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Für diesen Beitrag haben wir alle relevanten Fakten sorgfältig recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Was die Unterbringung in einem Pflegeheim kostet

  • Christine Holthoff
Von Sabrina Manthey, Christine Holthoff

Aktualisiert am 08.01.2022Lesedauer: 6 Min.
Versorgung einer Pflegebedürftigen: Der Anteil, den Ältere für ihre Pflege aufbringen müssen, unterscheidet sich je nach Bundesland und Pflegeeinrichtung.
Versorgung einer Pflegebedürftigen: Der Anteil, den Ältere für ihre Pflege aufbringen müssen, unterscheidet sich je nach Bundesland und Pflegeeinrichtung. (Quelle: alvarez/getty-images-bilder)
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Die Kosten für ein Pflegeheim übersteigen die Leistungen durch die Pflegekasse um ein Vielfaches. Für den Rest müssen die Pflegebedürftigen oder deren Angehörige aufkommen. Wir zeigen, wie viel das ist.

Das Wichtigste im Überblick


Pflegebedürftigkeit ist in Deutschland für viele eine finanzielle Belastung. Denn anders als bei der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es von der Pflegeversicherung nur einen Zuschuss zu den Pflegekosten. Alles, was darüber hinaus geht, muss von den Pflegebedürftigen selbst oder von ihren Angehörigen getragen werden. Und diese Kosten sind nicht unerheblich.

Zuletzt mussten Pflegebedürftige für die Unterbringung in Pflegeheimen im Bundesdurchschnitt einen Eigenanteil von knapp 2.125 Euro pro Monat zahlen, wie aus Daten des Verbandes der Ersatzkassen (Stand: 1. Juli 2021) hervorgeht. Ist das nicht möglich, muss die Sozialhilfe einspringen. Wir zeigen, wie hoch der Eigenanteil bei den Kosten fürs Pflegeheim ist und was Angehörige zahlen müssen.

Was zahlt die Pflegeversicherung je Pflegegrad?

Gesetzlich oder privat Pflegeversicherte haben Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung. Diese richten sich nach dem Pflegegrad und werden unabhängig vom Vermögensstand gewährt. Je höher der Pflegegrad, desto höher sind die Leistungen der Pflegekasse.

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Die Pflegekassen übernehmen die Kosten für die Pflege bis zu einem Betrag in Höhe von:

Pflegegrad Leistung Pflegekasse
Pflegegrad 1 125 Euro
Pflegegrad 2 770 Euro
Pflegegrad 3 1.262 Euro
Pflegegrad 4 1.775 Euro
Pflegegrad 5 2.005 Euro
Seniorin mit Pflegerin im Park: Erhöht sich der Pflegegrad, muss der Pflegebedürftige nicht mit einem höheren Eigenanteil an den direkten Pflegekosten rechnen.
Seniorin mit Pflegerin im Park: Erhöht sich der Pflegegrad, muss der Pflegebedürftige nicht mit einem höheren Eigenanteil an den direkten Pflegekosten rechnen. (Quelle: FredFroese/getty-images-bilder)

Wie hoch ist der Eigenanteil an den Pflegekosten?

Die tatsächlichen Pflegekosten sind in der Regel höher als der Zuschuss der Pflegekassen. Den Differenzbetrag müssen die Pflegebedürftigen oder deren Angehörige selbst tragen – auch Eigenanteil genannt.

Seit Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetzes II am 1. Januar 2017 gilt für die Pflegegrade 2 bis 5 ein einrichtungseinheitlicher pflegebedingter Eigenanteil. Damit werden die Pflegebedürftigen finanziell nicht schlechter gestellt, wenn sie in einen höheren Pflegegrad wechseln. Nur der Eigenanteil für den Pflegegrad 1 liegt höher. Der Grund: Menschen mit diesem Pflegegrad sollten vorrangig zu Hause bzw. ambulant gepflegt werden.

