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Wetter in Deutschland: Sturmtief "Sabine" verursacht zahlreiche Stromausfälle

Zehntausende Haushalte betroffen  

Sturmtief "Sabine" verursacht zahlreiche Stromausfälle

10.02.2020, 15:24 Uhr | sth, AFP, dpa

Orkantief "Sabine": Sturmfluten erreichen Küsten, Fernverkehr läuft wieder an

Am Sonntagabend erreichte Orkantief "Sabine" Deutschland. Sturmfluten haben die Küsten erreicht. Bereits in der Nacht waren vielerorts Bäume entwurzelt worden, der Fernverkehr der Deutschen Bahn läuft seit dem Vormittag wieder an. (Quelle: t-online.de)

Sturmfluten an den Küsten, Kran auf dem Frankfurter Dom: So wütete Orkantief "Sabine" in Deutschland. (Quelle: t-online.de)


Sturmtief "Sabine" zieht über Deutschland hinweg. Der Bahnverkehr war eingestellt, Flüge entfielen, Bäume stürzten auf Straßen. In mehreren Regionen mussten Zehntausende ohne Strom auskommen.

Das Orkantief "Sabine" hat in mehreren Regionen Deutschlands für Stromausfälle gesorgt. Zehntausende Haushalte mussten vorübergehend ohne Strom auskommen, viele Zugfahrten und Flüge fielen aus.

Betroffen waren am Morgen vor allem mehrere Regionen in Bayern. Etwa drei Stunden nach Mitternacht habe es erste Stromausfälle in Unterfranken gegeben, teilte die Bayernwerk AG in Regensburg mit. Gegen 5 Uhr weiteten sich die Stromausfälle auf Oberfranken aus, in den Morgenstunden auf die Oberpfalz und Oberbayern. Rund 50.000 Haushalte waren ohne Strom.

"Ursache für die Ausfälle sind meistens Bäume oder Äste, die Stromleitungen berühren oder beschädigen", erklärte ein Sprecher. Die ersten Kunden in Oberfranken würden über sogenannte Schaltmaßnahmen wieder versorgt. Techniker seien in allen Regionen des Bayernwerk-Netzgebiets im Einsatz oder in Bereitschaft.

Stromausfälle auch in Ostdeutschland

Zahlreiche Ausfälle meldete die Firma Mitnetz Strom in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg: Am Montagvormittag waren jeweils 500 Kunden in Mittelsachsen, im Vogtlandkreis und im Umland von Cottbus betroffen, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Zur Spitzenzeit – gegen 5 Uhr morgens – waren zeitgleich sogar 6.500 Kunden ohne Strom. 

Für die Mitarbeiter sei es teilweise sehr schwierig, die Leitungen und Anlagen zu erreichen, sagte die Sprecherin. Durch Sturmschäden sind viele Straßen und Waldgebiete gesperrt. Mitnetz Strom hat Kunden in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Brandenburg.

Welche Schäden hat "Sabine" bisher in Europa angerichtet?

Das Orkantief "Sabine" hat nicht nur in Deutschland, sondern auch in weiten Teilen Europas große Schäden angerichtet. Das Zentrum des Sturms, der in Ländern wie Großbritannien, Frankreich und Belgien "Ciara" genannt wird, lag erst nördlich von Schottland und verlagerte sich dann zur norwegischen Küste. Vor allem im Nordwesten des Kontinents blieben deshalb Haushalte ohne Strom, Zugfahrten und Flüge fielen aus. Einige Menschen starben. 

Großbritannien: In einigen Regionen hat der Sturm innerhalb von 24 Stunden so viel Regen gebracht, wie sonst in eineinhalb Monaten fällt. Mehr als 20.000 Haushalte waren in der Nacht zum Montag vom Strom abgeschnitten. Überschwemmungen und umgestürzte Bäume behinderten den Verkehr auf Straßen und Schienen erheblich. Auch der Flugverkehr wurde eingeschränkt.

