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Wie Bitcoins f√ľr schmutzige Gesch√§fte genutzt werden

  • Tim Blumenstein
Von Tim Blumenstein

23.02.2021Lesedauer: 5 Min.
Kryptow√§hrung Bitcoin (Symbolbild): Sind die digitalen M√ľnzen nur ein Werkzeug f√ľr Kriminelle?
Kryptow√§hrung Bitcoin (Symbolbild): Sind die digitalen M√ľnzen nur ein Werkzeug f√ľr Kriminelle? (Quelle: agefotostock/imago-images-bilder)
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Der Bitcoin hat mittlerweile den Weg in den Mainstream gefunden. Doch trotz des Hypes haftet der Kryptow√§hrung ein schmutziges Image an. Sind Bitcoins nur ein Werkzeug f√ľr Kriminelle?

Drogen, Waffen, Geldwäsche: Es gibt viele Verbrechen, bei denen Bitcoins eine zentrale Rolle spielen. Auf der Darknetplattform "Silk Road" beispielsweise wurden jahrelang illegale Waren im großen Stil gegen Bitcoin gehandelt, ehe sie zerschlagen wurde. Auch nach echten oder vorgetäuschten Hackerangriffen verlangen die Angreifer oft Bitcoinzahlungen als Lösegeld.

Solche F√§lle nagen am Image der Kryptow√§hrung, die sp√§testens 2020 zum beliebten Spekulationsobjekt f√ľr professionelle und private Anleger geworden ist. Selbst angesehene Gesch√§ftsleute lassen sich von dem Hype mitrei√üen. Doch reicht das, um der Kryptow√§hrung einen seri√∂sen Anstrich so verleihen? Oder bleibt sie ein Zahlungsmittel unter Kriminellen, von dem man besser die Finger l√§sst?

Nicht so anonym, wie viele glauben

Zun√§chst einmal muss man nat√ľrlich sagen, dass auch "echtes Geld" f√ľr kriminelle Machenschaften verwendet wird ‚Äď ohne, dass dies hinterfragt wird oder Zweifel am Wert des Zahlungsmittels weckt. Kryptogeld bietet allerdings gewisse Vorteile f√ľr technikaffine Kriminelle. Das liegt vor allem an der grunds√§tzlichen Anonymit√§t und der dezentralen Struktur der zugrundeliegenden Technologie, der sogenannten Blockchain.

Anders als Fiatw√§hrungen k√∂nnen Kryptow√§hrungen von jedem, √ľberall und jederzeit gesendet und empfangen werden. Will man Bitcoins von A nach B √ľberweisen, m√ľssen weder der eigene Name noch andere Informationen angeben werden. Kriminelle k√∂nnen dadurch weitgehend problemlos Gelder an jede Instanz auf der Welt √ľberweisen, ohne dabei ihre Identit√§t preiszugeben. F√ľr Ermittlungsbeh√∂rden ist es schwer, diese Geldfl√ľsse konkreten Personen zuzuordnen.

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Doch so anonym wie viele Menschen denken, sind Bitcoins und andere Kryptow√§hrungen l√§ngst nicht. Durch die transparente Architektur der Blockchain lassen sich Transaktionen zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Die Blockchain funktioniert wie ein √∂ffentliches Register, in dem jeder einsehen kann, von welcher Adresse wann eine bestimmte Summe an eine andere Adresse √ľberwiesen wurde. Mit diesen Informationen ist es m√∂glich, Zahlungsmuster zu identifizieren und R√ľckschl√ľsse auf m√∂gliche kriminelle Machenschaften zu ziehen.

Das Problem mit der Geldwäsche

Diese Transparenz stellt f√ľr alle, die Kryptow√§hrungen auf illegale Weise erworben haben, irgendwann ein Problem dar. Denn sp√§testens wenn Kriminelle Bitcoins in regul√§re Fiatw√§hrungen umtauschen wollen, stehen sie vor dem Problem, die Herkunft ihrer Gelder verschleiern zu m√ľssen. Und das kann unter Umst√§nden komplizierter sein und l√§nger dauern, als man erwarten w√ľrde.

"Gelder aus illegalen Aktivit√§ten bleiben h√§ufig so lange unangetastet, bis ein effektiver Weg gefunden wird, um sie auszahlen zu k√∂nnen", sagte etwa Tom Robinson, Gr√ľnder der Krypto-Analysefirma Elliptic, bereits vor drei Jahren dem Portal "Vice News". Gauner laufen also Gefahr, von Strafverfolgern entdeckt zu werden, sobald sie versuchen, ihren Reichtum in die "echte" Welt zu tragen. W√ľrden sie stattdessen mit Bargeld oder Gold handeln, w√§re die Gefahr entdeckt zu werden kleiner.

Gangster nutzen seltener Bitcoin

Dass Geldw√§sche bei Kryptow√§hrungen weniger verbreitet sein k√∂nnte als angenommen, legen aktuelle Zahlen des sogenannten "Crypto Crime Report" der Analysefirma Chainanalysis nahe, die vor allem Strafbeh√∂rden, Finanzinstituten oder Versicherungen bei der Analyse von Kryptotransaktionen unterst√ľtzt. Dem Report zufolge ist der Anteil von Transaktionen mit kriminellem Hintergrund am gesamten Transaktionsvolumen aller Kryptow√§hrungen im vergangenen Jahr gesunken ‚Äď auf gerade einmal 0,34 Prozent, was umgerechnet in etwa zehn Milliarden US-Dollar entspricht. Ein Jahr zuvor lag der Wert noch bei 2,1 Prozent.

