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Ukraine: Massiver Luftangriff Russlands – Kinderklinik in Kiew getroffen


"Russische Mistkerle"
Angriffe in der ganzen Ukraine: Viele Tote, mehr als 100 Verletzte

Von dpa, reuters, sic

Aktualisiert am 08.07.2024Lesedauer: 4 Min.
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Kiew: Augenzeugenvideos zeigen eine massive Explosion. (Quelle: t-online)
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Es ist einer der schwersten Luftangriffe seit Wochen: Mindestens 20 Menschen sind am Montag durch russische Raketen ums Leben gekommen. Die größte Kinderklinik des Landes liegt in Trümmern.

Einen Tag vor dem Nato-Gipfel in Washington sind durch schwere Raketenangriffe auf die Ukraine mindestens 31 Menschen getötet worden. Innenminister Ihor Klymenko schrieb auf Telegram außerdem von 125 Verletzten. Die ukrainische Luftwaffe hat nach eigenen Angaben bei einem russischen Angriff 30 von 38 Raketen abgefangen. Die russischen Streitkräfte hätten Marschflugkörper, ballistische Raketen, Luftwaffenraketen und Lenkflugkörper eingesetzt und auf mehrere Städte gezielt.

Betroffen waren demnach vor allem die Industriestadt Krywyj Rih im Süden der Ukraine sowie die Hauptstadt Kiew. In Kiew wurde ein großes Kinderkrankenhaus getroffen, wie Präsident Wolodymyr Selenskyj im sozialen Netzwerk X schrieb.

Die Zahl der Opfer im Okhmatdyt-Krankenhaus stehe bisher nicht fest. Der Staatschef veröffentlichte dazu ein kurzes Video, das zerstörte Krankenzimmer und Blutspuren auf dem Fußboden zeigte. Selenskyj sprach davon, dass Menschen verschüttet seien. "Alle helfen, die Trümmer zu beseitigen – Ärzte und andere Leute", schrieb er.

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Selenskyj: "Was für ein Zynismus"

Selenskyj wies russische Behauptungen zu einem ukrainischen Flugabwehrfehler zurück. "Was für ein Zynismus, den die Mistkerle im Kreml an den Tag legten, dass es angeblich die ukrainische Flugabwehr und kein gezielter Raketenschlag war", sagte der ukrainische Staatschef auf einer Pressekonferenz mit dem polnischen Regierungschef Donald Tusk in Warschau.

Selenskyj dankte allen, die Videos ins Internet gestellt haben, "auf denen konkret zu sehen ist, dass es nicht nur ein Teil der einen oder anderen Rakete ist, sondern ein direkter Raketenschlag ist, mit dem viele Menschen getötet und verletzt wurden".

Zuvor hatte das russische Verteidigungsministerium in einer Erklärung behauptet, dass eine vom Stadtrand abgefeuerte Flugabwehrrakete die Schäden verursacht habe. Kiew versuche auf diese Weise, vor dem am Dienstag anstehenden Gipfel der Nato-Staaten in Washington weitere Finanzhilfen bei den westlichen Verbündeten herauszuschlagen.

Helfer suchen nach Opfern

Gesundheitsminister Wiktor Ljaschko zufolge wurden in der Klinik Abteilungen für Dialyse, Krebsbehandlung, Operationssäle und die Intensivstation beschädigt. Hunderte Anwohner halfen Rettungskräften, Trümmer zu räumen und nach Opfern zu suchen.

Auch der deutsche Botschafter in der Ukraine, Martin Jaeger, besuchte nach eigenen Angaben nach dem Luftangriff die Okhmatdyt-Klinik. "Die Ärzte behandeln Kinder auf der Straße. Kleine Krebs- und Dialysepatienten sitzen mit ihren Müttern auf dem Bürgersteig", berichtete Jaeger auf der Plattform X. "Feuerwehr, Rettungskräfte und viele Freiwillige helfen vor Ort. Auch wir helfen – tun, was wir können."

