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Blackrock sitzt auf 4 Billionen Dollar: Wer regiert die Welt wirklich?


ARD-Dokumentation  

Wer regiert die Welt wirklich?

14.01.2014, 18:58 Uhr | bv, t-online.de

Blackrock sitzt auf 4 Billionen Dollar: Wer regiert die Welt wirklich?. Blackrock-Chef Laurence Fink: Kein Interview für die Dokumentation (Quelle: dpa)

Blackrock-Chef Laurence Fink: Kein Interview für die Dokumentation (Quelle: dpa)

Politiker großer Staaten gelten gemeinhin als mächtig. Doch selbst US-Präsident Barack Obama sind die Hände gebunden, wenn eine Haushaltssperre in Kraft tritt und die öffentliche Verwaltung lahmlegt. Einem anderen Mann dagegen kann das eher nicht passieren: Laurence "Larry" Fink, Chef von Blackrock und Herrscher über vier Billionen Dollar - eine Zahl mit zwölf Nullen. Fink genießt darüber hinaus einen weiteren Vorteil, den Präsidenten und Kanzler nicht haben: Er kann nicht abgewählt werden und seine Firma wird auch nicht kontrolliert oder reguliert. Sein Arm reicht sogar von New York City bis in die schwäbische Provinz. Die ARD-Dokumentation "Geld regiert die Welt" hat die Macht der Finanzkonzerne beleuchtet.

Während internationale Großbanken wie Goldman Sachs, JPMorgan Chase oder auch die Deutsche Bank seit der Finanzkrise unter Beobachtung stehen, weil sie als systemrelevant für das weltweite Finanzsystem gelten, kennen Fink und Blackrock meist nur Brancheninsider, obwohl es sich um den größten Bankakteur der Welt handelt.

Geld weicht der Regulierung aus

Banken seien reguliert worden, sagt Experte Max Otte in der Doku, doch das Geld sei in Fonds und Schattenbanken abgewandert. Das sei kaum beachtet worden, deshalb wiege sich die Öffentlichkeit in trügerischer Sicherheit. "Das verstärkt den Mechanismus sogar", sagt Otte. In Deutschland sei Blackrock an fast allen Konzernen mit bis zu 10 Prozent beteiligt und stelle bei neun der 30 DAX-Konzerne sogar den größten Einzelaktionär, erwähnen die Doku-Autoren.

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Ein Interview gewährte Fink nicht. So kommen nur diejenigen zu Wort, die dem Treiben von Blackrock kritisch gegenüberstehen. "Wenn er möchte, kann sich Larry Fink überall durchsetzen", sagt etwa der ehemalige Börsenhändler Bill Cohan. Allein die Größe und der hohe Grad an Diversifizierung schütze Blackrock, sagt Cohan. Wenn mal ein Investment schief gehen sollte, sei das nicht schlimm.

Finanzinvestoren im Zwielicht

Und manche Investments gehen zumindest aus der Sicht Betroffener schief. So ist Blackrock indirekt an einer Freiburger Plattenbausiedlung beteiligt, in die schon lange nichts mehr investiert wurde und die verfällt. "Der Hausmeister darf von sich aus nichts machen, außer Lampen wechseln", sagt die Sprecherin der Mieter, Christel Hoffmann. Solange die Rendite für die Investoren stimmt, ist der Zustand der Immobilie anscheinend nebensächlich.

Auch beim Besteckhersteller WMF in Geislingen mischen seit langem Finanzinvestoren mit. Seit der Investor KKR sein Geld in das Unternehmen gesteckt hat, gehe es mit den Arbeitsbedingungen bergab. "Wenn irgendwas nicht rentabel ist, wird es abgestoßen. Und die Leute sind die Leidtragenden", sagt etwa Wolfgang Lutz, langjähriger Mitarbeiter bei WMF. 7000 Beschäftigte hatte das Unternehmen einst, jetzt sind es nur noch 1600. Die Produktion wanderte großteils nach Asien ab. Doch das gab es auch in anderen Branchen, wie etwa der Textilindustrie.

Böse - und ein bisschen ungenau

Wer vier Billionen Dollar verwaltet, hat Macht und kennt andere Mächtige: EZB-Präsident Mario Draghi, den scheidenden Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke, Lloyd Blankfein, Chef der Großbank Goldman Sachs. Außerdem telefoniere Fink regelmäßig mit US-Finanzminister Timothy Geithner. Über den Inhalt der Gespräche sei nichts bekannt, heißt es verschwörerisch im Kommentar. Doch Geithner ist seit Februar 2013 gar nicht mehr im Amt. Minister ist jetzt Jack Lew. Ein schwerer Lapsus für eine Erstausstrahlung 2014.

Und schließlich müssen noch Investments in Waffenhersteller und in der Gentechnik-Industrie als Beweis dafür herhalten, wie böse Blackrock eigentlich ist. Dabei handelt es sich um einen Vermögensverwalter, die vier Billionen Dollar sind keineswegs eigenes Geld, erst recht nicht das von Larry Fink. Anscheinend kann Blackrock nichts richtig machen, außer Geld zu verdienen. Das muss deutschen Fernsehzuschauern verdächtig vorkommen - bevor sie sich dann wieder über die niedrigen Sparzinsen grämen. Aber da weiß auch niemand, an welche Firmen die Bank das Geld weiterverleiht.

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