Einrichtungseinheitlicher Eigenanteil: Der pflegebedingte Eigenanteil ist innerhalb einer Einrichtung jeweils für die Pflegegrade 2 bis 5 gleich. Zwischen einzelnen Pflegeeinrichtungen kann es jedoch große Unterschiede geben.

Der Eigenanteil, den Patienten in einem Pflegeheim allein für die Pflegekosten zahlen müssen, betrug zuletzt nach Angaben des Verbands der Ersatzkassen VDEK im Bundesdurchschnitt 873 Euro pro Person (Stand: 1. Juli 2021). Hinzu kommen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung, Investitionskosten, eine Ausbildungsumlage und Kosten für Zusatzleistungen. Die sich daraus ergebenen Pflegeheimkosten variieren ebenfalls je Einrichtung (siehe unten).

Über die Höhe der Pflegekosten und den Eigenanteil verhandeln die Pflegekassen mit jedem einzelnen Anbieter im jeweiligen Bundesland. Aus diesem Grund kann es zu großen Unterschieden kommen, wie die folgende Auflistung des durchschnittlichen Eigenanteils an den Pflegekosten zeigt (Quelle: VDEK, 1. Juli 2021):

  • Thüringen: 615 Euro
  • Sachsen: 757 Euro
  • Schleswig-Holstein: 645 Euro
  • Sachsen-Anhalt: 641 Euro
  • Niedersachsen: 675 Euro
  • Mecklenburg-Vorpommern: 724 Euro
  • Bremen: 742 Euro
  • Hamburg: 775 Euro
  • Brandenburg: 850 Euro
  • Hessen: 847 Euro
  • Rheinland-Pfalz: 885 Euro
  • Nordrhein-Westfalen: 879 Euro
  • Saarland: 1.024 Euro
  • Bayern: 1.025 Euro
  • Berlin: 1.066 Euro
  • Baden-Württemberg: 1.167 Euro

Gut zu wissen: Seit dem 1. Januar 2022 gibt es neben den Zahlungen der Pflegekasse einen neuen Zuschlag, der mit der Pflegedauer steigt. Der Eigenanteil für die reine Pflege soll so im ersten Jahr im Heim um 5 Prozent sinken, im zweiten um 25 Prozent, im dritten um 45 Prozent und ab dem vierten Jahr um 70 Prozent.

Wie hoch ist der einrichtungsabhängige Anteil?

Ein Platz im Pflegeheim kostet im Bundesdurchschnitt knapp 2.125 Euro pro Monat. Zum oben aufgeführten Eigenanteil summieren sich somit die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten, eine länderspezifische Ausbildungsumlage und sonstige individuelle Zusatzleistungen. Aufgrund der großen Unterschiede dieser Posten lohnt ein Vergleich verschiedener Pflegeheime und Standorte.

Wichtig: Pflegebedürftige müssen die Kosten für die Unterkunft, Verpflegung und für sogenannte Investitionskosten selbst tragen.

Unterschiede der Gesamtkosten an der stationären Pflege je Bundesland (Quelle: VDEK, 1. Juli 2021):

  • Sachsen-Anhalt: 1.539 Euro
  • Mecklenburg-Vorpommern: 1.685 Euro
  • Thüringen: 1.724 Euro
  • Sachsen: 1.765 Euro
  • Niedersachsen: 1.807 Euro
  • Brandenburg: 1.817 Euro
  • Schleswig-Holstein: 1.913 Euro
  • Hessen: 2.077 Euro
  • Bremen: 2.080 Euro
  • Berlin: 2.093 Euro
  • Bayern: 2.126 Euro
  • Hamburg: 2.143 Euro
  • Rheinland-Pfalz: 2.257 Euro
  • Saarland: 2.455 Euro
  • Baden-Württemberg: 2.463 Euro
  • Nordrhein-Westfalen: 2.496 Euro

Pflegewohngeld: Reichen Einkommen und Vermögen des Pflegebedürftigen oder der Angehörigen nicht aus, den Eigenanteil an den Investitionskosten zu decken, kann in einigen Bundesländern Pflegewohngeld beantragt werden. Der Antrag muss jährlich neu gestellt werden. Das Geld fließt an die Einrichtung.

