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Ehegattensplitting: Wirtschaftsweise fordert Aus von zwei Steuerklassen


Umstrittenes Ehegattensplitting  

Wirtschaftsweise fordert Abschaffung von zwei Steuerklassen

14.11.2021, 15:28 Uhr | cho, t-online

Ehegattensplitting: Wirtschaftsweise fordert Aus von zwei Steuerklassen. Eine Frau macht ihre Steuererklärung (Symbolbild): Wegen des Splittingtarifs lohnt es sich für viele Frauen nicht, Vollzeit zu arbeiten. (Quelle: dpa/tmn/Benjamin Nolte)

Eine Frau macht ihre Steuererklärung (Symbolbild): Wegen des Splittingtarifs lohnt es sich für viele Frauen nicht, Vollzeit zu arbeiten. (Quelle: Benjamin Nolte/dpa/tmn)

Im Kampf um mehr finanzielle Gleichberechtigung ist das Ehegattensplitting vielen ein Dorn im Auge. Auch die Ökonomin Monika Schnitzer spricht sich für eine Reform aus – und für das Ende zweier Steuerklassen.

Wer verheiratet oder verpartnert ist, kann unter Umständen von einem Steuervorteil profitieren: dem sogenannten Ehegattensplitting. Doch das Verfahren ist umstritten, Kritiker fordern eine Abschaffung. Auch die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer sieht Reformbedarf.

"Durch das Ehegattensplitting haben viele Frauen keinen Anreiz, Vollzeit zu arbeiten", sagte Schnitzer den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Die Steuerklassen 5 und 3 sollten abgeschafft und stattdessen nach Steuerklasse 4 besteuert werden."

Monika Schnitzer: Die Wirtschaftsprofessorin und Innovationsexpertin der Ludwig-Maximilians-Universität gehört zum Kreis der Wirtschaftsweisen. (Quelle: privat)Monika Schnitzer: Die Wirtschaftsprofessorin und Innovationsexpertin der Ludwig-Maximilians-Universität gehört zum Kreis der Wirtschaftsweisen. (Quelle: privat)

Ein komplettes Aus des Splittingstarifs sei hingegen aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht möglich. Die derzeitige Regelung könne aber zu Altersarmut führen, warnte Schnitzer. Die Ökonomin ist Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, besser bekannt als Wirtschaftsweise.

Darum ist das Ehegattensplitting so umstritten

Das Ehegattensplitting bringt einen umso höheren Steuervorteil, je stärker die Einkommen der Partner auseinanderklaffen. Das Finanzamt berechnet die Steuer so, als würden beide dasselbe verdienen. 

Der Ehe- oder Lebenspartner, der wesentlich mehr verdient, wird dabei in die Steuerklasse 3 eingestuft, der Zweitverdiener in die Steuerklasse 5. Liegen die Einkommen nicht weit auseinander, können beide Partner auch jeweils die Steuerklasse 4 wählen. Lesen Sie hier mehr dazu, wie Sie mit dem Ehegattensplitting Steuern sparen.

Umstritten ist das Ehegattensplitting vor allem, weil es sich negativ auf die wirtschaftliche Selbstständigkeit von Frauen auswirkt. Denn oft sind es noch immer sie, die weniger oder gar nicht arbeiten. Damit läuft der Splittingtarif Gefahr, die sogenannte Versorgerehe weiter zu stützen. Bei einer Trennung erhöht sich damit auch das finanzielle Risiko der Frau.

"Weil man weniger in die Rentenkasse eingezahlt hat, rutscht man leichter in die Altersarmut ab", sagte Schnitzer der Funke Mediengruppe. Frauen müssten stärker in den Arbeitsmarkt eingebunden werden, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Kritiker: Ehegattensplitting diskriminiert Unverheiratete

Außerdem bemängeln Kritiker, dass das Ehegattensplitting Steuerzahler ausschließe, die in eheähnlichen Gemeinschaften leben und es kein adäquates Mittel der Familienförderung sei, da auch Kinderlose profitieren.

Dem entgegnen Befürworter, dass diese Form der staatlichen Steuerförderung Eheleuten und eingetragenen Lebenspartnern mit Kindern dazu dient, sich gegenseitig abzusichern. Vor allem bei Menschen mit niedrigen Einkommen verhindere die gemeinsame Veranlagung, dass sie in Arbeitslosengeld II, kurz Hartz IV, abrutschten.

Verwendete Quellen:

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