Au√üerdem haben die Analysten errechnet, dass sich √ľber die H√§lfte der illegalen Transaktionen gerade einmal 270 Adressen zuordnen l√§sst. Diese Konzentration auf wenige Akteure ist den Experten zufolge auch auf die Professionalisierung der Kryptobranche zur√ľckzuf√ľhren. Denn Bitcoins sind mittlerweile als g√§ngiges Spekulationsobjekt etabliert. Auch gro√üe Firmen wie Paypal oder Tesla setzen auf die Kryptow√§hrung. Deswegen wollen immer weniger Bitcoin-Handelspl√§tze etwas mit kriminellen Gesch√§ften zu tun haben, vermuteten die Experten. Kriminelle k√∂nnen entsprechend nur noch auf weniger Anbieter zur√ľckgreifen, um Bitcoins zu waschen. Dadurch w√§chst die Gefahr, von Strafverfolgern entdeckt zu werden.

Ob diese Zahlen aber wirklich der Realität entsprechen, ist fraglich. Zum Vergleich: Einer Schätzung des "Review of Financial Studies" aus dem Jahr 2019 zufolge hatten mit 46 Prozent fast die Hälfte aller Transaktionen einen widerrechtlichen Hintergrund. Die weltweit schwachen Regulierungen und die vielen Schlupflöcher machen es schwer, genaue Daten zu erheben. Wie tief Bitcoin und Co. tatsächlich im kriminellen Sumpf stecken, weiß also niemand genau.

Die Beute bleibt unangetastet

Generell ist es seit jeher ein Problem, gro√üe Mengen Kryptow√§hrung in echtes Geld einzutauschen ‚Äď egal ob kriminell erbeutet oder legal verdient. Denn Bitcoins einfach auf ein Bankkonto √ľberwiesen, ist nicht m√∂glich. Zwar gibt es Geldautomaten, die Kryptow√§hrungen als Bargeld auszahlen, doch ist die t√§gliche Auszahlsumme gedeckelt. Gr√∂√üere Summen Kryptogeld k√∂nnen auf Tauschb√∂rsen wie Coinbase mit Sitz in den USA umgetauscht werden. Doch auch dort sind die t√§glichen Auszahlungen begrenzt. Zudem verlangen viele Tauschb√∂rsen einen Identit√§tsnachweis ihrer Kunden.

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Wer als Krimineller also Hunderttausende oder sogar Millionenbetr√§ge umtauschen will, m√ľsste erstens Geduld mitbringen und zweitens hoffen, dass die regelm√§√üigen Auszahlungen nicht die Finanzbeh√∂rden alarmieren. Denn solche Transaktionen k√∂nnen ein Hinweis auf Geldw√§sche sein. Wegen dieser H√ľrden wird vermutet, dass ein Gro√üteil illegal erworbener Bitcoins √ľber unseri√∂se B√∂rsen oder in L√§ndern mit schw√§cheren Regularien eingetauscht wird. Allerdings fallen bei diesen B√∂rsen zum Teil hohe Geb√ľhren an, zudem werden sie oft selbst Ziel von Hackerangriffen. Au√üerdem kommt es nicht selten vor, dass die Betreiber solcher Plattformen selbst kriminell sind.

Weltweite Regulierung gefordert

Bis heute sind Bitcoins schwach reglementiert. Um illegale Gesch√§fte mit Bitcoins und Geldw√§sche zu unterbinden, werden daher schon l√§nger strengere Regeln gefordert. Erst im September legte die EU-Kommission einen Vorschlag daf√ľr vor. Auch die Chefin der Europ√§ischen Zentralbank, Christine Lagarde, forderte zuletzt eine weltweit einheitliche Regulierung. "Denn wenn es ein Schlupfloch gibt, wird dieses Schlupfloch genutzt", so Lagarde in einem Interview auf dem Onlineforum "Reuters Next".

Zwar gibt es in der Europ√§ischen Union, Gro√übritannien oder den USA bereits strengere Regeln, um etwa Geldw√§sche mit Kryptow√§hrungen zu verhindern, doch k√∂nnen Kriminelle weiterhin ‚Äď √§hnlich wie bei Steueroasen ‚Äď dorthin ausweichen, wo es schwache oder keine Regeln gibt. Eine M√∂glichkeit sinnvoller Regulierung sehen Experten deshalb darin, dass der Umtausch von Kryptow√§hrungen in regul√§res Geld nicht mehr anonym stattfinden kann. W√ľrde der Tausch stattdessen √ľber eine regulierte Bank oder B√∂rse abgewickelt, w√§ren die Zahlungsstr√∂me wieder nachvollziehbar. Ein Verbot, wie es auch innerhalb der EU diskutiert wird, halten manche Beobachter allerdings f√ľr wenig sinnvoll. Dies w√ľrde ebenfalls zu Ausweichbewegungen f√ľhren.

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Von Nele Behrens
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