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Nach Messerangriff in Polizeistation: Warum immer Paris?

MEINUNGWas heute wichtig ist  

Warum immer Paris?

Von Florian Wichert

04.10.2019, 08:41 Uhr
 (Quelle: Reuters)
Messerangriff in Paris: Täter arbeitete bei der Polizei

Bei einem Angriff in der Pariser Polizeizentrale kamen vier Menschen und der Täter ums Leben. Der Angreifer wurde von Polizisten erschossen. Dabei handele es sich um einen Mitarbeiter aus der Verwaltung, der bereits lange bei der Polizei sei. (Quelle: Reuters)

Messerangriff in Paris: Der Täter arbeitete lange Zeit bei der Polizei. (Quelle: Reuters)


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Der Newsletter von Chefredakteur Florian Harms

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

hier ist der kommentierte Überblick über die Themen des Tages, heute von mir als Stellvertreter von Florian Harms:

WAS WAR?

Ein langjähriger Mitarbeiter der Polizeiverwaltung ersticht vier Kollegen mit einem Messer und wird dann mit einer Dienstwaffe von einem weiteren Kollegen erschossen. Mitten in Paris. Mitten im Polizeipräsidium. Mitten am Tag.

Schock, Drama, Tragödie. Schon wieder fallen diese Begriffe im Zusammenhang mit der gebeutelten französischen Hauptstadt.

Ein Rückblick:

  • Am 7. Januar 2015 stürmen zwei Täter die Redaktionsräume der Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo", zwölf Personen werden getötet.
  • Einen Tag darauf, am 8. Januar 2015, ermordet ein syrisch-französischer Attentäter in einem Pariser Supermarkt für koschere Waren vier jüdische Personen und nimmt mehrere Geiseln.
  • Am 13. November 2015 sterben bei den verheerenden Terroranschlägen insgesamt 130 Menschen, 683 werden verletzt. Nachdem es erste Detonationen am Stade de France während eines Freundschaftsspiels zwischen der französischen und der deutschen Fußballnationalmannschaft gab, stürmen in der Nacht schwer bewaffnete Angreifer das Bataclan-Theater während eines Rockkonzerts. Allein dort sterben 89 Menschen.
  • Am 20. April 2017 greift ein Attentäter auf den Champs-Èlysées mehrere Polizeibeamte mit einer Waffe an und erschießt einen von ihnen.
  • Am 12. Mai 2018 attackiert ein Attentäter mehrere Menschen mit einem Messer, einen tötet er.
  • Am 12. Januar 2019 gibt es eine Explosion in einer Pariser Bäckerei. Vier Menschen sterben, es gibt weitere Verletzte.
  • Am 15. und 16. April 2019 gibt es einen Großbrand in der Kathedrale Notre-Dame de Paris. Das Wahrzeichen, Weltkulturerbe, das Herz von Paris. Die Bilder gehen um die Welt.

Das sind nur einige der schlimmsten Vorfälle. Es sind viel zu viele für eine einzige Stadt.

Die Gründe sind vielschichtig, die Fälle nicht vergleichbar. Terrorgruppen haben in Erklärungen oder Bekennerschreiben immer wieder Frankreichs Rolle bei militärischen Eingriffen in Afghanistan genannt, vom IS wird Paris als "gottlos" beschrieben. Paris als ein oder vielleicht das Symbol für westliches Leben und westliche Werte – für die es stellvertretend angegriffen wird. Beim Großbrand von Notre-Dame war es womöglich ein Kurzschluss, beim Bäckerei-Brand ein Gasleck. Und beim gestrigen Angriff sind die Hintergründe noch unklar.

Der Täter soll nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP vor 18 Monaten zum Islam konvertiert sein und stammte von der Insel Martinique. Ob dies mit der Tat zusammenhängt? Unklar. Anti-Terror-Ermittler wurden nicht eingeschaltet, wie der Pariser Staatsanwalt Rémy Heitz mitteilte. Es soll auch Hinweise auf einen Konflikt mit Kollegen geben.

Trotzdem bleibt die Frage: Warum immer Paris?

Was auch immer die Ermittlungen ergeben: Hoffentlich kommt die Stadt anschließend endlich zur Ruhe.

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WAS STEHT AN?