Angehörige umsorgt ältere Frau: Können die Pflegebedürftigen den Eigenanteil an der Pflege und Unterbringung nicht selbst aufbringen, müssen die Angehörigen einspringen.
Angehörige umsorgt ältere Frau: Können die Pflegebedürftigen den Eigenanteil an der Pflege und Unterbringung nicht selbst aufbringen, müssen die Angehörigen einspringen. (Quelle: PeopleImages/getty-images-bilder)

Wie berechne ich den Eigenanteil?

Die Kosten für einen Pflegeheimplatz ergeben sich aus dem sogenannten Pflegesatz, den Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie den Investitionskosten. Hinzu kommen eventuell Ausgaben für ein Einzelzimmer oder andere Komfortleistungen. Der Pflegesatz setzt sich zusammen aus dem geleisteten Pflegeaufwand, der medizinischen Behandlungspflege und der sozialen Betreuung. Er steigt mit höherem Pflegegrad, ebenso steigt aber auch die Pauschale, die die Pflegekasse direkt an das Altersheim zahlt.

Nehmen wir an, Sie sind pflegebedürftig mit Pflegegrad 3, benötigen Hilfe bei der Körperpflege, ihre Beweglichkeit muss gefördert werden und Sie sind in einem Einzelzimmer untergebracht. Ihr möglicher Eigenanteil könnte dann wie folgt aussehen:

  • Kosten für die Pflege: 1.884,21 Euro
  • Kosten für Unterkunft und Verpflegung: 710,31 Euro
  • Investitionskosten: 311,20 Euro
  • Einzelzimmerzuschlag: 228,76 Euro
  • Gesamtkosten pro Monat: 3.134,48 Euro
  • Erstattung durch die Pflegekasse: 1.262,00 Euro
  • Eigenanteil pro Monat: 1.872,48 Euro

Wie hoch ist das Schonvermögen der Pflegebedürftigen?

Dem Pflegebedürftigen und seinem Ehe- oder Lebenspartner steht ein Schonvermögen in Höhe von jeweils 5.000 Euro zu. Eine angemessene Immobilie, die sich im Besitz des Pflegebedürftigen befindet und vom Ehe- oder Lebenspartner bewohnt wird, zählt ebenfalls zum Schonvermögen (siehe: § 1 – Verordnung zur Durchführung des § 90 Abs. 2 Nr. 9 des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch).

Wie hoch ist der Selbstbehalt der Angehörigen?

Reichen Einkommen und Vermögen der Pflegebedürftigen nicht, um die Pflege- und Heimkosten zu bezahlen, müssen die Angehörigen einstehen. Zuerst der Ehe- und Lebenspartner und dann die Kinder. Dies sollte jedoch zu keiner erheblichen Absenkung des Lebensstandards der Angehörigen führen. Aus diesem Grund wird auch ihnen ein Selbstbehalt beim Einkommen und Vermögen zugestanden.

Wichtig: Die Verpflichtung gilt nur für Verwandte ersten Grades. Das heißt: Niemand muss für seine Schwiegereltern aufkommen.

Seit Januar 2020 müssen sich die Kinder erst an den Pflegekosten beteiligen, wenn sie mehr als 100.000 Euro brutto im Jahr verdienen. Das regelt das Angehörigen-Entlastungsgesetz. Neben dem Arbeitseinkommen werden zum Brutto-Jahreseinkommen auch Einnahmen aus Vermietung, Verpachtung oder Wertpapierhandel hinzugerechnet. Vermögen – zum Beispiel durch Immobilienbesitz – wird bei der 100.000-Euro-Grenze aber nicht berücksichtigt.

