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Geb├╝hren und technische H├╝rden bremsen Instant Payments

Von dpa
Aktualisiert am 03.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Seit November 2017 k├Ânnen Kunden der Hypovereinsbank ├╝ber das Online-Banking ├ťberweisungen in Echtzeit in Auftrag geben.
Seit November 2017 k├Ânnen Kunden der Hypovereinsbank ├╝ber das Online-Banking ├ťberweisungen in Echtzeit in Auftrag geben. Mitte 2018 zogen die Sparkassen und andere Banken nach. Dennoch sind in Deutschland Instant Payments eher die Ausnahme. (Quelle: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa./dpa)
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Frankfurt (dpa) - Zeit ist Geld - dennoch sind in Deutschland Echtzeitzahlungen nach wie vor die Ausnahme. "Instant Payment ist aus unserer Sicht noch nicht im Alltag der Menschen angekommen.

Es wird von Banken eher als Nischenprodukt platziert und ist daher noch weit entfernt vom politischen Willen und den Anforderungen des Handels als "New Normal" zu gelten", bilanzierte Ulrich Binneb├Â├čel, Zahlungsverkehrsexperte beim Handelsverband Deutschland (HDE).

Seit November 2017 sind in Europa ├ťberweisungen von Konto zu Konto binnen Sekunden technisch m├Âglich. DieEU-Kommissionhatte das Ziel ausgegeben, sogenannte Instant Payments bis Ende 2021 in der ganzen Europ├Ąischen Union zum Standard zu machen.

Zahlung in Sekundenschnelle

Unter Instant Payments versteht man Zahlungen von Konto zu Konto, die rund um die Uhr in Sekundenschnelle abgewickelt werden. Bei solchenEchtzeitzahlungenkann der Empf├Ąnger sofort nach Absenden der Zahlung ├╝ber den erhaltenen Betrag verf├╝gen. Wer zum Beispiel sein altes Auto privat verkauft, muss bei anderen Verfahren zumindest das Risiko einkalkulieren, dass der K├Ąufer nicht zahlt. Wird ein solches Gesch├Ąft per Echtzeitzahlung abgewickelt, kann der Verk├Ąufer direkt kontrollieren, ob das Geld auf seinem Konto angekommen ist.

In Europa sind seit dem 21. November 2017 die "SCT Inst" genannten schnellen ├ťberweisungen m├Âglich. Noch am selben Tag testete die zum italienischen Unicredit-Konzern geh├Ârende Hypovereinsbank (HVB) das System, seit dem 27. November 2017 k├Ânnen HVB-Kunden ├╝ber das Online-Banking ├ťberweisungen in Echtzeit in Auftrag geben. Mitte Juli 2018 zogen dieSparkassennach, auch Deutsche Bank und Commerzbank sowie diverse Genossenschaftsbanken bieten den Service an.

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Kartenzahlungen weiterhin nicht m├Âglich
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Nicht immer sinnvoll

Nach Einsch├Ątzung der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) haben sich "Echtzeit-├ťberweisungen als ein neuer Standard neben der herk├Âmmlichen ├ťberweisung etabliert". Dennoch sei "der Wechsel auf Echtzeit-├ťberweisungen (...) nicht f├╝r alle Anwendungsf├Ąlle f├╝r Kunden sinnvoll", teilte der Dachverband der f├╝nf gro├čen Bankenverb├Ąnde in Deutschland mit. "Kunden unterscheiden bedarfsorientiert sehr klar, f├╝r welche Transaktionen sie welches ├ťberweisungsverfahren nutzen."

Kostenpflichtiges Angebot wird nur in Ausnahmef├Ąllen genutzt

Aus der Branche ist zu h├Âren: Die meisten Privatkunden greifen nur in Ausnahmef├Ąllen auf die meist kostenpflichtige Echzeit├╝berweisung zur├╝ck. F├╝r Unternehmen sind zwar inzwischen Sammel├╝berweisungen per Instant Payment technisch m├Âglich, allerdings m├╝ssen die IT-Systeme der Unternehmen entsprechend aufger├╝stet werden, um zum Beispiel Gehaltsabrechnungen f├╝r die Belegschaft auf diesem Weg abzuwickeln.

"Die Nutzung von Instant Payments erfordert umfassende Anpassungen in den Systemen von Banken und Nutzern", erl├Ąuterte Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz Ende Oktober. "Zudem werden Instant Payments in Deutschland meist noch als teures Premiumprodukt bepreist. Dementsprechend stellt sich dann die Frage, ob die entsprechenden Kosten den m├Âglichen Mehrwert aufwiegen."

Bei der Hypovereinsbank wird nach Angaben eines Sprechers inzwischen gut jede zehnte ├ťberweisung in Echtzeit ausgef├╝hrt. Die Nutzung sei nochmal stark angestiegen "seitdem Echtzeitzahlungen auch per App m├Âglich sind und weitere Institute als Empf├Ąnger hinzukamen", teilte der HVB-Sprecher mit.

Technische H├╝rden und zu hohe Geb├╝hren

Beim Hamburger Handels- und DienstleistungskonzernOttogehen derzeit zehn Prozent aller Zahlungen von Kundinnen und Kunden als Instant Payments ein. Das liege "ziemlich genau auf Marktniveau", teilte ein Otto-Sprecher mit. "H├╝rden f├╝r eine sich schneller oder breiter entwickelnde Nutzung von Instant Payment erkennen wir beispielsweise in dem Umstand, dass viele Banken f├╝r diese noch separate Geb├╝hren erheben. Diese sollten unserer Meinung nach jedoch nicht anders bepreist werden als klassische ├ťberweisungen."

Dazu komme: Das Netz der Anbieter f├╝r das sekundenschnelle Bezahlverfahren sei noch l├╝ckenhaft. "Die Abdeckung in Deutschland sowie Westeuropa ist zwar schon ganz gut, aber in Nord- sowie Ost-Europa deutlich ausbaubar", fasste der Otto-Sprecher zusammen.

Der Europ├Ąische Zahlungsverkehrsausschuss (European Payments Council) listete Anfang Dezember 2322 Zahlungsdienstleister aus 24 L├Ąndern des sogenannten Sepa-Raums auf, die Instant Payments anbieten. Das seien 60 Prozent der Zahlungsdienstleister in Europa. In Deutschland nehmen nach DK-Angaben mehr als 1200 Banken und Sparkassen am EU-weiten Verfahren f├╝r Echtzeit-├ťberweisungen teil. "Mit der durchg├Ąngigen Verbreitung der Echtzeit-├ťberweisung geh├Ârt die deutsche Kreditwirtschaft zur Spitzengruppe in Europa", teilte die DK mit.

Im ZahlungsverkehrsraumSepa("Single Euro Payments Area") sollen ├ťberweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen grenz├╝berschreitend standardisiert und so beschleunigt werden. Dieser einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum umfasst die 27 EU-Staaten sowie au├čerdem: Island, Liechtenstein, Norwegen, die Schweiz, Monaco, San Marino, Andorra, den Staat Vatikanstadt und das Vereinigte K├Ânigreich.

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