Niklas Kaul holt gestern Abend sensationell Gold für Deutschland. Die Tribünen im Hintergrund sind weitgehend leer. (Quelle: dpa/Michael Kappeler)Niklas Kaul holt gestern Abend sensationell Gold für Deutschland. Die Tribünen im Hintergrund sind weitgehend leer. (Quelle: Michael Kappeler/dpa)

Leichtathleten haben es nicht leicht. Sie können sich nicht wie im Mannschaftssport hinter Mitspielern verstecken. Sie bekommen viel weniger Geld und nur selten so eine Bühne wie viele Mannschaftssportler. Allein die Fußballer – beispielsweise in der deutschen Bundesliga – spielen jede Woche mindestens einmal vor Zehntausenden Zuschauern im Stadion – und Millionen im TV.

Leichtathleten dagegen haben nur wenige Chancen, sich zu zeigen und somit wichtige Sponsoren zu gewinnen. Einmal im Jahr ein volles Stadion, einmal gute Einschaltquoten im TV, einmal eine Topleistung und dann vielleicht eine Medaille – das ist der Traum eines Leichtathleten. Zum Beispiel bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft, dem mit Abstand größten und wichtigsten Ereignis des Jahres, wenn keine Olympischen Spiele anstehen. Leichtathleten trainieren Tag für Tag und Woche für Woche, um sich einmal im Jahr präsentieren zu können. Schon eine kleine Verletzung oder Magenverstimmung kann dazu führen, dass dieser Traum platzt – und das ganze Training vorerst umsonst war. Doch die Liebe zu ihrem Sport treibt sie an.

Und dann kommt die WM in Doha/Katar, die noch bis Sonntag läuft – und das Stadion ist halb oder ganz leer. Eine Geisterkulisse. Ohne Stimmung. Selbst beim sensationellen Gold-Gewinn des 21-jährigen Niklas Kaul im Zehnkampf gestern Abend

Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler stellte fest: "Die ersten Tage im TV waren schon traurig und ernüchternd. Das war nicht die Sportart, die ich liebe." Da ist er nicht der Einzige. "Die Entscheidung für Doha wurde sicher getroffen, weil die Reibung zwischen Daumen und Zeigefinger gestimmt hat. Es war auf jeden Fall nicht aus der Perspektive der Athletenfreundlichkeit", so formulierte es Kugelstoßerin Christina Schwanitz, die gestern Abend Bronze holte. 

Die Tendenz im Sport ist klar: Die Sportevents finden dort statt, wo das meiste Geld vorhanden ist. Weltmeisterschaften im Handball (2015), Radsport (2016), Turnen (2018) oder nun in der Leichtathletik in Katar, Olympische Winterspiele in Sotschi (2014) oder Pyeongchang (2018) waren erst der Anfang. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 findet in Katar statt, die Olympischen Winterspiele im gleichen Jahr in Peking. In Katar hält sich die Begeisterung für den Fußball komplett in Grenzen, in Peking die für den Wintersport. Gut möglich, dass die Spiele ohne Naturschnee stattfinden.

Für Fußballer ist eine WM in Katar nicht gut, aber sie ist zu verkraften, weil Spieler trotzdem Millionen-Gehälter und auch so ihre Bühne bekommen – für Leichtathleten ist es eine Katastrophe.

Und für den Sport an sich, weil er echten Fans die Chance nimmt, bei den Events hautnah dabei zu sein. 

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In Luxemburg treffen sich heute ab 9.30 Uhr die EU-Umweltminister. Sie wollen unter anderem über den Plan debattieren, die europäische Wirtschaft bis 2050 "klimaneutral" zu machen. Bisher tragen dieses Ziel nicht alle EU-Staaten mit. Beschlüsse werden nicht erwartet. Hier geht es also wohl erstmal schleppend voran.

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Horst Seehofer und der türkische Innenminister Süleyman Soylu.  (Quelle: AP/dpa/Ali Unal)Horst Seehofer und der türkische Innenminister Süleyman Soylu. (Quelle: Ali Unal/AP/dpa)

Gestern war Bundesinnenminister Horst Seehofer in Ankara, um der Türkei vor Beratungen über den wackelnden Flüchtlingspakt weiter Unterstützung zuzusagen. Am heutigen Freitag wird er zu Gesprächen in Athen erwartet. Bei einem Treffen mit dem Bürgerschutz- sowie dem Migrationsminister Griechenlands soll es um die steigenden Flüchtlingsankünfte in der Ägäis und die schlechte Situation in den Flüchtlingslagern auf den Inseln gehen. Auch EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos nimmt an den Gesprächen teil. Der französische Innenminister Christophe Castaner hat die Teilnahme kurzfristig wegen der Attacke in Paris abgesagt.