Belgien: Dort verursachte der Sturm etliche Schäden. Laut ersten Medienberichten wurde niemand verletzt, als vielerorts im Land Bäume und Baugerüste umstürzten und die Böen Dächer abdeckten. Züge fuhren auf vielen Strecken verspätet oder eingeschränkt. Im Hafen von Antwerpen kippten aufeinandergestapelte Container um.

Frankreich: Zunächst waren rund 130.000 Haushalte ohne Strom. Betroffen waren nach Angaben des Netzbetreibers Enedis der Großraum Paris sowie Nord- und Ostfrankreich, wo auch zahlreiche Verbindungen mit Regionalzügen entfielen. Für mehr als 30 Départements dauerte die vom französischen Wetterdienst Météo-France ausgerufene erhöhte Alarmbereitschaft am Montag an. Dutzende Flüge fielen aus.

Polizeiauto vor einem Strommast: Am Montagmittag gab es ein Problem mit der den Rhein überspannenden Hochspannungsleitung. Der Fluss wurde für die Schifffahrt zwischen Düsseldorf und Krefeld gesperrt. (Quelle: dpa/David Young)Polizeiauto vor einem Strommast: Am Montagmittag gab es ein Problem mit der den Rhein überspannenden Hochspannungsleitung. Der Fluss wurde für die Schifffahrt zwischen Düsseldorf und Krefeld gesperrt. (Quelle: David Young/dpa)

Österreich und Schweiz: Es kam zu Beeinträchtigungen im Flug-, Bahn- und Straßenverkehr. In der schweizerischen Gemeinde Wald krachte eine S-Bahn am Montagmorgen in einen umgestürzten Baum. Verletzt wurde niemand, wie die Nachrichtenagentur SDA berichtete. Ein ähnlicher Unfall ereignete sich am Sonntagabend in Moutier im Kanton Bern, auch dort gab es keine Verletzten. An den Flughäfen Zürich, Basel-Mülhausen und Wien fielen durch den Sturm seit Sonntagabend zahlreiche Flüge aus.

Tschechien: Am Montagmorgen waren rund 100.000 Haushalte ohne Elektrizität, weil Stromleitungen durch umstürzende Bäume beschädigt wurden, wie Energieversorger mitteilten. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz, um Straßen freizuräumen und Dächer zu sichern – innerhalb einer Stunde wurden landesweit mehr als 250 Einsätze gezählt. Im südböhmischen Bezirk Prachatice wurde ein Mensch leicht verletzt, als ein Baum auf ein Auto krachte. Im Bahnverkehr kam es zu zahlreichen Zugausfällen und Verspätungen.

Polen: Im Skiresort Bukowina Tatrzańska im Süden des Landes wurden eine Frau und ihre Tochter auf einem Parkplatz von herabfallenden Dachteilen erschlagen. Laut einem Polizeisprecher wurden eine weitere Frau und ein Junge bei dem Unglück verletzt und mit leichteren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Am Montag waren zudem mehr als 55.000 Haushalte ohne Strom, wie die Nachrichtenagentur PAP berichtete. Bis 6 Uhr morgens mussten die Feuerwehren landesweit zu mehr als 1.100 Einsätzen ausrücken, um unter anderem Bäume von den Straßen zu räumen.

Estland und Litauen: Auch in Estland waren am Montag 2.300 Haushalte ohne Elektrizität. In Litauen waren es gut 3.000 Haushalte, wie die örtlichen Stromversorger mitteilten. Besonders betroffen waren Haushalte in den küstennahen Regionen an der Ostsee. Wegen der starken Winde und der damit verbundenen hohen Wellen kam der Fährbetrieb teilweise zum Erliegen. Auch der Flugverkehr war betroffen: Der Frühflug der lettischen Fluglinie Air Baltic von Riga nach München am Montagmorgen wurde durch den Sturm zum Umkehren gezwungen, wie eine Sprecherin des Flughafens in Riga mitteilte.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa, AFP

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