Die Bundesregierung hat die schweren russischen Raketenangriffe auf die Ukraine scharf verurteilt. Man fordere den russischen Präsidenten Wladimir Putin auf, "diesen Angriffskrieg auf so viele unschuldige Menschen unverzüglich zu beenden", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin. Insbesondere die Lage der Zivilisten und der Kinder in der Ukraine sei "in großen Teilen dramatisch." Sie seien seit mehr als zwei Jahren "einem brutalen Angriffskrieg ausgesetzt, der unterscheidungslos Opfer fordert, und zwar durch russische Bomben und Angriffe, die durch nichts zu rechtfertigen sind".

Weitere Städte betroffen – mindestens zehn Tote in Krywyj Rih

In der Dreimillionenstadt Kiew wurden nach ersten Angaben der Stadtverwaltung mindestens sieben Menschen getötet und mindestens neun verletzt. Der private Stromversorger DTEK berichtete von Schäden an drei Trafostationen in der Hauptstadt.

Der Militärverwaltung von Krywyj Rih zufolge gab es nach Einschlägen mindestens zehn Tote und mehr als 30 Verletzte. Über Schäden wurde auch aus der Großstadt Dnipro berichtet. Weitere Ziele waren demnach die frontnahen Städte Slowjansk und Kramatorsk im ostukrainischen Gebiet Donezk. Angaben zu Treffern auf militärische Ziele oder Rüstungsfabriken wurden nicht gemacht.

Zeitpunkt des Angriffs ungewöhnlich

Das russische Militär setzte bei dem Angriff Selenskyjs Angaben zufolge mehr als 40 Raketen ein. Ungewöhnlich war, dass die schwere Attacke tagsüber stattfand zu Beginn der Arbeitswoche. Schon in der Nacht hatte es Luftangriffe mit Drohnen, Marschflugkörpern und Raketen gegeben.

Die Ukraine wehrt seit über zwei Jahren mit westlicher Hilfe eine russische Invasion ab und drängt immer wieder auf die Bereitstellung moderner Flugabwehrsysteme. Nach jüngsten Angaben hat die Ukraine vier der besonders leistungsfähigen Patriot-Systeme aus US-Produktion bekommen, braucht aber nach eigener Einschätzung viel mehr.

Und so drängte ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umerow die Verbündeten seines Landes, rasch über die Lieferung weiterer Luftabwehrsysteme zu entscheiden. "Unsere Verteidigungsfähigkeiten sind immer noch unzureichend", schrieb Umerow auf Telegram nach der massiven Welle russischer Raketenangriffe. "Wir brauchen mehr Luftabwehrsysteme."

Niederlande will Patriot schicken

Ein weiteres Patriot-System soll aus den Niederlanden kommen. Das bekräftigten Außenminister Caspar Veldkamp und Verteidigungsminister Ruben Brekelmanns von der neuen Regierung bei einem Treffen mit dem ukrainischen Außenamtschef Dmytro Kuleba, wie die Agentur Unian berichtete. Dass ein System zur Verfügung gestellt wird, war im Juni von der Vorgängerregierung in Den Haag angekündigt worden. Ein genauer Zeitpunkt für die Lieferung wurde nicht genannt.

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Ein weiteres Patriot-System wird von Rumänien in Aussicht gestellt. Kiew hofft zudem auf weitere Zusagen beim Nato-Gipfel, der am Dienstag in Washington beginnt. Unter anderem sind bis zu sechs Patriot-Systeme aus Israel im Gespräch. Die Frage der Unterstützung für die Ukraine ist ein zentrales Thema für das Treffen des westlichen Verteidigungsbündnisses.

Orbán auf selbsterdachter Friedensmission

Als Vermittler in dem seit mehr als zwei Jahren dauernden Krieg hat sich zuletzt der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán mit Besuchen in Kiew, Moskau und Peking versucht. Mehr dazu lesen Sie hier.

Auch wenn Ungarn derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, wird die Mission in Brüssel aber als nicht abgesprochen kritisiert und als Orbáns Privatinitiative gesehen. Präsident Wladimir Putin übergebe durch Orbán keine Botschaft an US-Präsident Joe Biden oder den Nato-Gipfel, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow in Moskau.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagenturen dpa und Reuters
  • x.com: Beitrag von @MJaegerT
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