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Bundestrainer Joachim Löw gibt heute den Kader für die nächsten Länderspiele gegen Argentinien am nächsten Mittwoch (9. Oktober) und Estland am Sonntag darauf (13. Oktober) bekannt. An Argentinien und das erfolgreiche WM-Finale 2014 haben wir hervorragende Erinnerungen. Leider sind von den Spielern, die damals auf dem Platz standen, nur noch zwei dabei: Kapitän Manuel Neuer und Toni Kroos. Auch der Glanz von damals ist irgendwie weg. Vielleicht hilft eine Neuauflage dieses Klassikers, damit sich das wieder ändert. Die Vorzeichen sind allerdings überschaubar. Leroy Sané, Kevin Trapp, Antonio Rüdiger, Leon Goretzka, Nico Schulz, Julian Draxler und Thilo Kehrer fehlen verletzt.

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DIE GUTE NACHRICHT

Hass, Frust und Pöbeleien: Soziale Netzwerke können wahnsinnig negativ und nervig sein. Sie können aber auch Positives bewirken. So wie in diesem Fall. Ein Polizist filmte in einer U-Bahnstation in Los Angeles die russische Obdachlose Emily Zamourka, als diese dort eine Opernarie von sich gab. Das Video wurde zum Hit im Internet – und landete am Ende bei einem renommierten Musikproduzenten, der ihr offenbar mittlerweile einen Plattenvertrag angeboten hat. Eine gute, aber nicht die einzige erfreuliche Nachricht für Emily Zamourka.

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WAS LESEN ODER ANHÖREN?

In wenigen Wochen feiert Deutschland 30 Jahre Mauerfall. Am gestrigen 3. Oktober feierte es 29 Jahre deutsche Einheit. Ja, Deutschland ist vereint. Doch es ist auch eine kulturelle Entfremdung spürbar. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Bundestag, Carsten Schneider, hat deshalb in einem Gastbeitrag erläutert, wie die Politik gegensteuern muss und welche Möglichkeiten sie dafür hat. Sogar von der DDR könne sie eine Idee übernehmen.

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David Hasselhoff an der East Side Gallery in Berlin, wo er vor Kurzem sein Hörbuch "Up Against The Wall" promotet hat. (Quelle: imago images/Future Image)David Hasselhoff an der East Side Gallery in Berlin, wo er vor Kurzem sein Hörbuch "Up Against The Wall" promotet hat. (Quelle: Future Image/imago images)

Die deutsche Einheit und der Mauerfall – diese Daten sind auch eng verbunden mit diesem Namen: David Hasselhoff. Der performte kurz nach dem Fall der Berliner Mauer am Brandenburger Tor, woraufhin sein Song "Looking For Freedom" für viele Ostdeutsche zur Freiheitshymne wurde. Im Interview mit Janna Specken, Sandra Sperling und Nicolas Lindken spricht er über sein Verhältnis zu seinen deutschen Fans und verrät, ob er sich wirklich für den Mann hält, der für den Mauerfall verantwortlich ist.

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Die AfD will den Widerstand gegen die Klimaschutzpläne zu ihrem neuen Hauptthema machen. In Europa stürzen ihre Brüder und Schwestern im Geiste reihenweise ab. Unsere Kolumnistin Lamya Kaddor hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt: Hat der (Rechts-)Populismus fertig? 

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Nico Hülkenberg. (Quelle: imago/t-online.de)Nico Hülkenberg. (Quelle: imago/t-online.de)

Für Experten gehört Nico Hülkenberg zu den absoluten Topfahrern der Formel 1. Mit 32 Jahren und fast zehnjähriger Erfahrung in der Königsklasse des Motorsports ist er mittlerweile auch ein echtes Urgestein und kennt die Fahrer und Strecken in- und auswendig. "Königsklasse" heißt auch unser Sport-Podcast mit Sportmoderator Florian König. Der hat mit Hülkenberg ein ausführliches Gespräch geführt. Nachdem Hülkenberg in Teil 1 erklärt hat, warum er trotz seiner Klasse nie bei einem Topteam wie Ferrari gelandet ist, spricht er in Teil 2 über seine Zukunft – in und nach der Formel 1. Und er erklärt, welche Folgen es hat, dass die Fahrer im Schnitt immer jünger werden.

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WAS AMÜSIERT MICH?

Zurück zur Leichtathletik-WM und den leeren Rängen ... 

 (Quelle: Mario Lars) (Quelle: Mario Lars)

Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Tag. Morgen hören Sie wie gewohnt Florian Harms im Tagesanbruch-Podcast am Wochenende. Am Montag schreibt mein Kollege Peter Schink für Sie. 

Ihr

Florian Wichert
Stellvertretender Chefredakteur t-online.de
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Twitter: @florianwichert

Mit Material von dpa.

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