behandlungen mussten verschoben werden. Das Problem tritt allerdings nicht nur in der Karnevalshochburg auf, auch in anderen Bundesländern kommen die Kliniken an ihre Grenzen.

"Im Bewusstsein vieler Menschen ist die Omikron-Welle eigentlich schon vorbei, in den Krankenhäusern war und ist sie das definitiv nicht", sagte die Ärztliche Direktorin des Sankt Vincentius Krankenhauses Speyer, Cornelia Leszinski, dem SWR.

Dem Bericht zufolge ist die Personalsituation in mehreren Kliniken in Baden-Württemberg angespannt, so etwa im Klinikum Ludwigshafen, in der Stadtklinik Frankenthal oder im Hetzelstift-Krankenhaus in Neustadt. In letzterem mussten zwei Stationen bereits zeitweise geschlossen und planbare Operationen verschoben werden, weil sich dort mehr als 40 Beschäftigte mit Corona infiziert hatten.

Kölner Uniklinik: Rund 750 Mitarbeitende fielen nach Karneval wegen Corona aus.
Kölner Uniklinik: Rund 750 Mitarbeitende fielen nach Karneval wegen Corona aus. (Quelle: Horst Galuschka/imago-images-bilder)

Droht der Kollaps?

Im Bezirksklinikum der medbo im bayrischen Regensburg erteilte das Gesundheitsamt vor wenigen Wochen die Genehmigung für den Einsatz von Corona-positiven Beschäftigten, um das fehlende Personal notfalls auszugleichen. Der Fall trat nicht ein – dennoch stellen sich anhand dieser Vorzeichen zwei Fragen:

Droht in der kritischen Infrastruktur der Kollaps? Und wie sinnvoll ist es dann, bereits in wenigen Tagen sämtliche Corona-Maßnahmen zu lockern?

"Derzeit infizieren sich in Deutschland mehr als 1,3 Millionen Menschen wöchentlich, natürlich ist auch das Krankenhauspersonal davon betroffen", sagt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, zu t-online. Einige Mitarbeiter seien selbst infiziert, andere seien als Kontaktperson betroffen oder ihr Kind habe sich mit Corona angesteckt. "Wir rechnen damit, dass die Personalausfälle in Krankenhäusern erst einmal weiter zunehmen", so Gaß.

Reservekliniken wegen Personalengpässen

Die Konsequenz: In einigen Bundesländern müssten bereits Reservekliniken genutzt werden, weil die normalen Kliniken keine Patienten mehr aufnehmen könnten. "Das heißt, bestimmte Patienten werden beispielsweise in Rehakliniken versorgt anstatt in einem Akutkrankenhaus", sagt Gaß. "In manchen Bereichen fehlt dort derzeit einfach das Personal aufgrund von Infektion oder Quarantäne."

Dr. Gerald Gaß (*1963) ist Vorstandsvorsitzender der DKG. Zuvor war er Geschäftsführer des Landeskrankenhauses Rheinland-Pfalz. Von 2001 bis 2008 leitete der Volkswirt und Soziologe die Abteilung Gesundheit im Rheinland-Pfälzischen Sozialministerium.

Mit Blick auf die Corona-Pläne des Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD) nach dem 20. März warnt Gaß vor vorschnellen Lockerungen: "Wenn die Zahlen dann noch mehr steigen, hat das Auswirkungen auf alle Lebensbereiche – und besonders auf die kritische Infrastruktur." Wenn es Personalengpässe in einem Krankenhaus gebe, könnten bestimmte Leistungen nicht mehr erbracht werden.

Derzeit sei man nicht in der Situation, Operationen in größerer Zahl verschieben zu müssen. Aber das Personal stehe bei größeren Ausfällen unter einer enormen Belastung, die ohnehin seit Beginn der Pandemie bestehe: "Dann kann es sein, dass Mitarbeiter weit über die Maßen belastet werden, weil es keinen Ersatz für sie gibt – das ist gefährlich", sagt Gaß. In den meisten Kliniken gebe es auch nach zwei Jahren Pandemie noch keinen Normalbetrieb.