Wer über der Grenze liegt, ist unterhaltspflichtig. Der Selbstbehalt beläuft sich dann auf 2.000 Euro des bereinigten Nettoeinkommens. Jeder Cent darüber wird zu 50 Prozent für die Pflege- und Heimkosten der Eltern herangezogen. Verheiratete oder verpartnerte Kinder können zusätzlich 1.600 Euro des Partners hinzurechnen, macht insgesamt einen monatlichen Schonbetrag in Höhe von 3.600 Euro. Leben unterhaltspflichtige Kinder im Haushalt, kommen weitere Freibeträge hinzu.

Eine von den unterhaltspflichtigen Kindern selbst bewohnte und angemessene Immobilie muss nicht veräußert werden. Allerdings wird eine ortsübliche Miete als fiktives Einkommen dem monatlichen Einkommen hinzugerechnet. Übrigens: Immobilienbesitzer können Rücklagen für die Sanierung einer selbst genutzten Wohnung oder eines Hauses beim Selbstbehalt anrechnen.

Zudem muss auch ein Fonds- oder Sparvermögen der Unterhaltspflichtigen nicht aufgelöst werden. Dies kann als Rücklage für die eigene Altersabsicherung geltend gemacht werden. In der Regel werden beim Schonvermögen fünf Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter gerechnet zuzüglich einer Verzinsung von vier Prozent (siehe: Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 30.08.2006 – XII ZR 98/04).

Was tun, wenn der Antrag auf Pflegeleistung abgelehnt wird?

Gegen einen abgelehnten Antrag auf Pflegeleistungen sollte Widerspruch eingelegt werden. Die Frist dafür beträgt einen Monat. Um diese zu wahren, reicht zunächst ein kurzes und formloses Schreiben. Darin sollte der Pflegebedürftige oder sein Vertreter den Widerspruch erklären. Das Schreiben sollte möglichst gefaxt, per Einschreiben verschickt oder persönlich gegen eine Empfangsbestätigung bei der Pflegekasse abgeben werden.

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Für die ausführliche Begründung können sich die Angehören dann mehr Zeit nehmen. Dazu sollte das Gutachten zum Bescheid angefordert und geprüft werden. Je konkreter diesem nun widersprochen wird, desto höher die Chancen, dass die Pflegekasse den Antrag entweder erneut prüft oder den Pflegegrad doch genehmigt.

Wie kann ich Pflegeheimkosten steuerlich absetzen?

Außergewöhnliche Belastung für Pflegebedürftige

Die Kosten für die krankheitsbedingte Unterbringung in einem Alten- und Pflegeheim können in der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden. Wird jedoch für die Unterbringung der private Haushalt aufgelöst, können die Ausgaben nicht in voller Höhe berücksichtigt werden. Das bedeutet: Es können nur die Kosten geltend gemacht werden, die die üblichen Kosten für einen eigenen Haushalt übersteigen.

Das Finanzamt zieht dann eine sogenannte Haushaltsersparnis von den Kosten ab, die sich am Grundfreibetrag und somit am Existenzminimum orientiert. Dabei gilt: Sind beide Ehegatten in einem Alten- und Pflegeheim untergebracht, ist für jeden dieser Ehegatten eine Haushaltsersparnis steuerlich anzurechnen (Bundesfinanzhof BFH Az.: VI R 22/16).

Haushaltsnahe Dienstleistung für Kinder

Kinder, die für ihre Eltern Pflege- und Betreuungskosten übernehmen, können diese Aufwendungen in ihrer Einkommensteuererklärung als haushaltsnahe Dienstleistung geltend machen. Dabei gibt es eine wesentliche Voraussetzung: Der Angehörige muss im Seniorenheim einen eigenen Haushalt führen. Dazu müsse nach Ansicht der Finanzverwaltung auch eine eigene Küche vorliegen. Ob eine Etagenküche in einem Seniorenheim dafür ausreichend ist, wird derzeit vom Bundesfinanzhof geklärt (Bundesfinanzhof, Az.: VI R 19/17).

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