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Boeing verbrennt Milliardensumme durch 737-Max-Krise


Flugzeugbauer
Boeing verbrennt Milliardensumme durch 737-Max-Krise

Von dpa
24.04.2024Lesedauer: 3 Min.
Boeing 737-9 MaxVergrĂ¶ĂŸern des BildesDer dramatische Zwischenfall mit einer Boeing 737-9 Max hat den Flugzeugbauer viel Geld gekostet. (Quelle: Ted S. Warren/AP/dpa/dpa-bilder)
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Der dramatische Zwischenfall mit einer Boeing 737-9 Max hat den Flugzeugbauer viel Geld gekostet. Auch der geplante Produktionsausbau stockt. Boeing verspricht einen Fokus auf QualitÀt.

Die Krise um den Mittelstreckenjet 737 Max kommt Boeing teuer zu stehen. Allein im ersten Quartal verbrannte der Flugzeugbauer fast vier Milliarden US-Dollar an Barmitteln. Der US-Konzern musste nach einem Beinahe-UnglĂŒck und ProduktionsmĂ€ngeln die Auslieferungen seiner wichtigsten Flugzeugfamilie drosseln. Allein EntschĂ€digungen an Airlines fĂŒr ein mehrwöchiges Startverbot beim Modell 737-9 Max nach dem Zwischenfall schlugen mit 443 Millionen Dollar zu Buche.

Konzernchef Dave Calhoun sprach am Mittwoch von einer "kurzfristig" schwierigen Phase fĂŒr das Unternehmen. Die geringeren Auslieferungszahlen könnten zwar fĂŒr die Finanzen des Konzerns und seine Kunden schwierig sein. "Aber Sicherheit und QualitĂ€t mĂŒssen und werden ĂŒber allem stehen."

Trotz des Verlusts und der hohen MittelabflĂŒsse lief es fĂŒr Boeing zumindest finanziell nicht so schlimm wie befĂŒrchtet. Mit 3,9 Milliarden Dollar verschliss der Konzern im ersten Quartal eine halbe Milliarde weniger Barmittel als von Analysten erwartet - und nicht so viel wie von Finanzchef Brian West zuletzt in Aussicht gestellt. Der Verlust lag mit 355 Millionen Dollar sogar 16 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor und war nur rund halb so hoch wie von Experten geschĂ€tzt.

Produktions- und Kontrollprozesse unter der Lupe

Boeing steckt schon seit den AbstĂŒrzen zweier 737-Max-Jets mit 346 Toten vor mehr als fĂŒnf Jahren in einer Dauerkrise. Ein mehr als 20-monatiges Startverbot fĂŒr die Maschinen der Reihe und Probleme mit weiteren Modellen warfen den Hersteller seit MĂ€rz 2019 weit hinter seinen europĂ€ischen Rivalen Airbus zurĂŒck.

Als auf einem Flug von Alaska Airlines Anfang Januar 2024 schließlich ein Rumpfteil aus einer fast neuen 737-9 Max herausbrach, griff die US-Luftfahrtbehörde FAA durch. ZunĂ€chst durften Maschinen bis zu einer technischen ÜberprĂŒfung nicht mehr starten. Zudem nimmt die Behörde die Produktions- und Kontrollprozesse unter die Lupe.

Vor allem darf Boeing die Produktion der gesamten 737-Reihe vorerst nicht mehr ĂŒber 38 Maschinen pro Monat ausweiten. Die zuvor geplante Steigerung auf rund 50 Flugzeuge der 737 pro Monat ist damit vorlĂ€ufig nicht möglich. Airlines wie die Billigflieger Southwest und Ryanair mussten deshalb ihre FlugplĂ€ne zusammenstreichen.

Damit fĂ€llt Boeing noch weiter hinter Airbus zurĂŒck: Der europĂ€ische Hersteller baute von seinen Mittelstreckenjets der A320neo-Familie zuletzt schon monatlich etwa 50 Exemplare. Und Airbus-Chef Guillaume Faury will die Produktion der Reihe bis zum Jahr 2026 auf das Rekordniveau von 75 Maschinen pro Monat ausweiten.

Produktion der 737-Reihe zurĂŒckgefahren

Boeing hingegen fuhr die Produktion der 737-Reihe im ersten Quartal noch stĂ€rker zurĂŒck als von Aufsicht gefordert. Über alle Modelle hinweg lieferte der Hersteller nur 83 Passagier- und Frachtjets aus - 36 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Probleme gibt es auch beim geplanten Ausbau der Produktion des Langstrecken-Modell 787 Dreamliner - wegen EngpĂ€ssen bei einigen Bauteilen. So bezog Boeing frĂŒher WĂ€rmetauscher fĂŒr das Modell aus Russland. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine sei der Auftrag an einen neuen Zulieferer vergeben worden, der seine KapazitĂ€t nicht schnell genug ausbaue, sagte Calhoun in einer Telefonkonferenz. Außerdem mĂŒssten einige Airlines lĂ€nger auf Flugzeugsitze warten. Nun will Boeing erst zum Jahr 2026 die Produktion auf zehn 787 monatlich ausbauen - und bis Ende dieses Jahres zunĂ€chst einmal auf fĂŒnf Flugzeuge pro Monat kommen.

Der Umsatz der Verkehrsflugzeugsparte brach im vergangenen Quartal um 31 Prozent ein. Dass der Erlös konzernweit nur um acht Prozent auf knapp 16,6 Milliarden Dollar sank, verdankte Boeing ZuwĂ€chsen im RĂŒstungs-, Raumfahrt- und Service-GeschĂ€ft.

Boeing-Chef Calhoun warb am Mittwoch um Geduld: "Wir nehmen uns die nötige Zeit, um unsere Systeme zur Sicherung von QualitĂ€t und Sicherheit zu stĂ€rken." Im MĂ€rz hatte der Manager ĂŒberraschend seinen RĂŒckzug zum Jahresende angekĂŒndigt. Der bisherige Chef der Verkehrsflugzeugsparte, Stan Deal, gab seinen Posten sogar mit sofortiger Wirkung an Stephanie Pope ab, die erst Anfang Januar zur Chefin des konzernweiten TagesgeschĂ€fts aufgestiegen war.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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