DKG fordert Maskenpflicht in allen Innenräumen

Aus diesem Grund fordert der Vorstandsvorsitzende der DKG weiterhin Maskenpflicht in Innenräumen, auch nach dem 20. März. "Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sollte dort weitergeführt werden, wo eine hohe Infektionsgefahr besteht, solange wir diese dramatische Infektionslage haben." Das sei an Orten mit vulnerablen Gruppen, wie Krankenhäusern oder Pflegeheimen. "Aber auch im ÖPNV, in der Bahn, in Flugzeugen oder beim Einkaufen ist eine Weiterführung der Maskenpflicht sinnvoll."

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Die Pläne des Gesundheitsministeriums sehen allerdings vor, dass im Einzelhandel und im Supermarkt auf eine Maske verzichtet werden darf. An Orten, wo sich die Corona-Lage zuspitzt, sollen schärfere Auflagen verhängt werden können: Maskenpflichten, Abstandsgebote, Hygienekonzepte sowie Impf-, Genesenen- oder Testnachweise (3G/2G/2G plus) – aber nur, wenn sich vorher das jeweilige Landesparlament damit befasst hat.

Kritik an Lauterbachs Plänen: "Bund muss wirklich nachbessern"

Mehrere Bundesländer hatten den Entwurf des Gesundheitsministeriums zuvor kritisiert. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sprach von einem entstehenden Flickenteppich an Regeln. Der bayrische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) sagte der "Augsburger Allgemeinen": "Der Bund muss wirklich nachbessern und sollte die Maßnahmen bundesweit noch einmal um zwei oder drei Monate verlängern und die Verantwortung jetzt nicht an die Länder abwälzen, während sich die Infektionslage verschlimmert."

Hendrik Wüst: Der NRW-Ministerpräsident kritisiert Lauterbachs Corona-Pläne.
Hendrik Wüst: Der NRW-Ministerpräsident kritisiert Lauterbachs Corona-Pläne. (Quelle: Political-Moments/imago-images-bilder)

DKG-Chef Gaß warnt vor einer möglichen Zunahme der Intensivbettenbelegung in den kommenden Wochen: "Die Zahlen steigen, sowohl bei der Inzidenz als auch bei den Belegungszahlen positiv getesteter Patienten." Man hoffe jedoch auf die höheren Temperaturen und darauf, dass sich die Menschen mehr im Freien aufhielten. "Wir müssen über die Wochen hinwegkommen, in denen die Öffnungen greifen und womöglich erst einmal zu einer Steigung der Infektionszahlen führen", sagt Gaß.

Momentan nähmen die Belegungszahlen auf den Intensivstationen noch ab. Auch wenn es also derzeit so viele Corona-Fälle wie nie zuvor gibt, sind die Verläufe bei der Omikron-Variante und angesichts der höheren Impfquote im Durchschnitt weniger schwer. Eine häusliche Isolation ist dennoch erforderlich.

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Größere Belastung durch Flüchtlinge aus der Ukraine

Hinzu kommt laut Gaß jedoch eine Mehrbelastung durch die Versorgung von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine. Bis Montag überquerten laut Bundesinnenministerium rund 147.000 Geflüchtete die Grenze. "In der Ukraine ist die Impfquote mit rund 35 Prozent Erstimpfungen sehr niedrig", so Gaß. Außerdem werde dort vermehrt der chinesische Impfstoff genutzt, der kaum vor der Omikron-Variante schütze.

Ein Kollaps der kritischen Infrastruktur ist derzeit allerdings noch nicht in Sicht. Die nun geplanten Lockerungen könnten viele Krankenhäuser jedoch erneut in die Bredouille bringen. "Mit den Maßnahmen läuft auch der finanzielle Rettungsschirm für Gesundheitseinrichtungen aus", gibt DKG-Chef Gaß zudem zu Bedenken. Es gebe Überlegungen, diesen zu verlängern, aber das müsse jetzt passieren. "Wenn ein Krankenhaus in finanzielle Probleme gerät, wäre das hochproblematisch."

Verwendete Quellen
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